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Um die Allgemeinheit zu schützen: Venezuela verbietet Bitcoin-Mining und konfisziert 11.000 Asic-Miner

Blick auf Valencia in Venezuela. Bildtitel: "Vista Barrio", Bild von LaSonrisaDivina via flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0 Deed

Wegen der geringen Strompreise ist das Bitcoin-Mining in Venezuela beliebt. Doch nun geht die Politik dagegen vor – sie erlässt eine Art Verbot und schließt eine große Mining-Farm.

In Venezuela bestätigt sich die alte Erkenntnis, dass es nicht ausreicht, günstigen Strom anzubieten, um eine Mining-Großmacht zu sein – ohne ein leistungsfähiges, gut skalierbares Stromnetz geht es nicht.

Venezuela mag zwar eine der günstigsten Strompreise der Welt haben, mit weniger als 5 Dollar-Cent pro Kilowattstunde, doch das Stromnetz selbst ist offenbar nicht auf das Mining vorbereitet. Um es vor Überlastung zu schützen, geht die Regierung nun offenbar stärker gegen Bitcoin-Mining vor, indem sie eine Art Komplettverbot ankündigt und mehr als 11.000 Geräte beschlagnahmt.

So schrieb das Elektrizitätsministerium von Venezuela am Freitag auf Instagram: Es habe einen „Spezialplan für die Lastkontrolle“ initiiert, der „auf starke Verbraucher abzielt, die mit dem digitalen Mining verbunden sind.“ Der Zweck des Plans sei es, alle Krypto-Mining-Farmen im Land vom Stromnetz abzukoppeln, um den hohen Einfluss auf die Nachfrage zu vermeiden. „Dies erlaubt uns, den Bürgern von Venezuela einen effizienten und zuverlässigen Service gewähren zu können.“

Bitcoin-Miner haben also laut Elektrizitätsministerium eine Größenordnung in Venezuela erreicht, dass es nicht mehr möglich ist, das Stromnetz zuverlässig zu halten, solange sie den verfügbaren Strom absaugen. Der Inhalt des Posts klingt wie ein Vollverbot, vorstellbar wäre aber auch eine temporäre Maßnahme.

Einen Tag später hat Raphael Lacava, der Gouverneur des Bundesstaates Carabobo, in dem sich große Teile der industriellen Basis des Landes befinden, die Beschlagnahmung von mehr als 11.000 Mining-Geräten präsentiert. Er schreibt, ebenfalls auf Instagram:

„Ich habe um die größtmögliche Kollaboration gebeten, um die Situation des elektrischen Systems in unserem Bundesstaat zu verbessern. Es wird nur vorübergehend sein, ist aber notwendig, damit die Leute nicht länger leiden.“ Der Governeur schildert also ebenfalls eine dramatische Lage der Stromversorgung, nennt ein Mining-Verbot aber nur vorübergehend.

In einem Video zum Post zeigt er sich in einer Mining-Farm in einem Industriegebiet nahe der Provinz-Hauptstadt Valencia. Er geht durch die Farm und zeigt fassungslos auf die vielen Mining-Geräte – „es sind tausende, mehr als tausende!“ — und erklärt, sie vom Netz getrennt zu haben, da sie „tausende Kilowatt praktisch von der Nation stehlen“, und zwar „zu Lasten der Bevölkerung.“ Offenbar war die Stromversorgung von ganz Valencia bedroht.

Stromausfälle und Netzprobleme plagen Venezuela seit langem. Ob sich die Stromausfälle in diesem Jahr tatsächlich intensiviert haben, ist schwer zu sagen. Reuters berichtete im März davon, dass ein Stromausfall sogar den größten Ölraffineriekomplex des Landes, den Paraguana-Raffineriekomplex, lahmgelegt habe. Solche Blackouts, kommentiert der Nachrichtendienst, beeinträchtigen die Raffinerien und Ölterminals von Venezuela regelmäßig. In der spanischen Presse findet man regelmäßig Berichte über Stromausfälle, zuletzt Ende April dieses Jahres.

Ob das Krypto-Mining tatsächlich die Ursache der Stromausfälle ist oder eine willkommene Entschuldigung dafür, dass korrupte Ministerien den Aufbau und die Wartung des Stromnetzes sträflich vernachlässigt haben, ist natürlich nicht zu sagen. Man darf aber davon ausgehen, dass die Präsenz von Krypto-Minern bei günstigen Strompreisen schwächelnde Stromnetze rasch an ihre Limits zu bringen. Wenn die Strompreise staatlich gesetzt sind, führen sie rasch eine Mangelsituation herbei; der Preis und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage klaffen immer weiter auseinander.

So oder so dürfte sich ein Land wie Venezuela nur bedingt dafür eignen, eine Mining-Großmacht zu sein – trotz der reichen Energiequellen.


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4 Kommentare zu Um die Allgemeinheit zu schützen: Venezuela verbietet Bitcoin-Mining und konfisziert 11.000 Asic-Miner

  1. Paul Janowitz // 21. Mai 2024 um 16:25 //

    Ob das Krypto-Mining tatsächlich die Ursache der Stromausfälle ist oder eine willkommene Entschuldigung dafür, dass korrupte Ministerien den Aufbau und die Wartung des Stromnetzes sträflich vernachlässigt haben, ist natürlich nicht zu sagen.

    Klar ist die Infrastruktur am Ende, ich war zwar noch nie in Venezuela, aber Kuba arbeitet ja sehr eng mit ihnen zusammen, insbesondere da beide von Sanktionen gebeutelt sind…
    Allerdings ist ein zentralisiertes Mining 24/7 für jedes Stromnetz eine Belastung, auch in Deutschland (zwar auch marode, aber nicht vergleichbar mit Venezuela). Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Miner zu Hause keinem auffallen wird, aber kennt jemand noch jemanden, der einen zu Hause stehen hat? Vor 10 Jahren kannte ich einige Leute selbst in Deutschland, heute keinen einzigen. Die Kapitulation vor ASICs war in meinen Augen ein großer Fehler, denn Zugriff auf eine CPU hat heutzutage selbst in der dritten Welt fast jeder und wenn man diese z.B. nachts fürs Mining nutzt, ist das erstens dezentraler und belastet punktuell das Stromnetz nicht, es entlastet es wahrscheinlich sogar, da der Stromverbrauch außerhalb der Geschäftszeiten deutlich niedriger ist.

  2. Die letzte Info die ich gestern aus Venezuela von einem Bitcoiner ( kein Miner) erhalten hab,auf Nachfrage,ist ,dass der Strompreis nicht in kWh abgerechnet wird, sondern pauschal und unterschiedlich hoch,je nachdem ob es sich um einen Privathaushalt oder ein Geschäft handelt.
    Die Leute lassen in jedem Zimmer Klimaanlage laufen,ohne Rücksicht auf Verluste….typisch sozialistisches verhalten also,leider.
    Der Strom kommt zum größten Teil aus Wasserkraft,aber wie beschrieben,das Netz ist marode wie fast überall ( hier) in Lateinamerika.
    Die Miner sind also nicht das Problem,es ist das Verhalten der Leute,weil der Strom halt nix( extra) kostet.

    • Paul Janowitz // 23. Mai 2024 um 20:39 //

      Ja, rücksichtsloser Umgang mit Strom ist sicher (auch) ein Problem, nur ist das ziemlich dezentralisiert und verteilt sich auf die Zuleitungen, die über die Jahre „gerade so“ geflickt/ausgebaut wurden, dass sie lokal reichen. Ein Haushalt hat vielleicht 2 oder 3 Klimaanlagen mit je 1kW Leistung, ein einziger Miner braucht aber ggf. 5kW, eine Mining Farm mit 1000 Stück entsprechend 5MW und darauf ist die Infrastruktur keinesfalls ausgelegt.

      In Entwicklungsländern habe ich auch beobachtet, dass es praktisch unmöglich ist, verbrauchsbasiert abzurechnen, denn die Strommasten ähneln meist einem undurchsichtlichen Spinnennetz und kein Mensch kann da einen Überblick bekommen.

  3. Tom Mayer // 23. Mai 2024 um 20:09 //

    Die Miner sind also nicht das Problem,es ist das Verhalten der Leute,weil der Strom halt nix( extra) kostet.

    Das sehe ich genauso, das Problem ist anscheinend viel zu billiger Strom. In Deutschland sind die Stromtrassen vielleicht auch besser ausgebaut, aber unser Strom kostet 30c+ die KWh, nicht 5c oder so.
    Das verleitet dann nicht gerade zu Stromexzessen. Weder beim Mining noch anderswo.
    Ausser vielleicht man bekommt verbilligten Industriestrom. Aber wenn man den entgegen der Subventionsabsichten der Bundesregierung fürs Mining nutzt, wäre sicher auch recht schnell Schluss mit Billig.

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