Newsticker

Restaking durch Eigenlayer: Alles was ihr wissen müsst

In der Web3- und DeFi-Welt ist Restaking von Ether (ETH) mit EigenLayer einer der jüngeren Trends. Wir haben es getestet und die Doku gelesen. Nun stellen wir euch EigenLayer vor – das viel mehr ist als nur ein Bonus auf den Zins. 

Wenn man Ether staked, erhält man oft Liquid Staking Token (LST), etwa stETH, die hübsch in der Wallet liegen und Zinsen akkumulieren. Aber wenn die Token schon liqide sind – wäre es dann nicht nett, sie erneut zu staken, um noch mehr Yield, also Zins, rauszuholen?

Genau das ist, was Eigenlayer verspricht. Die Plattform ist aber mehr als das. Der Bonus auf den Zins ist eher ein Nebenprodukt einer Idee. Denn vor allem anderen schafft Eigenlayer eine ganz eigene Schicht – englisch „Layer“ – die die Sicherheit, die im Wert der ETH-Token ruht, benutzt, um andere dezentrale Projekte mit zu sichern – wovon die Staker natürlich profitieren können.

Bis Juni 2024 wurden über 5 Millionen ETH, das sind mehr als 20 Milliarden Dollar, über EigenLayer erneut gestakt. Restaking ist ein großes Thema – und es wird Zeit, dass wir uns dem annehmen.

Sicherheit recyclen

Sobald man Eigenlayer mal verstanden hat, ist alles klar und einfach. Aber dahin muss man erst einmal gelangen. Nicht besonders hilfreich ist dabei, dass die meisten Artikel, die man dazu liest, eher verwirren als erhellen.

Die Grundidee ist, dass Ethereum-Staker auch mehr machen können, als nur die Ethereum-Blockchain zu validieren. Wenn man schon einen Mechanismus hat, der Werte von vielen Milliarden Dollar als Gewicht nimmt, um einen Konsens zu validieren – warum sollte er nicht noch mehr validieren? Man könnte einfach den Stakern anbieten, dass sie weitere Mechanismen einfügen, um andere Blockchains und Projekte zu sichern, so ähnlich, wie Plugins im Browser dessen Infrastruktur nutzen, um mit dem Internet zu kommunizieren.

Im Kern belebt Eigenlayer damit die alte Idee des Merged Minings wieder, die Satoshi bereits für Bitcoin vorgeschlagen hat. Mit Merged Mining validieren Bitcoin-Miner auch andere Coins, etwa Namecoin, und Sidechains, etwa Roostock, was ein Gewinn ist, aber in seinem Effekt eher überschaubar bleibt.

Restaking bringt also dieses Konzept zum Ethereum — und trifft dort auf eine Welt des Web3, von Smart Contracts, Oracles, Token, Rollups und Sidechains.

Der kurze Walkthrough

Nun, zur Sache: wie profitiert ihr davon? Wie könnt ihr aus eurem Ethereum-Staking mehr machen? Im Grunde ist es einfach:

1. Ihr habt Liquid Staking Token (LST) wie stETH. Die bekommt ihr, indem ihr eure Ether in einen Staking-Pool gebt, der LSTs unterstützt. Ihr könnt sie aber auch direkt kaufen. Ein stETH entspricht einem Ether, mit dem Vorteil, dass er durch das Staking verzinst wird.

2. Ihr deponiert eure LST auf der Plattform Eigenlayer durch die Funktion „Restaking“. Dort könnt ihr auswählen, welche LST ihr restaked. Auch reine ETH sind möglich, aber dann müsst ihr selbst staken. Sobald ihr das getan habt, erscheinen die Token in eurem Dashboard und ihr sammelt „Restaked Punkte“. Diese werden automatisch in Relation zur Dauer des Stakings ausgeschüttet; sie entscheiden darüber, ob und in welchem Ausmaß ihr an künftigen Airdrops teilhaben werdet.

Um aber auch laufende Erträge zu kassieren, fehlt noch ein Schritt:

3. Ihr delegiert die LST. Dazu wählt ihr einen Node Operator aus, der verschiedene Projekte sichert. Das ganze ist relativ verwirrend. Die einen konzentrieren sich auf spezifische Projekte, die anderen suchen speziell nach Airdrops, die nächsten verteilen ihre Token wie ein Investmentfonds auf eine Vielzahl an Projekten. Wie hoch die Erträge ausfallen, erfahrt ihr vorher nicht.

4. Bevor ihr ins Blaue hinein restaked, solltet ihr diesen Artikel zu Ende lesen. Damit ihr auch versteht, ob Eigenlayer den Zinsbonus für die Stakes einfach erdichtet, oder ob die Erträge auf einem soliden Fundament stehen.

Die Bauteile der EigenLayer

Eigenlayer ist eine eigene Schicht. Man könnte sagen, sie ist eine Layer Zero, eine Layer 0, weil sie nicht auf Ethereum aufbaut, sondern davor beginnt, aber ihre Sicherheit aus derselben Quelle schöpft – dem Wert der gestakten Ether.

Eigenlayer ist keine Blockchain, keine Sidechain, kein Rollup, kein Konsens-Modell oder dergleichen. Das macht es teilweise schwer zu begreifen. Eigenlayer ist vielmehr ein Protokoll, das es Projekten erlaubt, sich an der Sicherheit der Ethereum-Staker zu bedienen.

Diese Projekte nennt man „Actively Validated Services (AVS)“. Es ist eine ziemlich bunte Mischung, in der Regel docken die Projekte bei Ethereum an, und machen etwas besser, etwa Rollups, Oracles und andere Services. Man kann sie sich am ehesten wie dezentrale Infrastrukturdienstleister vorstellen.

Falls ihr selbst validiert, könnt ihr eure Stakes auch selbst an AVS zuweisen. Die meisten User werden aber nicht selbst staken, sondern die Token, die sie bei einem Staking-Pool erhalten haben, nutzen. Dafür müsst ihr diese an einen Node-Betreiber delegieren. Ihr weist quasi einen Staker an, eure Token durch Eigenlayer zu restaken.

Dabei aber gibt es auch Risiken. Denn jeder Eingriff in die Blockvalidierung kann dazu führen, dass es zu einem Fehler kommt. Wenn ein Staker einen konsensrelevanten Fehler begeht, weil das Eigenlayer-Plugin einen Bug hatte – so wie ein Brower-Plugin einen Bug haben kann – droht eine Strafe durch das Protokoll. Der Fachbegriff heißt „Slashing“; man verliert einen Anteil der gestakten Ether.

Die Aufgabe der Delegierten ist es nun, auch im eigenen Interesse, die AVS kritisch zu prüfen, um das Risiko des Slashings zu minimieren.

Die AVS, die das Restaking schützt

Die AVS sind erst seit April 2024 live. Das Ökosystem um sie herum hat erst begonnen, sich zu entwickeln, man kann vieles erwarten, aber gewiss keine marktreifen Apps. Dennoch gibt es einige interessante Beispiele, die zeigen, in welche Richtung es geht:

  • EigenDA, ein „Data Availability Provider“ für Rollups – also ein Stück Infrastruktur, das Rollups besser machen soll.
  • eoracle, ein Oracle-Netzwerk, das auf dezentrale Weise Daten aus der „echten Welt“ für Smart Contracts zur Verfügung stellt.
  • die Witness Chain, ein Netzwerk zur Koordination des DePIN-Ökosystems
  • Brevis, ein Werkzeug, um durch Zero-Knowledge-Proofs Smart Contracts dabei zu helfen, Daten aus der gesamten Blockchain auszulesen
  • AltLayer MACH, ein Hilfsmittel, um die Finalität von Rollups wie Arbitrum und Optimism zu beschleunigen

Ihr versteht, so halbwegs, was das Muster ist? Es sind ziemlich technische, teilweise esoterische Projekte, bei denen selbst Krypto-Nerds nicht auf Anhieb wissen, worum es geht. Insgesamt sind es eher Werkzeuge, die helfen, einzelne Elemente von Ethereum zu verbessern, so wie NPM für Node oder PIP für Python, und ich stelle es mir so vor, dass ein Rollup beispielsweise mit MACH schneller wird, ein Smart Contract mit eoracle Daten zieht, oder mit Brevis vergangene Transaktionen effektiver ausliest.

Man könnte es auch so sehen: Ein Stückchen Protokoll-Entwicklung wird ausgelagert, indem Funktionalitäten, die manche gerne hätten, aber andere zu riskant finden, modular und als Plugin den Stakern angeboten wird, so dass diese, und nicht das Protokoll, das Risiko tragen, wenn die Funktionen einen Konsens-Fehler verursachen.

Insgesamt eine erfrischende neue Architektur! Jedoch ist über den Erfolg  noch nicht viel zu sagen. Ich weiß von keinem der Projekte, ob sie tatsächlich schon verwendet werden; Optimism immerhin hat AltLayer im Testnet ausprobiert. Die Rewards sind bisher auch eher stochastisch, falls überhaupt existent.

Eine kurze Geschichte von EigenLayer

EigenLayer nahm den Betrieb Mitte 2023 auf. Zunächst war die Anzahl der Ether oder LST auf der Plattform begrenzt, weshalb lange nicht jeder mitmachen konnte. In der Zeit bestand das Restaking vor allem daraus, dass man Punkte sammelte.

Im Mai endete diese Phase mit dem Airdrop des EIGEN-Token, das je nach Restaking Punkten ausgeschüttet wurde. Es ist ein Utility-Token, das Netzwerke wie EigenDA zu sichern hilft. Auch künftig sollen Airdrops Benutzer der Plattform belohnen, die entsprechend viele Restaking-Punkte gesammelt haben.

Kurz zuvor wurden AVS erlaubt, und etwas zur selben Zeit wurde die Grenze des maximalen Restakings aufgehoben, wodurch die Anzahl der Ether im EigenLayer-Ökosystem explodiert ist. Das führt zu Befürchtungen, dass die Erträge durch EigenLayer kollabieren werden, weil die AVS, die bisher an den Stakes andocken, längst nicht genug erwirtschaften. Falls überhaupt etwas.

Das Ökosystem ist schlicht noch zu jung, um zuverlässig Yield zu geben. Die Idee ist gut, und es ist viel zu früh, um sie abzuschreiben oder Sieg zu rufen. Aber derzeit ist das Restaking per Eigenlayer vor allem ein Punktesammeln für den Aidrop und eine Wette darauf, dass daraus mehr entsteht.


Entdecke mehr von BitcoinBlog.de - das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Über Christoph Bergmann (3247 Artikel)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder ---

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von BitcoinBlog.de - das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen