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SPD für Abschaffung der 1-Jahres-Frist

Der Adler ist das Wappentier des Bundes, die Elster des Finanzamtes. Ich rätsle noch immer, wie es dazu kam, habe aber eine diebische Freude daran. Bild von Jean and Fred via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Aus den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU brodeln unschöne Nachrichten hervor. Die SPD will die Axt an den letzten Standortvorteil legen, den Deutschland der Krypto-Branche bieten kann.

Eine der paradoxen Folgen des gegenwärtigen europäischen Rechtsrucks ist, dass die Politik linker wird. Je rechter die Wähler wählen, desto linker die Regierung.

Der Grund ist keine Raketenwissenschaft: Wenn konservative Parteien eine Brandmauer zu einem erstarkenden Rechtsaußen bilden, werden sie umso abhängiger vom Wohlwollen der linken Parteien, um regieren zu können. Auch um zu erahnen, wohin das führt, braucht man keinen Doktortitel.

In Deutschland demonstriert derzeit die SPD, wie man eine Brandmauer ausnutzt. Die Partei hat zwar mit 16 Prozent das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren, stellt aber in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU Forderungen, die weit linker stehen als alles, was in den letzten vier Jahren diskutiert wurde, aber dabei gute Aussichten haben, durchzukommen. Denn die SPD ist für Merz die einzige Regierungsoption.

Meistens geht es bei den „linken“ Vorstößen darum, wie man noch mehr Geld der Bürger an den Fiskus umleiten kann. Die SPD will höhere Spitzensteuersätze, höhere Reichensteuersätze, dazu noch eine Vermögenssteuer und, womit wir beim Thema wären: mehr Steuern auf den Verkauf von Bitcoins und anderen Kryptowährungen.

„Bitcoin im Würgegriff“ betitelt der Aktionär diese Pläne etwas dramatisiert. In der Arbeitsgruppe „Haushalt, Steuern, Finanzen“ verlangt die SPD, die Regel abzuschaffen, dass Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen steuerfrei sind, wenn die Coins ein Jahr gehalten werden. Stattdessen sollen Kryptogewinne, wie schon Aktien und ETFs, der Abgeltungssteuer unterliegen. Diese beträgt derzeit 25 Prozent, soll aber nach dem Willen der SPD auf 30 Prozent steigen.

Darüber hinaus würde die SPD gerne prüfen, ob die Regulierung von Kryptowährungen noch Lücken aufweist, die noch zu schließen sind. Die wenigen Krypto-Unternehmen, die noch am Standort hier arbeiten, sollten sich wohl auf noch mehr regulatorische Gängelei einstellen.

Immerhin vermutet BTC-Echo, dass der Vorstoß wenig Aussicht auf Erfolg habe. Es gebe andere Streitthemen, die wichtiger seien. Leider nennt das Magazin keine Quelle für diese Einschätzung.

An sich wäre es durchaus vertretbar, dass Gewinne mit dem Kauf und Verkauf von Kryptowährungen denselben Bedingungen unterliegen wie Aktien, ETFs oder Fremdwährungen. Die bisherige Regelung, dass man nur ein Jahr halten muss, um steuerfrei zu verkaufen, ist äußerst großzügig und international relativ einmalig.

Allerdings ist diese Regel der einzige Standortvorteil, den Deutschland aufweist. Für Unternehmen hat die EU-Regulierung MiCAR einerseits die Union selbst zu einem schwierigen Standort gemacht, andererseits den Standort-Wettbewerb innerhalb der EU verschärft, da MiCAR-Lizenzen unionsweit gelten. Deutschland, mit seiner Neigung zu Bürokratie und Überregulierung, droht hier ohnehin, hinter andere EU-Länder zurückzufallen.

Sollte sich die SPD in den Koalitionsverhandlungen durchsetzen, würde Deutschland seinen letzten Standortvorteil für Bitcoin und andere Kryptowährungen verlieren. Aber vermutlich ist das nichts, was die SPD besorgt.


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10 Kommentare zu SPD für Abschaffung der 1-Jahres-Frist

  1. Multiakademiker // 28. März 2025 um 8:49 //

    Wenn Eliten flüchten…

    Aus diesem Grunde gäbe es nie in Deutschland beispielsweise Amazon Google Facebook und Dell und andere unserer Kollegen aber auch Innovationen wie Copter…. Weil „wir Standort Deutschland/ ein starker Wirtschaftsstandort sind!“…

    Wir töten das Denken bereits im Ansatz… Wir sollten dringend die Universitäten schließen!
    Eine große Gefahr besteht darin, daß Denken von neuen Technologien überhaupt zu initiieren!

    Wir gleichen uns der Ödnis der Gebiete an, in dem man keine Elektrizität hat…

    Lenins späte Rache: die Arbeiterklasse geführt von der „SPD“.

    TÖTET den Unternehmer der euch das Überleben überhaupt ermöglicht.
    Bessarabien anno 1914 jetzt vor der Haustür.

  2. John Rain // 28. März 2025 um 9:28 //

    Das Volk hat eindeutig die SPD abgewählt und bekommt jetzt mehr tiefrote post-marxistische Politik als die Ampel sich je gewagt hätte. Only in germany.
    Und im Hintergrund singt leise Andrea Bocelli „time to say goodbye“.

  3. Wolfgang Lohmann // 28. März 2025 um 10:26 //

    Ich biete der SPD einen Gegenvorschlag:
    Abgeltungssteuer ja, aber auf digitale Güter bei Haltefristen ab 1 Jahr.
    1) Das brächte immer noch Einnahmen. Die Halter hätten dennoch Gewinne.
    2) Die, die digitale Güter für alles mögliche nutzen (Mikropayments, neue Business modelle), müssten sich weniger mit zusätzlichen Dokumentationen und Steuerberichten abquälen, zumal die Gewinnspannen in kurzen Zeiträumen bei meist eher gering sein werden und der jeweilige Steuerbetrag bei Mikrozahlungen zuminest pro Transaktion wenig ins Gewicht fallen wird.
    Dies mMn würde auch neuartigen Geschäftsmodellen den Weg vereinfachen.

    • Tom Mayer // 29. März 2025 um 21:56 //

      Das Problem bei einer Abgeltungssteuer ist leider, dass dafür rein rechtlich (und damit auch technisch) alle Transaktionen zwingend maschinenauswertbar erfassbar werden müssten (wieviel von wem zu wem geflossen ist, etc…) und zwar egal in welcher Höhe die Transaktion erfolgte.

      Bei großen Transaktionen (>15.000 EUR) wäre es nachvollziehbar, dass der Staat/Fiskus das wissen will.
      Darunter geht es ihn aber nix an und es sollte auch rein technisch niemandem (Firmen oder Geheimdiensten) möglich sein geheim oder illegal an die Informationen kommen zu können.

      Vorschlag dazu

      Denkbar wäre absolute Fiskustransparenz auf Bitcoin Layer-0 (als Settlement Layer). Dafür aber absolute Anonymität – wie Bargeld – auf Layer-1.

      Anforderung an Layer-1 Technologie wäre, dass es neben der technisch harten Anonymität auch das Verschieben grosser Beträge auf technischer Ebene erschwert ist. Ideal wäre wenn es graduell immer schwerer wird, je größer der Betrag ist. Große Beträge könnten weiter einfach auf Layer-0 versendet werden, dafür aber fiskalisch nachvollziehbar.

      Lightening z.B. wäre – nachwievor – gut als Layer-1 geeignet. Grosse Beträge scheitern schnell an der Liquidität von Lightening Knoten.
      Das Problem aussreichend Liquidität bereitzustellen ist ein technisch hartes Problem.
      Damit ist es systeminhärent also zwingend (Code is Law, bzw. Protocol is Law) und würde obige Anforedrung erfüllen.

      Andere Layer-1 Techniken (z.B. andere Coins via Rollups) wären natürlich ebenfalls denkbar, da kann man gerne „technologieoffen“ sein. Sie müssten nur obige Anforderung erfüllen.

  4. hartmut // 28. März 2025 um 14:47 //

    Auweia, da werden gleich massenweise rechte Narrative bedient.
    Fangen wir mit der Behauptung an, die SPD wäre links. Die hat sich bekannterweise kurz nach der Jahrtausendwende abgespalten und ist nun tatsächlich die große Wahlgewinnerin geworden.
    Linke Politik steht übrigens für Chancengleichheit. Was ist schlimm daran, dass jemand, der es sich leisten kann, Geld in Spekulation zu stecken, von den Erträgen diejenigen unterstützt, die sich sowas niemals leisten könnten?

    • Anonym im Netz // 29. März 2025 um 8:00 //

      Jeder hatte die Chance bereits ab 2010 Bitcoin zu kaufen. Jetzt sollen die risikoscheuen Leute also von denen, die das Risiko getragen haben, mitprofitieren?

      • Wolfgang Lohmann // 29. März 2025 um 10:57 //

        Die Widerspruchsfrist gegen die Sprengung der Erde für eine Hyperraum-Umgehungsstraße war verstrichen, so dass der Vogone sagte : „Die Unterlagen waren [seit geraumer Zeit im Planungsbüro auf Alpha Centauri] einsehbar, und wenn ihr nicht den Aufwand betreibt, interstellare Reisen zu unternehmen, um sie zu checken, ist das euer Problem.“ Aus Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis
        😉

        Es war gar nicht notwendig, dass Leute ein (signifikantes) Risiko tragen. Es funktionierte als Tauschwährung, wenn auch meist in kleinen Kreisen. Das Risiko wuchs mMn mit dem digitalen Gold-Narrativ, mit der L2 Skalierung, weil jetzt Geld an die Hoffnung gebunden wurde/wird, dass der Preis steigt oder zumindest gleich bleibt. Es ist aus meiner Sicht ohnehin das Drama, dass ein Großteil vieler Diskussionen immer auf den Wertsteigerungsaspekt beschränkt bleibt. Zu viele stecken Geld hinein, in der Hoffnung, reich zu werden, anstatt aktiv etwas aufzubauen, was dem Ökosystem hilft.

        Nicht-Investierte sind nicht notgedrungen risikoscheu. Es gibt ja verschiedene Risiken. Hört man manchen Influencer, besteht das größte Risiko im Nichtinvestieren ;-).

        Von der Abgeltungssteuer profitieren nicht so viele Leute. Ich vermute sogar, dass die Mittelverwendung mit wachsender Verfügbarkeit immer uneffizienter wird und dass die Einnahmen bei denen, denen man es gönnen würde, nicht ankommen.

  5. Michael. // 28. März 2025 um 17:20 //

    Ich frage mich, warum nur 2 Billionen Euro neue Schulden geplant sind. Bei 80 Billionen hätten sie auf Steuererhöhungen verzichten können und gleichzeitig jeden zum Millionär machen können… Für Bitcoin spannend, wenn endlich ein großer Währungsraum geopfert wird.

Kommentare sind deaktiviert.

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