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JP Morgan verwendet DeFi für grenzübergreifende Transaktion zwischen Singapur und Japan

Singapur. Bild von GillyBerlin via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Eine Finanzaufsicht und mehrere Banken kooperieren, um tokenisierte Fiatwährungen und Staatsanleihen über ein DeFi-Protokoll zu handeln. Und bringen nebenbei Onchain-Identitäten in einen Smart Contract.

Es passiert. Stück für Stück, Bank für Bank, Operation für Operation. Die dezentralen Finanzen (DeFi) saugen das etablierte Finanzwesen auf. Wir erleben gerade einen monumentalen historischen Strukturwandel im Finanzwesen.

Die Speerspitze dieses Wandels ist gerade in Singapur zu sehen. Dort hat die Finanzaufsicht MAS das Projekt Guardian gegründet, um zusammen mit der Finanzindustrie auszuloten, welche Vorteile die Tokenisierung von Assets und deren Integration in DeFi haben kann. Nun ist das erste Pilotprojekt live gegangen.

Und zwar haben die DBS Bank aus Singapur, die US-Großbank JP Morgan und die japanische SBI Digital Asset Holdings zusammen einen „einen auswärtigen Wechsel und eine Transaktion von Staatsanleihen mithilfe von Liquiditäts-Pools durchgeführt, die aus tokenisierten singapurischen Staatsanleihen, japanischen Staatsanleihen, japanischen Yen und Singapur-Dollar bestehen.“

Eine Live-Transaktion auf der Polygon-Sidechain wechselte Japanische Yen gegen Singapur-Dollar. Eine weitere, simulierte Transaktion ergänzte dies durch den Kauf und Verkauf von tokenisierten Staatsanleihen. In Zukunft sollen weitere Blockchains neben Polygon geprüft werden, da das Projekt interoperabel sein soll.

Als Pool für die Token verwendeten die Projektteilnehmer einen Pool der DeFi-Lending-Dapp Aave. Allerdings keinen offenen, sondern einen geschlossenen Lending-Pool, den sie modifiziert haben, um bestimmte Parameter, wie die Zinsen und Wechselraten, anzupassen.

Diese dezentralen Finanzinfrastruktur auf Basis von Smart Contracts erlaubt, erklärt die Finanzaufsicht, „dass Transaktionen durch direkt durch Entitäten miteinander ausgeführt werden, ohne finanzielle Intermediäre.“ Die Live-Transaktionen des Piloten „demonstrieren, dass grenzüberschreitende Transaktionen tokenisierter Assets in Echtzeit zwischen den Teilnehmern gehandelt, abgewickelt und gesettlet werden können.“ Dies verringere die Kosten, die Mittelsmänner im Clearing und Settlement verursachen.

Die beteiligten Banken haben nicht nur Fiatwährungen und Staatsanleihen tokenisiert – was bereits an sich groß genug wäre – sondern auch „verifizierbare Credentials“ (VC) implementiert, wie das WWW3-Konsortium sie für dezentrale Identitäten fordert. Mit diesen Credentials weisen sich Befugte gegenüber dem Smart Contracts aus. Sie erlauben, erklärt der am Projekt beteiligte Ty Lobban von JP Morgan, „eine viel feinkörnigere Kontrolle als nur eine Liste von Adressen.“ Die Onchain-VCs seien „riesig.“ Sie „machen Identität zusammensetzbar. Du kannst kleine Verifier haben, mit denen man verschiedene Dinge verifiziert, und diese Dapp-übergreifend benutzen.“

Das Design des Projekts, so Ty weiter, sei so, „dass es sicherstellt, dass VC-basierte Compliance-Checks für jedes DeFi-Protokoll verwendet werden können, ohne dass diese Protokolle etwas über VCs wissen müssen.“ Dies befreie die DeFi-Frontends davon, die Identität der Kunden prüfen zu müssen. „Compliance wird an den Rand gedrückt, nicht in die Dapp.“

Natürlich ist ein solches Projekt für Privatnutzer wenig relevant. Eine der Stärken von DeFi ist ja gerade, dass man als User keine Bank braucht, und dass man Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen kann, ohne seine Identität zu verraten. Für große Banken steht das natürlich nicht wirklich zur Debatte.

Dennoch kann man ein solches Projekt nicht groß genug einschätzen. DeFi frisst das etablierte Finanzwesen. Und dies hat gerade erst begonnen.

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1 Kommentar zu JP Morgan verwendet DeFi für grenzübergreifende Transaktion zwischen Singapur und Japan

  1. Großes Fressen, kleiner Preis. Hauptsache die Qualität stimmt.

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