Newsticker

Ethereum-Entwickler testen Auszahlung von gestakten Ether

Bild aus den Brand-Assets der Ethereum Foundation, kreiert von William Tempest

In den vergangenen Wochen stand Ethereum in der Kritik, die Auszahlungen der Ether auf der Beacon-Chain immer weiter zu verschleppen. Nun reagieren die Entwickler, indem sie die Auszahlung in mehreren Testnetzwerken aktivieren.

Na bitte. Manchmal reicht ein wenig öffentlicher Druck aus, um etwas zu bewegen. Beispielsweise die Ethereum-Entwickler dazu, das Auszahlen von im Staking eingefrorenen Ether sowie der erarbeiteten Erträge voranzubringen.

Vor kurzem wirbelte eine Änderung auf der Webseite der Ethereum-Foundation einen kleinen Sturm der Entrüstung auf. Es ging um das Folgende: Wenn man mit Ethereum 2.0 Ether „staked“, also die ETH einfriert, um sie zu vermehren, indem man an der Blockproduktion mitwirkt, kann man sie derzeit noch nicht abheben. Die dafür notwendige Funktion steht schlicht noch nicht im Code.

Ursprünglich hatte es geheißen, sie werde mit dem „Shanghai“-Upgrade spätestens sechs Monate nach dem Merge nachgeliefert, was im März 2023 wäre. Dann hieß es, es dauere zwischen sechs und zwölf Monaten, dann, irgendwann 2024. Schließlich löschte die Ethereum-Foundation auch diese Zeitangabe kurzerhand von der Webseite. Die Auszahlung der eingefrorenen Ether wurde auf Irgendwann verschoben.

Die Entfernung der Deadline brachte das Wasserglas zum Überlaufen. Auffällig an der Diskussion war aber, dass die Kritik vor allem aus dem Lager derjenigen kam, die nicht betroffen waren: Häufig Bitcoiner, zum Teil aber auch Anhänger anderer Kryptowährungen wie Cardano.

Die Ethereum-Community selbst blieb überwiegend gelassen. Die Ether waren schon seit dem Start der Beacon-Chain eingefroren, und es war klar, dass sie das auch erst einmal bleiben würden. Wer liquide Ether brauchte, konnte diese bereits durch Token der Staking-Pools bekommen; das Vertrauen in die Entwickler blieb ungebrochen; man war es gewohnt, dass die Entwickler zu spät lieferten.

Dennoch reagieren die Ethereum-Entwickler auf den öffentlichen Aufschrei. So kündigte das JavaScript-Team der Ethereum Foundation an, in den kommenden Tagen das Shangdong-Testnet für das Shanghai-Upgrade neu zu starten und darin EIP-4895 zu aktivieren, welches die Auszahlungen ermöglicht.

Auch Marius van der Wijden, ein Entwickler des Geth-Clients, erklärte, dass man in einem Testnet mit mehreren Clients die Auszahlungen teste.

Für viele Bitcoiner ändert dies – natürlich gar nichts. Allein die Tatsache, dass eine Handvoll Entwickler darüber entscheiden, ob und wann man die Ether, die man eingezahlt hat, um zu starken, wieder auszahlen kann, ist eine rote Flagge; ebenso rot wie die Experimente der Entwickler mit der Geldpolitik von Ethereum, und ebenso rot wie der große Einfluss der Ethereum Foundation. Es wird immer eine rote Flagge geben.

Für die Ethereum-Community hingegen bestätigt sich, was man eh schon wusste: Man kann den Entwicklern vertrauen, und wenn nicht, kann man die Software wechseln, da es bei Ethereum mehrere Clients gibt, anders als bei Bitcoin, wo Bitcoin Core ein Monopol hält. Auch diese Kritik von Bitcoinern war, wie immer, unfundiert.

Damit bringt diese Diskussion niemanden neue Erkenntnisse – aber beschleunigt hoffentlicht die Aktivierung der Auszahlungen von Ether.

Über Christoph Bergmann (2450 Artikel)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder ---

4 Kommentare zu Ethereum-Entwickler testen Auszahlung von gestakten Ether

  1. Wer seine Coins verleiht, ohne zu wissen ob und wann er sie zurückbekommt, kann auch Aktienfutures kaufen.

  2. Wer weiter auf dritte Parteien vertrauen möchte, ob er an sein Geld herankommt, nutzt Ethereum. Die Gefahr, dass sich dieses Vertrauen eines Tages rächen wird, wird heruntergespielt.
    Das Grundproblem kennen wir ja schon von den Banken im klassischen Fiatsystem („Bankrun“) und auch verschiedenen Kryptobörsen von Binance bis FTX. Bei Liquiditätsproblemen wird einfach die Auszahlung eingestellt. Die Nutzer schauen in die Röhre.
    Im Libanon haben die Leute vor einiger Zeit schon angefangen, Banken zu überfallen… nur um zu erzwingen, dass sie ihr eigenes (!) Geld ausgezahlt bekommen.

    Wer dagegen wirklicher Eigentümer Souverän seines Geldes sein möchte, nutzt halt Bitcoin. Dort stellen sich solche Fragen wie „Wann komme ich an mein Geld?“ überhaupt nicht. Denn man ist bei Bitcoin immer Herr im eigenen Haus.

  3. Staking ist in erster Linie Sicherung des Netzwerkes, Verleihen ist leicht anders. Bei mir sammeln sich stETH, warum soll man jetzt im Bärenmarkt ETH auflösen z.B. in Dollar/stablecoin ? Lending auf aave, nfts auf opensea momentan ziemlich ausgehungert. Auscashen macht erst ab Anfang 2025 Sinn – gilt auch für Bitcoin.

    • „Auscashen macht erst ab Anfang 2025 Sinn – gilt auch für Bitcoin.“

      Hast du eine Glaskugel?

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: