Bargeld ist Freiheit, digitales Bargeld ist noch mehr Freiheit

Oh, würde die Wirtschaft doch nur so gut hören wie diese Hunde. Bild: "dogwalking in Tribeca" von Kristine Paulus. Lizenz: Creative Commons

Der US-Ökonom Kenneth Rogoff hat vor kurzem deutlich gemacht, wie sehr die Welt den Bitcoin braucht. Er hat auf einer Veranstaltung gefordert, man solle Bargeld abschaffen. Datensammler, Überwacher und Freunde der gehorsamen Volkswirtschaft würden dies begrüßen. Alle anderen eher nicht.

Je besser erzogen der Hund, desto lockerer die Leine. Jeder, der sich mit Hundeerziehung beschäftigt hat, weiß, dass Folterinstrumente wie Stachelhalsbänder und ähnliches das deutlichste Zeichen dafür sind, dass der Hundehalter seinen vermeintlichen Liebling überhaupt nicht im Griff hat. Ähnlich ist es mit der Volkswirtschaft: Je härter die Maßnahmen, desto weniger läuft die Konjunktur so, wie es deren Steuermänner wollen.

Als die Europäische Zentralbank vor einiger Zeit Negativzinsen auf Einlagen bei ihr verhängt hat, war das eine ungewöhnliche und radikale Maßnahme. Der Sinn dahinter ist es, mehr Geld in Umlauf zu bringen und die Inflation anzutreiben, die in den Augen der Zentralbank auf ein gefährlich tiefes Niveau gefallen ist. Allerdings sollte man, wie jeder Hundehalter weiß, nur Kommandos geben, die man auch durchsetzen kann. Für die Zentralbank ist die neue Politik kein Problem. Für die Banken dagegen schon.

Schließlich dürften die Sparer es kaum hinnehmen, dass das Geld, das sie zu den Banken gebracht haben, einfach weniger wird. Und damit wären wir beim Bargeld, das abgehoben und zuhause, in der Matratze, im Safe oder in der Spardose verwahrt werden kann, ohne dass es dabei weniger wird. Es wird zum Verteidigungsinstrument des Bürgers, um der Geldpolitik der Zentralbank Grenzen zu setzen.

Aus diesem Grund hat Kenneth Rogoff auf einer Veranstaltung gesagt, dass es die Banken ohne Bargeld leichter hätten, Negativzinsen zu verhängen und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Ganz nebenbei, so der Ökonom, würde man damit auch Steuerflucht und Drogenkriminalität bekämpfen. Schließlich ist das Bargeld das beliebteste Zahlungsmittel unter Kriminellen.

Die Idee, diese teuren, schmutzigen und bakterienverseuchten Scheine auf der Müllkippe der Geschichte zu entsorgen, ist nicht ganz neu und in anderen Ländern als Deutschland schon deutlich weiter fortgeschritten. Hinter ihr stehen pragmatische Gründe – etwa weil Bargeld teuer in der Herstellung und niemals fälschungssicher ist – aber auch eine Utopie, die so schön ist, dass es einem gruselt. Wäre es nicht klasse, wenn das ganze Geld nur noch digital wäre, so dass die Zentralbanken es ebenso steuern könnten wie man ein Stückchen Code steuert? Negativzinsen in beliebiger Höhe – kein Problem, klick. Eine Enteignung aller Menschen um, sagen wir, 0,1 Prozent? Kein Problem, klick! Undsoweiter. Wenn Geld nur noch Code ist und dieser Code von anderen manipuliert werden kann, dann gehört das Geld einem nicht mehr selbst. Man muss auf die anderen, die Banken und die Zentralbanken, vertrauen, darauf, dass diese nichts böses tun, sondern ihren Dienst am Sparer versehen, und darauf, dass diejenigen, die die größte Kontrolle über den Code haben, vernünftig bleiben. Dass also die Zentralbanken einerseits volkswirtschaftlich besonnen handeln und andererseits die Rechte des Bürgers achten.

Vertrauen ist bekanntlich gut, aber nicht ganz so gut wie Kontrolle. Gesetze sind wichtig, aber es ist noch wichtiger, dass sie nicht nur auf reiner Macht, sondern auch auf Zustimmung beruhen. Und wer sich nicht wehren kann, der kann nicht zustimmen, sondern nur gehorchen. So, wie ein Hund, der nur aus Angst vor Strafe und nicht aus Respekt vor seinem Herrchen horcht. Daher ist es wichtig, dass es Wege gibt, die Steuer-, Drogen- und Geldpolitik (in beschränktem Umfang) zu brechen, sofern diese unzumutbar wird. Alles andere ist Diktatur.

Bargeld ist hierfür ein bewährtes Instrument. Es gibt dem Bürger die Möglichkeit, sein Geld zu besitzen und es, zumindest theoretisch, so benutzen zu können, wie er es will. Der Bitcoin als digitales Bargeld ist ein neues und noch besseres Instrument. Er beseitigt nicht nur einige der Nachteile des analogen Bargeldes – die Fälschbarkeit, die Herstellungskosten – sondern er ist auch resistent gegen Versuche, ihn abzuschaffen. Er garantiert Freiheit und er kann die Regierenden dazu zwingen, einige Entscheidungen von der Zustimmung der Bürger abhängig zu machen.

 

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1 Comment on Bargeld ist Freiheit, digitales Bargeld ist noch mehr Freiheit

  1. Was nützt Bargeld, wenn es mit einen zentralen manipulativen System verbunden ist und zudem nur ein kleiner Prozentsatz überhaupt noch in Form von Bargeld existiert?

    D.h. wenn Jeder 20.000€ auf dem Sparkonto hätte, könnte jeder davon höchstens 1.000€ in Form von Bargeld abheben.

    D.h. die Frage ob Bargeld die Freiheit sichern kann ist meiner Meinung nach bereits geklärt, es sei denn Jemand empfindet es als Freiheit, wenn er auf 95% seines Sparvermögens verzichten müsste.

    Digitalwährungen wie Bitcoin hingegen werden dezentral geschöpft und unterliegen einem freien Wettbewerb. Dies ermöglicht den Sparer und Anwender, dass er im Zweifelsfalle das Vertrauen in Bitcoin verwehren und ohne Probleme auf andere Digitalwährungen umsteigen kann. Dadurch wird das Maß an Freiheit deutlich gesteigert.

    Es gibt natürlich auch Leute, welche diese Freiheiten anzweifeln und argumentieren, dass man das Internet, Strom, usw. einfach abschalten oder kontrollieren könnte.
    Natürlich besteht zu einem gewissen Maß diese Gefahr, jedoch halte ich es für politisch ziemlich unrealistisch, da diese Maßnahmen die eigene Wirtschaft in den Ruin treiben und Investoren verschrecken würden. Selbst China mit seiner durchaus dominanten nicht zimperlichen Führungskultur hält sich beim Thema Bitcoin bislang ziemlich passiv und lässt den Bitcoin nach wie vor gewähren.

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