Weil PayPal sich geniert: Kim Dotcom setzt auf Bitcoins

"kim-dotcom". Foto von Sam Churchill via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

PayPal beendet den Zahlungsverkehr zu MEGA, dem Cloudspeicher von Kim Dotcom. Wird der Megaunternehmer des grauen Internets nun voll und ganz auf Bitcoin setzen? Ein Tweet von Dotcom spricht dafür.

Um ehrlich zu sein wollte ich schon lange über Kim Dotcom schreiben. Schließlich ist der gebürtige Kieler einer der bekanntesten Deutschen im Internet. Wer kennt schon den Boss von T-Online oder den deutschen Gesundheitsminister? Keiner. Aber Kim Schmitz Mega Dotcom – der ist ungefähr so bekannt wie Angela Merkel.

Daher bitte ich darum, es zu verzeihen, dass ich etwas aushole. Kim Dotcom ist nämlich einer jener grauen Internetunternehmer, die irgendwie aus dem Zwielicht ins Millionärsdasein aufgestiegen sind, die sich um die Gesetze herumgeschlängelt haben, in der Welt herumvagabundiert sind und von den einen bewundert und von den anderen verachtet werden. Also ein wundervolles Musterexemplar der Dotcom-Ära made in Germany.

Angefangen hat Joachim Schmitz – so der Geburtsname – mit gehackten Telefonkarten. Reich wurde er durch Insider-Handel während der Dotcom-Blase, noch reicher durch den Super-Hoster Megaupload mit dem Videoplayer Megavideo, durch den urheberrechtlich fragwürdige Filme rauf und runter gestreamt worden sind. Megaupload war zu Hochzeiten die 13. größte Webseite der Welt mit täglich 50 Millionen Besuchern und einem Datenvolumen von 4 Prozent des gesamten Internets.

Bekannt wurde Kim Dotcom aber dadurch, dass er “offensiv mit dem Erfolg umgeht” (Eigenaussage), wilde Partys auf Jachten mit hübschen Frauen feiert, gerne und auch gut Autorennen fährt und neben all dem noch einer der besten Modern Warfare Spieler der Welt ist.

Heute lebt der Dotcom mit seiner Familie in Neuseeland auf einem Mega-Anwesen, durch das er mit Golf-Buggys fährt. Megavideo ist tot, weil die US-Regierung die Seite vom Netz genommen hat. Dotcoms Anwesen wurde vom FBI gestürmt, was mittlerweile laut Gerichtsentscheid nicht ganz zulässig war, und der Exil-Deutsche gilt offiziell als Flüchtling.

Mit dem Ende-zu-Ende verschlüsselten Cloudspeicher MEGA bedient Dotcom einige Millionen Kunden. Gleichzeitig versucht er, mit einer eigenen Internetpartei Neuseelands Politik aufzumischen, womit er aber nicht allzuviel Erfolg hat. Laut eigener Aussage ist er mittlerweile pleite.

"Kim Dotcom addresses the crowd". Foto von Peter Harrison via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

“Kim Dotcom addresses the crowd”. Foto von Peter Harrison via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Was für ein Leben. Für die einen ist Kim Dotcom ein Held des freien Netzes, der von der Content-Mafia bekämpft wird, für die anderen ist er nur ein Betrüger.

PayPal scheint nun zu den anderen zu gehören. Laut dem Blog von MEGA gab es zunächst einen Bericht von NetNames, der behauptete, MEGA sei kein legitimer Cloud-Speicher. Daraufhin hat Senator Leahy von Vermont Druck auf Visa und MasterCard ausgeübt, den Zahlungsverkehr zu MEGA einzustellen. Die beiden Kreditkartenunternehmen haben daraufhin PayPal bedrängt, dasselbe zu tun. MEGA stehe wegen der Affäre bereits mit PayPal im Kontakt, habe viele Fragen beantwortet und PayPal habe erklärt, dass MEGA ein legales Geschäft mit Cloudspeichern betreibe. Das große Problem von PayPal sei aber, dass MEGAs “einzigartiges” Modell der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung dazu führe, dass man nicht wissen könne, was auf der Plattform gespeichert wird. Das ist zwar nicht wirklich verboten, aber den Überwachungspolitikern dieser Welt genügend Dorn im Auge, um MEGA zur schlechten Gesellschaft zu machen.

Laut dem Blog hat Mega 15 Millionen Kunden und speichert 4 Milliarden Dateien. Solange keine neuen Bezahlungsmethoden eingeführt sind, wird MEGA das Speicherlimit aufheben, keine Account wegen offener Rechnungen sperren und bestehende Abos kostenlos um 2 Monate verlängern.

Kim Dotcom twitterte daraufhin ein Danke an PayPal für die lange Zusammenarbeit. “Der Druck von Hollywood und der US-Regierung war einfach zu groß.” Und, noch am selben Tag: “Let’s give bitcoin a boost.” Die Bitcoin-Szene ist darüber natürlich entzückt. Wird Bitcoin zur einzigen Möglichkeit, den Ende-zu-Ende-verschlüsselten Speicher auf MEGA zu kaufen? Müssen die 15 Millionen Kunden von MEGA nun zwangsläufig Bitcoins kaufen?

Dass Kim Dotcom Bitcoin mag, ist bekannt. Mega war eine der frühen Akzeptanzstellen der virtuellen Währung, und Mr. Mega hat schon öfters über Bitcoin getwittert. Seit einigen Monaten twittert er manchmal über das “MEGA-Net”, ein vollständig verschlüsseltes und dezentrales Internet, das über eine Blockchain laufen soll. Ob das realistisch ist oder nur ein Marketing-Gag für MEGA sei mal dahingestellt.

P.S.: Bitte kaufen Sie jetzt nicht die Megacoins. Die tun zwar so, als hätten sie etwas mit MEGA zu tun, aber das stimmt nicht.

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6 Comments on Weil PayPal sich geniert: Kim Dotcom setzt auf Bitcoins

  1. Anonymous // 2. March 2015 at 14:37 // Reply

    Und was hat der liebe Kim mit bitcoin.de zutun?

    Ist doch seine Stimme die in “Bitcoin ze movi” zu hören ist? 🙂

    • Mit bitcoin.de? Nix, warum? Die meisten Neuigkeiten auf diesem Blog haben nichts mit Bitcoin.de, aber viel mit bitcoin zu tun …

      edit: oder war das ein Scherz, der bei mir mangels humorverständnis mal wieder nicht angekommen ist?

      • Anonymous // 2. March 2015 at 15:44 //

        Ich werfe dir doch gar nicht vor das dein Blog etwas mit Bitcoin.de zutun hat…

        Ich dachte nur, dass du wenn du schon über Kim schreibst, uns auch dieses kleine Geheimnis enthüllen könntest. Nicht weil dein Blog etwas mit bitcoin.de zutun hat oder auch nicht, sondern weil du in diesem Eintrag über Kim berichtest! Und da es offensichtlich seine Stimme in dem Video ist, wäre es für die community mindestens genauso interresant zu erfahren, wie die Fäden da verstrickt sind.

      • Ist das wirklich so? Da werde ich mal recherchieren.

      • Anonymous // 16. March 2015 at 22:01 //

        Die Recherchen waren wohl nicht von Erfolg geprägt?

      • Doch. Wir haben herausgefunden, dass es nicht Dotcom war.

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