Deutsche Bank untersucht Einsatz der Blockchain für Unternehmensanleihen

Die Blockchain ist derzeit bei Banken ein großes Thema. Sie gilt als eine der ganz großen Disruptionen im Finanzwesen. Wie stehen die deutschen Banken dazu?

Mittlerweile beschäftigt sich so gut wie jede der größten Banken der Welt mit der Blockchain. Die einen unterstützen Startups, die anderen richten Blockchain-Labs ein, und die nächsten veröffentlichen Artikel zur Blockchain. Manche machen auch alles.

Wie sieht es in Deutschland aus? Wie stehen die großen deutschen Banken zur Blockchain?

Wir haben uns bei einigen Banken umgehört. Das Ergebnis ist interessant. Banken kommunizieren sehr sorgfältig. Die Äußerungen ihrer Pressesprecher sind für Journalisten oft ebenso schwierig wie die von Politikern – sie nehmen am liebsten keine Stellung ein, aber das mit den richtigen Worten. Jedes Wort wird so gewählt, als würde es auf die Goldwaage gelegt.

ING-DiBa, Hypovereinsbank, DZ Bank: Ein wenig Spielraum für Spekulation

Relativ klar ist die Antwort der ING-DiBa. Ein Pressesprecher antwortet auf meine Anfrage kurz und knapp: “aktuell (!) beschäftigen wir uns nicht damit.”

Wenn hier Spielraum für Interpretationen besteht, dann im Wörtchen „aktuell“. Aktuell – weil es sein könnte, dass man sich künftig damit beschäftigt? Oder „aktuell“, weil man nicht als innovationsblind dastehen möchte? Klar ist aber: die ING-DiBa hat nicht nur kein Blockchain-Projekt, sondern sie beschäftigt sich nicht einmal mit der Blockchain. Dies aber kann sich noch ändern.

Ein Stück mehr gibt die Antwort der DZ Bank her. Die DZ ist so etwas wie der Kern der Genossenschaftsbanken. Hier heißt es, man beobachte das Thema intensiv, unterstütze derzeit aber noch (!) keine konkreten Projekte. Revolutionäre Prozessveränderungen wie die Blockchain könnten Kosten- und Geschwindigkeitsvorteile mit sich bringen könnten. In der DZ Bank geht man davon aus, dass die Banken die Digitalisierung des Finanzwesens – und damit vielleicht auch die Blockchain-Entwicklung – aktiv mitgestalten werden.

Die DZ nimmt die Blockchain also wahr und ernst, bleibt derzeit aber noch im Beobachtungsmodus.

Sehr zweideutig fällt dagegen die Antwort der Hypovereinsbank aus. Ein Pressesprecher schreibt, man könne sich noch (!) nicht zum Thema äußern. Er dankt für mein Verständnis, diesmal (!!). Das lässt jetzt natürlich Raum für Spekulationen. Warum „noch“ und warum „diesmal“? Plant die Hypo ein sensationelles Blockchain-Projekt? Oder hat sie zumindest vor, bald genügend Informationen gesammelt und ausgewertet zu haben, um ein Statement zur Blockchain abzugeben? Beides ist aber reine Spekulation.

Deutsche Bank: Angriff ist die beste Verteidigung

Nun zur Deutschen Bank. In der größten Bank Deutschlands hat man das Stadium der Beobachtung bereits hinter sich gelassen.

Zunächst hat der Analyst Thomas Dapp im Juli für dbresearch.vom einen Artikel mit dem programmatischen Titel „Blockchain – Angriff ist vermutlich die beste Verteidigung“ geschrieben. Darin skizziert er eine mögliche Perspektive der Banken auf die Blockchain. Den Bitcoin degradiert er dabei zum Tau, das die hinter ihm stehende Technologie mit sich schleppt. Diese – die Blockchain – sei eine der „ersten wirklich disruptiven Ideen aus dem FinTech-Bereich“. Banken informieren sich derzeit über die Blockchain. Zum einen, um zu erkennen, ob in P2P-Netzwerken eine Gefahr für das derzeitige Geschäftsmodell liegt. Zum anderen, um zu analysieren, ob sich die Blockchain in das Geschäftsmodell integrieren lässt.

Man muss bei Banken genau zwischen Research und Geschäft unterscheiden. Auch die LBBW hat etwa ein Research-Paper geschrieben, in dem sie skizziert, wie die Banken mit der Blockchain umgehen könnten. Von einer aktiven Blockchain-Strategie der LBBW ist dagegen nichts bekannt.

Über das reine „sich ein Bild machen“ ist die Deutsche Bank hingegen schon weit hinaus. Rhomaios Ram, Produktchef des Bereichs Global Transaction Banking der Deutschen Bank und damit auch verantwortlich für die digitale Agenda dieses Geschäftsbereichs, erklärte Reuters bereits, dass man diese Entwicklungen seit 18 Monate betrachte. In den letzten fünf Monaten sei aber im Markt generell das Verständnis und Interesse an der Blockchain-Technologie gestiegen.

Ein Pressesprecher erläutert, dass die deutsche Bank bis 2020 eine Milliarde Euro in die Digitalisierung investiert und das Thema mit Henry Ritchotte Bank-weit von einem Vorstand ausgesteuert wird. Sie hat Innovationlabs in Palo Alto, London und Berlin gegründet, die sich, neben anderem, auch der Blockchain widmen werden.

„Wir haben ein neues Marktumfeld, mit neuen Wettbewerbern, aber auch neuen Partnern. Banken müssen und wollen mit diesen Unternehmen zusammenarbeiten,“ erklärt der Pressesprecher. Erst vor kurzem berichtete Reuters, dass auch die Deutsche Bank mit R3 kooperiert. Das Startup machte vor wenigen Wochen damit Schlagzeilen, dass 9 der größten Banken der Welt mit ihm kooperieren. Vor kurzem wurde bekannt, dass sich 13 weitere Banken der Initiative anschließen. Damit arbeiten also 22 der einflussreichsten Banken der Welt mit R3 zusammen. Neben der Deutschen Bank ist übrigens auch die Commerzbank mit im Boot.

Die Erwartungen an das, was dabei heraus kommen soll, können nicht höher sein. Was, ist natürlich noch geheim. Wir können also wieder nur spekulieren. Man könnte etwa über geschlossene Blockchains, an der nur die größten Banken der Welt ziehen, nachdenken, oder über ein weltweites Settlement-System, das ebenso effektiv wie der Bitcoin arbeitet – wenn nicht noch besser.

Die Deutsche Bank geht aber noch weiter. Sie untersucht, wie der Pressesprecher erklärt, derzeit einen Ansatz, um die Blockchain in einem „sehr eingeschränkten Bereich“ einzusetzen – in dem der Unternehmensanleihen, wie Reuters berichtet. Man schaut, was die Technologie biete, prüft den „Proof-of-Value“ und führt auch schon Tests durch. Insbesondere die Kombination von Tokenisierung und Smart Contracts sei revolutionär, meinte Ram gegenüber Reuters. Der Pressesprecher der Deutschen Bank sagt, es gebe einige Initiativen, aber noch keine Ankündigungen.

About Markus Städler (24 Articles)
Ist freier Journalist und Autor. Er beschäftigt sich überwiegend mit technologischen und wirtschaftlichen Themen. Seit er Ende 2013 den Bitcoin kennengelernt hat, ist die Kryptowährung sein absolutes Lieblingsthema geworden.

1 Comment on Deutsche Bank untersucht Einsatz der Blockchain für Unternehmensanleihen

  1. schöner Blog, tolle Info.

1 Trackback / Pingback

  1. Australische Börse denkt darüber nach, die Blockchain fürs Clearing und Settlement zu verwenden | BitcoinBlog.de – das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

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