Wird Indien Bitcoin verbieten?

Sonnenaufgang mit Nebel über Mumbai. Bild von Tawheed Manzoor via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Mehrere Aussagen von Repräsantanten der Indischen Zentralbank RBI (Reserve Bank of India) geben derzeit Anlass zur Befürchtung, dass Indien plant, Kryptowährungen zu verbieten oder zumindest strenger zu regulieren. Allerdings lassen die Aussagen einen relativ breiten Intepretations-Spielraum zu.

Schon im September hat die Zentralbank von Indien (Reserve Bank of India, RBI) eine Arbeitsgruppe beauftragt, zu prüfen, ob Bitcoin ein rechtsgültiges Zahlungsmittel sein kann und wie man im Allgemeinen mit Kryptowährungen umgehen wird. Dies ging auf eine Aufforderung des Finanzministeriums im August zurück, Bitcoins und andere Kryptowährungen streng zu regulieren.

Sudarshan Sen, ein Direktor der RBI, erklärte nun vor kurzem auf einer Konferenz in Mumbai: “Derzeit haben wir eine Gruppe, die sich Fiat-Kryptowährungen anschaut. Damit meinen wir etwas, das eine Alternative zur indischen Rupie sein kann, um es so zu sagen. Wir schauen uns das genau an.” Sen hat darüber hinaus erläutert, was der Unterschied zwischen Fiat-Kryptowährungen und Bitcoins ist: “Es wird Fiat sein, wenn zum Beispiel eine Zentralbank eine digitale Währung herausgibt, die man im Cyberspace bewegen kann, ohne physisches Geld in der Tasche zu haben.” Nicht-staatliche Kryptowährungen wie Bitcoin sieht die Zentralbank dementsprechend eher als Konkurrent an: “Was Nicht-Fiat Kryptowährungen angeht, denke ich, dass wir uns mit ihnen nicht wohlfühlen.”

Man könnte dies auf zwei Arten verstehen: Erstens sucht die Zentralbank aktiv nach einer digitalen Ergänzung zur Rupie, die sie selbst benutzen und fördern will. In diesem Fall hat sie sich nun entschieden, nicht Bitcoin oder eine andere freie Kryptowährung zu benutzen, sondern selbst eine eigene “Fiat-Kryptowährung” zu entwickeln. In der zweiten Variante prüft die Zentralbank, ob sie bereits vorhandene Kryptowährungen als mögliche digitale Ergänzungen zur Rupie zulassen wird. In dem Fall hat sie sich nun entschieden, nur “Fiat-Kryptowährungen” zu erlauben, aber Kryptowährungen wie Bitcoin zu verbieten oder streng zu regulieren.

Weitere Details sagte Sen auf dieser Konferenz nicht.

Sein Kollege S. Ganesh Kumar, gab jedoch einen weiteren Hinweis, der die zwei zur Debatte stehenden Varianten weiter ausbaut: “Unsere gegenwärtige Position zu Bitcoins ist, dass wir sie nicht benutzen werden für irgendwelche Zahlungen und Settlements … allerdings wird die den Kryptowährungen unterliegende Technologie damit nicht enden.”

Hier spitzt sich die Entscheidung zwischen den beiden Varianten auf die Interpretation des Wörtchens “we” (wir) zu: Meint “wir” die Mitarbeiter der Zentralbank? Hat sie also wie schon angedacht nicht vor, Kryptowährungen wie Bitcoin zu prozessieren und zu settlen – was ein unerhörter und interessanter, aber doch recht unerwarteter und unwahrscheinlicher Schritt gewesen wäre? Oder meint sie mit “wir” die Gesamtheit der Inder, was bedeuten würde, dass sie den von China Ende 2013 eingeschlagenen Weg gehen und es verbieten möchte, dass man mit Kryptowährungen bezahlt?

Die Zentralbank hat schon kurz zuvor Bedenken gegen Bitcoin und andere Kryptowährungen geäußert. Bereits im Frühjahr gab es Gerüchte, dass ein Bitcoin-Verbot anstehe. Nachdem diese offenbar falsch waren, hieß es im Sommer, Bitcoin und Kryptowährungen seien  “Schwarzgeld”, das von Terroristen und Betrügern missbraucht werden kann, um Geld zu waschen. Weiter sagte die Zentralbank, dass sie keine Lizenz oder Erlaubnis an Firmen vergeben habe, die mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen arbeiten.

Für die aufblühende Bitcoin-Branche in Indien sind diese Nachrichten zumindest besorgniserregend. Nachdem Indien vor rund einem Jahr in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mehr als die Hälfte des zirkulierenden Bargelds aus dem Verkehr gezogen hatte, explodierte die Nachfrage nach Bitcoin in Indien.

Heute hat sich die anfangs sehr chaotische Situation wieder einigermaßen beruhigt, doch die großen Erfolge blieben aus: Die Anzahl der Steuerzahler konnte um 10 Millionen gesteigert werden, was angesichts von 1,3 Milliarden Indern nicht so arg viel ist. Die als Hauptzweck genannte Austrocknung der Schwarzmärkte ist weithin nicht geschehen; nahezu 99 Prozent des Bargelds fand seinen Weg auf ein Bankkonto. Andere Beobachter erkennen in Indien sogar einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit und einen Rückgang der Konjunktur durch das Verbot von Teilen des Bargelds.

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4 Comments on Wird Indien Bitcoin verbieten?

  1. Wer schon chinesischen Äußerungen nicht vertraut, der darf das bei indischen Äußerungen erst recht nicht!

    Die Geldeinzugaktion und die Beobachtung der sogenannten anderen Beobachter geben Hinweise auf die Probleme, mit denen Indien zu kämpfen hat. Bitcoin ist keine Priorität Indiens. Bitcoin ist entweder eine Hilfe, um mit den wirklichen Problemen fertigzuwerden oder eine zusätzliche Gefahr dabei. An erster Stelle steht die Korruption, die in Indien Ausmaße hat, die man sich bei uns nicht vorstellen kann. Kann man mit Bitcoin gegen die Korruption kämpfen? Oder kann man diesen Kampf viel mehr mittels Bitcoin unterlaufen?

    Indien möchte mindestens so stark (wirtschaftlich, denn in Indien ist man sich bewußt, daß wirtschaftliche Stärke die Voraussetzung für Stärke auf anderen Gebieten ist, vor allem dem militärischen) und fortschrittlich wie China sein. Daher ist es für Indien immer wichtig darauf zu achten, was China macht.

    Indien sieht sich einerseits durch Islamisten und andererseits durch Naxaliten bedroht. Die Finanzierung beider würde Indien gerne unmöglich machen. Aber die Armut großer Teile der Bevölkerung würde Indien gerne beseitigen. Dafür wäre es schon sinnvoll, Finanztransaktionen zu vereinfachen, vor allem kleine Finanztransaktionen. Auch das weiß man in Indien. Hier fragt sich die indische Zentralbank wieder wie Bitcoin hier hineinpaßt.

    Auch Russland ist ein wichtiger Geschäftspartner Indiens. Deshalb wird Indien auch darauf achten, was Russland tun wird.

    Indien selbst ist auch eine riesige Regionalmacht, in der man sich bewußt ist, in wie weit die eigenen Entscheidungen auch andere Staaten betreffen werden.
    乱馬

  2. Wer während des vergangenen Wochenendes den “Handel” mit BCH bei bitcoin.de verfolgt hat kann eigentlich nur noch der Meinung sein, dass der Betrieb der Kryptobörsen besser geregelt und beaufsichtigt werden muss.

    Hier hatte jemand mit relativ wenig Geld den Kurs in Manier eines Hütchenspielers zwei Tage lang massiv zum Einsturz gebracht und sich selbst dann mit hoffnungslos unterbewerteten Coins versorgt.

    Was mich am meisten daran aufregt ist, dass ich mit zwei Mails kurz vor einer Woche den Börsenbetreiber davor warnte, dass jemand einen massiven Schlag gegen den Handel vorbereiten könnte und ihm ein paar Beobachtungen mitteilte die darauf hindeuteten, dass ganz offenbar die API dafür genützt werden würde.

    Am WE war es dann soweit. Jemand (wer auch immer) hatte sich wohl ein Programm zurechtgezimmert mit dessen Hilfe er über die API rasend schnell an passender Stelle zur rechten Zeit “Scheinangebote” einstellte und wieder herausnahm (um den Kursanstieg zu stoppen und den Kursverfall einzuleiten) um dann mit gut vorbereiteten Kaufangeboten, -die eine Hälfte war nur dazu da, die Verkäufer am Anfang des verfallenden Kurses noch in Sicherheit zu wiegen und wurde dann kurz vor Einleitung des Kaufes wieder herausgenommen um Panikverkäufe anzustoßen, günstig einzukaufen. Das Ganze ging so rasend schnell (eben wie bei einem Hütchenspieler), dass der “Otto-Normaltrader” (die meisten von uns) keine Chance hatte, das Spielchen zu durchschauen und verzweifelt seine Coins den Säuen zum Fraß vorwarf.

    Und jetzt?
    Jetzt liegt der Kurs des BCH bei bitcoin.de auf unabsehbare Zeit im Keller und das ist auch gut so, da sich die Manipulatoren (Kriminellen) ihr Kapital sonst durch den Wiederverkauf bei steigenden Kursen das Kapital für einen neuen Streifzug beschaffen würden.
    Dass bei der Aktion eine große Zahl an Kleinanlegern, die an den Nutzen von Kryptowährungen glauben und eine Chance sahen jenseits des gesteuerten (= manipulierten) FIAT-Geldes etwas für ihr Einkommen oder ihren zukünftigen Ruhestand zu tun um viel Geld gebracht wurden, ist in dieser Börsenwelt nur eine Randnotiz.

    Eigentlich wäre es jetzt wichtig, die erbeuteten Coins auf Eis zu legen (weil sie sonst abgezogen würden) und den Vorgang an die Ermittlungsbehörden zu melden sowie die API abzuschalten um allen Marktteilnehmern faire Chancen (gleiche gibt es sowieso nie) zu bieten. Nachdem ich aber bis heute keine Reaktion von bitcoin.de auf meine Mails bekam, habe ich da wenig Hoffnung.

    Fazit aus meiner Sicht:
    Eine starke und gute Kryptowährung halte ich für absolut wünschenswert um die ständige Manipulation durch Regierungen zu verhindern oder wenigstens zu erschweren. Das größte Problem scheinen aber momentan die Kryptobörsen (hier bitcoin.de) zu sein die es nicht schaffen (oder nicht wollen), die normalen Marktteilnehmer vor Kursmanipulationen zu schützen. Gelingt dies aber nicht, sind die Manipulationen der herkömmlichen Währungen durch die Zentralbanken eher das kleinere Übel und Bitcoin & Co so nutzlos wie ein Kropf.

    Was hätten die “Normalos” tun können?
    Nichts. Sie waren der Macht des Kapitals einfach nicht gewachsen und dem /den Kriminellen schutzlos ausgeliefert.

    Was hätte die Börse tun können?
    Spätestens nach einer Stunde hat ein versierter Marktbeobachter gemerkt, was da abgeht und ab da hätte bitcoin.de die Manipulation, – notfalls mit dem Anhalten des Handels (um Zeit für eine Änderung der API zugewinnen), stoppen können.

    Was hätte ich tun können?
    Ich weiß es nicht. Nachdem eine Woche lang von Bitcoin.de keine Antwort kam und ich weit davon entfernt bin mich als Experten zu sehen habe ich einfach auf die Expertise der Mitarbeiter von Bitcoin.de vertraut die ja offensichtlich zu dem Schluss kam, dass keine Gefahr bestehe.
    Also habe ich die Klappe gehalten. Wer will schon gerne (wenn auch unausgesprochen) als paranoider Quengler gelten?

  3. Nachtrag:
    Ich hab gerade gesehen, dass das Treiben munter weiter geht.
    Damit ich mir hinterher keine Vorwürfe machen kann, hab ich jetzt nochmal eine Mail an Bitcoin.de gesendet. Mal schauen, ob es fruchtet.

  4. hmm, ich dachte das geht gar nicht (mehr), also bitcoin (altcoins) zu verbieten, da es ja dezentral ist.
    hmm, was mach ich denn dann am ende mit meine btcs, wenn sie überall verboten worden sind nochmal genau?
    also ausser vpn provider, hardware wallets und lauter so krams zu kaufen?
    na ja, wird schon schief gehn 😉

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