Magie? Wirex führt nicht-treuhänderische Debit-Karten ein
Account Abstraction macht es möglich: Wirex gibt Debit-Karten heraus, bei denen man überall aus seiner Ethereum-Wallet heraus bezahlen kann – und dabei die volle Kontrolle behält. Klingt zu gut, um wahr zu sein, ist aber so.
Was für eine faszinierende, aber zunächst verwirrende Nachricht: Die Online-Wallet Wirex, die schon seit langem Wallet und Debit-Karte verbindet, eröffnet mit WPay ein dezentrales Zahlungsnetzwerk. Dieses soll erlauben, mit einer nicht-treuhänderischen Debit-Karte seine Kryptowährungen und Token bei mehr als 50 Millionen Händlern weltweit auszugeben.
Wie bitte? Eine „nicht-treuhänderische Debit-Karte“, mit der man wie mit anderen Karten überall bezahlen kann? Wie soll das möglich sein?
Es ist möglich, und Wirex ist nicht der einzige Anbieter. Gnosis Pay hat etwa diese Woche begonnen, nicht-treuhänderische Debitkarten zu versenden. Aber bleiben wir zunächst bei Wirex.
Der User beginnt, erklärt Wirex, mit einer gewöhnlichen Ethereum-Wallet. Metamask, Enkrypt, und so weiter. Diese gewöhnliche Wallet verbindet der User dann mit einer „Smart Wallet“ auf Basis von „Account Abstraction“. Für diese kann er unter anderem Ausgabenlimits setzen. Die Smart Wallet steht zwischen dem User und der Debit-Karte, die von Visa oder MasterCard ist, und, dem Plan zufolge, auch dem Bankkonto.
„Hinter den Kulissen, werden die Zahlungen reibungslos von der WPay-Plattform abgewickelt,“ schreibt Wirex. „Es gibt keinen Grund, sich um die Details zu sorgen. WPay kümmert sich um die Abwicklungs-Prozesse mit Visa, Mastercard und den Händlern.“

Viel mehr gibt Wirex nicht bekannt. Das ist ziemlich dünn. Irgendwie steht Account Abstraction im Zentrum der Konstruktion, aber warum und wie bleibt im Dunkeln.
Um zu verstehen, was hier geschieht, sollte man die Internetseite von Visa aufsuchen. Dort stellt der Kreditkartenanbieter eine Lösung vor, wie man „einen Smart Contract für eine nicht-treuhänderische Wallet schreibt, der es erlaubt, automatisiert Guthaben zu ziehen, anstatt die Partizipation des Users für jede Push-Zahlung zu erfordern.“ Das könnte unsere Frage beantworten.
Das Kernproblem ist das folgende: Wenn man eine nicht-treuhänderische Krypto-Wallet verwendet, sind nur „Pull-Transaktionen“ möglich, also Transaktionen, die der Sender auslöst. Lastschriften und Daueraufträge sind unmöglich. Das ist die fundamentale Beschränkung von Krypto als Zahlungsmittel.
Account Abstraction hebt diese Beschränkung auf. Zunächst macht Account Abstraction einen simplen Account zu einem Smart Contract. So wird es möglich, dass der User beliebige Bedingungen definiert, wie der Inhalt einer Adresse ausgegeben werden kann. Das kann prinzipiell alles sein, ein Passwort, ein Berechnung, ein Zeitpunkt, eine Temperatur …
Visa schafft dadurch einen „delegierbaren Account“: Der Besitzer des Accounts gibt anderen Parteien das Recht, über einen weiteren Smart Contract Zahlungen auszulösen. Die Konstruktion bei Visa geht etwa so, dass ein User einem Händler gestattet, über einen speziellen Smart Contract Zahlungen auszulösen, also Geld aus der Wallet zu „ziehen“. Um Missbrauch zu verhindern, kann der User Ausgabenlimits setzen. Damit hätten wir eine Lastschrift.
Ob exakt so oder etwas modifiziert – Wirex‘ WPay nutzt Account Abstraction, um eine nicht-treuhänderische Debit-Karte zu bilden, und Visa und MasterCard spielen mit, und es gibt im Prinzip keinen Grund, der Banken daran hindert, auch einzusteigen.
Darüber hinaus verwendet Wirex zur Abwicklung der Zahlungen offenbar eine „Appchain“. Das ist „WPay“ oder „W-Pay“. Diese Appchain wurde durch das SDK von Polygon entwickelt. Sie ist, erklärt Wirex, „ein Netzwerk, das für eine bestimmte Anwendung optimiert ist. Es ist so entworfen, dass es Performance, Sicherheit und Funktionalität für diese spezifische Anwendung optimiert.“
Die spezifische Aufgabe in diesem Fall ist es offenbar, Pull-Zahlungen per Account Abstraction auszuführen, möglichweise auch, die Token in einer Wallet gegen Dollar-Token zu wechseln. Es wäre möglich, dass verschiedene Zahlungsanbieter sich in WPay einfinden, um Lastschriftschriften, Debitkarten und so weiter auszuführen, dass die WPay-Chain also die geschlossenen Zahlungsnetzwerke der Kreditkartenanbieter aufbricht.
Die Appchain ist per Zero-Knowledge-Proof mit der Ethereum-Blockchain verbunden. User können so ihre native Ethereum-Wallet auf die Appchain bridgen, und Transaktionen auf der Appchain werden auf der Ethereum-Blockchain verankert.
Bei Gnosis Pay läuft dies ziemlich ähnlich. Die Debitkarten sind dank Account Abstraction nicht-treuhänderisch, und sie laufen auf „Gnosis Pay“, einer L2 – Second Layer – auf der Gnosis Chain, einer Fork von Ethereum.
Aber wir wollen an der Stelle nicht noch tiefer in die Technologie hineingehen. Die prachtvolle Nachricht, um die es hier geht, ist, dass wir nun offiziell unsere nicht-treuhänderischen Wallets mit Debit-Karten verbinden können!
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Klingt erstmal geil. Wenn dann aber Mittelherkunftsnachweise gefordert werden, ist es das weniger. Gibt hierzu irgendwelche Angaben von Wirex?
Pull Zahlungen über die Ethereum Blockchain? Was kostet es dann an Gebühren, wenn man z.B. einen Kleinbetrag am Parkscheinautomaten mit dieser Karte zahlt?
Darum laufen sie auf einer Appchain, nehme ich an. Nicht als Vorwurf, sondern aus Neugier: Ab welcher Stelle hast du aufgehört, den Artikel zu lesen? Stand ja eigentlich drin.
„Die Appchain ist per Zero-Knowledge-Proof mit der Ethereum-Blockchain verbunden. User können so ihre native Ethereum-Wallet auf die Appchain bridgen, und Transaktionen auf der Appchain werden auf der Ethereum-Blockchain verankert.“
Das las sich so, als ob eben jede Transaktion dann eben auch auf die ETH Chain kommt. Und wenn die Appchain von einer einzigen Firma kontrolliert wird, muss man „non-custodial“ auch sehr mit Vorsicht geniessen, oder? Wie ist garantiert, dass die Firma sich nicht die Guthaben auf der Appchain einverleibt?
Müsste man im Detail sehen. AFAIK ist die Appchain ist ein Polgyon ZK Rollup SDK, das ist eigentlich ein solides Design, bei dem die Validatoren des Rollups nicht betrügen können.
Habe auf die Schnelle leider auch keine technischen Details gefunden. Falls das wirklich vollständig non-custodial ist, ohne Admin Backdoor wie z.B. bei Tether, dann wäre das wirklich ein geniales Produkt.
Man könnte den eigenen Contract dann z.B. auf 100€ pro Tag beschränken und bei Bedarf einer größeren Ausgabe kurzfristig erhöhen, dann hätte man minimales Risiko gegenüber Wirex, Visa/MC bzw. irgendwelchen übreifrigen Behörden. Würde mir dafür sogar wieder eine Ethereum Wallet zulegen, auch wenn deren Privatsphäre miserabel ist – Monero/Ethereum Atomic Swaps oder eine DEX bei Bedarf tun den Rest 😀
Auf der Ethereum-Chain werden die Transaktionen der Appchain gebündelt in einer Transaktion gesichert. Daher sind die Gebühren auf Ethereum niedrig.
BTW: Da hat sich ein Fehler eingeschlichen. Normalerweise sind nur Push-Transaktionen möglich, nicht Pull.