Schwedische Investment-Firma nutzt Bitcoin anstatt ein Bankkonto, um im Iran zu investieren

Milad Tower, Teheran. Bild von "nima; hopographer" via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Bitcoins gegen die Furcht: Für die schwedische Firma Brave New World Investments (BNWI) ist der Iran ein großartiger Ort, um Geld anzulegen. An sich ist dies nicht verboten, doch da die Banken des Landes fürchten, die USA zu verärgern, wenn sie so etwas zulassen, hat BNWI kein Bankkonto bekommen. Die Investmentfirma hat keine andere Wahl, als Bitcoins zu benutzen – und hat dafür das OK der Regierung.

Oh Mann. Vor zwei Jahren wäre die folgende Meldung ein guter Aprilscherz gewesen. Bitcoin dringt offenbar immer tiefer in die Kapillaren des globalen Finanzsystems ein und positioniert sich überall als Alternative, wo die herkömmlichen Kanäle für Geldströme verstopft sind. Die Nachricht von der schwedischen Investment-Firma Brave New World Investments (BNWI) ist ein extremes, unerhörtes und vielleicht auch wunderbares Beispiel.

Brave New World Investments ist eine Anfang des Jahres im schwedischen Linköping gegründete Investmentfirma. Der Name der Firma ist Programm: “Wir bei Brave New World Investments sagen, lasst uns diese Schöne Neue Welt umarmen. Es warten große Belohnungen auf diejenigen, die das Risiko eingehen, Gelegenheiten zu nutzen.” Ein besonderer Fokus von BNWI ist es, im Iran zu investieren.

“Der Mittlere Osten ist eine Weltregion, in der hohe Risiken und hohe Erträge liegen. Ein Teil der Region durchläuft eine wirtschaftliche und technologische Transformation … die mit Abstand größten Chancen liegen im Iran nach den Sanktionen. Während die Sanktionen abgebaut werden, braucht die Wirtschaft dringend Investitionen, um international aufzuholen.” Die beiden Gründer von BNWI, Martin O’Duinning und Mikael Johansson, haben beide mehrere Jahre im Iran gearbeitet. Sie erklären, dass die Teheraner Aktienbörse deutlich unterbewertet ist und dass die Steuergesetze im Iran äußerst investitionsfreundlich sind.

Warum die Blockchain der einfachste Weg für Geld in den Iran ist

Perfekte Voraussetzungen, um Geld dorthin zu schieben, wo es gebraucht wird und sich vermehrt. Wären da nicht die Amerikaner. Denn während die EU seit 2016 dabei ist, die Sanktionen abzubauen – und der Handel zwischen der EU und dem Iran wieder aufblüht – hat die USA erst im Dezember beschlossen, die Sanktionen um weitere zehn Jahre zu verlängern. Nach einem Raketentest des Irans hat die USA Anfang März die Wirtschaftssanktionen sogar noch ausgebaut.

Eigentlich ist es für eine EU-Firma wie Brave New World Investments vollkommen legal, in die iranische Wirtschaft zu investieren. Da allerdings die schwedischen Banken befürchten, dass die Kooperation mit BNWI zu Problemen in der Beziehung mit den USA führt, hat die Firma kein Bankkonto für ihren Geschäftsbetrieb gefunden. Alle sechs großen schwedischen Banken haben abgelehnt.

Also haben die Gründer geprüft, ob sie Bitcoin anstatt Euro verwenden können und dies für einen gangbaren Weg befunden. Damit wurde Brave New Worl Investments die erste Investmentfirma, die kein Bankkonto hat. Die Kunden bzw. Investoren in den Fonds müssen in Bitcoin bezahlen, und die Firma verwendet Bitcoin, um Gehälter, Mieten etc. zu bezahlen und Geld in den Iran zu überweisen.

Das ist an sich schon verrückt genug. Aber es geht noch weiter.

Eine Firma mit einer Bitcoin-Adresse anmelden – legen Finanzämter die Scheuklappen ab?

Wie Coindesk berichtet, hat die Firma die offizielle Erlaubnis der schwedischen Regierung, einen Bitcoin-Account anstatt ein Bankkonto zu verwenden, um finanzielle Nachweise zu erbringen und die Firma anzumelden. Hierfür mussten sie ein unterschriebenes Statement eines Auditors nachweisen, dass sie Besitzer eines Kontos sind. Dies konnte die Firma durch Bitcoin-Transaktionen auf eine spezifische Adresse leisten. Damit gibt es eine Bitcoin-Adresse, die für eingehende Zahlungen an BNWI reserviert ist, und die der schwedischen Regierung bekannt ist.

Womöglich wird die schwedische Finanzaufsicht die gängigen Scheuklappen ablegen und feststellen, dass die Bitcoin-Blockchain eine wesentlich unkompliziertere und weitergehende Transparenz bietet als Bankkonten. Ja, man könnte sogar so weit gehen, zu sagen, dass Bitcoin nicht, wie oft vermutet, ein gutes Instrument für Geldwäsche und Steuerhinterziehung ist, sondern, ganz im Gegenteil, die Arbeit der Finanzämter erheblich vereinfachen kann. Anstatt die Bank anzurufen, um Transaktionen nachzuvollziehen, reicht ein Blick in einen Blockexplorer. Ich bin ziemlich sicher, dass auch das deutsche Finanzministerium, sobald es dies einmal begriffen hat, die Berührungsängste mit Bitcoin zügig verlieren wird.

All das ist unglaublich. Aber wir sind noch immer nicht fertig mit dieser irren Meldung.

Lasst das Beispiel Schule machen

Nachdem die Firma also ordnungsgemäß gegründet wurde, planen Johansson und O’Duinning, Bitcoin und andere Kryptowährungen zu nutzen, um iranischen Firmen zu helfen, ähnliche Hindernisse zu überwinden. Denn es ist weiterhin oft ein großes Problem, Geld in den Iran und hinaus zu bekommen.

So hat beispielsweise das internationale Zahlungsnetzwerk Swift vor vier Jahren alle Verbindungen zum Iran gekappt. Während nach dem Lösen der Sanktionen Kreditkarten zwar langsam wieder auf den Markt kommen, bleiben viele Sanktioenn in Kraft. Bitcoin und Kryptowährungen könnten ein gutes Instrument sein, um iranischen Firmen den Weg zurück auf den Weltmarkt zu ebnen. Zum einen, um Geld zu empfangen, zum anderen, um Geld zu versenden, und zum dritten, um Hinternisse abzubauen, die Firmen im Ausland daran hindern, Handel mit dem Iran zu betreiben.

Tja. Die Revolution hat begonnen. Lehnt euch zurück und schaut zu, wie Bitcoin Geschichte macht.

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7 Comments on Schwedische Investment-Firma nutzt Bitcoin anstatt ein Bankkonto, um im Iran zu investieren

  1. Sehr schön geschrieben.

  2. Die Frage ist nur, was macht man mit den BTC im Iran. Ich hatte mich vor einiger Zeit auchschon mit der Idee befasst. Das ganze ist aber gescheitert, weil es da zu wenig Stellen gab, die BTC in Rial oder sogar Dollar tauschen.

  3. ösldkjöfdlgdgf // 13. April 2017 at 14:46 // Reply

    Nur weil man die Bitcoin im Iran nicht in Fiat tauschen kann heisst es nicht gleich das Sie keinen Wert haben. Man muss ggf. jemanden finden der die Bitcoins als Sicherheit ggf. mit großen Abschlag akzeptiert. Dann kann man ggf. einen Kredit erhalten. Wenn dieser zurück gezahlt ist bekommt man die Bitcoins zurück. Es ist dann kein Tausch sondern nur eine weitere Ware die man hinterlegen kann.
    Ist das nicht sogar so in der Art angedacht mit Sidechannels?

  4. Tony Ford // 13. April 2017 at 17:20 // Reply

    Bitbond.com ist ein ähnliches Beispiel, wie Bitcoin den Weg in die Welt öffnet, Wege die auf klassischen Wegen verschlossen blieben.

  5. Ich habe versucht mehreren Iranern den Bitcoin nahe zu bringen aber diese Idioten haben so viel Angst verhaftet zu werden. Und den großen Vorteil sehen die auch nicht, da man dort sowieso so gut wie überall mit Karte zahlen kann und Geld innerhalb von Sekunden überwiesen wird.
    Ich hätte dort gern wenigstens ein paar Miner aufgestellt da der Strom sehr billig ist, aber scheint schwer zu werden..

  6. Name required // 13. April 2017 at 21:14 // Reply

    Zitat:
    “… hat die USA erst im Dezember beschlossen, die Sanktionen um weitere zehn Jahre zu verlängern. Nach einem Raketentest des Irans hat die USA Anfang März …”

    Mit Ländern hast Du es nicht so, oder?
    Muß heißen: “… haben die USA …” – es sind die Vereinigten Staaten von Amerika, also Mehrzahl.

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