Das globale Dorf der Big Block Community

Auf der Future of Bitcoin Konferenz in Arnheim trafen sich die sogenannten “Big Blocker”, um Vorträge zu hören und sich kennenzulernen. Die Konferenz war ein starkes Bekenntnis, mit der Blocksize zu skalieren. Unter den vielen Höhepunkten war ein furioser Auftritt unseres liebsten Pseudo-Satoshis sowie die Ankündigung des Bitcoin-Clients BitcoinABC.

Wie alle Bitcoin-Konferenzen war die Future of Bitcoin ein intensives, anstrengendes, spannendes und aufregendes Ereignis. Wann hat man sonst die Gelegenheit, Bitcoin-Fans und -Entwickler aus der ganzen Welt zu treffen? Aus Nicknames in Foren werden plötzlich Gesichter, und man kann von Morgens bis Abends über Bitcoin reden, ohne die anderen zu langweilen.

Die alles überwältigende und von fast allen geteilte Haltung in Arnheim war erstens Begeisterung: Begeisterung dafür, dass wir mit Bitcoin eine große, vielleicht sogar epochenmachende Erfindung miterleben. Die zweite dominante Haltung war Empörung – nämlich darüber, dass das Blocksize-Limit Bitcoin weiterhin daran hindert, sein Potenzial zu entfesseln.

“Wenn du Gift über soziale Medien versprühst, schadest du nicht nur dem Ziel deines Angriffs, sondern uns allen” — Jameson Loop, BitGo

Stattgefunden hat die Future of Bitcoin im WTC Arnheim. Dies ist die Abkürzung fürs “World Trade Center”, ein Paar Zwillingstürme im Zentrum von Arnheim. Vom 13. Stock aus – hier wurden die Präsentationen gehalten – hatte man den besten Blick auf die Stadt, der möglich ist.

Eine Villa im Stadtpark von Arnheim. Hierhin wanderten die Konferenzteilnehmer am Samstag Abend, um das Wochenende mit Bier, Wein, Buffet und Diskussionen abzuschließen.

Die Verpflegung war bombastisch. Frühstück, Mittagessen, Abendessen – es gab ständig mächtige, prall gefüllte Buffets, an denen man sich bedienen konnte, bis man platzte. Dazu ein permanentes Angebot an Kaffee, verschiedenen Tees und Wasser mit Geschmack, und am Abend auch noch kostenlos Bier und Wein. Diese üppige Versorgung gipfelte in einem Dinner in einer Villa im Stadtpark zum Ausklang.

“Kryptowährungen sind eher Theologie als Wissenschaft”  — Peter Rizun

Böse Zungen möchten nun vielleicht kommentieren, dass die chinesischen Miner die anwesenden Big Blocker bestochen haben. Da Bitmain.com, die Bitmain-Tochter BTC.com und Bitcoin.com die maßgeblichen Sponsoren der Konferenz waren, kann man schon sagen, dass Jihan Wu und Roger Ver, die beiden Erzfeinde aller Small Blocker und Core Fans, zu einem Gelage in Arnheim eingeladen haben.

Jihan Wu, Keynote-Speaker der Konferenz, hält eine tiefgründige Rede über Herrschaftsmodelle von Open Source Projekten.

Inhaltlich war die Konferenz weniger techniklastig als die Scaling Bitcoin in Mailand und weniger “Big Business” als in New York. Es waren offenbar weder Entwickler von Core und populären Wallets anwesend, noch besonders viele CEOs von wichtigen Unternehmen. Möglicherweise wollte niemand seinen Ruf gefährden, indem er an einer Veranstaltung teilnimmt, die im Umfeld von Bitcoin Unlimited stattfand.

Das Publikum bestand daher vor allem aus Usern, alternativen Entwicklern und Ökonomen. Die meisten hier begeistern sich nicht im speziellen für eine technisch besonders elegante Lösung (wie SegWit oder Lightning), und auch nicht für super-lukrative Geschäftsmodelle (wie ICOs etc.). Sondern sie begeistern sich für Bitcoin – für das, was die Kryptowährung der Welt geben kann. Die Atmosphäre vibrierte dementsprechend vor Begeisterung. So gut wie jeder führte inspirierende, wundervolle Gespräche.

Etwas schade war es jedoch, dass weder Core Entwickler noch Vertreter der SegWit2x-Koalition anwesend waren – obwohl SegWit2x erst am Freitag einen Release hatte. Diese Trennung zu den “pragmatischen” Big Blockern drückte die Konferenz unnötigerweise in eine oppositionelle Ecke.

“Wie können wir Bitcoin wieder benutzen? Plant nicht nur für größere Blöcke – plant 100 Mal größere Blöcke” – Ryan X. Charles

Auch in den Vorträgen zeigte sich diese Oppositionshaltung. Die alte Aufforderungen, onchain zu skalieren, also endlich die Blocksize zu erhöhen, wurde mehrfach laut. Am eindrücklichsten und glänzendsten brachten sie vielleicht Nikita Zhavoronkov und Ryan X. Charles zum Ausdruck.

Wenn ich im folgenden Links bringe, führen diese direkt zu den Vorträgen in den Video-Mitschnitts auf Youtube.

Zhavoronkov, der an einer Moskauer Universität Kurse über Kryptowährungen und Blockchain gibt, zeigte mit vielen Charts und Bildern, wie absurd sinnlos eine Politik der vollen Blöcke ist. Wenn Bitcoin weiterhin nicht nur in Stoßzeiten, sondern permanent überladen ist, werden die Gebühren exponentiell steigen. Ab einem bestimmten Niveau wandern Usecases zu anderen Kryptowährungen wie Ethereum aus. Für den Akademiker ist klar, dass Bitcoin sich nur auf dem Markt behaupten kann, wenn sowohl onchain als auch offchain skaliert wird. Und zwar massiv!

“Es gibt eine grenzenlose Nachfrage nach Bitcoin? Großartig! Ich will, dass jeder Bitcoin benutzt. Wenn jeder Kaffee der Welt mit Bitcoin bezahlt wird – perfekt!” — Craig Stephen Wright

Ähnlich sieht Ryan X. Charles die Lage. Der Amerikaner hat das Netzwerk “Yours” aufgebaut, auf dem Leser per Mikrochannels Autoren bezahlen können. Charles hat laut eigenen Angaben als erster, noch vor Lightning, ein Routing-Netzwerk von Micropayment-Channels aufgebaut. Er geht also in genau die Richtung, die Core und Small Blocker wollen. Dennoch plädiert er heftig für onchain Scaling. Der Grund ist einfach. Jeder Micropayment-Channel beinhaltet 3 Transaktionen. Wenn jede davon 5 cent Gebühren kostet, bezahlt man für einen 10-Dollar-Channel Gebühren von 0,15 Prozent. Wenn jede Transaktion hingegen 2 Dollar kostet, lohnt sich ein Channel nicht unter 100 oder 1.000 Dollar.

Peter Rizun von Bitcoin Unlimited lässt kein gutes Haar an SegWit.

Die Forderung nach größeren Blöcken wurde von Kritik an SegWit begleitet. Hier tat sich besonders Bitcoin Unlimiteds Peter Rizun mit einer ausführlichen und harschen Kritik hervor. Er behauptete, SegWitCoin sei kein Bitcoin. Denn: Er definiert einen Bitcoin wie Satoshi als eine Kette digitaler Signaturen. Mit SegWit kann diese Kette unterbrochen werden, da man Signaturen löschen kann bzw. da der Coin auch ohne Signatur gültig ist. Rizun zeigt mehrere Angriffe, Probleme und Fehlanreize, die womöglich dazu führen können, dass ein SegWit-Coin weniger wert ist als ein Bitcoin.

“Der wohlwollende Diktator ist das häufigste Herrschaftsmodell in Open Source. Meistens funktioniert es gut.” — Jihan Wu

Auch Amaury Sechelt, Entwickler im Umfeld von Bitcoin Unlimited, auch bekannt als Deadalnix, teilte in seinem Vortrag gegen SegWit aus. SegWit sei eine “komplizierte Art, nicht viel zu erreichen”. Die ganze Core Roadmap mache keinen Sinn, sondern sei Engineering als Selbstzweck. Sinn hingegen mache die Roadmap, die Sechelt und andere Entwickler mit Bitmain für die sogenannte UAHF aufgestellt haben, die neben einer Blocksize-Erhöhung auch BIP143 Signaturen, UTXO Commitments, Sharding und andere Maßnahmen vorsieht. Der abrupte Höhepunkt von Sechelts Präsentation war die offizielle Bekanntgabe von BitcoinABC, ein Client auf Basis von Core 0.14.1, aus dem SegWit entfernt und eine frei anpassbare Blocksize wie Bitcoin Unlimited eingeführt wurde. BitcoinABC ist vor allem als “Plan B” gedacht, falls SegWit2x scheitert.

Piotr Narewski stellt Gocoin vor, die erste und einzige Bitcoin-Implementierung in Go.

Technisch am tiefsten gingen auf der Future of Bitcoin die Vorträge von den Entwicklern alternativer Clients. Jihan Wu, Geschäftsführer von Bitmain, gab für diesen Teil der Konferenz in seiner Keynote-Rede die Vorlage. Darin thematisierte er vor allem die “Regierung” von Open Source Projekten, die meist durch einen wohlwollenden Diktatur, im Falle von Bitcoin Core aber durch ein Komittee geschieht. Mehrere Clients sollen die Unabhängigkeit von Bitcoin sicherstellen und Innovationen gewährleisten.

Später am Tag haben Marek Kotewicz von Parity Bitcoin und Thomas van der Wansem von BitCrust ihre Software-Projekte vorgestellt. Beide arbeiten unabhängig voneinander an einer Bitcoin-Implementierung in Rust. Neben den bereits bekannten Core-Forks XT und Unlimited bekam auch GoCoin eine Präsentation. GoCoin ist das bislang weitgehend ignorierte Projekt von Piotr Narewski, der bereits vor einigen Jahren Bitcoin in Go neu implementiert hat.

Er liebt es, offensichtlich, und hat sein Publikum in der Hand: Craig Stephen Wright, der angebliche Satoshi.

Der einsame, tragikomische Höhepunkt der Future of Bitcoin war jedoch der furiose Auftritt des Pseudo-Satoshi Craig S. Wright. Seine Präsentation war großes Kino: er streift die verschiedenen technischen Aspekte, empört sich über mangelnde Innovation nach fast 10 Jahren Bitcoin, plädiert für 20.000 Dollar Nodes und steigert sich in einen Wutanfall gegen Core und Blockstream hinein. Es mag lächerlich sein, dass jemand, der aller Wahrscheinlichkeit nach ein Hochstapler ist, die knackigsten Zitate der Future of Bitcoin Konferenz geliefert hat. Aber es ist halt so. Dazu später mehr.

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15 Comments on Das globale Dorf der Big Block Community

  1. Nur … Blöcke sind seit einiger Zeit nicht mehr voll.

  2. Juergen Roeger // 3. July 2017 at 14:41 // Reply

    Jihan Wus Vortrag ist wegen der Aussprache schwer zu verstehen. Hier gibt es eine schriftliche Übertragung. Man merkt seine geisteswissenschaftliche Bildung:

  3. Zum Auftritt von Craig S. Wright „der aller Wahrscheinlichkeit nach ein Hochstapler ist“. Dazu später mehr……

    Na, da bin ich mal gespannt. Wäre schade, wenn Christoph Bergmann will sich auf die Seite der Looser stellt.Time will tell!

    • Hm, eigentlich stelle ich mich aus Prinzip auf die Seite der Looser 😉 Peinlich wird es mir nur, wenn ich mich auf der Seite der Lügner, der Verleumder, der Hochstapler und der Irrenden vorfinde.

      CSW ist ein schwieriges Thema. Eine super interessante Person, ob so oder so, aber bei deren Betrachtung man sich, ob man es so oder so sagt, blamieren kann … Nachher mehr darüber!

      • CSW ist interessant? Eher nicht, vorher dachte ich er wäre wenigstens ein begnadeter Redner und Täuscher. Vielleicht funktioniert seine Masche ja face to face basser, oder Gavin war ein willfähriger Komplize.

        Jetzt ist ihn relativieren oder entschuldigen zu versuchen nur mehr peinlich.

    • Ja grandios mal wieder, ohne irgendwelche Belege wird hier mal wieder als “höchstwahrscheinlich Hochstapler” abgestempelt. Der Grund warum Herrn Wright womöglich nicht ganz so öffentlich Beweisen kann und nicht sollte sind Steuern. Seine 1million Bitcoin sind nun Milliarden wert. Würde er nun öffentlich sagen dass die Ihm gehören würde vermutlich dass Finanzamt vor der Tür stehen und ihn festnehmen, da anzunhemen ist dass er die Bitcoins nicht versteuert hat. An seiner Stelle würde ich das wohl nicht wollen oder riskieren. Hin oder her, jemanden einfach so als vermutlichen Hochstapler zu bezeichnen ohne dafür konkrete Beweise zu liefern ist eine Frechheit,’zumal es genausoviele Punkte gibt die dafür sprechen dass Wright tatsächlich Satoshi ist. Journalistisch ist das Bild Niveau. Ich lass mich mal auf das gleiche Niveau herab und sag mal dass Herr Bermann vermutlich ein Blödmann ist. Na wie schmeckts?

      • Sofern er die Coins nicht in Fiat casht muss er keine Steuern zahlen.
        Er behauptet doch, dass er Satoshi ist, dann muss er es auch beweisen, ganz einfach.

      • Beim Minen gibt es ja hier auch Rechtssprechungen, klar war das ja einige Zeit auch nicht. Wie das in Australien ist kann ich nicht sagen. Darüber hatte Herr Wright allerdings gesprochen, um Steuern. Ein diverser Core Entwickler war sich ja ziemlich sicher dass er das ist. Spekulieren kann man ja viel, jemand als vermutlichen Hochstapler hinzustellen, hätte man sich auch sparen können.

      • Sorry dafür. Ich schreibe noch etwas über Wrights Auftritt, das ihm mehr gerecht wird.

      • +1

      • @Tom
        Das hängt leider von den lokalen Steuergesetzen ab. In Deutschland wäre Deine Aussage richtig, wie es in Australien ist, kann und will ich nicht beurteilen…

  4. Sehr interessanter Artikel ! Sehr gutes Video mit CSW zu was Bitcoin sein sollte und seiner Vision wie das erreicht werden kann. Spontan würde ich sagen, daß da wenig dran auszusetzen ist.

  5. Sehr interessant, danke!

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