„Wir machen gerne Krach.“

Bild von PEY.

PEY bringt Bitcoins nach Hannover. Dem vermutlich jüngsten Bitcoin-Startup Deutschlands ist es gelungen, mehr als 40 lokale Händler mit einem Bitcoin-Terminal zu versorgen. Die Pläne von PEY gehen allerdings viel weiter …

Man kann nicht gerade behaupten, Deutschland sei ein Mekka für Bitcoin-Startups. Die Anzahl deutscher Bitcoin-Firmen ist und bleibt überschaubar. Dennoch gibt es immer wieder Beispiele von erfolgreichen Gründungen.

Eines der jüngsten Startups der deutschen Bitcoin-Szene dürfte PEY aus Hannover sein. Seit der Gründung Ende 2014 hat PEY es geschafft, den Bitcoin zu mehr als 40 Händlern in Hannover zu bringen.

PEY entstand im Umfeld des Edelstalls, des größen Co-Working-Space in Hannover, in dem sich Freiberufler aller Art einen Bürotisch mieten, um der Ödnis der freien, aber einsamen Computerarbeit zu entfliehen. Ric Ferrer hat sowohl den Edelstall als auch PEY gegründet. Der 32-jährige umtriebige Jungunternehmer ist, wie meistens, in Eile, als ich mit ihm telefoniere. Er erzählt, dass bereits 160 Freiberufler im Co-Working-Space arbeiten, das langsam voll wird. Ferrer und seine Kollegen bauen daher derzeit ein eigenes Gebäude mit 2.000 Quadratmeter und einer „abgefahrenen Architektur.“

Lokal ist das neue International

Ric im Edelstall. Bild von: Mario Wezel

Ric im Edelstall. Bild von: Mario Wezel

„Ich bin in mehrere Unternehmen involviert,“ erzählt Ferrer, „in einigen davon geht es auch um Kryptowährungen.“ Während er von einem Projekt, das noch in der Mache ist, nur verraten will, dass es um eine dezentrale Infrastruktur geht und auch Kryptowährungen darin eine Rolle spielen werden, redet er gerne über PEY und was er in seinem ersten Kryptoprojekt erfahren hat.

„Wir haben PEY im Oktober 2014 gegründet und Anfang Dezember 2014 gelauncht und einiges an Aufmerksamkeit bekommen. Das hat alles ziemlich gut geklappt, ich denke, weil es nicht so viele Bitcoin-Startups gibt und die Leute nicht so laut sind. Wir dagegen machen gerne Krach.“

Wichtig, meint Ric, sei neben der Technik die PR: Man muss präsent sein, zeigen, was man macht, sich den Kunden vorstellen. Mit PEY ist es ihm gelungen, in kurzer Zeit erstaunlich viele Händler in Hannover zu überzeugen, Bitcoins zu akzeptieren. Alleine durch die Arbeit von Ric und seinen Kollegen wurde Hannover zu der Stadt in Deutschland, in der es in Relation zur Fläche am meisten Bitcoin-Akzeptanzstellen gibt. Wer von der Benno-Ohnesorg-Brücke aus durch den Schwarzen Bären über die Falkenstraße in die Limmerstrasse spaziert, passiert Burgerbuden, Schnellraustaurants, Bars, ein Reisebüro und mehrere weitere Shops und Unternehmen, bei denen man mit Bitcoins bezahlen kann.

Grund dafür ist ein konsequenter Fokus von PEY auf das lokale Geschäft.

Wenn es nichts zu verlieren gibt, wird es ausprobiert

„Wir stellen uns auf die Händler ein. Es gibt welche, die interessieren sich für den dezentralen Gedanken, aber das sind die wenigsten. Dann gibt es welche, für die ist die Innovation interessant, dass die Leute mit Handy und NFC bezahlen können. Aber das sind auch nicht so viele. Für die meisten zählt, dass es komplett kostenlos ist. Dann sagen sie, wir haben nichts zu verlieren und probieren es daher aus.“

Die Mission von PEY ist es, meint Ric, die Blockchain-Technologie massentauglich zu machen. Dazu hat PEY aus einem modifizierten Nexus S Smartphones ein schlüsselfertiges Zahlungsterminal gebaut. „Wir haben einen NFC-Sender angelötet, ein iBeacon daran geschraubt und eine Kooperation mit BitPay begonnen.“ Die Händler in Hannover, die sich bereit erklären, Bitcoins zu akzeptieren, bekommen von PEY kostenlos ein vollständig konfiguriertes Zahlungsterminal in Form des alten Smartphones in einem in 3D gedruckten Case.

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In Hannover kommt das Konzept von PEY auf jeden Fall an. Mehr als 40 Shops sind im Boot. „Ich kann heute in Hannover fast alles, was ich brauche, mit Bitcoins bezahlen,“ erzählt Ric, „das liegt wohl daran, dass ich alle Shops, die ich regelmäßig besuche, solange nerve, bis ein Terminal von uns dort steht.“

Hennen und Eier

Auch wenn Ric und seine Kollegen so viel wie möglich mit Bitcoins bezahlen – die Option wird „für unseren Geschmack noch viel zu wenig benutzt.“ Ric meint, das liege vor allem daran, „dass es schwer ist, an Bitcoins zu kommen, vor allem, wenn es um kleinere Beträge geht.“ Dennoch sind nach dem Launch Bitcoin-Fans aus ganz Europa nach Hannover gereist, um einen Kaffee mit Bitcoins zu bezahlen. „Die Nutzung steigt schon, aber von Schlangen vor den Terminals sind wir noch weit weg.“

Die Akzeptanz des Bitcoins ist ein Henne-Ei-Problem: Wenn man nirgendwo mit Bitcoins bezahlen kann, benutzt niemand Bitcoins, und wenn niemand Bitcoins benutzt, akzeptiert niemand Bitcoins. Die einzige Möglichkeit, gegen das Henne-Ei-Problem anzugehen, ist mit der Methode „Wechselwachstum“ sowohl an der Henne als auch am Ei zu arbeiten, in der Hoffnung, dass ein Stückchen Henne zu einem Stückchen Ei, das Stückchen Ei zu mehr Henne, mehr Henne zu mehr Ei und so weiter führen.

PEY konzentriert sich daher immer stärker darauf, den Bitcoin zu verbreiten. „Wir haben im Edelstall, nur als technischer Test und nicht öffentlich zugänglich, einen ATM aufgestellt. Die Transaktionen sind allerdings auf 50 Euro begrenzt. Unsere Zielgruppe sind Leute, die einen Kaffee trinken wollen, keine Leute, die illegale Geschäfte machen.“

Mit dem ATM-Hersteller Lamassu plant PEY derzeit, mehrere ATMs aufzustellen. „Wir haben die Möglichkeit, ein paar Geräte zu bekommen, aber wir müssen zuerst schauen, wie wir das mit der Lizenz machen. Wahrscheinlich kooperieren wir mit einer Firma, die schon eine Lizenz hat.“

Bitcoins als Teil des Gehalts: 30 Firmen auf der Warteliste

Während es wohl noch etwas dauern wird, bis PEY Bitcoin-Geldautomaten ausrollen wird, wird ein anderes Projekt von PEY früher zu einem Ergebnis führen: „Wir ermöglichen es Unternehmen, den Mitarbeitern einen Teil ihres Gehalts in Bitcoins auszuzahlen. Sie können einen Betrag festlegen, der bei der Gehaltsauszahlung gewechselt wird.“ Interessant ist dies vor allem, weil man Bitcoins beispielsweise als geldwerte Zusatzleistungen und Boni überweisen kann.

Mit einigen Unternehmen ist PEY bereits in die Betaphase gegangen. Rund 30 weitere stehen in der Warteschlange. „Wir wollen abwarten, bis wir mit dem Stand der Entwicklung zufrieden sind und alle Kinderkrankheiten ausgemerzt haben. Das wird noch ein paar Monate dauern.“ Auch rechtlich sei dieses Projekt nicht ganz unkompliziert: „Ich telefoniere täglich mit ungefähr sieben Anwälten. Da tauchen steuerliche Fragen auf, arbeitsrechtliche, datenschutzrechtliche und so weiter.“

Dies ist aber längst nicht das einzige Projekt, das PEY plant. Man kann daher sicher sein, dass man von dem Startup aus Hannover noch mehr hören wird.

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4 Comments on „Wir machen gerne Krach.“

  1. lkjdflkjag // 9. December 2015 at 0:37 // Reply

    Gibt’s da nicht ne Liste der Shops? Sind die mit einem Label an der Tür sichtbar? Wäre schön, dann hat endlich mein Smartphone mal was zu tun 😉

  2. Name (required) // 9. December 2015 at 9:21 // Reply

    wie genau zahle ich denn mit meinem Handy und NFC? brauch ich da eine extra NFC fähige wallet? Die Blockchain.info app/wallet kann das glaube ich nicht…

    Mich fasziniert bei solchen Berichten immer, wie umtriebig manche Menschen sind. Ich fühle mich immer schon super produktiv wenn ich nach der Arbeit noch Bankgeschäfte, Post und Haushalt geführt hab 🙂

  3. NFC brauchst du eigentlich nicht. Geht mit jeder mobilen Wallet und Barcodescanner.

  4. Notfalls abtippen 😉

1 Trackback / Pingback

  1. Das Magazin t3n zahlt einen Teil des Gehaltes in Bitcoin aus – BitcoinBlog.de – das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

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