Warum es so leicht ist, 170 Bitcoins zu verlieren

'Geld mit der Schippe zum Fenster rauswerfen' von quapan via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Mit Bitcoins kann man wundervoll spielen und investieren – aber man verliert sie schneller, als einem lieb ist. Denn das Internet ist ein furchtbarer Ort, an dem immer jemand darauf wartet, euch eure Bitcoins abzuknöpfen. Die Geschichte eines Lesers, der sehr viele Bitcoins verloren hat, zeigt, wie viel Eigenverantwortung die Kryptowährung ihren Nutzern abverlangt. Seid vorsichtig!

Bitcoins sind das Tor zu einer Welt der Spekulation, des Glücksspiels und Investments. Die Kryptowährung ist eine Erleuchtung für all die, die es lieben, um ihr Geld zu spielen. Man kann Poker und Dice spielen, Sportwetten abschließen, auf Prediction-Markets auf irgendwelche Ereignisse wetten, auf Altcoin-Börsen in hunderte anderer Kryptowährungen investieren, mit CFDs spekulieren, Mikrokredite vergeben, Cloud-Mining-Anteile kaufen, oder, ganz einfach, auf Bitcoin.de mit Bitcoins traden. Alles geht dabei irrwitzig flüssig und schnell, so dass man seine Bitcoins rasch vermehren kann – aber auch genauso schnell verliert.

Wie schnell, zeigt die Geschichte von Marcel. Marcel hat mich angeschrieben, um mir zu erzählen, wie er Bitcoins verloren hat. Ich kann das, was er schreibt, nicht nachprüfen, aber es kommt mir plausibel vor. Für Marcel ist es in Ordnung, wenn ich seine Geschichte hier wiedergebe. Vielleicht bewahrt sie andere davor, seine Fehler zu wiederholen, weil sie zeigt, dass man immer mit Betrügern rechnen muss und dass einem die Bitcoins nur gehören, wenn man selbst die privaten Schlüssel speichert. Traue keinem, der mit dir handelt, und traue keiner Börse, deine Bitcoins sicher zu verwahren.

Mintpal, Cryptsy, PayPal, Dogecoin

Marcel hat relativ früh angefangen, Bitcoins zu minen und konnte so 20 der virtuellen Münzen erzeugen. Als Bitcoins dann 5-12 Euro wert waren, hat er sich auf Bitcoin.de für einige hundert Euro Bitcoins gekauft und diese durch den Arbitragehandel vermehrt, so dass er zwischenzeitlich rund 170 Bitcoin hatte, was derzeit  gut 60.000 Euro entspricht. Heute hat Marcel Schulden bei Krankenkasse und GEZ bzw. der Rundfunkgebühreneinzugsfirma. Von den 170 Bitcoins sind nur noch Brösel übrig.

Seit seinem ersten Kauf hat Marcel auf verschiedenen Plattformen mit Bitcoins gehandelt, hat sich Mining-Contracts gekauft und in Altcoins spekuliert. Seine bittere Erfahrung ist, dass Betrug und Hacks allgegenwärtig sind und dass der Blitz sehr wohl mehrfach an derselben Stelle einschlägt. Erst die Altcoinbörse Vircurex, auf der Bitcoinzahlungen ausgesetzt wurden und Marcel mit Verlust Dogecoins kaufen musste. Dann die Altcoin-Börse Mintpal, die erst ausgeraubt wurden und dann dichtmachte. Schließlich Cryptsy, eine der größten und bewährtesten Altcoin-Börsen, die vor kurzer Zeit in eine mutmaßliche Insolvenz geschlittert ist. In allen Fällen verlore Marcel eine Menge Bitcoins. Außerdem hat er über eBay Kryptowährungen gegen PayPal verkauft, mehrere große Pakete innerhalb weniger Wochen, um etwas später zu erfahren, dass alle (!!) Käufer Betrüger waren und er PayPal einige Tausend Euro zurückzahlen musste. Dazwischen hat er noch zu heftig in Dogecoins investiert und 40 Bitcoin Kursverlust gemacht.

Auf dieselbe Weise wie Marcel haben hunderte oder tausende von Leuten Bitcoins verloren. Dabei hat er längst nicht alle Gelegenheiten mitgenommen, sich abzocken zu lassen. So hatte er beispielsweise keine Bitcoins auf MtGox. Als die riesige Bitcoin-Börse Anfang 2014 pleite ging, nahm sie Bitcoins im Wert mehrerer hundert Millionen Dollar mit. Marcel hätte auch in Shitcoins wie Josh Garzas Paycoin oder angebliche Bitcoin Banken wie Neo & Bee investieren können, auf BitFunder Geld liegen lassen, das mit verschwand, als die Bitcoin-Anleihen-Börse Ende 2013 schloss, oder sich bei Butterfly Labs einen Miner kaufen können, der niemals geliefert wurde.

Endlos viele Betrüger

Die Liste an betrügerischen Startups, IPOs, Scamcoins, verschwundene Webseiten und Ponzispielen ist endlos. Wer in die Sektion der Betrugsvorwürfe auf bitcointalk schaut, findet derzeit Vorwürfe gegen scheinbare Marktplätze, Casinos, Goldhändler, Cloudminer oder Netzwerk-Marketing-Plattformen. Noch frustrierender ist der Blick auf die Webseite badbitcoin, wo alle Seiten, gegen die es Betrugsvorwürfe gibt, aufgeführt werden. Es sind sehr sehr viele.

Das Prinzip ist meistens dasselbe: Es gibt eine tolle Webseite, auf die man Bitcoins einzahlen muss, um superschnell viel mehr Coins zu bekommen. Am Ende entpuppt sich das, was zu gut klingt, um wahr zu sein, als Lüge, und die Gier, seine Bitcoins zu vermehren, als schnellster Weg, sie zu verlieren. Denn sobald die Kryptomünzen die eigene Wallet verlassen haben und auf der vermeintlichen Seite sind, verliert man jeglichen Zugriff auf sie. Transaktionen können nicht mehr rückgängig gemacht werden, und es gibt keine Instanz, die das für einen macht. Entweder der Betreiber der Seite ist ehrlich. Dann bekommt man den gewünschten Service. Oder er ist nicht ehrlich. Dann … ihr wisst schon.

Neben Webseiten mit einem Service, den es nicht gibt, findet man im Universum der Bitcoin-Betrüger noch Ponzi- bzw. Pyramidenspiele, bei denen Zinsen für Einlagen durch neue Einlagen bezahlt werden, Hersteller von Mining-Hardware, die mit den Einnahmen aus Vorbestellungen die Entwicklung der Miner finanzieren, dann aber selbst schürfen, anstatt auszuliefern, Altcoins, die alles mögliche behaupten, tatsächlicher aber nur wertlose Klone sind, Anleihen einer Firma, die es nicht wirklicht gibt, Leute, die mit PayPal Bitcoins kaufen, die Kaufsumme rückgängig machen und bestreiten, dass eine Bitcoin-Transaktion stattgefunden hat, und vieles mehr. Man kann Betrügern vieles vorwerfen, aber nicht einen Mangel an Phantasie.

Seid mündig!

Die Welt da draußen ist nicht gut, und wenn euch jemand anbietet, eure Bitcoins zu vermehren, will er meist genau das Gegenteil. Der Charme des Bitcoin-Universums liegt darin, dass man seine Bitcoins rasend schnell an Firmen und Webseiten im Nirgendwo überweisen kann und auch dass es so viele Möglichkeiten gibt, mit seinen Coins auf etwas zu setzen. Wer möchte nicht eine Kleinigkeit investieren, wenn er meint, jetzt genau den richtigen Riecher zu haben? Allerdings wirft genau diese Schnelligkeit und Unreguliertheit einen Schatten, in dem es vor Betrügern nur so wimmelt.

Bitcoin ist ein Finanzinstrument, das von seinen Usern sehr viel Eigenverantwortung verlangt. Daran führt kein Weg herum. Seid mündig! Speichert eure Bitcoins sicher, als Paperwallet oder zumindest auf dem PC und mit einer Sicherheitskopie der Wallet-Datei. Überweist Bitcoins nur an Webseiten und Personen, denen ihr vertraut. Setzt niemals alles auf eine Karte, und glaubt nichts, was euch im Netz versprochen wird.

Habt ihr auch schon Bitcoins verloren? Wenn ja, wie? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren!

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15 Comments on Warum es so leicht ist, 170 Bitcoins zu verlieren

  1. Wenn man sich seine bitcoins aufspart, hat man immerhin schon ein Zahlungsmittel, wenn der Verschlüsselungstrojaner zuschlägt…(Backup-Wallet vorausgesetzt)
    Das dürfte derzeit der Grund sein, dass der Kurs nicht ins Bodenlose fällt😀 und bald wird uns das mit Google-Trend Daten als neues Interesse am Bitcoin verkauft😉

  2. “Habt ihr auch schon Bitcoins verlieren?”

    Das letzte wort nochmal probelesen und dann korrigieren😉. Ich habe bislang gott sei dank keine bitcoins verloren, halte aber auch nur eine sehr geringe menge auf bitcoin.de. dass man sehr genau aufpassen muss, wem man im (internet-) geschäftsverkehr traut, ist ja an sich nichts neues und die hier geschilderten verluste hätten m.e. auch mit fiat genauso passieren können. Insofern finde ich den hinweis auf die “unreguliertheit” fehl am platze, da dieser impliziert, dass zumindest eine gewisse regulierung wünschenswert wäre, was sie m.e. nicht ist.

    Ansonsten aber ein guter artikel, der allen ins Gedächtnis rufen sollte, wieviel Vorsicht man in geschäftlichen dingen walten lassen sollte.

    • Eine Regulierung dahingehend, dass die Coin-Börsen jederzeit gegenüber einer Behörde nachweisen MÜSSEN, dass sie über die Kundeneinlagen auch tatsächlich verfügen und diese nicht in dunklen Kanälen verschwunden sind (Hack, Inside-Job, Spekulieren etc.) wäre aber schon sehr wünschenswert.

  3. Diese und einige andere Sachen sind mir auch schon passiert, z.B. Bitcoin Miner bei Butterfly Labs bestellt und mehr als 1 Jahr auf die Lieferung gewartet, danach 0,2 BTC durch Bitcoin Mining erzeugt, anschließend ein Crash der Festplatte, bevor die Wallet auf eine externe Festplatte gesichert war. In mehr als 20 Jahren hatte ich noch keinen Festplatten Crash, aber in den 2 Wochen ist es passiert. Das ist schon ein ziemlich schwerer Fall von Murphys Law😉.

    Beim Verkauf von Bitcoin Cloud Mining Tickets auf Ebay musste ich auch feststellen, dass dies ein bevorzugtes Kaufobjekt bei geknackten Paypal Accounts ist. Der Paypal Verkäuferschutz gilt übrigens nicht bei elektronischen Waren, wie mir der Paypal Customer Service sehr ausführlich, kompetent und freundlich erläutert hat Wieder was dazugelernt🙂.

    Außerdem noch Bitcoin Mining bei einem Mining Pool, der sich nach ca. 1 Jahr als Ponzi Schema entpuppt hat, da hatte ich aber meinen Einsatz zu einem erheblichen Prozentsatz schon wieder raus. Insgesamt bin ich also meistens mit einen blauen Auge bzw. kleinen Verlusten aus der Sache rausgekommen.

    Inzwischen habe ich noch einen 500 GH/s Cloud Mining Account und einige Bitcoins auf einer großen Bitcoin Börse, die von einer deutschen Bank betrieben wird. Ich bin trotzdem dabei geblieben, und habe im Punkt Sicherheit im Laufe der Zeit dazugelernt.

    Mein Fazit ist: Man sollte den Grundsatz “Don´t invest more than you can afford to lose” nie vergessen, das gilt aber eigentlich bei allen Finanztransaktionen und nicht nur bei Bitcoin.

  4. Bitcoins gegen Paypal verkauft ? Naja aus Fehlern lernt man😉
    Bitcoin auf Börsen verloren.. ich würde keiner Börse mehr als ein paar Hundert Euro vertrauen.. auch nicht Bitcoin.de (Eventuell ändert sich etwas duch dezentrale Börsen) trotzdem.

    Einzig was mir passiert ist.. worauf man auch achten sollte (Backups sowieso etc.). Ich erhielt eine Transaktion und wollte sie direkt weiterleiten, genau in dem Moment wo ich auf Senden drücke.. blackscreen und das System hat es komplett zerschossen. Absolut tot.. Da wusste ich aha Bitcoin ist noch nicht reif genug für ein Finanzsystem.. es fehlen HD Wallets die es ermöglichen von einem Seed das komplette Wallet mit allen seinen Adressen wiederherzustellen.

    In dem Sinne.. passt auf🙂

    • Man braucht keine Wallets mit Seed, man kann auch sofort den privaten Key anzeigen lassen und sicher notieren.

      Bei den Wallets mit Seed bin ich mir auch nicht so sicher, ob der Zufall bei der Erstellung groß genug ist. Aber näher untersucht habe ich das noch nicht.

  5. Blubberente! Du lebst! Komm zurück ins Forum, wir vermissen Dich🙂

    • Ich muss dir leider mitteilen dass du dich sehr wahrscheinlich irrst, ich kommentiere erst seit kurzem auf bitcoinblog.de und bin auch nicht im Forum angemeldet, tut mir leid. Ich hoffe niemanden den Namen genommen zu haben, denn Blub stammt von “blablablub” und heißt so viel.. wie Name: Egal, Wie auch immer, wen interessierts.. etc.🙂

      Lg

  6. Das mit den Altcoin Börsen ist leider bittere Realität. Es ist einfach noch sehr früh und die Börsen sind noch am lernen und sich zu verbessern. Ich selbst handele auf Poloniex und hoffe innigst dass diese Börse keinem Hack zum Opfer fällt. Sie scheint mir sehr stabil und sicher, aber dennoch muss man (leider) jederzeit mit einem Totalausfall rechnen.

    Daher max 20% seiner BTCs in ein solches Risikoinvestment stecken, ganz sein lassen kann ich jedoch nicht, Blockchaintechnologie ist einfach die Zukunft und auf Projekte wie Ethereum, MAID, Monero, Bitshares oder NEM zu spekulieren ist einfach zu verlockend😉

  7. Ich habe leider 120 BTC durch einen Trojaner auf dem Rechner verloren als ich meinen Seed vom ColdStorage eingegeben habe.

  8. Eine weitere fiese Falle ist das sogenannte Cloud-Mining. Man überweist einem Miner (in meinem Fall Genesis Mining) ein paar BTC um sich einige Giga-Hashs auf deren Geräten zum Minen zu reservieren. Dafür erhält man lebenslänglich den Ertrag dieser Hashs abzüglich der anfallenden Betriebskosten ausgezahlt. Doch nachdem 20% der Einlage ausgezahlt sind, versiegt der Strom. Die eingezahlten BTC kann man dann in den Wind schreiben.
    Neuerdings noch ein “kleiner” Haken. Wer auf bitcoin.de seine Bitcoins im Expresshandel verkauft, kriegt zwar die BTC von seinem Account abgezogen, der Kaufpreis geht jedoch nicht auf dem Bankkonto ein. Jetzt wird es also ganz mies……

  9. Bei Genesis Mining in der Cloud angelegte Bitcoins verschwinden still und leise. Nachdem der ausgezahlte Mining-Ertrag 20% der Einlage erreicht hat, versiegt die Quelle. Die Bitcoins mit denen man sich einige Gh’s zum Minen reserviert hatte, sind verschwunden.
    Wer auf bitcoin.de im Expresshandel seine Coins verkauft, krigt diese zwar vom Account abgebucht, wartet aber vergeblich auf die Auszahlung des Kaufpreises auf das Fidor-Bankkonto.

  10. So VIEL hast du verloren?
    Das ist ja mehr als ein kleines Vermögen. Jetzt im Nachhinein, was denkst du hättest du
    tun können um das zu vermeiden? Ich denke mal um die gängigen Antiviren Programme kommt sowas leicht drum rum, oder?
    MfG m1USERNAME

  11. Wie sagt der Mario? “Mit Geld spielt man nicht” – alte Bauernweisheit…

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