Und er lebt! WikiLeaks Chef Julian Assange beweist durch Blockhash, dass ein Video von ihm aktuell ist

4,5 Jahre ohne Sonnenlicht in der Botschaft hinterlassen ihre Spuren. Julian Assange im Livevideo.

Was früher eine Überschrift in einer Tageszeitung war, ist heute die Blockhash: WikiLeaks-Gründer Julian Assange stellt sich in einem AMA (Ask Me Anything) den Fragen von Fans und Kritikern. Um ein für allemal mit den Gerüchten aufzuräumen, er sei tot, verschollen oder entführt, hat Assange in einem Video die Hash eines aktuellen Bitcoin-Blocks vorgelesen.

Der Australier Julian Assange ist vor allem dafür bekannt, die Enthüllungsplattform WikiLeaks gegründet zu haben und bis heute zu leiten. Seit Mitte 2010 wird Assange mit einem internationalen Haftbefehl gesucht, weil er angeblich in Schweden eine Frau vergewaltigt hat. Assange selbst bestreitet dies und spricht von schmutzigen Tricks gegen ihn, da die Staaten, vor allem die USA, mit zunehmender Feindseligkeit auf die Enthüllungen von WikiLeaks reagieren. Um dem Haftbefehl zu entgehen, hat sich Assange in London in die Botschaft von Ecuador geflüchtet, wo er seitdem lebt.

Nachdem WikiLeaks mitten im US-Wahlkampf des vergangenen Jahres pikante Dokumente der Demokraten veröffentlicht hat – und damit möglicherweise mit die Wahl entschieden hat – nahm der Druck auf Ecuador und WikiLeaks zu. Die Botschaft von Ecuador verweigerte Assange den Zugang ins Internet, vor der Botschaft kam es zu Polizeiaufläufen, WikiLeaks wurde von einem DdoS-Angriff vorübergehend ausgeknockt. Seitdem gibt es das Gerücht, dass Julian Assange verschwunden sein, ermordet, entführt oder geflohen, und dass die Geheimdienste WikiLeaks übernommen haben. Auch ein Interview, dass der Fernsehsender RT in der Botschaft von Ecuador führte, sowie eine Nachricht in der Blockchain, dass alles ok sei, konnten die Zweifel nicht ausräumen. Das Interview konnte ja schon früher aufgenommen sein, und wenn jemand Assange entführt, kann es auch sein, dass er die Bitcoin-Schlüssel von WikiLeaks hat.

Nach einem AMA – Ask Me Anything – von Julian Assange scheint das Gerücht aber endgültig tot zu sein. Assange lebt.

Ein AMA ist ein gebräuchliches Interview-Format, vor allem im Forum Reddit, bei dem der Schwarm den Interviewer ersetzt. Jemand kündigt an, ein AMA zu geben. Die Crowd sammelt Fragen, und der AMA-Geber arbeitet sich durch die Fragen durch. Um mehr Authentizität zu beweisen, hat Julian Assange nicht nur einige Fragen im Rededit-Forum beantwortet, sondern auch per twitch-TV live Fragen per Video beantwortet.

In diesem Video nimmt er auch Stellung zu den Gerüchten, er sei verschwunden, ermordet oder verschleppt (ab 1:38):

Also, ich selbst, und der Rest des Teams von WikiLeaks, sind sehr gerührt, dass es diesen Ausdruck der Sorge darüber gab, wie es uns geht. Wir haben alle diese Angriffe erwartet, and wenn ihr meine öffentlichen Statements anschaut, und einige der Statements, die von WikiLeaks getweetet wurden, als mein Internet blockiert wurde und wir diese schwierige diplomatische Situation hatten, da haben wir gesagt, ihr wisst schon, dass diese Angriffe kommen mussten. Wir brauchen Leute, die uns verteidigen, im Grunde brauchen wir eine ganze Armee, um die Sache durchzustehen.

Als sich die Sorge um das Wohlergehen von WikiLeaks jedoch verselbständigte, verlor Assange die Kontrolle: “Und dann kam es zu Sorgen, was mit mir sei und warum man mich nicht gesehen hatte, usw.”

Assange musste einen “Proof-of-Live” vorlegen, einen Beweis, dass er am Leben war. Nur – wie macht man das? Es gab zahlreiche Aufrufe an Assange, eine Nachricht mit einem PGP-Schlüssel zu unterschreiben, um zu beweisen, dass er am Leben war. Assange erklärt, weshalb er dies nicht getan hat.

Aber eine PGP signierte Nachricht sagt überhaupt nichts darüber aus, wer sie geschrieben hat. Es ist nur eine Nachricht mit Absender. Nun lasst uns sehen, welchen Präzedenzfall wir damit schaffen würden. Wir würden einen Präzedenzfall dafür schaffen, dass, wenn es Sorgen gibt, ob jemand aus unserem Team entführt wurde, diese Sorgen damit aufgehoben werden können, indem man einfach eine Nachricht schreibt, die mit einem bestimmten kryptographischen Schlüssel verbunden ist. Nun, wenn WikiLeaks in ernsthafte Gefahr gerät, dann ist es möglich, dass wir die Kontrolle über die Schlüssel verlieren.

Kryptographie beweist eben keine Identität, sondern nur einen Schlüssel. Für Assange war es daher die beste Möglichkeit, anstatt einer Signatur ein Video als Beweis zu verwenden. Denn in einem Video kann man, selbst wenn man gezwungen wird, in wenigen Sekunden geheime Botschaften abgeben.

Also … ja, ich bin am Leben, und ich stehe nicht unter Zwang, aber ich bin in einer sehr schwierigen Situation. Ich bin das seit 6 Jahren. Denkt nicht, dass ich nicht in einer schwierigen Situation bin. Wie ich es erklärt habe, ist diese Botschaft von einer High-Tech Polizei-Einheit umgeben, auch von Geheimdienst-Einheiten – es ist wirklich eine schwierige Situation. Ich habe seit viereinhalb Jahren nicht mehr das Sonnenlicht gesehen. Es ist eine harte Situation. Ich bin hart, aber, ihr wisst, ihr solltet über die Situation besorgt sein.

Dennoch ging die Sorge, meint Assange, ab einem bestimmten Punkt zu weit.

Aber, als die Sorge um mich bekannt wurde, gab es eine schwarze PR Kampagne, die die Sorgen infiziert hatte und versuchte, aus ihr etwas anderes zu machen. Und sie war äußerst erfolgreich. Das war interessant zu beobachten.

Das geschah … fabrizierte Nachrichten, die angeblich von unserem Team kamen, wurden auf 4chan, reddit, etc. gepostet. Videos, die behaupteten, von Anonymous zu sein. Vollkommen fabriziert. Dutzende. Und was war ihre Intention? Was forderten sie? Sie forderten die Leute dazu auf, WikiLeaks nicht zu vertrauen. Uns keine Leaks zu geben, uns nichts zu spenden. Ich meine, es ist offensichtlich, wer von der Produktion dieser schwarzen PR-Kampagne profitiert.

Klingt plausibel. Aber ist das Video tatsächlich ein ausreichender Beweis dafür, dass Julian Assange frei und am Leben ist? Wäre es nicht möglich, auch dieses zu fabrizieren?

Einige Leute sagen, dass ich … weil die Fortschritte in der Technologie der Videobearbeitung und Audiotechnik etc. — dass ich versuchen sollte, etwas anderes zu tun … diese Fragen könnten gesetzt und schon vor einiger Zeit beantwortet sein. Also, das ist, muss ich sagen, ein wenig albern. Nicht in Beziehung dazu, dass wir unter Druck stehen. Wir stehen unter einer Menge Druck, aber wir sind sehr gut darin, dem Druck zu widerstehen. Ich meine, es ist albern in Beziehung dazu, ob ich am Leben bin oder entführt wurde.

Dennoch liefert Assange einen Proof of Live in Echtzeit. In der alten Welt hat man dafür gewöhnlich eine Zeitung des heutigen Tages genommen und das Datum und die Schlagzeile vorgelesen. Aber Assange wäre nicht der Cypherpunk Julian Assange, wenn er das nicht ein wenig anders machen würde:

Der intellektuell interessanteste Beweis ist es, den letzten Block in der Blockchain zu nehmen, der Bitcoin Blockchain, seine Nummer zu sagen und die letzten 8 Ziffern oder so etwas von der Hash.

Allerdings, räumt Assange ein, ist auch dieser Beweis nicht perfekt.

Es ist zwar intellektuell unterhaltsam, aber das Problem damit ist: Es ist sehr kompliziert, die zugrundeliegende Technologie zu verstehen. Und damit hat es den gleichen Fehler wie ausgefeilte Wahlmaschinen – kryptographische Wahlmaschinen. Und zwar, dass die durchschnittliche Person nicht verstehen kann, ob die Sicherheit ausgereift ist. Natürlich, Experten sind dazu in der Lage – aber nicht die durchschnittliche Person. Und damit sind wir wieder zurück bei einem sozialen Beweis.

Anschließend hat Assange dennoch die Blocknummer und die Hash vorgelesen: Die Nummer ist 447506, die Hash 178374f687728789caa92ecb49. Auf einem Blockexplorer wie Blockchain.info kann man sich davon überzeugen, dass es stimmt.

Was aber sagt das genau aus? Warum ist die Blocknummer und die Hash irgendeine Form von Beweis? Zum einen ist die Blocknummer wie eine Uhrzeit. Allerdings folgt diese Uhrzeit nicht der gewöhnlichen Zeit, sondern der eigenen Blockzeit des Bitcoins, die, je nach Rechenleistung und Glück der Miner, mal schneller, mal langsamer abläuft. Das macht es schon mal sehr schwierig, im Vorfeld zu erraten, welche Blocknummer zu einer bestimmten Zeit in der Zukunft aktuell ist.

Vollends unmöglich ist es, die Hash eines bestimmten, noch nicht gefundenen Blocks zu sagen. Denn diese Hash eines Blocks ist das, was die Miner suchen. Sie nehmen dafür die Transaktionen, die Hash des vorherigen Blocks, einige weitere Daten sowie einen zufälligen Wert, jagen das ganze durch einen kryptographischen Algorithmus, und nur, wenn die Hash bestimmte Bedingungen erfüllt, ist der Block gültig. Da man im Vorfeld nicht weiß, welche Transaktionen ein Miner in einen Block einfügen wird, und da es zudem sehr viele, wenn auch schwierig zu findende, korrekte Hashes gibt, kann man ausschließen, dass jemand eine Blockhash fälscht. Nicht nur irgendwie und ungefähr, sondern mit absoluter Sicherheit.

Das, was Assange geliefert hat, ist also ein sehr starker Beweis. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass Assange lebt. Allerdings verstehen nr die wenigsten Menschen diesen Beweis wirklich.

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9 Comments on Und er lebt! WikiLeaks Chef Julian Assange beweist durch Blockhash, dass ein Video von ihm aktuell ist

  1. Na ja eigentlich beweist es nur das jemand einen hash aus einem aktuellen Block vorgelesen hat. Spielberg könnte wahrscheinlich sogar einen Dino der wie Assange geschminkt ist das machen lassen.
    Ein proof of life ist das sicher nicht.

    • @HerrBert, Dann gibts keinen Proof-Of-Life. Es sei denn, erstens: Du begegnest Assange persönlich, und zweitens: …bist fähig seine DNA zu checken oder sowas. 😉 Anders gesagt: Der erbrachte Beweis ist m.A.n. der denkbar stärkste den er geben kann.

      • Zu Ihrer Info: Man kann jede DNA synthetisch herstellen. Gelangt man an eine einzige Zelle einer Person (Haar, Haut, etc…), wäre es möglich, die DNA Sequenz dieser Person zu reproduzieren = fälschen

      • Wenn ich Assange wäre würde ich auf den Balkon gehen und winken.

  2. Nicht, dass ich das für realistisch halte, aber warum kann man nicht rein theoretisch folgendes machen:
    1. “offline minen” (also nicht wirklich minen, sondern nur gleiche kryptographische “Rätsel” lösen, ohne es jemandem zu erzählen oder gar damit einen neuen Block auf der Blockchain zu erstellen), bis man einen passenden Hash gefunden hat (der womöglich schwerer zu finden ist, als es zurzeit notwendig ist).
    2. Dann liest man den Hash von dem gefundenen Block vor und denkt sich dazu eine Blocknummer aus, z.B. 447506 und speichert das ganze in einem Video. Zurzeit gibt es aber erst sagen wir 445213 Blöcke.
    3. Man wartet bis Block 447505 gefunden ist, und “veröffentlicht” dann seinen eigenen Block auf der Blockchain, der die Nummer 447506 bekommt.
    4. Man veröffentlicht das Video.
    Ist das möglich? Falls nein: An welcher Stelle hab ich das Mining-System nicht richtig verstanden?

    • Leopold Stotch // 11. January 2017 at 16:56 // Reply

      Nein, das ist nicht möglich. Mal abgesehen vom Energieaufwand, der die Sache unpraktikabel macht: Der Hash eines Blockes hängt vom gesamten bisherigen Inhalt der Blockchain ab (direkt gehen u. a. die Transaktionen im Block und der Hash des vorigen Blockes ein, in diesen die Transaktionen im letzten Block und der Hash des vorvorherigen usw.) – du müsstest nicht nur die ganzen Rätsel lösen, sondern auch sämtliche noch kommenden Transaktionen erraten.

    • Da die Blöcke ja verkettet sind (Blockchain) ist das sehr schwierig. Für einen neuen Block wird immer der Hash des voherigen Blocks benötigt. Theoretisch funktioniert es meiner Meinung nur dann, wenn man schneller als alle anderen eine Kette von Blöcken generieren könnte. Aber dann müsste man deutlich über 50% der gesamten Mining Rechenleistung besitzen, so dass die Wahrscheinlichkeit gering genug ist, dass kein anderer einen Block findet.

    • Das klingt ein bisschen nach “Selfish Mining”.

  3. Die “Community” sollte sich lieber Gedanken drüber machen wie man helfen / aktiv werden kann anstatt nur zu überlegen ob er lebt oder nicht.

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