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Die globale Krypto-Adoption nach den Onchain-Daten von Chainalysis

Ein Spielball der hohen Interessen: Die Erde. Bild von Tom Woodward via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Chainalysis veröffentlicht einen Bericht zur globalen „Krypto-Adoption.“ Wir stellen einige der wichtigsten Erkenntnisse aus der Analyse vor, die vielleicht besser als jede andere aufzeigt, wo Krypto im Jahr 2022 steht.

Ich liebe den jährlichen Chainalysis Bericht zum Stand der globalen „Krypto-Adoption“. Der Blockchain-Analyst teilt dafür die Welt in acht Regionen ein und ermittelt aufgrund der hauseigenen Onchain-Analysen, wie es in den jeweiligen Regionen um die Adoption bestellt ist.

Der Bericht ist als Ganzes lesenswert. Er ist eine Fundgrube von Einsichten in die globale Krypto-Landschaft und basiert auf einem beispiellosen Datenschatz. Hier werde ich lediglich einige Highlights vorstellen.

1.) Entwicklungs- und Schwellenländer führen den Index der Grassroots-Adoption – doch Europa ist weiterhin der Top-Standort

Chainalysis wertet Onchain-Transaktionsdaten aus und erstellt daraus einen Index der Grassroots-Adoption. Dafür gleicht der Analyst vor allem Handelsdaten mit der durchschnittlichen Kaufkraft in der Region ab.

Die höchsten Punkte in diesem Index gehen an Entwicklungs- und Schwellenländer. Vietnam ist auf dem ersten, die Philippinen auf dem zweiten, die Ukraine auf dem dritten und Indien auf dem vierten Platz. Erst danach kommt die USA auf dem fünften Platz; europäische Länder treten erst auf Platz 17 mit Großbritannien und Platz 21 mit Deutschland auf.

Am stärksten wächst die Adoption im Mittleren Osten und Nordafrika – vor allem in der Türkei und im Libanon – und am schwächsten in Ostasien, was vor allem am Krypto-Verbot in China liegt.

Auch wenn die Länder West- und Mitteleuropas kaum unter den Top-Standorten auftreten, ist die Region führend bei der Krypto-Aktivität. Die wichtigsten Märkte hier sind Großbritannien und Deutschland, gefolgt von Frankreich, den Niederlanden, Spanien, Italien und der Schweiz.

User und Institutionen in Europa haben zwischen Juli 2021 und Juni 2022 1,3 Billionen Dollar an Kryptozahlungen erhalten. Dabei wuchs die Aktivität in Deutschland mit 47 Prozent extrem stark, während sie in den Niederlanden um 3 Prozent sank. Chainalysis erklärt dies durch die Steuerpolitik und Regulierung, die in Deutschland günstig, in den Niederlanden eher abwehrend ausfiel.

Nach Nordamerika auf dem zweiten folgen Zentral- und Südasien und Ozeanien auf dem dritten Platz der Regionen. Der größte Markt hier ist klar Indien, doch ein starkes Wachstum geht auch von Vietnam, den Philippinen, Pakistan, Thailand, Nepal und Indonesien aus. Zentralasiatische Länder wie Usbekistan und ozeanische Inseln wie die Malediven hinken hingegen hinterher.

2.) DeFi dominiert das Wachstum, vor allem in der ersten Welt

In Nordamerika und Europa treiben die Dezentralen Finanzen (DeFi) die Adoption an. Am höchsten ist der Anteil von DeFi am Transaktionsvolumen in den USA, gefolgt von Westeuropa. Die Schlusslichter bilden Osteuropa und Ostasien.

Die Schattenseite der hohen DeFi-Adoption in Nordamerika und Westeuropa ist, dass die Bitcoin-Dominanz im letzten Jahr dort am stärksten gefallen ist. Bitcoin verlor überall Marktanteile; am wenigsten noch in Lateinamerika.

In der Regel führen NFTs das DeFi-Wachstum. In Europa etwa stellen in Irland und Norwegen NFT-Marktplätze mehr als 70 Prozent des DeFi-Traffics.

Auch in Zentral- und Südasien und Ozeanien treibt DeFi das Wachstum an, und auch hier spielen NFTs eine besondere Rolle. Auffällig ist hier jedoch ein Schwerpunkt auf Blockchain-basierten Spielen wie Axie Infinity. Chainalysis schätzt, dass 25 Prozent der Philippiner und 23 Prozent der Vietnamen bereits Play-to-Earn-Spiele gespielt haben.

Eine Ausnahme ist Japan. Hier genießt DeFi zwar ebenfalls eine wichtige Stellung. Doch während NFTs kaum eine Rolle spielen, dominiert der Handel auf dezentralen Börsen das Geschehen. Diese übernehmen zunehmend Marktanteile von zentralen Börsen.

3.) Stablecoins verdrängen Bitcoin

In Lateinamerika dienen Kryptowährungen, stellt der Bericht fest, vor allem als Inflationsschutz und Instrument für internationale Zahlungen. Allerdings scheinen Stablecoins Bitcoin in beider Hinsicht zu verdrängen.

„Während Bitcoin bisher nicht bewiesen hat, vor Inflation zu schützen, wie viele es geglaubt haben, sind Stablecoins der Favorit in den am meisten von Inflation heimgesuchten Ländern der Region.“ Tatsächlich geht die Stablecoin-Adoption so weit, dass laut Umfragen mehr als ein Drittel der Lateinamerikaner bereits Stablecoins benutzt, um alltägliche Einkäufe zu bezahlen. Dies liegt vor allem daran, dass die Lateinamerikaner den Dollar gewohnt sind.

Stablecoins – und zum Teil auch Bitcoin – haben in der Region bereits tief Fuss im Remittance gefasst. In Mexiko wächst der Anteil von Krypto am 51-Milliarden-Dollar-Markt rapide mit 400 Prozent im Jahr; er macht bereits 4 Prozent aus. Ähnlich in Ländern Südostasiens, wie Vietnam und den Philippinen. Hier sind Kryptowährungen kaum mehr aus dem Remittance wegzudenken, und auch hier meint dies vor allem Stablecoins.

Auch in Russland und der Ukraine, wo die Krypto-Aktivität kurz nach Kriegsausbruch explodierte, führen Stablecoins. Diese wurden vermutlich benutzt, um Handelsströme aufrechtzuhalten und Vermögen aus dem Land zu schaffen. Hier ging der Anteil von Bitcoin am Handelsvolumen stark zugunsten von Stablecoins zurück.

4.) China kehrt – zaghaft – zurück

China hat zwar im Transaktionsvolumen um mehr als 30 Prozent nachgegeben, nachdem die Kommunistische Partei Kryptowährungen mehr oder weniger vollständig verboten hat. Dennoch bleibt China der größte Kryptomarkt in Ostasien und schafft es im Index der Grassroots-Adoption auf den zehnten Platz.

Die Trading-Aktivität in China hat wohl wieder an Fahrt aufgenommen, und sogar das Mining ist zurückgekehrt. Chainalysis erklärt dies damit, dass das Verbot entweder nicht effektiv war oder nicht durchgesetzt wird. Kaum vertreten ist in China aber DeFi.

5.) Der Krieg in der Ukraine hinterlässt Spuren in der Krypto-Aktivität

Osteuropa ist der fünftgrößte Markt für Kryptowährungen. In der Region dominieren illegale Aktivitäten wie in keiner anderen. Börsen ohne Verifizierung der Identität spielen eine deutlich größere Rolle als in jeder anderen Region, und ein ungewöhnlich großer Anteil von Transaktionen steht in Verbindung zu illegalen Zahlungen.

Der russische Überfall auf die Ukraine hinterlässt einen deutlichen Abdruck in der Krypto-Aktivität. Zwar stellt Chainalysis nicht fest, dass Kryptowährungen massiv und systematisch genutzt werden, um Sanktionen zu umgehen. Dennoch haben die Einwohner sowohl Russlands als auch der Ukraine nach dem Kriegsausbruch verstärkt auf Kryptowährungen zugegriffen.

Beide Länder sahen im März eine erhebliche Steigerung von Krypto-Transaktionen. In Russland beschäftigen sich viele Einwohner mit der Frage, wie sie Geld außer Landes führen können, insbesondere in die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, Kasachstan und Georgien. Die sprunghaft gestiegenen Webseitenaufrufe von russischen Kryptoseiten aus diesen Ländern bestätigen dies. Die Aktivität ebbte allerdings relativ rasch wieder ab.

In der Ukraine hingegen stieg die Krypto-Aktivitärt bis Juni konstant an. Im Juli, als die Ukraine Finanz-Restriktionen aufhob, ging auch dort das Volumen deutlich zurück.

Über Christoph Bergmann (2410 Artikel)
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