Die BaFin geht gegen OneCoin vor

Griechisches Schiff sinkt im persischen Gold. Bild von Babak Farrokhi via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die BaFin friert ein Konto einer Internetagentur ein, die die Finanzgeschäfte von OneCoin in Deutschland erledigt hat und unterbindet womöglich auch den hiesigen Geschäftsbetrieb von OneCoin komplett. Manche der OneCoin-Fans können es nicht lassen, noch in dieser Lage zu versuchen, die scheinbare Kryptowährung mit Halbwahrheiten zu bewerben.

Vielleicht erinnert ihr euch noch an OneCoin. Dies ist ein MLM-System, das Investoren, mit der Story angezogen hat, es sei der nächste Bitcoin, während für viele Experten unklar war, ob es sich überhaupt um eine Kryptowährung gehandelt hat. Nun bekommt OneCoin Probleme mit der BaFin. Die deutsche Finanzaufsicht hat nämlich das Konto eingefroren, über welches die Zahlungen von OneCoin abgewickelt wurden, und der Firma OneCoin wohl auch den Geschäftsbetrieb in Deutschland untersagt.

Folgendes geschah: Ende Februar hat die BaFin eine Kontensperre für Konten der IMS International Marketing Services GmbH aus Greven verhängt. Am 5. April hat die Behörde per Bescheid verfügt, dass die IMB zudem jegliche Finanztransfergeschäfte mit OneCoin-Anlegern sofort einzustellen und die unerlaubten Geschäfte abzuwickeln hat. Im Falle einer Widerhandlung droht die BaFin mit einer Strafe von 1,5 Millionen Euro.

Die BaFin erklärt, dass die in Dubai ansässige OneCoin Ltd. die virtuellen Werteinheiten “OneCoin” vertreibt, welche sie, so die BaFin, “als Kryptowährung deklarieren”. Um den deutschen Markt mit diesem Geschäft abzugrasen, hat die IMS International Marketing GmbH wechselnde Bankkonten bei verschiedenen Banken benutzt. Auf diese Konten haben die geprellten Anleger, die meinten, am Kryptogoldrausch teilzunehmen, Geld einbezahlt, welches dann von der IMS sowohl an OneCoin selbst als auch als Provision an die Werber weitergeleitet wurde. Dies stellt, so die BaFin, ein Finanztransfergeschäft dar, für welches eine Erlaubnis notwendig sei, das die IMS nicht hatte.

Insgesamt hat die Firma Zahlungen von rund 300 Millionen Euro abgewickelt – was die irre Dimension dieses Vertriebsschemas alleine auf dem deutschen Markt aufzeigt – von denen derzeit noch etwa 29 Millionen Euro auf dem nun gesperrten Konto liegt.

Die BaFin sperrt das Konto lediglich wegen der fehlenden Erlaubnis. Eine Einschätzung über die Rechtmäßigkeit von OneCoin bleibt sie schuldig. Lediglich die Anmerkung, dass die Firma virtuelle Werteinheiten verkauft, die sie “als Kryptowährungen deklariert” könnte so zu verstehen sein, dass die Behörde den Verdacht mancher Kommentatoren aus der Kryptowährungsszene teilt, dass die Kryptowährung von OneCoin gar nicht existiert, sondern die Token lediglich Einträge in einer internen Datenbank der Firma OneCoin seien. In einer Folgemitteilung hat die BaFin demnach auch wohl angeordnet, dass die Firma OneCoin Ltd. Geschäfte in Deutschland einstellt, welche Finanztransaktionen beinhalten. Aber ich bin mir mit der Interpretation der Mitteilung nicht ganz sicher.

In den letzten Monaten wurde es ruhig um OneCoin. Die angebliche Kryptowährung mit einem MLM-Vertriebssystem hat 2015 und 2016 mächtig Wirbel gemacht und durch die Provision für Neukundenjäger sehr engagiere Fans hervorgebracht, die in der Regel nicht allzu viel von Kryptowährungen an sich wissen, aber umso überzeugter davon sind, dass OneCoin aus diesen oder jenen Gründen der nächste Bitcoin ist. Mal wurde gesagt, weil es mehr Einheiten von OneCoin gibt (als hätte das eine Bedeutung), mal, dass OneCoin in naher Zukunft per Kreditkarte überall auf der Welt akzeptiert wird (was glaube ich nie geschah und sowieso auch mit Bitcoin geht), mal weil OneCoin nicht dezentral, sondern zentralisiert ist und darum keine Scalability-Probleme hat. Während solche Werbesprüche bei jedem, der sich wirklich mit Kryptowährungen beschäftigt, im besten Fall für Gelächter sorgten, waren sie in der weiten Welt der privaten Kleinanleger und Schnäppchenjäger schockierend erfolgreich.

Im Lauf der vergangenen zwei Jahren haben jedoch immer mehr Aufsichtsbehörden begonnen, gegen OneCoin vorzugehen. Die jüngsten Beispiele sind Norwegen und Malta. Die meisten frühen Vertriebspartner von OneCoin haben längst ihren Webseiten aufgeräumt und sich mit ihren Gewinnen zurückgezogen. Allerdings gibt es auch verzweifelte Partner wie Norbert Friedrich, der sich Ende März 2017 erkühnt, auf LinkedIn ohne jede Quellenangabe zu behaupten, DHL akzeptiere OneCoins: “Geschunden und verrissen erhebt sich wie ‘Phönix aus der Asche’ der heimliche Gigant unter den Kryptowährungen zu neuem Glanz. Der weltweit größte Paketanbieter DHL akzeptiert ab jetzt OneCoin als Zahlungsmittel.” Dies beruhte möglicherweise darauf, dass ein Lizenznehmer der DHL tatsächlich behauptete, OneCoin zu akzeptieren. DHL reagierte darauf mit der Drohung, jedem, der OneCoins akzeptiere, sofort die Lizenz zu entziehen.

Man kann nur sagen: Wer jetzt noch auf diesem Schiff mitfährt und gar noch versucht, andere an Bord zu locken, hat es nicht anders verdient, als mit OneCoin unterzugehen. Ahoi!

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6 Comments on Die BaFin geht gegen OneCoin vor

  1. Ja mich freut es ebenfalls das für diese Pseudo-Cryptowährung endlich die Luft dünner wird. Ich wurde selbst im Freundes- und Bekanntenkreis häufiger auf OneCoin angesprochen und das immer von Personen die technisch nicht einmal einen Drucker einrichten könnten (um einfach mal den techn. Horizont abzustecken). Über jeden Zweifel erhaben versuchten diese Leute mir klar zu machen das Bitcoin bald am Ende ist und OneCoin einfach besser durchdacht ist. Technische Fragen konnten nicht beantwortet werden….man braucht nicht wissen…glauben allein reicht schon. Jetzt erzählen mir die gleichen Leute bereits von ihren Exit-Plänen aus dem aktuellen Job wenn sie dann per OneCoin erst Millionär geworden sind. Da kann ich dann einfach nix mehr dazu sagen ohne mein Gegenüber zu beleidigen….von daher lass ich es bleiben. Ich will auch nicht mehr davor warnen, weil aussichtslos erscheint. Um so mehr freue ich mich das du weiterhin durchhältst!

    • Benjamin Bitcoin // 20. April 2017 at 18:54 // Reply

      Man muss schon wirklich sehr naiv in Finanzangelegenheit sein um auf die Masche reinzufallen. Selbst wenn Onecoin eine richtig funktionierende Kryptowährung gewesen wäre (das könnte ein Skriptkiddy schnell zusammenklicken) müsste man doch verstehen dass ein möglicher riesiger Gewinn immer einem großen Verlustrisiko gegenübersteht.
      Hohe Renditen bei kleinem Risiko gibt es nicht.

  2. Ich weiß gar nicht, ob man die OneCoin-Geprellten überhaupt bemitleiden sollte. Ich habe immer den Eindruck gehabt, die wollen ihr Geld unbedingt loswerden.

  3. gut das es die BaFin gibt….

  4. Ingo Müller // 22. April 2017 at 0:33 // Reply

    Die BaFin hat NICHTS von OneLife eingefroren. Überhaupt nichts.
    Die IMS, einer der Zahlungsanbieter, mit der OneLife seit längerer Zeit zusammen arbeitet, hat einen “Job” angenommen, für den das Unternehmen allerdings keine Lizenz hat. Die Gelder DORT, wurden eingefroren. Richtig! Unglaubliche 360 Millionen. Das wird OneLife definitiv das Genick brechen, allerdings nicht vor Kummer, sondern eher vor Lachen.

    Man kann Euch eigentlich nur bemitleiden. Ihr seht den größten Run weltweit nicht einmal, wenn er direkt vor Eurer Nase läuft 😀

    Und ja, auch ich habe BitCoin´s. Weil BitCoin eine geile Währung ist, mit der man problemlos viele Dinge bezahlen kann.

    Benjamin: Du sprichst von der Vergangenheit. Hast Du Realitätsverlust?

    Jens. Stimmt, wir wollen unsere Fiatwährung loswerden und sie gegen etwas Sinnvolles tauschen.

    Jürgen: Sich erst informieren, dann denken und in Deinem Fall, die Finger still halten. SDo Vie Blödsinn in einem Kommentar, liest man selten. Allerdings der Schlußabsatz gefällt mir … aussichtslos 😉

  5. Ingo Müller // 23. April 2017 at 0:22 // Reply

    Ich habe da doch glatt noch etwas vergessen. BitCoin wird definitiv nicht bald am Ende sein. Wer so was behauptet, hat entweder amerikanisches Insiderwissen (bezüglich einer anstehenden Weltherrschaft) oder ist schlichtweg dumm. BitCoin, LitCoin und dergleichen sind unverzichtbar. Und solange es keine Weltherrschaft gibt, welche von der USA ja seit Jahrzehnten angestrebt wird, wird das auch nicht per gesetzt verboten werden.

    So, habe fertig 😉

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