Electrum 3.0 mit bech32 SegWit-Adressen

Letzte Woche ist Electrum 3.0 erschienen. Die neue Version der beliebtesten Bitcoin-Wallet unterstützt nun SegWit mit dem neuen Bech32 Adress-Format.

Electrum 3.0 dürfte eines der interessantesten Upgrades der beliebten Wallet sein. Es integriert nicht nur auf eine relativ benutzerfreundliche Weise SegWit, sondern startet auch den Umstieg auf das bech32 Adressformat.

Wer direkt einsteigen will, kann sich die neue Electrum Version hier herunterladen und dort die Release Notes lesen. Wer verstehen will, was das Upgrade macht, sollte sich zunächst vor Augen führen, vor welche Herausforderungen SegWit die Wallet-Entwickler stellt und weshalb bech32 ein spannendes neues Format ist.

Also: SegWit ist ein Upgrade von Bitcoin-Transaktionen, das die Signatur vom Inhalt trennt und damit per Soft-Fork das 1MB Limit für die Blocksize umgeht. Damit SegWit als eine Kapazitätserhöhung greift, muss das neue Format jedoch erst benutzt werden. Sprich: Die User müssen zunächst ihre Coins auf SegWit-Adressen überweisen, um danach SegWit-Transaktionen vorzunehmen.

Bisher geht dies – über einen Umweg – mit der Wallet von Bitcoin Core, oder, direkt, mit den Wallets Trezor, Ledger und GreenAddress. Mit Electrum 3.0 tritt nun die vermutlich wichtigste Bitcoin-Wallet dem Club SegWit bei.

Allerdings kann man nicht einfach in der bestehenden Wallet eine SegWit-Adresse anlegen. Ich vermute, dies liegt daran, dass Electrum die privaten Schlüssel und Adressen aus einem Seed (einer Abfolge von 13 Wörtern) ableitet, und dass ein neues Adressformat hier zu Problemen führen würde. Daher muss man, um SegWit mit Electrum zu benutzen, eine neue Wallet eröffnen. Hier kann man sich optional für eine SegWit-Wallet entscheiden.

Wer dies gemacht hat, wird eine kräftige Überraschung erleben, wenn er auf “Empfangen” klickt. Denn anstatt der gewohnten Adressen, die mit 1 beginnen und in Klein- und Großbuchstaben gehalten sind, findet er nun etwas wie “bc1q76awjp3nmklgnf0yyu0qncsekktf4e3qj248t4”. Diese Adressen sind im sogenannten bech32 Format, das mit BIP173 für SegWit angewandt wurde.

Andere Wallets benutzen P2SH (Pay-to-Script-Hash) Adressen, die mit einer 3 beginnen, um SegWit zu verwenden. Dieses Format erhöht die Kompatibilität, da mehr oder weniger jede Bitcoin-Wallet in der Lage ist, Coins an eine solche Adresse zu versenden. Es ist allerdings ein wenig so, als würde man SegWit in eine normale Adresse reinwursteln. Die Folge ist, dass Transaktionen von den mit einer 3 beginnenden SegWit-Adressen ungefähr 10 Prozent mehr Platz brauchen als normale Adressen womit schon mal ein Teil der Kapazität verbraucht wird, die SegWit schaffen soll.

Bech32 Adressen sind nun “native SegWit Adressen”. Diese stutzen die SegWit-Transaktionen nicht nur auf die Größe normaler Transaktionen ab, sondern haben auch mehrere weitere Vorteile: So sind etwa QR-Codes kleiner, der Schutz vor Vertippern besser und die Dekodierung effektiver. Auch sollten die nur klein geschriebenen Buchstaben einfacher zu tippen oder vorzulesen sein als die Groß- und Kleinbuchstaben des alten Formats.

Das Problem ist aber: Es gibt außer Electrum noch keine Wallet, die das Format kennt, weshalb es nicht möglich ist, mit der SegWit-Wallet von Electrum Coins von einer anderen Wallet zu empfangen. Die einzige Möglichkeit, Bitcoins auf die von Electrum verwendeten bech32-Adressen zu kriegen, ist es, indem man sie von der normalen Electrum-Wallet aus überweist.

Auch wissen die meisten Blockexplorer noch nicht so genau, was sie mit dem neuen Adressformat anfangen sollen. Der von Electrum empfohlene Explorer, Blocktrail, kennt das Format gar nicht, während Blockchain.info es auf “Anfrage” – nach dem Klick auf “Script und Coinbase anzeigen” – immerhin erkennt, allerdings noch nicht als Behälter für Guthaben anklickbar macht.

Auf den ersten Blick versteht Blockchain.info nicht, wer hier wem etwas gesendet hat.

Wenn man sich die Scripte anzeigen lässt, geht das Licht an: Blockchain.info zeigt die bech32 Adressen von Sender und Empfänger an.

Diese Umstände machen es natürlich wahrscheinlich, dass die Transformation von normalen Coins in SegWit-Coins mit Electrum einige Zeit dauern wird, und dass für eine lange Zeit die beiden Adressformate parallel laufen müssen. Allerdings wird es, wenn es soweit ist, dafür richtig gemacht worden sein.

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13 Comments on Electrum 3.0 mit bech32 SegWit-Adressen

  1. Kurze Anmerkung, da ich gestern ebenfalls einen Blick auf Electrum 3.0 geworfen habe: Wenn man ein neues Hardware-Wallet auf TREZOR-Basis erstellt, dann erstellt Electrum ein P2SH-P2WPKH-Wallet und verwendet die bekannten 3er-Adressen.

  2. Samouraiwallet hat auch schon Unterstützung für bech32 angekündigt.

  3. Ich hatte erwartet, daß die neueste Entdeckung in den Hauptstrommedien, nämlich das eine einzelne Bitcointransaktion 215 kWh Strom verbraucht, hier zum Thema gemacht werden würde.
    乱馬

  4. @Ranma, vielleicht benutzt du mal die Suchmaschiene deiner Wahl und überzeugst dich selbst von deiner Falschaussage.

  5. Frage:
    Wie ist jetzt das, wenn meine Bitcoins vor der Hardfork auf einer alten Adresse (z.B. 1BvayiASVCmGmg4WUJmyRHoNevWWo5snqC) liegen: Werde ich dann keine B2X erhalten?

    Müssen die Bitcoins vor der Hardfork auf einer P2SH oder bech32 Adresse liegen, damit ich die B2X erhalten werde?

    Oder taugen die alten Bitcoin Adressen auch als SegWit2x- B2X Adressen?

    • Nein, nein, keine Sorge. Die alten Adressen funktionieren weiterhin perfekt. Wenn es zur Fork kommt, werden Sie auf diesen beide Coins haben. Schauen Sie halt, dass die Coins auf einer Adresse liegt, bei der Sie im Zweifel die privaten Schlüssel exportieren können, etwa Electrum oder Exodus. So wie bei Bitcoin Cash … Auf beiden Chains werden alle Arten von Adressen gültig sein, P2PKH (1…), P2SH (3…) und bech32 (1bc …)

  6. Nixgeschenkt // 7. November 2017 at 11:36 // Reply

    Fork bezieht sich ja nur auf die Blockgröße. Segwit haben wir ja schon jetzt… Somit bleibt diesbezüglich alles beim alten. Segwit fähige Wallets kann man demnach haben muss man aber nicht.

  7. Wenn meine Pizza dann weniger kostet weil die fee geringer wird und dennoch ich diese schnell bekomme dann ist mir segwit willkommen 😉 Dazu muss bitpay u.a. auch segwit unterstützen.
    PS: Ich kann Electrum auf meinem Smartphone noch immer nicht mit meinem Trezor verwenden 😦

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