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Spanische Zentralbank genehmigt Euro-Stablecoin von privatem Anbieter

In Málaga ist das Hauptquartier des spanichen Zahlungsanbieters MONEI. Bild von Nick Kenrick via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Mit Stablecoins können private Unternehmen Eurotoken herausgegeben, die ebenso funktionieren wie alle anderen Blockchain-Token. In Spanien gibt die Zentralbank einem solchen Coin grünes Licht – im Rahmen einer kontrollierten Testumgebung.

Während die Europäische Zentralbank (EZB) wie zahlreiche andere Zentralbanken plant, selbst eine digitale Währung herauszugeben, könnte in Spanien ein ungleich vielversprechenderes Kapitel der Geschichte des Euro seinen Anfang nehmen. Denn dort hat die Zentralbank einem Fintech-Startup die Erlaubnis erteilt, selbständig einen digitalen Euro als Stablecoin auf öffentlichen Blockchains zu schaffen.

Das Startup heißt MONEI, und es agiert eigentlich als Zahlungsdienstleister, der zahlreichen Unternehmen hilft, auf traditionelle Weise Zahlungen zu akzeptieren. Es wird den Euro-Stablecoin EURM herausgeben, der, so die Pressemitteilung „Zahlungen und Überweisungen von Euro-Stablecoins auf den Blockchains Ethereum und Polygon europaweit erleichtern wird.“ Die User müssen sich per Videoident identifizieren und eine Wallet mit Euro aufladen. Diese Euro werden automatisch in EURM konvertiert. In der Testphase ist der Betrag auf 10 Euro beschränkt, die „echten“ Euro liegen auf Bankkonten von BBVA und Caixabank.

Die Stablecoins haben, meint CEO Alex Saiz Verdaguer, „das Potential, die Zukunft des Bezahlens zu sein. Das ist unsere Chance, dem Rest Europas und der Welt zu zeigen, dass wir an der Spitze stehen. EUROM ist die ultimate pan-europäische Lösung, die es Bürgern und Unternehmen auf dem ganzen Kontinent erlauben wird, Geld in Echtzeit zu empfangen und zu versenden.“

Das grüne Licht der Zentralbank erstreckt sich zunächst jedoch noch auf eine Testphase. Diese findet im Rahmen der Financial Sandbox der Zentralbank statt, die eine Art Safe Space sein soll, in welchen Projekte „technologie-basierte Innovationen im Finanzsystem testen können“, während die Risiken für das Finanzsystem kontrolliert und minimalisiert werden.

Mit einer privatwirtschaftlichen Herausgabe von Stablecoins könnte der Euro den gewaltigen Vorsprung abbauen, den der Dollar im Markt für Stablecoins gewonnen hat. Denn während Zentralbanken rund um die Welt viele Jahre lang über digitale Währungen nachgrübeln – die EZB hat sich noch immer nicht entschieden, ob sie überhaupt wirklich eine herausgeben möchte – und dann Produkte veröffentlichen, die wie in Nigeria überhaupt nicht ankommen, haben diverse private Unternehmen wie Tether oder Circle mit ihren Stablecoins USDT und USDC längst Tatsachen geschaffen.

Eventuell könnte der Euro den verlorenen Boden wieder ein Stück aufholen, wenn sich die EZB und andere europäische Zentralbanken für einen Ansatz erwärmen, der auf eine privatwirtschaftliche Ausgabe von Stablecoins setzt. Falls denn die bereits an Dollar-Token gewohnten Märkte überhaupt ein echtes Interesse an Euro-Stablecoins haben.

Über Christoph Bergmann (2450 Artikel)
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