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Bitcoin-Miner können Kredite nicht mehr zurückzahlen

"Miner's Cabin" von jar() via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Kapitulation der Miner setzt sich fort: Die Profite schmelzen, immer mehr Geräte werden abgeschaltet, und die Hashrate sinkt. Dies trifft auch die ohnehin angeschlagenen Lending-Plattformen.

Man möchte derzeit kein Krypto-Kreditgeber sein. Nachdem schon der Ausfall von FTX tiefe Löcher in die Bilanzen einiger Lending-Plattformen gerissen hat, folgen nun Tiefschläge durch die Miner.

Laut Bloomberg haben die Miner rund vier Milliarden Dollar an Darlehen aufgenommen, um sich Mining-Geräte zu kaufen. Da nun der Preis tief gefallen ist, sind die Profitmargen der Miner gefallen – zum Teil ins Negative – und mit ihnen der Wert jener Mining-Geräte, die die Darlehensgeber gerne als Sicherheit akzeptiert haben, solange die Profitraten der Miner hoch waren.

Unter den Lending-Plattformen, die solche Darlehen vergeben haben, sind oder waren etwa Celsius, BlockFi, Galaxy Digital, Foundry der Digital Currency Group und die New York Digital Investment Group.

Nun kommen die Miner von mehreren Seiten unter Druck: Auf der einen Seite fiel der Bitcoin-Preis – und damit ihre Erträge – und  auf der anderen Seiten stiegen die Strompreise – und damit ihre Betriebskosten. In der Folge können einige Miner ihre Darlehen nicht mehr zurückzahlen – sie sind insolvent. So wird etwa Iris Energy Ltd wohl bald zahlungsunfähig sein, Core Scientific steht wohl kurz davor; andere Mining-Unternehmen überlassen den Darlehensgebern die nun wertlosen Mining-Geräte, anstatt die Raten zu bezahlen, obwohl sie noch liquide wären. Und diese bleiben wohl oder übel darauf sitzen.

Bloomberg nimmt an, dass noch mehr Insolvenzen folgen werden, sowohl der öffentlich gehandelten auch auch der privaten Miner, und dass dies droht, weitere Lending-Plattformen mit sich zu reissen. In jedem Fall wird es weitere Wunden in die ohnehin schon angeschlagenen Plattformen schlagen.

Mittlerweile zeigen sich die ungünstigen Umstände der Miner auch in der Hashrate. Diese ist von rund 270 Exahash Mitte November auf nun 250 Exahash gefallen, mit einem vorübergehenden Tief von 234 Exahash. Das wäre ein Abbau der gesamten Hashpower um gut 10 Prozent.

Die Hashrate der Bitcoin-Miner. Quelle: Blockchain.com

Das ist relativ gesehen deutlich weniger als im Jahr 2018, als die Hashrate – ebenfalls Ende November – von 50 auf weniger als 40 Exahash sank. Absolut gesehen ist der Rückgang aber – sieht man von einem vorübergehenden Knick Mitte 2021 ab – beispiellos. Er entspricht etwa 80.000 Antminer S19, der neusten Generation von Asics. Da die Miner eher alte Geräte abschalten, dürfte die Anzahl der nun nutzlos daliegenden Miner noch einiges höher sein.

Während die Hashrate schrumpft, scheint sie sich etwas stärker zu zentralisieren. Die fünf größten Pools, Foundry, AntPool, F2Pool, Binance und ViaBTC stellen zusammen mehr als 80 Prozent der Hashpower.

Immerhin ist es nicht mehr weit bis zur nächsten Anpassung der Schwierigkeit. Diese wird für den 6. Dezember erwartet und dürfte die Schwierigkeit um mehr als 8 Prozent senken. Dies wird vermutlich dafür sorgen, dass die Hashrate wieder steigt, da sich der Betrieb alter Miner wieder etwas mehr lohnt. Bitcoin regeneriert.

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5 Kommentare zu Bitcoin-Miner können Kredite nicht mehr zurückzahlen

  1. Und täglich grüßt das Bärenmarkt Murmeltier, alle paar Jahre dasselbe in anderer Ausführung !

  2. Die Hashrate ist inzwischen schon wieder auf 300 Eh/s gestiegen. Das ist aus meiner Sicht vollkommen irrelevant.

  3. Die Difficulty wird sich auch am Strompreis orientieren, weil Miner nicht wirtschaftlich arbeiten. Aber Mining Unternehmen oder Mining Pools waren im Satoshi Whitepapier nicht vorhergesehen.

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