Newsticker

Wie FTX von einem Penthouse in Nassau aus die US-Elite um den Finger wickelte und das Kundengeld verzockte

Das Penthouse in Nassau, in dem Sam Bankman-Fried und seine engsten Mitarbeiter lebten und arbeiteten.

Die Pleite von FTX ist skandalös. Wie ungeheurlich und skandalös zeigt sich jeden Tag ein Stückchen mehr. Wir fassen einige der neueren Einblicke zusammen.

Der Fall von FTX beherrscht die Diskussionen um Krypto weiter. Eine Rettung durch Binance ist mittlerweile vom Tisch, da der Blick in die Geschäftsbücher offenbar zu abschreckend war. FTX hat offiziell die Insolvenz angemeldet, und die Chancen für Kunden, ihre Einlagen wieder zu sehen, auch nur in Bruchstücken, werden immer geringer.

FTX wird zur größten Pleite, die es im Krypto-Markt jemals gegeben hat. Selbst Mt. Gox schrumpft im Vergleich dazu. Und jeder Tag treibt neue Erkenntnisse an die Oberfläche, die immer weitere, schauerliche Abgründe aufreissen. Es ist schwierig, den Überblick zu behalten, und noch schwieriger, nicht schockiert zu sein.

Es liegt etwas Bösartiges darin, wie verlottert und gierig, wie verlogen und skrupellos FTX und Alameda Research den Markt ausgenutzt haben, wie blind die US-Elite dafür war, und wie blauäugig, ja wohlwollend die Börsenaufsicht SEC dem Treiben zugeschaut hat.

Sam Bankman-Fried (SBF) und die Alameda-Geschäftsführerin Caroline Ellison hätten das nicht nötig gehabt. Sie waren Sprößlinge der intellektuellen Elite. Ihre Eltern lehren an den führenden Universitäten. Das Schicksal hatte sie reich beschenkt, die Welt standen ihnen offen, doch sie entschieden sich dafür, einen ganzen Markt abzuzocken. Es liegt, wie gesagt, Bösartigkeit in der Geschichte.

Ich werde versuchen, einige Erkenntnisse zusammenzufassen. Das meisten ist ein Mix aus Berichten und Gerüchten, die ich nicht nachprüfen kann, und sollte auch so verstanden werden.

Mir wird es um drei Punkte gehen:

1.) Die Verankerung von SBF und Caroline Ellison in der demokratischen Elite der USA – und wie sich diese täuschen ließ, einschließlich der Börsenaufsicht SEC

2.) Das unglaubliche Treiben in einem Penthouse auf den Bahamas

3.) Die Frage, wie es überhaupt möglich war, dass FXT trotz sprudelnder Einnahmen pleite ging

1.) Sam Bankman-Fried und das demokratische Establishment

FTX lasse die US-Börsenaufsicht SEC schlecht aussehen, schreibt die Fortune, die SEC, vor allem ihren Präsidenten Gary Gensler, aber auch die Demokraten als Ganzes.

Die SEC hat in diesem Jahr nicht eben geglänzt. Sie hat es bereits verpasst, vor Terra und Celsius zu warnen. Bei FTX war sie aber nicht nur blauäugig – sie leistete schon geradezu Beihilfe.

Es gibt Hinweise, dass SBF und andere Mitarbeiter sich am 23. März 2022 mit Gary Gensler getroffen haben, um regulatorische Freiheiten („conditional no action relief“) zu erhalten. Beobachter werten dies als einen Freibrief. Dabei halfen wohl die Übernahmen von BlockFi und IEX. Durch sie konnte FTX in den USA regulatorische Sicherheit erlangen.

Zugleich lobbyierte die Börse in den USA für eine Gesetzgebung, von der vor allem sie selbst profitieren würde, indem sowohl ausländischen Mitbewerbern wie Binance als auch dem DeFi-Ökosystem Steine in den Weg gelegt werden sollten.

Der Republikaner Tom Emmer, Senator aus Minnesota, tweetete, er habe Berichte, dass Gensler selbst SBF und FTX geholfen hatte, „Schlupflöcher zu finden, um ein regulatorisches Monopol zu erlangen.“

Dieser Vorwurf ist hart. Die Aufsicht in den USA, die seit Jahren gegen Tether-Dollar und Ripple vorgeht, die es Börsen und Startups in den USA schwer macht, Fuß zu fassen, und die vorhat, Ethereum als Security zu regulieren – diese Institution hat bereitwillig mit der Börse kooperiert, die von den Bahamas aus die größte Pleite verursachte, die es im Ökosystem der Kryptowährungen jemals gegeben hat?

FTX hatte es geschafft, sich einen Ruf als die seriöse Börse aufzubauen – als die Börse, der die Institutionen vertrauen können, Banken, Börsen, Versicherungen und Pensionsfonds und schließlich sogar die Börsenaufsicht selbst. Wie konnte das möglich sein?

Die wahrscheinlichste Antwort lautet „Connections.“ SBF nutzte es wohl gnadenlos aus, in elitäre Kreise hineingeboren zu sein. Seine Eltern Joseph Bankman und Barbara Fried lehren beide an der Elite-Universität Stanford Steuer- und Wirtschaftsrecht und pflegen enge Kontakte zur Demokratischen Partei. Barbara Fried führt eine Gruppe namens „Mind the Gap“, die im Silicon Valley Geld für den Wahlkampf der Demokraten auftrieb, während Joseph Bankmann für die Senatorin Elizabeth Warren den Entwurf für die Steuergesetzgebung geschrieben hatte. Warren ist pikanterweise eine der schärfsten Gegnerinnen von Bitcoin und Krypto in den USA.

Auch SBF ordnete sich großzügig und entschlossen in die Demokraten ein. Er spendete reichlich an den Wahlkampf von Joe Biden, mindestens 20 Millionen Dollar direkt, weitere 20-30 Millionen gingen an andere demokratische Politiker. Dies machte ihn zu einem der Top-Spender für Bidens Wahlkampf. Für die Midterms 2024 kündigte er an, mehr als 100 Millionen Dollar, bis hin zu zu einer Milliarde, zu spenden, abhängig davon, ob Donald Trump sich um eine zweite Amtszeit bewerben werde. Dies wäre die größte Wahlkampfspende aller Zeiten geworden.

Überhaupt gibt es verblüffende Verbindungen zur weiteren Elite. Im April 2022 veranstaltete FTX die erste Krypto-Konferenz auf den Bahamas. Auf den Panels traten dabei unter anderem Ex-Präsident Bill Clinton und der britische Ex-Premier Tony Blair auf.

Das Weltwirtschaftsforum (WWF) listete FTX als Partner. Mehr Seriösität geht kaum noch. Wer würde einer solchen Börse noch unterstellen, unsolide zu sein? Wo sonst sollen Institutionen ihr Geld hintragen?

Vom WWF aus führt eine überraschende Verbindung direkt in die politische Epidemiologie, die seit 2020 die Politik beherrscht:  Die Tante von SBF, Linda Fried, eine Epidemiologin, hat ein Profil auf der Webseite des WWF.

Aber das ist noch nicht alles. SBF hat schon 2020 die Gruppe „Guardians Against Pandemics“ gegründet und seinem Bruder Gabriel als Direktor anvertraut. Guardians Against Pandemics setzt sich laut Influencewatch „für eine Gesetzgebung ein, die das Investment der Regierung in die Verhinderung von Pandemien erhöht“ und wurde speziell gegründet, um ein solches Gesetzesvorhaben der Regierung Biden zu unterstützen.

Es gibt mit Sicherheit noch viele weitere Verbindungen. Wahrscheinlich könnte man sich tagelang darin versenken.

Viele Hinweise, die man liest, speisen sich wohl auch aus republikanischer Propaganda. Manches wird über-, manches unterbewertet, und die üblichen Verschwörungstheorien schalten sich ein. Mal werden Linien zu einem angeblichen Kinderpornographiering in der Karibik gezogen; mal wird FTX als Trojanisches Pferd dargestellt, das mithilfe der SEC und der US-Regierung von Anfang an einzig den Zweck hatte, Bitcoin und Krypto zu delegitimieren.

2.) Im Penthouse mit Blick auf Albany

Sam Bankman-Fried inszenierte sich gerne als Stoiker, der seine Geschäfte nur betrieb, um später einmal viel Geld zu spenden. Luxus an sich interessiere ihn nicht im Geringsten, weshalb er weiterhin einen alten Toyota Corolla fuhr.

Man könnte das glauben. Wenn jemand bereits im Reichtum geboren wurde, ist Luxus für ihn so selbstverständlich, dass es banal erscheint, ihn anzustreben. Vielleicht hatte SBF tatsächlich vor, zum größten Wahlkampfspender aller Zeiten zu werden. Vielleicht brach er alle Regeln, um etwas Gutes zu tun, vielleicht agierte er wie der skrupelloseste Kapitalist, um den Kapitalismus an die Leine zu legen. Vielleicht ist Geld für ihn nur eine Zahl, die den Erfolg misst.

Fakt ist aber, dass SBF durchaus einen gewissen Luxus schätzte. So lebte er in einer der luxuriösten Immobilie von Nassau, der Hauptstadt der Bahamas: Im Penthouse „Orchidee“. Mit mehr als 1000 Quadratmetern, einen Blick auf die Albany Marina und den Atlantik, einem Flügel und Pool, wird es aktuell für 35 Millionen Dollar angeboten.

SBF lebte dort in einer Wohngemeinschaft mit den neun wichtigsten Mitarbeitern von Alameda Research und FTX. Wie in einer Kommune, oder in einer Räuberhöhle, dort, wo früher die Piraten hausten.

In der WG lebte auch Caroline Ellison, die 28-jährige Geschäftsführerin von Alamedia, von der es heißt, sie sei die Freundin von SBF (gewesen). Sie ist eine interessante Person.

Wie SBF hat Caroline am Massachusetts Institute of Technologie (MIT) studiert. Ihr Vater ist Glenn Ellison, ein Professor am MIT, der, Behauptungen zufolge, der ehemalige Chef von Gary Gensler war, als dieser noch an der MIT arbeitete. Glenn hat, laut einer anderen Behauptung, ein Vermögen von mehr als 200 Millionen Dollar, lehrt Ökonomie, publiziert aber zu einer Vielfalt an Themen, von den Mechanismen von Open-Source-Bewegungen zum politischen Umgang mit der Corona-Pandemie. So wie Sam ist Caroline ein Sproß der – vermutlich demokratischen – intellektuellen Elite der USA.

Im April 2021 tweetete Caroline: „Nichts lässt einen so gut erkennen, wie dumm die normale menschliche Erfahrung ohne Medikamente ist, als das regelmäßige Benutzen von Amphetaminen.“

Es gibt einige Videos von ihr, in denen sie kichernd wie ein Schulmädchen erzählt, dass man beim Trading Risiken eingehen und sich damit wohl fühlen müsse. Sie benutze keine Stop Loss, „ich denke, das ist kein gutes Risiko-Management“; sie könne Beispiele für Trades nennen, in denen sie sehr viel Geld verloren habe, aber, lacht sie, das lasse sie lieber.

Drogen wurden bei FTX angeblich mit System benutzt. „Sam gab [neuen Mitarbeitern] buchstäblich eine Einführung in Stimulanzien und beschrieb, was sie auslösen,“ erzählt eine anonyme Quelle. „Er riet, alles zu testen, um herauszufonden, was am besten funktioniert und womit man sich am produktivsten fühlt. Sam benutzt ein Pflaster für Designer-Stimulanzien, das diese direkt in sein Blut abgab, so dass er konstant high war.“

Angeblich hatte Sam auch Schlafmittel parat, für diejenigen, die wegen der vielen Stimulanzien nicht mehr schlafen können. „Wir hatten“, erzählt die Quelle, „einen optimalen Dosierungsplan für Stimulanzien und Schlafmittel, so dass wir unsere Produktivität maximieren und dennoch ausruhen konnten.“

3.) Wie konnte FTX überhaupt pleite gehen?

Es ist leicht, Caroline Ellison für eine naive, ahnungslose Göre zu halten, die eher in eine Serie wie Big Bang Theory passt, als in die Rolle der Geschäftsführerin einer Krypto-Trading-Gesellschaft. Sie habe diesen Job, heißt es derzeit gerne, nur wegen ihrer Verbindungen zu Sam bekommen.

Tatsächlich aber war sie enorm erfolgreich. Das beginnt mit der Abschöpfung von Arbitrage mit Südkorea, geht weiter über das glückliche Investment in Solana, und umspannt eine Vielzahl kühner Trades im DeFi-Bereich.

Vielleicht wäre tollkühn der passendere Begriff. Die Geschichte der Trades von FTX und Alameda dürfte ein Lehrstück dafür sein, wie man Risiken auf Risiken türmt, ein milliardenschweres Kartenhaus errichtet, auf jede Art von Risikomanagement pfeift, und ohne jede Spur von Skrupeln ausnutzt, was man ausnutzen kann. Die kriminelle Energie, mit der sich die Abkkömmlinge der intellektuellen Elite der USA auf die Märkte stürzen, ist erschreckend.

FTX und Alameda schufen eine Art Geld, das es nicht gab, gaben vor, das Geld sei echt, um damit echtes Geld zu leihen, und hatten am Ende Verbindlichkeiten in echtem Geld, die sie nicht mehr bedienen konnten, als der Schein geplatzt war.

Als Investor und Verwalter großer Vermögen spielten FTX und Alameda eine gewaltige Rolle in den DeFi-Projekten, vor allem den kleinen. SBF dominiert das TVL der DeFis, farmte die Token, warf sie auf den Markt, und handelte die Shorts, die er auf FTX zuvor eingeführt hatte. Es war einfach verdientes Geld auf Kosten anderer, naiver Investoren.

Die Krönung bildeten die FTT-Token. FTX hatte sie herausgegeben; mit ihnen erhielt man etwa Handelsrabatte. Sie waren wie die Token von Bitfinex oder Huobi eine Art Pseudo-Aktie; die Aufsicht würde sie unter normalen Umständen vermutlich als illegales Wertpapier verfolgen. Zumindest hätten sie allein schon eine rote Flagge vor der SEC sein müssen.

FTX hatte die FTT-Token an Alameda Research verkauft. Alameda hielt 80-90 Prozent aller Token, ein weiterer großer Teil hielt die Börse Binance. Damit war der Markt für FTT-Token vollkommen illiquide, und Alameda konnte ihren Preis durch einfache Trades fast beliebig manipulieren. So blähte Alameda die Guthabenseite der Bilanz auf, und nutzte die Token dann, um sich Geld für weitere Trades zu erhalten.

Eigentlich wollten die DeFis, die dezentral Geld verliehen, keine FTT-Token. Doch Alameda infiltrierte dezentrale Lendingplattformen, indem sie deren Token akkumulierten. So konnten sie in Onchain-Abstimmungen durchsetzen, dass FTT als Kollateral akzeptiert wird. Was ausgenutzt werden kann, wird ausgenutzt, und kein kurzfristiger Gewinn ist zu gering, um dafür nicht andere Plattformen und ganze Ökosysteme aufs Spiel zu setzen.

Während also Caroline Risiken auf Risiken türmte, gerne mit dem Geld anderer Leute, gab Sam die Gewinne großzügig aus. Neben den politischen Spendenkampagnen investierte FTX im Ökosystem wie keine andere Institution. FTX und Alameda haben in hunderte von Startups investiert, eine gewaltige Menge DeFis, vieles, das mit NFT arbeitete, Trading betrieb oder Infrastrukturen aufbaute. Die meisten Startups sind vollkommen unbekannt, nur selten ist mir ein Name bekannt.

Berichten zufolge übte FTX einen massiven Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Startups aus. Manche Gerüchte munkeln, dass die Investments in Startups, die nur eine Internetseite und kaum Mitarbeiter haben, eine Maskerade waren, um Geld zu waschen.

Wie aber ging es schief? Ab welchem Moment brach das Kartenhaus zusammen?

Man könnte die Theorie des Risses bemühen, der sich ausbreitet, sobald er eine kritische Größe erreicht hat: Ein Trade von Caroline ging schief, der Kollaps von Terra und Celsius riss Löcher in die Bilanz, und es fehlte an liquiden Mitteln. Also verschaffte FTX Alameda kurzfristig Liquidität, vielleicht auch durch den Missbrauch von Kundengeldern – diese fehlten am Ende ja fast völlig – und Sam und Caroline machten, aufgeputscht von Amphetaminen, weiter das, was sie die ganze Zeit machten: Caroline türmte Risiken auf Risiken, und Sam warf mit Geld um sich, um den Schein zu erhalten. Er kaufte beispielsweise Immobilien auf den Bahamas für 300 Millionen Dollar.

Doch mit jedem Risiko, das auf ein Risiko aufbaute, stieg der Einsatz. Der Riss wurde immer tiefer, die Risiken, die Alameda eingehen musste, immer höher, und das Vorgehen immer krimineller. Es ist schwer zu sagen, ab wann aus tollkühnem Handeln nackter Betrug wurde.

Ein Beispiel sind Bitcoins: FTX hat 80.000 Bitcoins – 1,4 Milliarden Dollar – an Verbindlichkeiten, besitzt aber keinen einzigen Bitcoin. Die Börse gab Bitcoin-Token auf Solana heraus, die offenbar nicht nicht gedeckt waren, oder die zumindest ihre Deckung verloren. FTX hat effektiv die Geldmenge von Bitcoin erhöht. Möglich war dies vermutlich durch die Kontrolle des Handelsplatzes.

Das Team war gut darin gewesen, ein gigantisches Kartenhaus aufzubauen. Wenn der Markt rund läuft, wie in den Jahren 2020 und 2021, lässt sich sehr viel Geld verdienen, indem man Risiken auf Risiken türmt, indem man die Kurse illiquider Shitcoins manipuliert, indem man mit Longs und Shorts die Kursbewegungen ausnutzt, die man selbst anstößt, indem man illiquide Token als Kollateral verwendet, um sich Dollar zu leihen, und indem man mit diesen Dollar noch mehr Shitcoins akkumuliert. Und so weiter.

Sobald der Markt aber nicht mehr rund läuft – wie seit spätestens Herbst 2021 – fallen die Steine. Der Preis eines Coins fällt. Es wird teuer, ihn zu stützen. Wenn er weiter fällt, platzt die Deckung eines Darlehens, und die Token werden mit Verlust liquidiert. Ein Token fällt, und ein weiteres, dass dieses eben noch stabilisieren sollte, fällt ebenfalls. Alles, was man macht, um die Verluste auszubügeln, webt das Netz nur noch enger und bringt weitere Token in Gefahr. Einzelne Karten fallen aus dem Haus. Dann reicht eine Böe – und der ganze Palast, der eben noch zum Himmel stürmte, liegt platt wie ein Stück Papier am Boden.

So ist zumindest meine Vorstellung des Ganzen. Es wird vermutlich noch sehr viel aufzuarbeiten geben. Mit Sicherheit wird FTX ein wenig ruhmreiches Kapitel in der Geschichte der Finanzen einnehmen, Seite an Seite mit den Lehmann Brothers und vielleicht auch Charles Ponzi.

Über Christoph Bergmann (2408 Artikel)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder ---

13 Kommentare zu Wie FTX von einem Penthouse in Nassau aus die US-Elite um den Finger wickelte und das Kundengeld verzockte

  1. Danke für die gute Zusammenfassung, komplett wird man das kaum greifen können und da wird noch vieles ans Tageslicht kommen. Interessant auch, dass der Tether CTO gestern in Nassau war ist und dann weiter nach El Salvador geflogen ist…
    https://twitter.com/danny_mx/status/1591968413743976448
    Alameda hat alleine bis Ende 2021 über 1/3 aller Tether erhalten, die bis dato gedruckt wurden:
    https://cryptoslate.com/these-are-the-six-companies-that-bought-almost-100-billion-usdt-from-tether/
    Bisher kann man nur spekulieren, aber falls Tether depeggen sollte, wird das ein noch größeres Blutbad…

    • Bisher kann man nur spekulieren, aber falls Tether depeggen sollte, wird das ein noch größeres Blutbad…

      Naja, wenn wirklich Blut fliest, soll man einer alten Börsenweisheit nach ja Nachkaufen. Wenn das viele machen stoppt das in aller Regel gekonnt den weiteren Blutfluss und ein Blutbad bleibt wider Erwarten aus. Börse ist einfach nicht logisch.

      Vielleicht kommt er ja wirklich bald, der große (lang befürchtete) Moment der Tetherwahrheit. Dann hätten wir das auch mal hinter uns. Ich hab da keine Angst …

      • Tether noch nicht, aber Genesis hat Withdrawals „pausiert“ und sucht nach Liquidität, weil sie viele der Coins gewinnbringend auf FTX verliehen hatten.

        Das Verleihen von Coins ist eh das Dümmste, was man machen kann wenn man langfristig an Bitcoin glaubt, aber die meisten Akteure sind egoistisch und machen es trotzdem für ein paar Prozent APY. Indem man einen Coin verleiht, egal welcher es ist, ob Bitcoin, Ethereum oder Monero, trägt man zu einem Short bei, denn der Leihende verkauft diese Coins entweder gegen Fiat oder einen anderen Coin, erzeugt also Verkaufsdruck und trägt zum fallenden Preis bei. Wenn jemand gehebelt „long“ bei Bitcoin gehen will, muss er sich dazu entweder Fiat leihen wie Michael Saylor oder Fiat-Stablecoins.

        Die meisten wollen sich mit Lending gegen fallende Kurse absichern, aber sie tragen genau zu diesen bei, denn jemand anders wettet mit diesen Coins auf einen Fallenden Kurs und verkauft sie sofort und je mehr das tun, desto mehr fällt der Preis, was wiederum „Long“ Positionen entweder in Stop Loss oder sogar Margin Calls bringt, was zum weiteren Kursverfall führt. Erst wenn diese Market Maker ihre Shorts schließen, kaufen sie die Coins (günstiger) nach und es kommt zu einem meist leichten Rebounce. Bei FTX war das eben noch extremer, denn sie haben die geliehenen Coins wohl direkt verkauft, auf ihrem Balance Sheet war kein einziger BTC, soweit ich das gesehen habe.

      • Ja, Krypto schützt erstmal nicht automatisch vor den alten Dummheiten des klassischen Finanzmarktkapitalismus.

        Never invest what you can’t spare in something that you don’t fully understand ist eine Wahrheit die in der ganze Breite der Anwender erst einmal hart erarbeitet und erlernt werden muss. Zuviel zu beschützen und zu regulieren (wie Helikoptereltern das tun), behindert manchmal auch das Learning beim Anwender.

  2. selten soviel Geschwurbel gelesen ……da bekommt man ja Hirnkrebs !
    Wenn jemand im Coinforum solch Mumpitz schreibt bekommt er von Dir ne Abmahnung und falls es noch einen Seitenhieb auf grüne Politik beinhaltet gleich einen kommentarlosen Bann ……

  3. ach ja, klar. @Waldgeist ….

  4. Ich würde weitere Berichterstattung zu diesem Thema von dir zu schätzen wissen. Ich habe das Spektakel recht gründlich verfolgt (z.B. diesen permanenten Twitter-Livestream). Aber dein Artikel enthält noch mal haufenweise Zusätzliches. Es nimmt ja kein Ende.

    Zu den Stimulanzien möchte ich hier eine relativierende Perspektive anbieten: Wenn man weiß, was man tut, und, wenn man verantwortungsvoll handelt, dann kann man sowas durchaus machen. Die gesundheitlichen Risiken sind dann erstaunlich gering. Das sind schließlich „offizielle“ Medikamente und keine illegalen Drogen.

    Man erhält dann im Gegenwert eine erstaunliche Steigerung der Produktivität. Ganz rational betrachtet kann es das durchaus wert sein. Das würde ich den Jungs jetzt also nicht pauschal vorwerfen.

    Das ist in manchen Branchen auch an der Tagesordnung, und führt nicht automatisch zur Aktivierung des inneren Bernie Madoff.

    • > Das sind schließlich „offizielle“ Medikamente und keine illegalen Drogen.
      > Man erhält dann im Gegenwert eine erstaunliche Steigerung der Produktivität. Ganz rational betrachtet kann es das durchaus wert sein. Das würde ich den Jungs jetzt also nicht pauschal vorwerfen.

      Ich sehe das anders. Wer sich „Medikamente“ reinhaut um sich aufzuputschen und um seine „Leistungsfähigkeit“ zu steigern der hat meiner Meinung nach ganz offensichtlich ein vermindertes Urteilsvermögen. Ausfallerscheinungen sind geradezu vorprogrammiert (siehe Protagonisten im Artikel). Die „positiven Effekte“ mögen sich (kurz- bis mittelfristig) einstellen, aber das ist es meiner Meinung nach nicht wert. Gerade Medikamente können abhängig machen und ich bezweifle sehr, dass es Studien darüber gibt, wie sich ein Langzeitkonsum [der Sachen, die die Protagonisten im Artikel genommen haben] auswirkt (Zulassungsstudien jedenfalls wird es dazu sicherlich nicht geben, das wäre viel zu teuer). Dazu kommt noch, dass Dinge, die „einen besser und länger denken lassen“ in meinen Augen keine Medikamente sind, jedenfalls dann nicht, wenn man nicht an einer Krankheit leidet, die deren Einsatz rechtfertigen (bspw. ADHS). Zu guter letzt: wer einmal Sachen nimmt, um „besser und länger denken“ zu können, für den ist es ungeheuerlich schwierig, davon wieder runter zu kommen. Wenn man „nüchtern“ ist, fühlt man sich (im Vergleich zum High) dann sicherlich so, als würde man mit angezogener Handbremse fahren …

    • Ich kann mich Nicolas nur anschließen. Stimulanzien können ja nicht die Realität ändern. 2 + 2 ist noch immer 4, und Geld das man von den Kunden geliehen bekommt muss man irgendwann wieder zurückzahlen. Es nützt einem nichts wenn man besser Denken und schneller Rechnen kann, wenn durch die Amphetamine die Risikobereitschaft steigt. Das Chance/Risiko-Verhältnis ist nämlich ebenfalls eine von außen (durch andere Marktteilnehmer) vorgegebene Größe, und lässt sich nicht durch eigene Geisteskraft beeinflussen. Lediglich bei der Auswahl zwischen unterschiedlichen Anlagevarianten des selben Risikoprofils könnte das Sinn machen. Dann darf man sich allerdings trotzdem nicht dazu verleiten lassen, seinen allgemeinen Risk-Level unverhältnismäßig hoch anzusetzen.

  5. Sehr guter Kommentar. Danke dafür.

  6. Die wahrscheinlichste Antwort lautet „Connections.“ SBF nutzte es wohl gnadenlos aus, in elitäre Kreise hineingeboren zu sein.

    „Connections“ sind eine gute Erklärung für so manch einen Unsinn in dieser Welt. Die stinknormalen Kollusionen als Verschwörung abzutun, hilft in der Debatte hingegen nie wirklich weiter.

    Helfen tut nur Schulterzucken, Abperlen lassen und weitermachen bis man gewonnen hat. Die Kryptocommunity hat schon so manch erstaunliche Resilienz – und unerschütterlichen Glauben 😉 – bewiesen, sie wird auch dies hier überstehen, da hab ich gar keinen Zweifel.

    • …Ja, der steinige Weg von Krypto in die Realität, warum sollte er anders aussehen als bei anderen Währungssystemen in der Geschichte … analysieren, lernen und den Weg weiter verfolgen ist das Gebot der Stunde …

  7. Danke für deine super Zusammenfassung, Christoph Bergmann.
    Übel zu sehen, wie Demokraten aus Küstenstaaten die Lebensersparnisse vieler gutgläubiger Menschen abzocken. Da ist die klassische „German Angst“ oft ein super Ratgeber.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: