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Der eNaira wird ein Jahr alt – aber niemand will die nigerianische CBDC

Nigeria. Foto von Photo RNW.org via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nigeria ist Vorreiter bei der Herausgabe eines digitalen Zentralbankgeldes. Der eNaira startete bereits vor einem Jahr – stößt aber in der Bevölkerung auf wenig Begeisterung.

Manche Aussagen hört man schon lange. Etwa die, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen augenblicklich in der absoluten Bedeutungslosigkeit versinken werden, sobald die Zentralbanken damit beginnen, eigene Kryptowährungen herauszugeben: die sogenannten Central Bank Digital Currencies (CBDC).

In Nigeria hat die Zentralbank schon vor etwa einem Jahr den eNaira unters Volk gebracht, woraufhin … die Leute … den eNaira … vollkommen … ignorierten! Experten nennen die nigerianische CBDC schon ein „kollossales Scheitern.“ Gerade mal einer von 200 Nigerianern nutzt den eNaira, und das trotz der Bewerbung durch die Regierung, trotz Rabatten und trotz anderer Anreize.

In einem Podcast von Bloomberg berichten Ruth Oluroundi und Anthony Osae-Brown darüber, wie der eNaira an der Wirklichkeit zerschellte.

Der Fall ist an sich wunderlich. Denn der eNaira erfüllt einen Bedarf. In Nigeria haben viele Menschen weiterhin kein Bankkonto, aber sehr wohl ein Smartphone. Eine digitale Währung, die ohne Bank, aber mit Smartphone funktioniert, wäre eigentlich perfekt. Dazu hat die Regierung zahlreiche Anreize gesetzt und geworben.

Dennoch haben nur 0,5 Prozent der Bevölkerung die Wallet heruntergeladen, vermutlich noch weniger benutzen die Währung tatsächlich, und die Ausbreitung stagniert. Es wurden seit dem Start 8 Milliarden Naira – etwa 18 Millionen Dollar – durch 700.000 Transaktionen versendet. Das ist nicht eben besonders viel.

Im Podcast überlegen die beiden Bloomberg-Journalisten aus Nigeria, woran das liegen könnte. Sie erklären es vor allem dadurch, dass die Bevölkerung der Regierung misstraue und diese den eNaira schlecht kommuniziert habe. So habe sie beispielsweise gesagt, dass der eNaira anders als Kryptowährungen sei, aber nicht, weshalb. Viele Leute wüssten bis heute nicht, dass es den eNaira überhaupt gebe.

All diese Erklärungen versuchen, etwas zu rationalisieren, das vielleicht gar keiner Rationalisierung zugänglich ist. Wenn die Menschen eine Alternative zum Naira suchen, dann wollen sie keinen digitalen Naira. Nicht die fehlende Digitalisierung ist das Problem – sondern die Zentralbank und die Währung an sich.

Der Naira verliert in diesem Jahr weiterhin an Wert gegenüber dem Dollar. Mittlerweile bekommt man für einen Dollar rund 440 Naira – nach den Kursen der Zentralbank. Auf den Schwarzmärkten fiel der Kurs bereits auf 1:860. Gleichzeitig leiden Nigerianer weiterhin unter Kapitalkontrollen – und sie misstrauen ihrer Regierung und ihren Eliten massiv.

Daher ist die Begeisterung im Lande für echte Kryptowährungen ungebrochen. Laut Statistiken besitzen rund 30 Prozent der Bevölkerung Bitcoin oder andere Kryptowährungen, was Nigeria zur führenden Krypto-Nation Afrikas macht.

Es gibt durchaus einen Bedarf nach einer elektronischen, bankenlosen Währung in Nigeria – aber eben nicht nach dem Naira.

Über Christoph Bergmann (2408 Artikel)
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