XT integriert BIP 101: Wird sich der Bitcoin in zwei Währungen spalten?

"Fissure" von Bart Everson via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Mike Hearn setzt den Kernentwicklern das Messer an den Hals. Ab 2016 soll der alternative Bitcoin-Client größere Blöcke zulassen, um die Kryptowährung besser skalierbar zu machen. Damit droht eine Hardfork, die den Bitcoin spalten könnte. Die Community begrüßt den Vorstoß dennoch euphorisch.

Am Wochenende hat Mike Hearn in seinen alternativen Bitcoin-Clienten XT Gavin Andresens Vorschlag für eine Erhöhung der Blockgröße integriert. Das von Andresen entwickelte BIP 101 legt die Weichen, um die Größe der Blöcke unter bestimmten Bedingungen ab 2016 auf 8 Megabyte zu steigern und sie dann jährlich um 40 Prozent weiter zu erhöhen, bis sie schließlich 2036 8192 Megabyte erreicht haben werden. Sobald die Erhöhung der Blockgröße einsetzt, werden Bitcoin XT und Bitcoin Core nicht länger kompatible Blockchains führen und damit zwei verschiedene Coins sein.

Viele Hintergrundinformationen zur Debatte um die Blockgröße gibt es in dieser Artikel-Sammlung

In der Community rief dieser Vorstoß ein begeistertes Echo hervor. Schließlich fordert sie schon lange, die Größe der Blöcke zu erhöhen, um den Bitcoin besser skalierbar zu machen. Dies scheiterte jedoch bislang am Widerstand der Kernentwickler, die sich auf keine Lösung einigen können und Sicherheitsbedenken haben. Die Debatte um die ausbleibende Erhöhung der Blockgröße wurde in den vergangenen Monaten immer schärfer geführt und hat mit Mike Hearns Vorstoß nun einen neuen Gipfel erreicht, der droht, die Community zu spalten.

Nicht die Vision, für die sich Mike Hearn angemeldet hat

Mike Hearn kündigte das Update in einem Blogbeitrag unter dem Titel “Why ist Bitcoin forking?” an. In diesem erhebt er schwere Vorwürfe gegen einige Entwickler, die eigene Pläne mit Bitcoin verfolgen und eigenmächtig drastische Änderungen im Protokoll duchführen würden. Damit entferne sich Bitcoin von der Version, die Satoshi anvisiert habe und für die sich Mike Hearn, Gavin Andresen sowie zahlreiche Startup-Gründer, Entwickler und Enthusiasten angemeldet haben: ein freies Geld für alle und für alles. Die Vision derjenigen, die heute die Macht über den Code von Bitcoin Core haben, sei dagegen ein Netzwerk für Payment-Hubs, das hohe Gebühren verlange, keine unbestätigten Transaktionen akzeptiere und keine dezentralen mobilen Wallets unterstütze.

Um ein weltweit verfügbares, günstiges Zahlungsmittel zu sein, benötigt Bitcoin größere Blöcke. Darüber herrscht Einigkeit. Daher findet der Vorschlag von Gavin Andresen, die Blöcke auf 8 MB zu erhöhen, viele Befürworter, unter anderem bei den Entwickler von beliebten Wallets, einigen der größten Börsen, den beiden größten Bitcoin-Zahlungsdienstleister, mehreren Mining-Pools und Umfragen zufolge 75-80 Prozent der Community. Weil dieser Wille der Mehrheit aber von einer kleinen Gruppe von Kernentwicklern mit Zugang zum Protokoll ignoriert werde, so Hearn, gebe es keinen anderen Weg mehr, als eigenmächtig eine Fork zu initiieren. Indem Mike Hearn die Erhöhung der Blockgröße in XT integriert, lässt er den Markt entscheiden, welcher Bitcoin der echte Bitcoin sein wird.

Mike Hearns Artikel wurde natürlich sofort auf /r/bitcoin verlinkt und dort euphorisch geliked. Die Community ist begeistert darüber, dass sie mit der Wahl der Software abstimmen kann, in welche Richtung sich Bitcoin entwickelt. Noch am Wochenende wurden jedoch Posts, die XT betrafen, von den Moderatoren des beliebtesten Bitcoin-Diskussionsforum gelöscht. Den Grund hatten sie schon zuvor genannt: sie betrachteten XT nicht als Bitcoin, sondern als Altcoin, da er nach der Fork nicht mehr mit dem Bitcoin kompatibel ist, den die Mehrheit der Entwickler unterstützt.

… dann ist Bitcoin ein gescheitertes Projekt

Anschließend fegte ein Sturm der Empörung durch /r/bitcoin, in dessen Verlauf Mike Hearns Post erst recht sichtbar und die Absetzung der Moderatoren gefordert wurde. Etwas später stellte ein Moderator die gelöschten Posts wieder her. Heute hat Chefmoderator Michael Marquart aka Theymos jedoch eine neue Richtlinie verabschiedet, die Beiträge zu “emotionalen Themen” wie XT nur dann zulässt, wenn sie substanzielle neue Informationen beinhalten.

In der Mailing-Liste der Bitcoin-Entwickler hat sich am Wochenende auch ein Nutzer mit dem Namen des Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto zum XT-Thema geäußert. Er verurteilte den Vorstoß von Hearn und Andresen in scharfen Worten: Wenn zwei Entwickler Bitcoin forken und definieren könnte, was Bitcoin sei, indem sie populistische Methoden nutzten, um sich gegen zahlreiche technische Bedenken erfahrener Entwickler durchzusetzen, dann müsse er Bitcoin als ein gescheitertes Projekt betrachten. Auch wenn sich der Autor mit einer E-Mail-Adresse angemeldet hat, welche Satoshi einst benutzt hat, und auch wenn bekannt ist, dass Satoshi Forks von Bitcoin sehr kritisch sah, gibt es Vorbehalte, ob es sich wirklich um den Bitcoin-Gründer handelt. Der Ton ist etwas zu radikal und polemisch für Satoshi, und falls er es wirklich ernst meint, hätte er die Möglichkeit gehabt, seinem Post durch die Beigabe einer signierten Nachricht die Macht eines Erdbebens zu geben.

Bei mehreren chinesischen Mining-Pools und Bitcoin-Börsen stieß Mike Hearns radikaler Vorstoß ebenfalls auf Ablehnung. Wiewohl die Pools und Börsen Gavin Andresens Vorschlag prinzipiell gutheißen, lehnen sie eine Lösung ab, die die Community spaltet und nicht auf dem Konsens der Entwickler beruht. Bisher will keiner der wichtigen Protagonisten in der Bitcoin-Wirtschaft das Risiko auf sich nehmen, sich als erster gegen die technischen Vorbehalte der Kernentwickler hinwegzusetzen und Mike Hearn auf seinem Bruch mit diesen zu folgen.

Mittlerweile hat XT trotz der starken Präsenz in sozialen Netzwerken nur rund 460 Knoten, während Bitcoin-Core gut 6.000 hat. Um tatsächlich eine Fork einzuleiten, die eine Bedeutung hat, muss XT noch mächtig Raum gewinnen. Möglich, dass dies ohne die Unterstützung der chinesischen Miner und Börsen überhaupt nicht möglich sein wird und Mike Hearns Aufstand schon jetzt zum Scheitern verurteilt ist. Es ist aber denkbar, dass er mit seinem Vorstoß die Kernentwickler unter Druck setzt, das Thema Blockgröße energischer anzugehen. Sollte XT dazu führen, dass Bitcoin Core mitzieht und etwa eine Zwischenlösung entwickelt, wäre dies ein nachhaltiger Erfolg – nicht nur für eine, sondern für alle Seiten.

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20 Comments on XT integriert BIP 101: Wird sich der Bitcoin in zwei Währungen spalten?

  1. Lasst die Spiele beginnen 😀

    also kurz vor dem Fork alle BTC ins Paperwallet, dann hab ich meine BTC verdoppelt.

    Müssen dann nur noch die Kurse für beide BTC´s gleich bleiben 😀

    Das ist dann wirklich Geld aus NIX gemacht 😉 😀

  2. Es braucht rechtzeitig eine öffentlich einsehbare Bekennerliste, aus welcher ersichtlich ist welcher Minig-Betrieb, Börse, Wallet-Dienstleister welche Software einsetzt. Wer seine Coins nach der Fork auf der “falschen” Blockchain reitet kann ganz schön alt aussehen. Noch vor der Fork ein Paperwallet erstellen und erstmal einige Zeit verstreichen lassen bevor man das Wallet in die “richtige” Software einliest kann jedenfalls nicht verkehrt sein.

    Interressant finde ich folgenden Gedanken:
    Wenn man Bitcoin XT verwendet und die Fork nicht einsetzt, kann man jederzeit zur Core-Version zurückkehren? Wenn man hingegen bei Bitcoin Core bleibt und die Fork kommt gehört man zu den Verlierern (<=25%)? Wird man dann nicht schon nur aus Vorsicht XT verwenden und damit die Fork erst auslösen?

    • Nein, da man seine Entscheidung erst mit Entstehen der Fork trifft, indem man seine Bitcoins in die entsprechende Fork hinein bewegt.
      Tritt eine Fork auf, so kann man ein DoubleSpend ausführen, indem man eine Transaktion in Bitcoin sowie BitcoinXT tätigen kann. Daher wurde im BitcoinXT auch ein Patch installiert, welches das DoubleSpend verhindert.

      D.h. als langfristig investierter Bitcoiner kann man sich beruhigt zurücklehnen und erstmal abwarten.
      Problematischer hingegen wird es z.B. für Tauschbörsen oder Pools, denn diese leben vom “großen” Bitcoin. Insofern ist es auch nachvollziehbar, dass z.B. Tauschbörsen und große Pools den Vorstoß BitcoinXT etwas kritisch sehen, obwohl sie selbst eigentlich für eine Erhöhung der Blöcke sind.

  3. Was soll es denn bringen ein paperwallet zu machen? Die coins sind und bleiben dann in beiden chains einmal vorhanden

    • …stimmt schon, aber nur wenn du den Private Key hast. Falls deine Coins bei einem Walletdienstleister liegen welcher dir kein Zugriff auf den Private Key gewährt, bist du auf gedeih und verderben darauf angewiesen, dass der Dienstleister diejenige Blockchain unterstützt welche zukünftig mehrheitlich verwendet wird. Deine Coins könnten beim einen oder anderen Wechseldienst nicht mehr akzeptiert werden. Da ein Paperwallet unabhängig von der Blockchain/Software ist welche du in Zukunft verwenden willst, bist du auf der sicheren Seite.

  4. Benutzt Bitcoin.de mittlerweile schon XT oder noch Core?

  5. Also angenommen XT zieht den Fork wirklich durch. Was genau soll ich dann mit meinen Bitcoins machen? Mal für nen Laien erklärt wenn das geht. Kann ich meine Bitcoins dann in die Blockchain schicken in der ich sie gerne haben würde oder wir funktioniert das?

    Derzeit sind meine Bitcoins im normal standard Core Wallet.

    Dankeschö

    • Je nach dem, weches System du bei überweisen der Coins benutzt, in diesem Abschnitt (Teil der Fork) der Blockchain wird es auch überwiesen. Der andere Abschnitt bleibt unberührt.
      In Core hat du dann zu beispiel was von A nach B überwiesen. In TX liegt aber noch alles auf Core.

      Alles, was du vor der Fork auf einer Adresse liegen hast, ist nach der Fork auf beiden Systemen verfügbar.

  6. @Reinebuttermlich danke das klärt erstmal einiges für mich. Trotzdem nochmal für das Verständnis und um sicher zu gehen (Ich denke andere User werden die gleichen Fragen haben):

    1. Nach dem Fork habe ich dann erstmal “doppelt” soviele Bitcoins. D.h einmal in der Core Blockchain und einmal in der XT Blockchain. Verstehe ich das richtig?

    2. Ich kann jederzeit entscheiden welche Version ich nutze und je nachdem ob ich dann XT oder Core nehme und meine Bitcoins überweise dort bleiben die Bitcoins auch. D.h. ich kann nicht von der einen Blockchain in die andere überweisen. Ist das auch richtig?

    3. Wenn ich jetzt meine Bitcoins direkt nach dem Fork zum erstenmal an eine Adresse überweise, sagen wir mit der XT Blockchain. Sind dann meine Bitcoins nur noch in der XT Blockchain verfügbar und verschwinden aus der Core blockchain? Und verhält sich das dann andersrum (erstmaliges überweisen in der Core Blockhain) genauso?

    Danke vielmals für die Erläuterungen

    • Ich fürchte, es ist etwas komplizierter.
      An sich akzeptieren und senden Bitcoin Core und Bitcoin XT dieselben Transaktionen.
      Bitcoin XT akzeptiert an sich auch Blöcke von Bitcoin Core, sofern diese valide sind (wenn zum Beispiel Bitcoin XT in Block A Transaktion A-Z reinpackt, aber Bitcoin Core nur Transaktion A-P, dann wird XT einen Block von Core, der Transaktion Q-T enthält, nicht akzeptieren). Aber an sich kommt XT mit allen Blöcken von Core klar, da sie nicht gegen die Regeln von XT verstoßen. Andersherum jedoch, wenn also XT einen Block ausstrahlt, wird Core ihn nicht akzeptieren, sofern er größer als 1 MB ist.

      Meine Güte, ist das kompliziert.

      Vermutlich werden also beide Versionen dieselben Transaktionen akzeptieren und dieselbe Blockchain führen, nur in einer anderen Geschwindigkeit. D.h. Transaktion Q-T wird von XT bereits nach zehn Minuten bestätigt, von Core aber erst nach 20 Minuten.

      Das heißt, im Prinzip müssten die Bitcoins doch nur einmal existieren. Allerdings kann es passieren, dass die Clienten asynchrone Blockchains führen, wodurch beispielsweise Core Transaktionen, die von XT kommen, nicht verifizieren kann (andersherum müsste es aber klappen, wenn ich es richtig verstehe). D.h. es könnte zu massiven double spends kommen.

      Aber ich bin mir echt nicht sicher. Das ist so was von kompliziert …

      • Ok also jetzt bin ich etwas verwirrt.
        Was mich wirkich interessiert:

        1. Kann ich meine Core Bitcoins auch nach längerer Zeit noch in der XT-Bockhhain nutzen falls sich XT durchsetzt?

        2. Muss ich mir sorgen um meine Bitcoins machen falls ich sie in XT nutze aber XT sich nicht durchsetzt?

        3. Wenn ich XT nutze und Bitcoin.de weiter auf Core basier kann ich meine Bitcoins dann überhaupt noch über Bitcoin.de verkaufen/erwerben?

      • Ich auch 🙂

        1. Ja. Nur Bitcoins, die man ab der Fork empfangen hat, könnten gegenenfalls Probleme machen. Bitcoins, die man besitzt, sind soweit ich es überblicke, vollkommen unproblematisch. Solange du weiß, wie man einen privaten Schlüssel ex- und importiert, musst du dir überhaupt keine Sorgen machen.
        2. Ja. Wie genau ist kompliziert und ich kann nicht sagen, ob sie weg sind oder nicht oder unter welchen Umständen, aber ein wenig Sorgen darf bzw. sollte man sich schon um Bitcoins machen, die während der Fork benutzt wurden – unabhängig vom Clienten, den man verwendet. Insbesondere kann ich mir vorstellen, dass Bitcoins, die man mit XT empfängt, später nicht in Core gültig sind. Aber eventuell ist das auch kein Problem, da Transaktionen von beiden Clienten akzeptiert werden sollten.
        3. Ja, an sich schon. Es könnte halt sein, dass Bitcoin.de zu Zeiten der Fork, wenn unklar ist, welcher Client sich durchsetzt, längere Bestätigungszeiten für Einzahlungen verlangt. Für Bitcoin.de wird es natürlich ziemlich kompliziert, Adressen und Transaktionen über zwei Blockchains zu verwalten, aber da Bitcoin.de nicht manipuliert, wirst du den Auszahlungen unabhängig von der Version vertrauen können.

        Das ist jetzt aber meine Sicht. Das ganze ist wirklich sehr vertrackst, und ich glaube, so richtig blickt niemand durch.

        In jedem Fall ist zu hoffen, dass sich noch vor der Fork ein Konsens bildet.

      • Na gut dann weiß ich wenigstens grob Bescheid. Vermutlich werde ich von meinen derzeitigen Bitcoins im Falle eines Forks einfach erstmal die Finger lassen bis sich da rauskristallisiert hat was eigentlich abgeht.

        Danke für die Antworten

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