Ist die Legalisierung in Kalifornien die perfekte Chance für Bitcoin?

Kalifornien legalisiert Marijuana, aber die Banken wollen den Hasch-Apotheken kein Bankkonto geben. Das wirkt wie ein perfekter Anwendungsfall für den Bitcoin – zeigt aber auch, dass die Kryptowährung alleine nicht alle Probleme löst.

Hippies und Rastas aus Kalifornien dürften den Tag, an dem Donald Trump zum Präsident der Vereinigten Staaten gewählt wurde, zum Feiertag ernennen. Denn am selben Tag haben die Kalifornier in einer Volksabstimmung dafür gestimmt, den Besitz von Marijuana bis hin zu einer Unze (knapp 30 Gramm) vollständig zu legalisieren.

Eine Art “Bug” im amerikanischen Rechtswesen bringt nun den Bitcoin ins Spiel. Denn während ein Bundesstaat nach dem anderen beschließt, das Kraut zu legalisieren, hält die US-Bundesregierung weiterhin an einem Verbot fest. Die Drug Enforcement Administration (DEA) hat erst im August abgelehnt, Marijuana von der Liste der verbotenen Substanzen zu streichen.

Kein Bankkonto für Hasch-Firmen

Die USA ist gespalten. Auf der einen Seite hat sich der Markt der legalen Cannabis-Wirtschaft mit der Legalisierung in Kalifornien verdreifacht. Manche Beobachter spekulieren bereits, dass die kalifornischen Handplantagen bald mehr Umsatz machen als die Weinberge; Prognosen zufolge wird Hanf in den USA bis 2020 ein 22-Milliarden-Dollar-Business sein. Auf der anderen Seite, der Bundesebene, ist Cannabis hingegen weiterhin verboten und fällt in dieselbe Klasse wie Heroin. Da Banken und Finanzdienstleister auf Bundesebene reguliert werden, sind nun Firmen, die Cannabis züchten, veredeln und verkaufen in der absurden Situation, dass sie vollkommen legal handeln, aber Banken sich weigern, ihnen ein Konto anzubieten. Denn sie befürchten, vollkommen zu recht, dadurch Ärger zu bekommen.

Die Los Angales Times beschreibt, dass die meisten Hasch-Apotheken im Lande “cash only” Unternehmen sind. Weil sie dementsprechend mit einer Menge Bargeld hantieren, werden diese Firmen oft Opfer von Raubüberfällen. In Colorado etwa wurden bereits Sicherheitsleute von Hasch-Apotheken erschossen. Zwar gab es vor kurzem einen Gesetzesentwurf der Demokraten, um Banken davor zu schützen, sich Ärger einzuhandeln, wenn sie mit Cannabis-Unternehmen Geschäfte betreiben, doch der Entwurf wurde von den Republikanern abgeschmettert.

Die Furcht der Banken vor Ärger geht sogar so weit, dass Firmen nicht mal direkt Marijuana verkaufen müssen, um ein Bankkonto zu verlieren. Bloomberg berichtet, wie einem Medienunternehmen, das Videos über die Zucht von Marijuana drehte, das Bankkonto entzogen wurde. Der Chef der Firma suchte mehrere Monate lang nach einer neuen Bank. Er wurde von zahlreichen Instituten abgelehnt, bis er schließlich eines fand, das ihn als Kunden akzeptierte. Nur 3 Prozent aller Banken in den USA nehmen Cannabis-Unternehmen als Kunden an. Viele Vertreter der Branche erzählen, dass sie mehr als 40 Institute fragen mussten, bevor sie ein Konto bekamen.

Chance für Bitcoin?

Angesichts dieser absurden Lage ist es kein Wunder, dass bereits versucht wird, Bitcoin als Zahlungsmittel in der legalen Cannabis-Branche zu etablieren. Denn die Kryptowährung kann dort brillieren, wo das herkömmliche Finanzwesen versagt. Und wenn die Banken nicht willens oder in der Lage sind, einen aufstrebenden Markt zu bedienen, kann seinen Wert beweisen.

In Denver, Colorado, akzeptiert etwa eine Sicherheitsfirma, deren Kundschaft zur Hälfte aus Cannabis-Verkäufern besteht, Bitcoins, damit die Hasch-Apotheken nicht länger mit Bargeld bezahlen müssen. Auch die ersten Cannabis-Automaten, die in den USA derzeit aufpoppen, akzeptieren lediglich Bargeld und Bitcoins. Wie viele der Verkaufsstellen Bitcoins annehmen, ist aber ebensowenig bekannt, wie die Häufigkeit, mit der mit der Kryptowährung bezahlt wird.

Bitcoin könnte zum Helfer eines gesellschaftlichen Wandels werden, der derzeit noch von der Trägheit der Bundesgesetze und der Banken gebremst wird. Allerdings ist die Kryptowährung nicht das magische Pflaster, das alle Wunden sofort verschließt. Denn auch die Verwendung der virtuellen Währung stellt die Cannabis-Händler vor Herausforderungen.

Nicht die Währung ist das Problem, sondern die Mittelsmänner

Es steht zwar an sich jedem frei, Bitcoin zu senden oder zu empfangen. Die meisten Händler ziehen es aber vor, einen Mittelsmann einzuschalten, der sowohl die technische Abwicklung der Zahlung als auch das Risiko von Preisschwankungen trägt. Beispiele für solche Mittelsmänner sind BitPay und Coinbase – zwei US-Firmen, die wie die Banken auch dem nationalen Recht unterliegen.

Bereits 2014 erklärte BitPay, dass man nicht mit Marijuana-Firmen zusammen arbeite, da die Substanz weiterhin durch nationale Gesetze verboten sei. Coinbase hat zwar angekündigt, diese Politik zu überdenken, bleibt aber bisher weiterhin dabei, die Branche nicht als Kunde zu akzeptieren.

Das Problem ist nicht die Währung, mit der bezahlt wird – sondern die Mittelsmänner, die im Spiel sind. Die Cannabis-Affäre zeigt dies in aller Deutlichkeit. Solange Händler nicht direkt Bitcoins empfangen, nutzen sie die Vorteile der Kryptowährung kaum aus. Allerdings sind die Instrumente, die ihnen hierfür zur Verfügung stehen, kaum ausgebaut und verlangen meist nach selbst-programmierten Tools, die die API des eigenen Nodes oder von anderen, unabhängigeren, Akteuren benutzen.

Doch selbst die direkte Akzeptanz von Bitcoin ist keine vollständige Lösung für Cannabis-Unternehmen. Ein Hasch-Apotheker aus Washington hatte versucht, die durch Käufe erhaltenen Bitcoins über Coinbase zu verkaufen. Die große Bitcoin-Wechselstube hatte ihm daraufhin den Account gekündigt. Sofern ein Unternehmen darauf angewiesen ist, Mitarbeiter, Mieten und Materialien in Dollar zu bezahlen, hilft ihm die Bitcoin-Akzeptanz nur bedingt aus der Abhängigkeit von Banken.

Dies kann sich ändern, wenn Bitcoin-Firmen diese Marktlücke schließen. So hat etwa das kanadische Bitcoin-Unternehmen First Bitcoin Capital kürzlich eine Zusammenarbeit mit einem Kreditkartenanbieter für die Staaten Kalifornien und Oregon geschlossen, um zukünftig Cannabis-Firmen anzubieten, doch bargeldlos Geld zu empfangen. Allerdings führt das zu der Frage, warum Bitcoin noch notwendig ist, wenn die Kreditkartenfirmen aufhören, der Spielverderber zu sein …

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4 Comments on Ist die Legalisierung in Kalifornien die perfekte Chance für Bitcoin?

  1. Nattydraddy // 14. November 2016 at 16:10 // Reply

    Ich dachte Kiffen macht träge. Aber wenn selbst Bitcoin-Paymentprozessoren noch nicht mit Dealern äh Apotheken umgehen können, dann ist es ja schon rigide zu nennen.

    • Es ist eher eine Vorsichtsmaßnahme um möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen. Schließlich sind Coinbase & Co. überregional tätig und unterliegen demnach auch überregionalen Regeln.
      Ich sehe aber kein Problem darin, denn jene Händler können dies auch selbst in die Hand nehmen, ist halt nur eine Frage der Bequemlichkeit und Komfortabilität.

  2. loool: “…die kalifornischen Handplantagen…”
    Ich hatte einfach Hunger auf Hände, also lass mich!

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