Dänemark plant Steuer auf unrealisierte Kryptogewinne
Fast so kreativ wie der Fiskus: Sandskulpturen am Strand von Kopenhagen. Bild von Aram Zucker-Scharff via flickr.com. Lizenz: Creative Commons
Es klingt absurd. Aber geht es nach dem Willen des Finanzministeriums müssen Bitcoiner in Dänemark künftig Jahr für Jahr Steuern für Kursgewinne bezahlen – selbst wenn sie gar nicht verkaufen. Ein dänischer Analyst nennt dies eine Kriegserklärung.
Die Dänen gelten als eines der glücklichsten Völker dieser Erde. Zumindest ergattern sie in jeder Glücks-Umfrage seit Jahren einen Spitzenplatz. Doch als deutscher Besitzer von Kryptowährungen hat man nun die seltene Gelegenheit, anstatt mit Neid mit Mitleid zum nördlichen Nachbarn zu schauen.
Denn die dänische Finanzverwaltung hat vor kurzem vorgeschlagen, eine „mark-to-market“-Steuer für Kryptowährungen einzuführen, und das Finanzministerium möchte diese ab 2025 in einem Gesetzesvorschlag dem Parlament zur Abstimmung vorlegen. Mit dieser Art von Steuer sollen künftig auch unrealisierte Gewinne oder Verluste mit Kryptowährungen steuerlich wirksam werden.
Sprich: Wenn man einen Bitcoin hält, und der Bitcoin dann um 10.000 Euro im Wert steigt, hat man ein zu versteuerndes Einkommen von 10.000 Euro. Diese „Mark-to-Market“-Steuer können Aktienhändler in den USA optional nutzen, wenn sie sich davon Vorteile versprechen, und sie wird, wie bei Roger Ver, erhoben, wenn man das Land verlässt. Teilweise hätten auch Privatanleger Vorteile, etwa wenn es ums Erben oder die Übertragung von Unternehmen geht.
Allerdings vermerkt etwa die Tax Foundation, dass eine solche Steuer auf unrealisierte Gewinne sowohl für den Steuerzahler als auch die Finanzämter komplex ist und Liquiditätsprobleme verursacht. Darum hat, soweit ich es sehe, noch kein Land der Erde eine solche Steuer umfänglich eingeführt. Kamala Harris hat dies für die USA zwar angekündigt, scheint nun aber auch zurück zu rudern; in Deutschland konzentriert sich der Fiskus offenbar bei thesaurierenden ETFs seit 2023 auch teilweise auf unrealisierte Gewinne.
So weit wie Dänemarkt geht aber bisher kein Land. Sollte der geplante Gesetzesentwurf Wirklichkeit werden, wird die Steuer am ersten Januar 2026 in Kraft treten. Mit einer Abgabe von 42 Prozent auf unrealisierte Bitcoin-Kursgewinne dürfte dies für viele Investoren mehr als nur abschreckend sein. Der dänische Analyst Mads Eberhard erklärt auf Twitter (heute X), dass dies „nicht nur Kryptowährungen betrifft, die man ab diesem Stichtag kauft, sondern auch solche, die man vorher erworben hat, bis zurück zum Genesis-Block von Bitcoin im Januar 2009.“ Damit „sind die Handschuhe abgestreift. Das ist ein Krieg gegen Krypto.“
Tatsächlich eskaliert nicht nur Dänemarkt in Sachen Krypto-Steuern. Italien plant, künftig Kursgewinne durch Bitcoin und andere Kryptowährungen nicht mehr nur mit 26 Prozent, sondern mit ebenfalls 42 Prozent zu besteuern. Man könnte mit Mads Eberhard feststellen, dass nicht nur Dänemark, sondern Europa beginnt, einen Krieg gegen Bitcoin zu führen – ganz so, wie es zwei EZB-Ökonomen in einem kürzlich erschienen Paper kaum verblümt verlangen. Eine Steuer auf nicht-realisierte Gewinne würde Bitcoiner zwingen, Bestände zu verkaufen, um Steuern bezahlen zu können – und damit womöglich, wie gewünscht, den Preis drücken.
Bitcoiner in Dänemark werden derzeit vermutlich darüber nachdenken, wie sie bis Anfang 2026 den Wohnort wechseln können. Bisher ist das noch unproblematisch möglich. Aber auch für den Wegzug sorgen europäische Finanzministerien derzeit vor. Vor beinahe einem Jahr hat der deutsche Bundestag eine „Wegzugsbesteuerung“ beschlossen bzw. verschärft. Diese erhöht nun die Steuerlast auf Investments, wenn man aus Deutschland wegzieht, wenn auch bisher nur bei sehr hohen Summen.
In jedem Fall wird langsam ein Szenario sichtbar, in der EU-Länder Krypto massiv bekämpfen, während es formell unbeschränkt erlaubt und gnädig reguliert bleibt – indem es die Steuerlast über die Schmerzgrenze hinaus erhöht.
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Auch in Deutschland gibt es seit kurzem die Pflicht, nicht realisierte Gewinne aus Fond-Investments (ETF, etc) jährlich zu versteuern. Hierbei wird ein fiktiver Prozentsatz verwendet, der sich am Leitzins orientiert. Das ist genauso verrückt, aber der Staat will halt unser Geld jetzt!
https://de.wikipedia.org/wiki/Vorabpauschale
Dann wäre ich weg. Im Sinne von körperlich weit weg.
Die EU schafft sich selbst ab, die mögen kein high Tech die haben noch Faxgeräte in ihren Büros stehen. Ich hoffe, Trump wird siegen und unser Kryptopräsident werden! 😀 Verrückte Welt!
Interessanter Beitrag! Liebe Grüße von Schuster & Partner Steuerberatung Köln https://sspa.de/
Institutionelle Vorabpauschalen sind schon nicht sehr schön aber immer noch weit weg davon, Mark-To-Market für die Besteuerung persönlicher Werte (Commodities oder Securites) zu nutzen.
Die Vorabpauschale wird am Ende zumindest wieder mit dem tatsächlich gemachten Gewinn verrechnet. Die Mark-To-Market Steuer ist, so wie ich es verstanden habe, aber einfach weg.
Wer passiv bleibt, den bestraft die Steuer, sozusagen. Das ist ein klarer Angriff gegen das Hodln, genauso wie die Inflation das Sparen sehr unattraktiv macht.
Die Vorabpauschalen gelten nur bei institutionellen ETFs, nicht bei anderen und vor allem nicht bei persönlich gehaltenen Securites wie z.B. Aktien.
Man kann aus Gründen der Fairness dann auch verlangen, dass anderen Securites und Commodities (eins von beidem ist ein Coin ja i.d.R.) gleichermassen behandelt werden.
Es gibt schon Gründe, warum man bei anderen Investments davon bisher Abstand genommen hat. Das würde Investments *insgesamt* extrem unattraktiv machen.
Ausserdem befeuert es anders als z.B. eine Finanztransaktionssteuer das Spekulieren. Da sollte man sich schon überlegen, ob man das wirklich will, nur um Krypto zu besiegen.
Z.B. laut Wikipedia(https://de.wikipedia.org/wiki/Mark_to_market):
„Die Mark-to-market-Bewertung kann zu erheblichen Wertschwankungen führen, die prozyklisch sind und sich deshalb krisenverstärkend auswirken können.“
Das alles würde ich ebenfalls als Kampfansage verstehen. Vor allem von institutionellen gegen individuelle Anleger.
Auf einen erratischen Trump als Erlöser setzen, nur weil er vor der Wahl hier die markigeren Worte wählt, würde ich aber nicht.