Western Union, Bitcoin und der Remittance

"World - Taken on my iPhone 4 from a plane" von Zaheer Mohiuddin via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Wörter: Nachdem Western Union eine Werbung veröffentlicht hat, hat ein Bitcoiner diese “korrigiert” – und damit demonstriert, wie sehr der Bitcoin Firmen wie Western Union unnötig machen kann. Aber ist es wirklich schon so weit, dass virtuelle Währungen den internationalen Geldverkehr revolutionieren?

Das Bild, das ein Bitcoiner erstellt hat, um eine Werbung von Western Union zu parodisieren, wurde mittlerweile von Facebook entfernt, nachdem Western Union eine Abmahnung versendet hat. Daher möchte ich hier nicht darauf verlinken, aber eventuell finden Sie es im Bitcoin-Subredd. Zu sehen ist darauf die wirkliche Werbung von Western Union, in der der Gigant des internationalen Geldverkehrs damit wirbt, für 5 Dollar Gebühr bis zu 50 Dollar mit Abholung in den USA zu versenden. Die Antwort aus der Bitcoin-Szene: versende einen beliebigen Betrag für 0,01 Dollar Gebühr, abzuholen überall auf der Welt. Treffer.

Der Bitcoin kennt bekanntlich keine Grenzen, und es ist dasselbe, ob ich Bitcoins an meinen Nachbar oder nach Thailand sende. Eines der großen Versprechen der virtuellen Währung ist es, die Mittelsmänner im internationalen Geldverkehr überflüssig zu machen und Gastarbeiter, Touristen, internationale Unternehmen und alle, die Geld über Grenzen senden, von den Gebühren zu befreien, die Firmen wie Western Union verlangen. In der Theorie und innerhalb der Bitcoin-Szene funktioniert das wunderbar. Sie können, sofern Sie Bitcoins haben, diese überall hinschicken, wo eine Bitcoin-Wallet ist. Kostenlos und augenblicklich.

In der Praxis ist es aber doch etwas schwieriger. Man kann in, sagen wir Ghana, nicht unbedingt viel mit Bitcoins anfangen, so dass man sie in die nationale Währung tauschen muss, und man muss in, sagen wir Deutschland, zunächst Bitcoins kaufen, um diese zu versenden. Hier wie da fallen Gebühren an. In Deutschland hat man das Glück eines relativ liquiden Marktes, so dass lediglich die Gebühren für die Börsen zu bezahlen sind. In Ghana dagegen ist der Bitcoin-Markt überhaupt nicht liquide, so dass man, falls sich denn ein Käufer finden lässt, einen mächtigen Aufpreis auf den Marktpreis zahlen muss.

Wenn Firmen Waren und Dienstleistungen mit Bitcoin bezahlen und wenn diese überall akzeptiert werden würden, wäre das Problem hinfällig und Unternehmen wie Western Union tatsächlich unnötig. Das ist die Vision, die dahintersteht, und auch wenn sie noch lange nicht wahr geworden ist, so ist es doch immerhin eine Vision, die keine andere Währung und keine andere Technologie bieten kann. Während aber Western Union seine eigene Vision vom internationalen Geldverkehr nach überall bereits verwirklicht hat, nähert sich die Vision des Bitcoins vom kostenlosen Geldverkehr nach überall nur in Gänsefüßchen ihrer Realisierung.

Bitcoin Remittance zu den Philippinen

Am weitesten fortgeschritten ist der Bitcoin-Remittance zu den Philippinen. Der Inselstaat ist die Heimat sehr vieler internationaler Arbeiter und auch der geographischen Lage wegen mit einem suboptimalen Bankensystem ausgestattet. Mit rebbit.ph kann man etwa für 1 Prozent Gebühr kleinere Beträge rasch zu den Philippinen senden. Das Angebot scheint bereits genutzt zu werden. Die Philippinen sind auch für Bitspark das erste Zielgebiet. Das Hongkonger Unternehmen bietet einen Cash-to-Cash-Service, so dass die Kunden nichts von Bitcoins wissen müssen, um Geld sehr günstig international versenden zu können. Hilfreich für den Remittance zu den Philippinen ist, dass die dortigen Bitcoin-Märkte wie coinage.ph beginnen, Liquidität aufzubauen.

Auch in anderen Regionen dieser Welt scheint sich ein Bitcoin-Remittance aufzubauen. Hellobit steht wohl recht kurz vor dem Start. Die amerikanische Firma verspricht, internationale Überweisungen um 50 Prozent günstiger zu machen. Genaueres verrät die Webseite aber nicht. Die australische Börse Igot strebt dagegen nach Arabien. Sie hat eine Börse in den Vereinigten Arabische Emiraten gegründet und möchte Transaktionen nach Saudi-Arabien und Ägypten verbilligen.

Es ist also schwierig, zu sagen, inwieweit der Bitcoin tatsächlich genutzt wird, um Western Union Konkurrenz zu machen. Dass das Potenzial da ist, ist offensichtlich. Es auszuschöpfen ist allerdings ein weiter Weg.

 

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