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So rapide entwertet das NFT zu Jack Dorseys legendärem ersten Tweet

Mitten im NFT-Hype kaufte jemand für eine enorme Summe ein NFT zum ersten Tweet überhaupt. Nachdem der Hype vorbei ist, will keiner mehr dafür mehr als einen winzigen Bruchteil bezahlen. 

Manchmal ist das Ganze doch nicht mehr als die Summe seiner Teile, und ein einzelnes Beispiel nützlich, um einen allgemeinen Trend zu untermalen.

Das Beispiel in unserem Fall ist das „Nicht Fungible Token“ (NFT) von Jack Dorseys legendärem ersten Tweet, und der allgemeine Trend der Niedergang des NFT-Marktes.

Im Frühjahr 2021, als der NFT-Markt noch ungebremst gehypet hat, hat jemand begonnen, Screenshots von Tweets als NFTs zu verkaufen. Warum auch nicht? Ein Tweet ist ein Stückchen Text, das einen klaren Urheber hat, und von dem man in höchster Transparenz weiß, wie oft es gesehen und geliket wurde.

Ein gutes Beispiel dafür ist Jack Dorseys erster Tweet, mit dem der Gründer von Twitter die Plattform für Kurznachrichten eröffnete: „just setting up my twttr“. Rein statistisch ist dieser Tweet unglaublich beliebt: Er wurde 117.887 Mal retweetet, 21.370 Mal zitiert, erhielt 192.784 Likes und wurde von 10.160 Usern als Lesezeichen gespeichert. Ein Tweet mit solchen Zahlen sollte wertvoll sein, oder? Und ein NFT, das offiziell zu diesem Tweet gehört, weil es von Jack Dorsey selbst signiert wurde, sollte ebenfalls seinen Wert haben, oder?

Tatsächlich wechselte das NFT für diesen Tweet für 2,5 Millionen Dollar den Besitzer. Es wurde eines der teuersten NFTs dieser Phase, und Visionäre sahen in ihm das erste Beispiel dafür, wie man Popularität auf Twitter dank Token zu Geld machen kann. NFTs können nicht nur Werte abbilden, schrieben wir damals trotz einer starken Skepsis – sondern auch neue Werte erzeugen, die es bisher nicht gab.

Diese Vision darf zweieinhalb Jahre später als geplatzt gelten.

Der Käufer von Dorseys Tweet, Hakan Estavi von Bridge, einem Oracle-Service für Tron, bot das NFT danach für satte 48 Millionen Dollar an. Er hoffte auf einen fast 20-fachen Profit! Doch schon im Mai 2023 stellte das Magazin Coindesk fest, dass bei der letzten Auktion nur noch Gebote bis maximal 277 Dollar einliefen.

Heute findet sich auf OpenSea immerhin ein Gebot für einen Ether, also gut 1.800 Dollar. Das ist schon mal viel besser als 277 Dollar. Aber es bleibt ein Verlust von 2,498 Millionen Dollar oder 99,928 Prozent.

Dazu passt ganz gut, dass Jack Dorsey nicht mehr CEO von Twitter ist, sondern seinen Account nutzt, um für die dezentrale Alternative Nostr zu werben, während Elon Musik Twitter als neuer CEO auf eine Weise umbaut, die nicht jedermann so richtig klasse findet.

Doche es wäre zu einfach, alles auf Elon Musik zu schieben. Denn so gut wie alle NFTs haben massiv an Wert verloren, wenn auch nicht alle im Umfang vom Tweet von Jack Dorsey. CryptoPunks, Pudgy Penguins und Bored Apes sind weiterhin teuer. Doch zahlreiche NFTs dürften ebenfalls die 99,X-prozentige Abwertung mitgemacht haben.

Wie weit NFTs insgesamt im Preis abgerutscht sind, ist schwer zu sagen. Klar ist aber, dass das Handelsvolumen auf so gut wie allen Marktplätzen massiv gesunken ist. Während es im März 2021, als Jack Dorseys Tweet verkauft wurde, noch etwa 200 Millionen Dollar am Tag betrug, dümpelt es gegenwärtig teilweise bei gerade mal drei Millionen herum.

NFTs werden, trotz allem, bleiben. Es gibt zahlreiche sinnvolle Anwendungen für Nicht-Fungible-Token, die nicht mehr verschwinden werden. Aber der große Hype ist vorüber, und viele Modelle haben keine Zukunft. Eines davon ist es wohl, Tweets als NFTs zu verscherbeln.

Über Christoph Bergmann (2641 Artikel)
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