Zug, die Hauptstadt des Schweizer Krypto Valley, plant ID-Apps auf Ethereum-Basis

"Zug" von Patrick Nouhailler via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Das kleine Städtchen Zug macht seinem Ruf als Hauptstadt des Krypto Valleys alle Ehre. Die Stadt möchte nämlich ab September eine App bereitstellen, mit der die Bürger auf Basis von Ethereum ihre Identität verwalten können. Die App soll in städtischen Dienstleistungen sowie in einer Stadtwahl im nächsten Jahr eingesetzt werden können.

Zug ist einer dieser kleinen Flecken Stadt, die ungewöhnlich mächtig sind, wie man sie vielleicht nur in der Schweiz findet. Das Städtchen hat nicht mal 30.000 Einwohner, ist aber einer der einflussreichsten Punkte der Weltwirtschaft.

Zug ist eine Art Steuerparadies der Schweiz, die ja bekanntlich selbst ein Steuerparadies von Europa ist. Der Kanton mit der gleichnamigen Hauptstadt wurde zu einer der wichtigsten Drehscheiben für den globalen Rohstoffhandel und ist die Heimat des “Krypto Valley”, dem Schweizer Zentrum der Krypto-Wirtschaft. Hier sind Dutzende von Krypto-Startups und -Organisationen ansässig, am berühmtesten sind vielleicht die Ethereum Foundation, der Wallet-Provider Xapo und die Börse ShapeShift.

Der Rat der Stadt Zug hat in der Vergangenheit immer wieder demonstriert, dass er voll hinter der Kryptowährungs-Bewegung steht. Am bekanntesten wurde bisher die Akzeptanz von Bitcoins für städtische Dienstleistungen. Das wurde zwar nur selten genutzt, war aber eine starke symbolische Geste. Nun geht die Stadt einen Schritt weiter und unterstreicht ihren Status als Hauptstadt des Krypto Valleys: Sie kündigt an, eine Identitäts-App auf Basis von Ethereum für ihre Bürger zu benutzen.

“Mit der elektronischen Identität tut sich die Schweiz schwer,” erklärt die Stadt in einer Pressemitteilung. “Einig ist man sich, dass es eine solche braucht, und zwar bald, wenn man den Schwung der Digitalisierung nutzen will. Immer mehr digitale Anwendungen im privaten oder staatlichen Bereich verlangen eine eindeutige fälschungssichere Identifikation, die nicht allein auf einem Password beruht. Aktuell stehen vor allem zentralisierte Lösungen im Fokus …” Zug möchte, wie Stadt-Präsident Dolfi Müller erzählt, einen anderen Weg gehen: “Wir wollen eine einzige elektronische Identität – eine Art digitalen Pass – für alle möglichen Anwendungen. Und wir wollen diese digitale ID nicht zentralisiert bei der Stadt, sondern auf der Blockchain. Wir überprüfen und bestätigen lediglich die Identität einer Person”.

Geplant ist daher ab September 2018 eine innovative digitale ID, die für verschiedene städtische Dienstleistungen wie ein Inkasso oder eine Raumanmietung genutzt werden kann. Sie wird auch für das E-Voting verwendet, voraussichtlich bereits Anfang 2018 in einer Konsultativ-Abstimmung.

Bei der Technologie für die App muss die Stadt nicht in die Ferne schweifen, sondern kann sich im lokalen Krypto Valley bedienen: Sie benutzt Ethereum, die “grösste Blockchain 2.0 der Welt mit Wurzeln in Zug.” Gemeinsam mit Consensys uPort – die ebenfalls eine Zweigstelle in Zug haben – sowie der Hochschule von Luzern und weiteren Firmen des Krypto Valley hat Zug eine App entwicklt, durch welche die Identität einer Person validiert werden kann. Zunächst prüft ein städtischer Beamter per Augenschein die Identität eines Bürgers, dann wird diese durch die Stadt auf der Blockchain bestätigt und in einen Smart Contract auf Ethereum geschrieben. Mithilfe digitaler Signaturen kann der Bürger fortan per App seine Identität beweisen.

Rouven Heck, Product Lead Digital Identity of Consensys, verspricht, dass mit der App “private Daten unter der vollständigen Kontrolle der Einzelpersonen bleiben und gleichzeitig eine deutlich reibungslosere Nutzung von digitalen Diensten ermöglicht” wird. Laut der Stadtverwaltung ist der Einsatz der App bereits für September 2017 geplant. Möglich, dass dann die Ära der Blockchain basierten globalen digitalen Identitäten beginnt.

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3 Comments on Zug, die Hauptstadt des Schweizer Krypto Valley, plant ID-Apps auf Ethereum-Basis

  1. Christoph // 11. July 2017 at 10:01 // Reply

    Danke für den guten Beitrag. Ich finde vor allem die Möglichkeit dise ID bei Abstimmungen und Dienstleistungen zu nutzen sehr spannend. Interessant wird auch die Frage sein wie Missbrauch verhindert und der Datenschutz gewährleistet werden kann. Mal sehen was da noch kommt aud Zug…

  2. Ist fuer genau diesen Fall nicht Civic gedacht? Mit dem Unterschied, dass eine Identitaet nicht ausdruecklich durch Behoerden authentifiziert wird und das System somit global funktioniert, auch in Staaten ohne gut funktionierende Buerokratie.

    • Es kann natürlich sein, daß Zug so wie ich auch nichts über Civic weiß. Je mehr man sich mit dem gleichen Thema wie Civic beschäftigt, desto unwahrscheinlicher ist das. Staaten mit einer noch schlechter als garnicht funktionierenden Bureaukratie haben ein Interesse daran Lösungen, die auch ohne einen Staat funktionieren, zu sabotieren.
      Ranma

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