Behörden, Blumen und Bankautomaten

Der Newsrückblick der Woche

"Sunflowers" von Moyan Brenn auf flickr.com. Lizenz nach Creative Commons 2.0

In den Bitcoin News für diese Woche schauen wir nach Frankreich, wo eine illegale Bitcoin-Börse hopps genommen wurde und das Finanzministerium sich vermutlich gegen eine Umsatzbesteuerung von Bitcoins ausspricht. Auch in London hat sich eine Behörde zu Bitcoins geäußert: Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat erneut eine Warnung herausgegeben und listet in schönster Akribie sämtliche mit Bitcoins verbundenen Risiken auf. Außerdem haben wir einige tausend angebliche ATMs in der Ukraine, ein weiteres Multi-Millionen-Investment in ein Bitcoin-Unternehmen und den größten Blumen-Online-Händler, der nun auch Bitcoins akzeptiert.

Die totale Straßenmaut für Ausländer ist nicht die einzige Idee, mit der deutsche Ministerien europaweit etwas einsam dastehen. Auch die Meinung, auf ein virtuelles Token, das als Zahlungsmittel dient, eine Umsatzsteuer zu erheben und damit Verkäufe doppelt zu verumsatzsteuern, erfreut sich in den europäischen Freundesstaaten verhaltener Beliebtheit. Nachdem bereits Großbritannien, Dänemark und auch die Niederlande von der Umsatzsteuer für Bitcoins Abstand nehmen, folgt nun auch Frankreich.

Frankreich: Erste Eckdaten zur Regulierung – illegale Bitcoin-Plattform geschlossen

Laut einem Artikel in einer französischen Zeitung sind die ersten Pläne für eine Regulierung virtueller Währungen bekannt. Man verzeihe mir meine mangelnden Französisch-Kenntnisse, weshalb ich auf den Translater von Google zurückgegriffen habe. Ziel der kommenden Regulierung ist es angeblich, virtuelle Währungen nicht zu behindern, aber auf gewisse damit verbundene Probleme zu reagieren. So soll es etwa keine Umsatzsteuer für Bitcoin-Zahlungen geben, sehr wohl aber eine Steuerpflicht, die Bitcoins wie Vermögenswerte behandelt. Hinsichtlich der Anonymität von Transaktionen setzen die Regulierer wohl auf die Börsen, die eine Banklizenz benötigen und auf Bitcoin-Auszahlungen die Kriterien anwenden sollen, die Geldwäschegesetze für Bargeld vorschreiben, die ab einer Auszahlung von 3.000 Euro greifen.

Die ersten Rahmendaten für die Regulierung sind nicht die einzigen Bitcoin News aus Frankreich. Denn die französische Polizei hat kürzlich zugeschlagen und eine illegale Bitcoin-Plattform dichtgemacht. Dabei wurden drei Personen in Cannes, Nice und Toulouse festgenommen. Ihnen wird vorgeworden, illegale Bankgeschäfte und illegale Glückspiele betrieben und illegale Beschäftigungsverhältnisse aufrechterhalten zu haben. Dabei wurden 388 Bitcoins mit einem Wert von etwa 200.000 Euro beschlagnahmt. Die Bitcoin-Szene rätselt seitdem vergeblich, um welche Börse es sich handelt. Fest steht, dass es weder Bitcoin-Central noch Bitcoin Bourse ist.

Europäische Bankenaufsicht: 70 Risiken im Zusammenhang mit Bitcoin

"Dr. Clockwork" von Jellalune auf flickr.com. Lizenz nach Creative Commons 2.0

“Dr. Clockwork” von Jellalune auf flickr.com. Lizenz nach Creative Commons 2.0

Nun ja, wenn wir nun vom Land, in dem es sich als Gott angeblich gut leben lässt, über den Ärmelkanal nach London gehen, kommen wir zur Europäischen Bankenaufsicht, die in der britischen Hauptstadt ihren Zentralsitz hat. Die als EBA abgekürzte Behörde hat vergangene Woche ihr bisher ausführlichstes Dokument zum Bitcoin bzw. zu virtuellen Währungen herausgegeben. Darin hat sie Banken gewarnt, besser die Finger von Bitcoins zu lassen, bis die EBA regulatorische Richtlinien verabschiedet hat. In einem 46-seitigen pdf erklärt die Behörden nun genau, was sie von der digitalen Währung hält. Die Vorteile von Bitcoins erkennt sie theoretisch durchaus an, hält sie aber beim derzeitigen Stand für rein hypothetisch und, vor allem, angesichts des SEPA-Zahlungsraumes für weitgehend unnötig. Ist doch schon alles perfekt, oder?

Wesentlich ausführlicher widmet sich die EBA den Risiken rund um den Bitcoin. Sie zählt 70 Risiken auf, von denen einige allerdings auch im herkömmlichen Bankenwesen anzutreffen sind. Die EBA ordnet die Risiken in drei Klassen: “low”, “middle”, “high”. Folgende 27 Risiken werden als hoch bewertet:

Nutzer können etwas verlieren weil (1) eine Börse betrügerisch ist, (2) eine angebliche Börse keine echte Börse ist, (3) die Preise stark schwanken, (4) es Änderungen am Protokoll des Bitcoins gibt, (5) eine Online-Wallet gehackt wird, (6) eine Börse gehackt wird. Es kann auch (7) passieren, dass die Identitätsdokumente des Nutzers gestohlen werden. Marktteilnehmer können etwas verlieren, wenn (8) Konten eingefroren werden, (9) Mittelsmänner sich nicht an Verträge halten. Die Nutzer haben ferner (10) keine Garantie, dass Händler Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, laufen aber (11) Gefahr, dass Beträge, mit denen sie etwas bezahlen, fehlerhaft von ihrer Wallet abgebucht werden, oder dass sie (12) etwas verlieren, weil sie Bitcoins nicht oder nur zu schlechten Preisen in Fiat-Geld wechseln können. Außerdem erleiden sie erhebliche Verluste, wenn sie (13) ihr Passwort für die Wallet vergessen oder wenn (14) eine Börse pleite geht. Ebenfalls eine Quelle möglicher Verluste sind (15) Manipulationen des Bitcoin-Preises, (16) Verluste von E-Wallets durch die Provider sowie (17) deren Scheitern beim Einhalten von Verpflichtungen.

Auf gesellschaftlicher Ebene besteht das Risiko, dass (18) Kriminelle Geld waschen, indem sie anonyme Überweisungen durchführen, (19) Kriminelle Geld waschen, da sie Geld global, schnell und unwiderruflich überweisen können, dass (20) Kriminelle oder Terroristen Bitcoins für globale Transaktionen nutzen, (21) Kriminelle oder Terroristen sich der Strafverfolgung über die Finanzströme entziehen, (22) Marktteilnehmer durch Kriminelle kontrolliert werden, (23) Kriminelle Bitcoin-Märkte nutzen, um illegale Güter zu handeln, während (24) die Ermittlung hierin erschwert wird. Auch die Gefahr von (25) anonymer Erpressung bestehe. Virtuelle Währungen machten es zudem (26) Individuen leichter, sich in kriminellen Aktivitäten zu engagieren. Außerdem könnten Kriminelle (27) “Virtuell Currency Scheme” kreiieren.

Das wären also die schweren Risiken rund um Bitcoins. Kurz gesagt: Die Kurse schwanken, Börsen können gehackt werden, User können betrogen werden und Kriminelle können durch Bitcoins Geld waschen und anderen bislang durch die finanzielle Kontrolle erschwerte Aktivitäten ausüben.

Nun kommen wir zu den kleinen Brötchen:

Angeblich mehr als 4.000 Bitcoin ATMs in der Ukraine

Ok, Die Überschrift ist nicht ganz korrekt: Laut btcu.biz kann man an mehr als 4.000 Automaten in der Ukraine Bitcoins tauschen. Die Terminals gehören eigentlich der National Credit Bank, die gemeinsam mit BTCU die Option, Bitcoins für Bargeld zu kaufen, installiert hat. Die Automaten erlauben darüber hinaus jedoch auch, Rechnungen zu bezahlen oder Kredite fürs Mobiltelefon zu kaufen. Der Chef von BTCU, lediglich bekannt als Stanislav, sagte dazu, dass junge Ukrainer es gewohnt seien, in ausländischen Onlineshops einzukaufen, jedoch hohe Gebühren dafür bezahlen müssten. Die ATMs sollten das ändern.

XAPO erhält 20 Millionen Dollar Investmentkapital

Die Venture Capitalisten spülen weiter Geld in den Bitcoin-Markt. Xapo, ein Unternehmen aus Hongkong und Palo Alto, das das hehre Ziel verfolgt, die Bitcoin-Kreditkarte (endlich) Realität werden zu lassen, wurde bereits zum zweiten Mal mit einer Kapitalspritze von Investoren beglückt. Damit hat das Unternehmen erneut Mal 20 Millionen Dollar erhalten und ist damit eines der bestfinanzierten Bitcoin-Startups. Die Investment-Runde wurde von Greylock Partners and Index Ventures geleitet und umfasst prominente globale Investoren. Der Wert des Unternehmens wurde dabei auf 100 Millionen Dollar geschätzt.

 

Und was ist mit der Bitcoin-Kursentwicklung?

… keine Sorge, die haben wir nicht vergessen. Der Preis in dieser Woche ging milde abwärts. Er startete bei etwa 465 Euro und bewegte sich in sehr kleinen Schritten abwärts auf ein Stückchen mehr als 450 Euro. Macht eine Kursschwankung von 1-2 Prozent, was für eine Währung wie den Euo schon recht viel wäre, aber für den Bitcoin beinah Stabilität bedeutet. Zumindest sind wir damit in einem Bereich, der für Benzin beispielsweise nicht ungewöhnlich ist.

News1107

Was man an dieser Stelle vielleicht noch hinzufügen solte, ist, dass das Handelsvolumen auf allen Börsen relativ niedrig ist. Kurzum – die Märkte waren in der vergangenen Woche eher ein Grund, sich mal wieder ein wenig zu langweilen. Wir sind gespannt, was sich in den kommenden Wochen tut.

Und zuletzt: die Liebe

Wie schon mehrfach erwähnt, stößt die Begeisterung von Bitcoin-Fans für ihre Lieblingswährung nicht immer nur auf Gegenbegeisterung bei der respektive dem Liebsten. Hat halt doch nicht nur Vorteile, wenn den Partner alles an den Bitcoin erinnert – vom Eierbecher (“Warum kann man den nicht mit Bitcoins kaufen?”) bis zum Wetter (“Es regnet, gut, dann wird mehr mit Bitcoins gehandelt”). Ein probates Mittel, um den Haussegen wieder etwas höher zu hängen, ohne gleich darauf zu verzichten, der eigenen Leidenschaft zu frönen, ist es, einfach etwas hübsches zu bestellen – selbstverständlich mit Bitcoins. Der Herbst, der nicht umsonst als romantischste Jahreszeit gilt, verspricht, das Liebesleben der Bitcoiner aufleben zu lassen. Denn dann wird nämlich der größte Blumen- und Geschenkeshop des weltweiten Netzes Bitcoins akzeptieren. Wie coinbase auf seinem Blog schreibt, wird 1-800-Flowers künftig auf allen seinen Plattformen – 1800flowers.com,  FannieMay.com, Cheryl’s.com, ThePopcornFactory.com, 1-800-Baskets.com, FruitBouquets.com, Stockyards.com – Zahlungen auch in der virtuellen Währung entgegenzunehmen. Zumindest die Hauptseite liefert auch nach Deutschland.

 

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12 Comments on Behörden, Blumen und Bankautomaten

  1. Heinz Schumacher // 11. July 2014 at 15:28 // Reply

    Ich frage mich ernsthaft, wie man Bitcoin beschlagnahmt. Haben die ein Stück aus der Blockchain herausgeschnitten und in einen Tresor gesperrt?

  2. indem die BTC auf eine Adresse transferiert werden, auf die der Enteignete keinen privaten Schlüsse mehr hat.

    • Gerhard Fischer // 14. July 2014 at 18:55 // Reply

      Das ist natürlich nur die zweite Hälfte der Wahrheit. Die erste Hälfte ist, dass man zuerst an die privaten Schlüssel des Geschädigten herankommen muss. Wenn die Leute ihre Datei wallet.dat (welche diese Schlüssel enthält) auf einem Computer liegen haben, der im Internet hängt, dann ist das keine Kunst für Hacker. Also bitte: Diese Datei sollte möglichst IMMER offline sein! Also am Besten auf einem USB-Stick. Nur für Transaktionen muss man diese Datei kurzfristig online stellen.

  3. “Wer mindestens 0,01 BTC spendet und mir eine Email an christoph.bergmann@bitcoin.de schreibt, erhält als Dank einen Newsletter.”
    Darüber muss ich jedes mal lachen 😀 da betreibt jemand ein Blog über die Währung der digitalen Zukunft und wirbt um Spenden mir der Aussicht auf einen Newsletter – genau das was man bei jedem Online-Formular wieder mühsam enthakt: “Nein, ich möchte keinen Newsletter erhalten oder über neue Angebote informiert werden. ”
    Das ist so 2003

  4. Wo genau steht in dem Artikel etwas über die Umsatzbesteuerung von Bitcoin Transaktionen? Vielen Danke

    • Ziel der kommenden Regulierung ist es angeblich, virtuelle Währungen nicht zu behindern, aber auf gewisse damit verbundene Probleme zu reagieren. So soll es etwa keine Umsatzsteuer für Bitcoin-Zahlungen geben, sehr wohl aber eine Steuerpflicht, die Bitcoins wie Vermögenswerte behandelt.

      • Levino // 14. July 2014 at 13:26 //

        Ich meine natürlich im Original…

      • Pas de TVA, mais un assujettissement à l’impôt

        L’une des bonnes nouvelles à retenir concerne le non-assujettissement des monnaies virtuelles à la TVA. Ainsi, si vous en achetez sur une plateforme agréée, vous n’aurez pas à payer 20 % de plus. Par contre,« les plus-values seront imposables au titre des bénéfices industriels et commerciaux (BIC) ou au titre des bénéfices non commerciaux (BNC), selon que l’activité d’achat et de revente est effectuée ou non de façon régulière et professionnelle », annonce Michel Sapin à nos confrères.

        De même, les crypto-monnaies seront considérées comme faisant partie du patrimoine du contribuable, et devront être déclarées dans le cadre de l’impôt sur la fortune. En somme, cela correspond peu ou prou à ce que l’administration fiscale nous avait suggéré il y a quelques mois.

        http://www.nextinpact.com/news/88663-crypto-monnaies-grandes-lignes-rapport-tracfin.htm?utm_source=PCi_RSS_Feed&utm_medium=news&utm_campaign=pcinpact

      • Levino // 15. July 2014 at 12:37 //

        Danke Christoph, die Quelle war aber im Original oben nicht verlinkt, oder doch?

      • Hei Levin, ja, die Quelle war im Translator verlinkt, aber nicht als Originalquelle, obwohl ich fälschlicherweise geschrieben habe, der translator übersetze die erstgenannte Quelle. Offensichtlich hat mein Umgang mit Quellen noch Luft nach oben :/

  5. Die Warnungen der EZB wägele ich erstmal als sinnlos bis angstbehaftet ab. Die soll sich doch mal um ihr “Rating” sorgen machen. Klar ist, dass die Banken händeringend nach einer Lösung in Sachen implementierung suchen, schließlich wollen sie ja auch ein Stückchen vom milliardenschwerem Kuchen haben! Die Entwicklungen in Sachen Mehrwertsteuer sind positiv, war auch nicht anders zu erwarten, immerhin ist meines Wissens nach eine Doppelbesteuerung grundsätzlich in keinem EU Staat erlaubt und würde jede Klage verlieren! Die freundliche Einstellung dem Bitcoin gegenüber und die positiven Nachrichten bezüglich der Besteuerung zeigen eine eindeutige Richtung. Last but not least: Die Ausforschung der Nutzer dieses Zahlungsmittels ist genauso sinnlos, wie die Doppelbesteuerung. Immerhin habe die Euros, die ich in Bitcoin investiere bereits besteuert, mit Lohnsteuer, Sozialabgaben usw.! Und wenn man bedenkt, dass eine Wertanlage sowieso nur besteuert werden kann, soweit ein Gewinn vorliegt und es reicht, einen Coin um wenige Cent weniger zu verkaufen, als zu kaufen… um diese gewünschte imaginäre Regelung umzustetzen bedarf es wieder einmal einer angeblichen Steuer CD, die nervenschwache Bürger aufscheucht und diese zu sinnfreien Taten animiert. Wer dem erliegt, ist selber schuld! Als Gewerbetreibender macht man sowieso seine Steuererklärung und ob ich nun Euro, Lira, Dollar oder andere “Währungen” in der Kassa habe, es ändert nichts an der UST-Erklärung und den abzuführenden Steuern. Kein Konzern der Welt, zahlt Steuern, nur weil es in Euro gründet, in Dollar Geschäfte abwickelt und der Dollar währendessen an Wert veliert und somit ein geldwerter Vorteil ensteht! Das Gegenteil kann ebenso der Fall sein/werden und man kann die Verluste ja auch nicht geltend machen. Es bleibt unternehmerisches Risiko!

    MfG
    Korenta
    Freier Journalist

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