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Ein ehemaliger chinesischer Beamte half einer illegalen Mining Farm, 10 Prozent des Stroms einer Großstadt zu verbrauchen

Polizisten in China. Bild von Mussi Katz via flickr.com. Lizenz: Öffentliche Domäne

In China wird einem ehemaligen ranghohen Beamten der Prozess gemacht. Ihm wird vorgeworfen, einer großen Mining-Farm mehrere Jahre lang dabei geholfen zu haben, unerkannt zu bleiben.

Wenn man in China einer Straftat überführt wird, kann dies demütigend ausgehend – vor allem für Staatsbeamte.

„Ich habe gegen die Menschen in Fuzhou gesündigt, und ich habe sie enttäuscht“, sagte Xiao Yi schuldbewusst in einer Fernsehansprache, „Weil ich eine gestörte Perspektive auf politische Errungenschaften habe, habe ich verantwortungslos gehandelt und große Verluste verursacht.“

Xiao war der Vize-Vorsitzende des Provinz-Kommittees der Kommunistischen Partei in Jiangxi. Ihm wird vorgeworfen, das Mining von Bitcoin und anderen Kryptowährungen unterstützt zu haben. Wie die South China Morning Post berichtet, hat er einer Firmengruppe, Genesis Technology, dabei geholfen, das Mining zu verschleiern, indem sie sich als Unternehmen für Big Data und Cloud Computing ausgab. Die Firma betrieb 160.000 Miner, die 10 Prozent des Strombedarfs von Fuzhou, einer 8-Millionen-Einwohner-Stadt an der Ostküste, verbrauchten.

Um den hohen Stromverbrauch zu verbergen, ließ Xiao durch lokale Behörden Statistiken fälschen, etwa indem die Kategorien geändert wurden, für die Strom verbraucht wurde. Er hat Genesis Technology darüber hinaus geholfen, 2,4 Milliarden Yuan (354 Millionen Dollar) an Investmentkapital aufzutreiben – von der Regierung.

Der Beamte wurde 2021 von seinen Regierungsgeschäften entbunden, unter anderem weil er Bestechungsgelder angenommen, an Banketten teilgenommen hatte, die ihn an der Erfüllung seiner Pflichten hinderten, seine Macht gegen Geld und Sex getauscht und Positionen mit Günstlingen besetzt hatte. Er spielte auf der ganzen Klaviatur der Korruption. Seine Unterstützung des Minings kam wohl erst im Zuge der Ermittlungen ans Licht.

Interessanterweise betrieb Genesis die Mining-Farm zwischen 2017 und 2020. In dieser Zeit war das Mining nicht offiziell verboten, erst im Mai 2021 beschloss die Regierung, dem Mining den Garaus zu machen. Denn dieses verbrauche zwar eine große Menge Strom und verursache damit erhebliche Emissionen, trage aber sehr wenig zu Beschäftigung, Entwicklung und Fortschritt bei, sondern werde vielmehr genutzt, um regulatorische Bestimmungen zu unterlaufen und illegale Transaktionen abzuwickeln. Bis Juni 2021 wurden die Mining-Farmen in der Inneren Mongolei, Sichuan und Xinjian geschlossen, woraufhin das Mining in China vollständig zum Erliegen kam.

Mittlerweile scheint China Analysen zufolge jedoch wieder rund 20 Prozent der globalen Hashrate zu stellen. Der Fall von Xiao könnte zeigen, wie dies möglich wird – das Mining geschieht illegal, vielleicht sogar finanziert durch die Regierung, aber durch die lokalen Behörden verborgen. Solange es Korruption gibt, wird auch Mining möglich sein.

Da Mining vor 2021 nicht offiziell verboten war, wurde Xiao also rückwirkend für ein Verbrechen bestraft, das zu der Zeit, in der er es begang, rechtlich zumindest noch in der Grauzone steckte. Möglicherweise ist dies eine Methode einer autokratischen Regierung, für die Rechtsstaatlichkeit wenig gilt, wenn sie strafen möchte.

Über Christoph Bergmann (2450 Artikel)
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