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Wird der nächste Finanzminister der USA ein Bitcoiner sein?

Die Treasury, das Finanzministerium der USA. Bild von Son of Groucho via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Derzeit steht noch in der Schwebe, wer der nächste US-Finanzminister wird. Unter den aussichtsreichen Kandidaten findet sich aber sehr viel Offenheit für Bitcoin und Kryptowährungen.

Langsam wirkt das, was in den USA derzeit passiert, wie eine Machtübernahme der Bitcoin- und Kryptobranche.

Eine der wichtigsten Fragen für die Branche ist derzeit, wer der nächste Finanzminister der USA wird. Während der letzten Wochen standen vor allem zwei Kandidaten zur Auswahl, Scott Bessent und Howard Lutnick, die beide als ausgesprochen pro Bitcoin bzw. Krypto gelten. Doch seit heute gilt ein Dritter, Kevin Warsh, als Favorit.

Auf Polymarket wird seit dem 8. November darauf gesetzt, wer der nächste Finanzminister wird. Zunächst war Scott Bessent mit weitem Abstand führend, doch dann holte Howard Lutnick auf, überholte Bessent kurz, fiel dann aber wieder zurück. Über Nacht kam nun Kevin Warsh ins Spiel und setzte sich rasch an die Spitze.

Scott Bessent

Der Milliardär Scott Bessent ist 64 Jahre alt und ein Hedge-Fonds-Manager. Er war früher Fondsmanager für George Soros und Stanley Druckenmiller und gründete dann, mit Unterstützung von Soros, die Key Square Group, die schon 2017 mehr als fünf Milliarden Dollar verwaltete. Bessent hat Trump bereits in dessen letzter Amtszeit beraten.

Bessent ist ein eher mittiger Kandidat. Auf der einen Seite zeigt er sich begeistert, dass der neue Präsident Kryptowährungen unterstütze“, und sagte, mit Bitcoin sei „alles auf dem Tisch“. Bitcoin schüre Enthusiasmus auch unter Menschen, die sich zuvor dem Markt ferngehalten haben, und passe bestens zum amerikanischen Kapitalismus. Dementsprechend unterstützt er den Plan, eine nationale Bitcoin-Reserve zu schaffen.

Auf der anderen signalisierte er, eine traditionelle Finanzpolitik zu unterstützen. Dies meint wohl vor allem eine Stärkung des Dollars als globale Reservewährung.

Elon Musk, der vielleicht wichtigste Berater von Donald Trump, hält allerdings nicht so viel von Bessent. Er sei „eine Business-as-Usual-Wahl“. Und Business-as-usual treibe, so Musk weiter, Amerika in den Bankrott. Man brauche einen Wandel. Besser scheint Musk Howard Lutnick zu gefallen.

Howard Lutnick

Auch Lutnick ist ein Milliardär. Während sich in Europa ein Milliardär als Finanzminister verdächtig macht, korrupt zu sein, haftet einem Finanzminister unter Trump, der kein Milliardär ist, eher der Geruch fehlender Kompetenz an.

Der 63-jährige Lutnick ist also der Chef von Cantor Fitzgerald, einem Broker und Investmentservice mit 1.600 Mitarbeitern, der mit Billionen an US-Staatsanleihen handelt, sowie der BGC Group. Lutnick gilt nicht nur als kryptofreundlich – er steht sogar im Ruf, einer der wichtigsten Hintermänner des Ökosystems der Kryptowährungen zu sein. Unter den derzeit gehandelten Kandidaten steckt Lutnick am tiefsten in Krypto.

Denn Cantor Fitzgerald ist ein zentraler Vermögensverwalter für den Stablecoin Tether. Lutnick ist sozusagen der Dealer für die Staatsanleihen, mit denen Tether so wunderbare Profite machte. Er selbst bestätigte, dass der Stablecoin-Herausgeber die Dollar-Token vollständig durch Reserven deckt.

Man muss sich das vor Augen führen: Der mögliche nächste Finanzminister der USA ist der Banker von Tether. Würde Howard Lutnick tatsächlich Finanzminister werden, dürfte die Verschmelzung von Dollar und Stablecoin schneller kommen als man ahnt.

Allerdings scheinen sich Lutnick und Bessent selbst ins Abseits gestritten zu haben. Wie die New York Times berichtet, ging Lutnick Trump zunehmend auf die Nerven. Ein Beobachter sprach von einem „Kampf bis aufs Messer“ zwischen den beiden, wobei Lutnick der primäre Aggressor sei.

Kevin Warsh

Da Trump also gegen Lutnick ist und Elon Musk gegen Bessent, steigen die Chancen für einen dritten Kandidaten. Die besten Aussichten dafür hat derzeit Kevin Warsh, jemand, der stärker aus dem politischen System kommt als die beiden Fondsmanager.

Warsh, mit 54 Jahren der jüngste Kandidat, war schon von 2006 bis 2011 im Rat der Federal Reserve, der amerikanischen Zentralbank. Im Zuge der Finanzkrise 2007/2008 trat er auch international auf und wurde zum Ansprechpartner der Wall Street. Derzeit nimmt er einen Lehrauftrag in Stanford war und berät die Politik in einflussreicher Position.

Warsh hat Trump bereits in dessen letzter Amtszeit beraten. Trump sagte 2020, er bereue es, Powell anstatt Warsh als Chef der Fed eingesetzt zu haben. Im Gegensatz zu Bessent und Lutnick interessiert sich Warsh weniger für Kryptowährungen als Wertspeicher, sondern für Blockchain als Technologie. Er dachte bereits darüber nach, wie die Fed durch sie eine digitale Währung schafft; 2018 sagte er, als Chef der Fed würde er einen „Fedcoin“ gründen.

Seine Begeisterung für eine digitale Währung auf Blockchain-Basis wiederholte er 2023. Dass Trump aber während des Wahlkampfs versprochen hatte, einen solchen digitalen Dollar zu verhindern, könnte zum Reibungspunkt werden – oder sich darin auflösen, dass Warsh sich Stablecoins zuwendet.


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