Satoshi Nakamoto über Treuhandsysteme mit Bitcoin

Satoshi spricht: Der Gründer des Bitcoins hat vieles vorausgesehen und -geplant, was erst Jahre nach seiner Erfindung Wirklichkeit wurde. Ein Beispiel sind Multisig-Transaktionen. Darüber hat Satoshi Nakamoto schon Mitte 2010 geschrieben, als er sein Konzept eines dezentralen Treuhandsystems ohne Mittelsmänner skizziert hat.

Wer auch immer Satoshi Nakamoto, der Gründer des Bitcoins, war: Es ist immer wieder erstaunlich, wie vieles er vorausgesehen hat und wie er bereits 2010 über Bitcoin-Anwendungen nachgedacht hat, die erst Jahre später Wirklichkeit wurden. Ein gutes Beispiel ist, wie er bereits im Sommer 2010 über Treuhandsysteme durch geteilte Adressen nachdenkt:

Re: Ein Vorschlag für ein semi-autonomes Treuhand-System
Posted by satoshi, August 05, 2010, 06:08:30 PM
Man kann eine Transaktion schreiben, die zwei Signaturen benötigt, um weiter ausgegeben zu werden. Du schreibst eine Zahlung, die die Signatur sowohl vom Empfänger als auch vom Sender benötigt, um ausgegeben zu werden. Um die Treuhand freizugeben, gibst du dem Empfänger deine signierte Hälfte, oder der Empfänger gibt die Zahlung zurück, indem er dir seine signierte Hälfte gibt. In diesem einfachen Fall ist kein Mediator nötig. Der Rückanspruch ist die Weigerung, die Treuhand jemals zu befreien, was das Geld verbrennen würde.

Posted by satoshi, August 07, 2010, 08:13:52 PM
Hier ist die Skizzierung einer Art von Treuhand-Transaktion, die mit der Software möglich ist. Dies ist bislang nicht implementiert, und ich werde vermutlich nicht so bald Zeit haben, es zu implementieren, aber ich will dir zeigen, was möglich ist. Die Basis-Treuhand: Der Käufer übergibt eine Zahlung an einen Treuhänder. Der Verkäufer erhält die Transaktion mit dem Geld in Treuhand, aber er kann sie nicht ausgeben, bevor der Käufer sie befreit. Der Käufer kann die Zahlung zu jeder Zeit befreien, was auch niemals sein kann. Dies ermöglicht es dem Käufer nicht, das Geld zurückzubekommen, aber es gibt ihm die Option, es zu verbrennen, indem er es niemals freigibt. Der Verkäufer hat die Option, das Geld zu befreien, damit es an den Käufer zurückgeht. Während das System die Parteien nicht vor Verlusten bewahrt, verhindert es, dass man durch Betrug Profit macht.

Wenn der Verkäufer die Ware nicht sendet, bekommt er keine Zahlung. Der Käufer verliert zwar noch immer sein Geld, aber zumindest hat der Verkäufer keine finanzielle Motivation, ihn zu hintergehen. Der Käufer kann nicht profitieren, wenn er nicht bezahlt. Er bekommt das Treuhandgeld nicht zurück. Er kann auch nicht nicht bezahlen, weil er kein Geld hat. Der Verkäufer kann sehen, dass das Geld an seinen Schlüssel übergeben ist und nirgendwo anders hin gesendet werden kann.

Nun, ein Wirtschaftswissenschaftler würde sagen, dass ein betrügerischer Verkäufer beginnt, zu verhandeln, so wie „befreie das Geld und ich gebe dir die Hälfte davon zurück“, aber an diesem Punkt wäre so wenig Vertrauen übrig und so viel Missgunst im Spiel, dass Verhandlungen unwahrscheinlich sind. Warum auf der Welt würde der Betrüger sein Wort halten und dir die Hälfte zurücksenden, wenn er bereits sein Wort gebrochen hat, als er es gestohlen hat? Ich denke, bei moderaten Beträgen würde es so gut wie jeder aus Prinzip ablehnen, zu verhandeln.

Re: Treuhand
Posted by satoshi, August 11, 2010, 01:30:02 AM
Quote from: jgarzik on August 10, 2010, 06:53:57 PM

Frage einmal die Besitzer von Geschäften aus der echten Welt, ob sie ihren Kunden erzählen wollen, dass es eine Chance gibt, dass ihr Geld für immer verloren ist und von keiner Partei geborgen werden kann.

Das hört sich so an als würde es irgendwie verloren gehen und die Parteien kommen nicht ran, selbst wenn sie kooperieren wollen.

Wenn man etwas im Voraus bezahlt, bekommt man es auch nicht zurück. Kunden scheinen sich damit wohlzufühlen. Es ist nicht schlechter als das. Jede Partei hat immer die Möglichkeit, es für die andere zu befreien.

Quote from: nelisky on August 10, 2010, 08:20:36 PM

Aber die Lösung, Geld zu verbrennen, ist zwar großartig darin, ökonomisch sinnvollen Betrug zu verhindert, aber hilft nicht dabei, Vergeltung zu verhindern und lässt jeden verlieren, wenn eine Seite unehrlich ist. Ich würde das gewiss nicht befürworten.

Dann musst du auch gegen das gebräuchliche System sein, im Voraus zu bezahlen, in dem der Kunde verliert.

Im Voraus bezahlen: der Kunde verliert, und der Dieb bekommt das Geld.

Einfache Treuhand: der Kunde verliert, aber der Dieb bekommt auch kein Geld.

Wollt ihr etwa behaupten, im Voraus zu bezahlen sei besser, weil zumindest der Dieb das Geld bekommt, also mindestens einer von beiden?

Stell’ dir vor, jemand stiehlt etwas von dir. Du bekommst es nicht zurück, aber du könntest es, wenn es einen Selbstzerstörungsschalter hätte, der ferngesteuert werden kann, zerstören? Würde es eine gute Sache sein, wenn Diebe wüssten, dass alles, was du hast, einen Selbstzerstörungsknopf hätte und dass es für sie nutzlos wäre, es zu stehlen, auch wenn du selbst es ebenfalls verlierst? Wenn sie es zurückbringen, kannst du es wieder aktivieren.

Stell’ dir vor, Gold würde zu Blei werden, wenn es gestohlen wird. Wenn der Dieb es zurückbringt, wird es wieder zu Gold. Ich denke immer noch, dass das Problem etwas damit zu tun haben könnte, es auf die richtige Weise zu präsentieren. Man sollte etwa nicht plump sagen „Geld verbrennen“ in der Absicht, eine Spieltheorie-Diskussion zu führen. Das Geld wird niemals wirklich verbrannt. Du hast die Option, es zu jeder Zeit zu befreien.

__

Info1: Satoshi Nakamoto mag recht gehabt haben mit seiner Behauptung, dass eine einfache Treuhand bereits einen starken Verbraucherschutz bieten kann. Die Wirklichkeit geht mit “m von n” Multisig-Transaktionen – also Transaktionen, die nur gültig sind, wenn beispielsweise 2 von 3 Schlüsseln signieren – noch über die Skizzierung des Bitcoin-Erfinders hinaus. Wenn es 3 Schlüssel gibt, von denen 2 die Transaktion absenden müssen, dann kann man zwischen Käufer und Verkäufer noch einen Schlichter schalten, der im Zweifel aktiv wird und die Bitcoins befreit. Alternativ kann man mit einem Timelock die Transaktion so bauen, dass der Käufer nach einer Woche das Recht hat, den Betrag alleine abzubuchen, während bis dahin zwei Schlüssel notwendig sind.

Info2: Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem “Buch Satoshi”, für das wir die Original-Zitate von Satoshi Nakamoto übersetzt haben. Sie können es für 0,01 Bitcoin bei einem Anbieter herunterladen, der passenderweise SatoshiBox heißt. Dazu müssen Sie einfach dem Link folgen und die Summe Bitcoins an die angegebene Adresse senden.

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3 Comments on Satoshi Nakamoto über Treuhandsysteme mit Bitcoin

  1. übersetzer // 13. July 2016 at 15:20 // Reply

    das englische “you” sollte i.d.R. mit “man” übersetzt werden. dann liest sich der Text auch viel besser.

  2. thomasfranken2013 // 13. July 2016 at 17:36 // Reply

    stimme@übersetzer zu
    Nichts für ungut ,Christoph

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