“Im Ordinals Space ist noch alles frisch. Keiner weiß, wo es genau hingeht, aber wir stehen da und sind bereit”
Freerk (links) und Christoph von Ordimint. Bildrechte vollständig bei Ordimint, für diesen Artikel berei gestellt.
Mit Ordinals hat Bitcoin ein beliebtes Protokoll für NFTs und Token bekommen. Das Berliner Startup Ordimint hilft Künstlern und anderen, die Ordinals auf die Blockchain zu bringen. Wir haben mit den Gründern geredet. Wer, wenn nicht sie weiß, was im Markt für Ordinals passiert?
Viele, auch wir vom Bitcoinblog.de, haben die fungiblen und nicht-fungiblen Token auf Basis von Ordinals für ein Strohfeuer gehalten. Schließlich gibt es seit langem NFTs und ERC-Token, die, etwa auf Ethereum, in ein lebhaftes Ökosystem eingebunden sind.
Doch die Nachfrage nach Ordinals-Transaktionen ist offenbar ungebrochen. Daher erkundigen wir uns bei jemandem, der sich besser damit auskennt: den Berlinern Christoph (Lightrider) und Freerk. Sie haben mit Ordimint ein Startup gegründet, das es einfach macht, alles rund um Ordinals auf die Blockchain zu bringen. Das kommt so gut an, dass sie ein Investment eines New Yorker Accelerators bekommen haben, der sie im Sommer auch zu sich eingeladen hat.
Das Bitcoinblog.de hat sich mit den beiden unterhalten, um mehr darüber zu erfahren, was sie machen und wie es um die Ordinals bestellt ist.
Hallo Christoph, hallo Freerk! Was an Ordinals hat euch so gut gefallen, dass ihr es zu eurem Vollzeit-Job gemacht habt?
Christoph: Im Februar kamen die Ordinals raus, und mir gefiel gleich, wie gut durchdacht und sauber aufgebaut das Konzept ist. Man schreibt einfach die Daten in ein Taproot-Script und trackt dann den ersten Satoshi. Das ist simpel, aber effektiv, so dass man einfach etwas darauf bauen kann. Das erklärt vermutlich, dass es so erfolgreich ist.
Habt ihr denn zuvor etwas mit Token und NFTs zu tun gehabt?
Freerk: Nein, wir sind in einer ganz anderen Community. Die großen Protagonisten am NFT-Markt haben teilweise mehr als 100.000 Follower auf Twitter, aber keine gemeinsamen mit mir, was bei Bitcoin-Leuten nie vorkommt. Das ist eine separate Bubble – was ja das Schöne ist, da so neue Leute aus einer künstlerischen Ecke kommen und Bock haben, sich mit Bitcoin zu beschäftigen.
Christoph: Ich hatte einfach Lust, mit einem neuen Konzept zu experimentieren. Ich hatte zuvor viel mit Lightning gemacht, und nun ist es interessant, wieder onchain zu arbeiten. Da man einen Full Node und einen Ord-Node braucht, um Ordinals auf die Blockchain zu bringen, ist das für Künstler in der Regel viel zu kompliziert. Also habe ich eine Webseite gebaut, über die man per Lighning dafür bezahlen kann, dass wir etwas inscriben. Das fanden viele Leute gut, und so kam eines zum anderen.
Freerk: Wir basteln halt gerne. Ein bisschen rumhacken.
Was genau kann man auf eurer Webseite machen?
Christoph: Wir wollen alles abdecken, was über Ordinals geht. Man kann bei uns Inscriptions minten, also NFTs, aber auch BRC-Token oder Tap-Token und mehr. Wir bieten auch eine Wallet für Odinals an und experimentieren mit den Protokollen, die sich gerade bilden. Freerk hat verschlüsselte Ordinals gebaut, so dass man ein Passwort braucht, um sie zu sehen.
Freerk: Im Ordinals Space ist ja noch alles frisch. Keiner weiß, wo es genau hingeht, aber wir stehen da, sind bereit und machen mit.
Christoph: Nicht alles ist gut. Ich finde etwa die BRC-Token ziemlich ineffizient, weil man zwei Transaktionen braucht, um sie zu versenden. Die Tap-Token sind etwas besser, aber ich hoffe, mit Taro oder Taproot Token wird es noch bessere Protokolle geben.
Freerk: Wir haben auch die .sats-Domains integriert, danach gab es im März eine große Nachfrage. Die Leute dachten vermutlich, man könnte auf sie genauso spekulieren wie auf Internetdomains. Aber soweit ich weiß, gibt es überhaupt kein System, wie Leute das nutzen können.
Christoph: Das sind ja nur einige Daten im json-Format. Es gibt noch mehr Domains, etwa .btc, und auch Bitmap, da kann man sich Stücke von Landkarten auf der Bitcoin-Blockchain kaufen. Es passiert sehr viel, und wir setzen nicht alles gleich um. Wenn wir das täten, gäbe es bei uns jeden Tag was neues.
Bisher fehlt ja noch die Killer-App von Ordinals. Dennoch halten sie sich. Wisst ihr, warum?
Christoph: Weil die Leute es weiterhin cool finden. Bei den Token geht es, wie bei Bitcoin und ERC-Token, um Spekulation, das ist ein ähnliches Publikums. Bei den Inscriptions, also den NFTs, erleben wir, dass viele Leute von anderen Blockchains überwechseln, von Ethereum oder Solana. Sie schätzen es, dass Bilder komplett onchain und auf der sichersten Blockchain gespeichert werden.
Freerk: Das eröffnet einen anderen Zugang zu Bitcoin, und weil Bitcoiner grundsätzlich Sammler sind, mögen sie das.
Wonach ist die Nachfragen denn am größten?
Freerk: Das ist unterschiedlich. Lange waren BRC-20-Token im Trend. Als dann manche Token zu Ende geminted waren, ließ das zeitweise wieder nach.
Christoph: Man kann die BRC20-Token nicht einfach verteilen, sondern nur den maximalen Supply angeben. Dann minten ihn die Leute selbst. Man kann pro Transaktion etwa 1.000 Token minten, aber wenn es insgesamt 21 Millionen Token gibt, muss man sie 21.000 mal minten. Daher lösen die neuen Token Wellen an Transaktionen aus, die sich über Monate hinziehen können.
Freerk: Vor etwa einem Monat lief ein Projekt aus. Dann gab es fast keine Ordinals-Transaktionen mehr. Aber seitdem geht es wieder los. Nun sind 50-60 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen Inscriptions. Daran wird man sich wohl gewöhnen müssen.
Gibt es bei den Ordinals-Token denn nützliche und erfolgreiche Projekte, so wie Stablecoins auf anderen Blockchains?
Christoph: Das Orditoken war ziemlich erfolgreich. Das konnte man im März für 80 Cent minten, heute bezahlt man 35 Dollar je Token. Und dabei war es als wertloser Test geplant.
Freerk: Ein Token ist ja nur ein json-Text. Das ist nicht wie bei Ethereum oder Solana, dass man mit Smart Contracts funky Sachen machen kann. Daher gibt es bisher keine Geschichten wie DeFi.
Christoph: Mit dem neuen Tap-Token kann man etwas mehr machen, etwa Liquidity-Mining oder Staking, und vermutlich noch mehr. Das ist ein etwas komplexeres Protokoll.
Bei den NFTs auf Ethereum gibt es viele Erfolgsgeschichten, etwa die CryptoPunks, Bored Apes oder die Werke von Künstlern wie Beeples. Gibt es bei den Inscriptions vergleichbare Erfolge?
Christoph: Unter den NFTs wurden die Taproot-Wizards bekannt, die haben sogar 7,5 Mio Risikokapital eingesammelt, nur für ihre 1121 Bildchen. Die sind extrem erfolgreich, weil Udi und Eric extrem gut darin sind, Bitcoiner zu triggern. Sie machen auch gutes Marketing, in Miami sind sie im Wizard-Kostüm aufgetreten, auf der Inscribe Amsterdam haben sie eine Wizard-Party veranstaltet.
Ihr habt auch eine Kategorie für „News“, die man hochladen kann. Wird das genutzt?
Christoph: Das ist ein News-Standard, der am Anfang der Ordinals-Zeit entstand, um News auf der Blockchain zu verewigen. Ich mag die Idee, aber er wird nicht stark genutzt. Es macht halt nur Sinn, eine Information auf der Blockchain abzuspeichern, wenn man will, dass sie in 100 Jahren noch da ist.
Was käme da in Frage?
Christoph: In Bali versucht man gerade, den kulturellen Schatz zu inscriben, als ein Proof of Concept. So etwas finde ich spannend. Man könnte auch den Standort von Atomendlagern inscripen, so dass man nie vergisst, wo sie sich befinden.
Freerk: Oder auch persönliches. So wie man ein Herz mit Initialen in einen Baum schneidet. Wenn man sich verliebt, wenn man heiratet, wenn man ein Kind bekommt, wenn jemand stirbt. In Zukunft wird die Blockchain-Archäologie sicher mega interessant, man sieht, wie bei den Ringen eines Baumes, welche Protokolle es zu welcher Zeit gab.
Ich habe vor kurzem gelesen, dass jemand ein Video auf die Blockchain hochlädt, in vielen einzelnen Teilen …
Freerk: Ja, man kann per Ordinals die Teile verlinken. Eine Person kann ein JavaScript hochladen, eine andere ein Bild, und eine dritte eine HTML-Datei, die das alles verbindet. Das nennt sich Recursive Inscriptions.
Das erinnert mich an Bitcoin Satoshi Vision (BSV). Dort hat man vor einigen Jahren damit experimentiert, Daten auf die Blockchain zu laden und diese zu verbinden. Fließen diese Erfahrungen in die Arbeit mit Ordinals ein?
Christoph: Lustigerweise schon ein Stück. In Berlin gibt es einen BSV-Space, bei dem ich auf einem Meetup war, von B2029. Manche ehemaligen BSV-Leute arbeiten mit Ordinals, ich glaube, von Twetch. Das, was sie damals versucht haben, kommt zum Teil wieder auf Bitcoin zurück. Bisher werden keine Protokolle übernommen, soweit ich es weiß, aber das kann sich ja noch ändern.
Damals war es eine Standardfrage, wie man mit kriminellen Daten umgeht, klassischerweise Kinderpornographie.
Freerk: Technisch gesehen haben die Ordi-Wallets und der Explorer eine Blockliste, auf der Inscriptions stehen, die gemeldet wurden. Bisher ist die aber leer. Eine solche Diskussion gab es schon früher, als jemand eine pädophile Linkliste auf die Blockchain geladen hat. Es gab einen Aufschrei, aber die Leute haben es danach vergessen. Wir schauen gelegentlich rein, was die Leute minten, da ist viel Quatsch dabei, aber bisher habe ich noch keine Pornographie oder Hakenkreuze gesehen.
10Christoph: Ich bin mal auf Brüste gestoßen, aber das war ein Gif. Natürlich muss man zugeben, dass man niemanden daran hindern kann, Daten auf die Blockchain zu laden. Aber man muss auch sagen, wenn da jemand Kinderpornographie hochlädt, wird er verfolgt, vor allem von den Amerikanern, und über Bitcoin legt er ja auch eine Spur zu sich selbst.
Freerk: Ein wenig hängt die Frage dennoch wie ein Damokles-Schwert über uns, weil es illegal werden könnte, einen Full Node zu betreiben.
Was erwartet ihr für die Zukunft?
Christoph: Ehrlich gesagt habe ich keine konkrete Ahnung. Ich denke, das BRC-Volumen wird nachlassen und durch sinnvolle Dinge ersetzt werden. Der begrenzte Blockspace ist wie ein Filter. Wenn du Blödsinn machst, wird dir das Geld ausgehen. Aber viele Leute warten nur darauf, dass die Gebühren sinken, um etwas zu inscriben. Daher denke ich, dass es als Grundrauschen fortbestehen und es sehr lange dauern wird, bis sich der Mempool leert.
Freerk: Ich denke, es passiert in Wellen. Wenn die Gebühren hoch sind, lohnt es sich nicht, 1.000 NFTs einzuschreiben, aber wenn sie sinken, lohnt es sich wieder. Daher wird es ein Auf und Ab geben, und ich denke, das wird auch so bleiben. Mit den Ordinals haben wir einen Buyer of Last Resort für Blockspace. Das sorgt auch für die Sicherheit von Bitcoin. Denn schon bisher haben die Miner durch Ordinals mehr als 100 Millionen Dollar verdient.
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Ein anderes Projekt von den beiden ist LNVPN (https://lnvpn.net/). Dort kann man nicht nur einen VPN mieten, sondern auch Mobilfunknummern für den Empfang von SMS. Praktisch, wenn man sich mal irgendwo anmelden muss, und deutlich zuverlässiger als kostenlose Dienste. Ich wünschte, sowas hätte man früher mehr promoted.