Stablecoins: Eine Übersicht über Token, die den Wogen der Märkte trotzen

Bild von sethoscope via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Wenn die Kryptopreise mal fallen und mal steigen, ist es praktisch, Werte in stabilen Token zu parken. Die seit einiger Zeit auf den Märkten angebotenen Stablecoins bieten Tradern eine immer größere Auswahl hierfür. Wir stellen einige davon vor.

Mit Gold-Bindung

CryptoGoldCoin

Der neueste Stablecoin ist der CryptoGoldCoin. Herausgegeben wird er von CryptoGold, einem Anbieter von Mining-Verträgen, der seinen Sitz in Dubai hat, aber von Deutschen betrieben wird. Unter den Cloud-Minern gilt CryptoGold als relativ seriös und zuverlässig.

Gemeinsam mit dem Kölner Goldhändler “Deutsches Edelmetallhaus” hat CryptoGold nun den CryptoGoldCoin (CGC) herausgegeben. Jede Einheit dieses Coins wird durch 0,02 Gramm Gold repräsentiert. Das Gold wird in den Tresoren des Deutschen Edelmetallhauses eingelagert und durch die Allianz versichert. Ab 100 Gramm wird das Gold auf Wunsch auch per Post versendet.

Das CGC ist ein ERC20-Token auf Ethereum. Um es den Nutzern einfacher zu machen, es zu bedienen, hat CryptoGold dafür eigens eine Wallet entwickelt, die es bislang leider nur für Windows und iOS gibt. Diese Wallet ist die Grundvoraussetzung, um die CGC zu benutzen. Wenn man die Token überweist, wird eine kleine Gebühr in CGC fällig, die weder an Miner noch sonst jemanden geht, sondern vernichtet wird. Damit soll, so das Whitepaper, die Anzahl der CGC im Lauf der Zeit abnehmen, während die Menge des eingelagerten Goldes stabil bleibt. So soll sich das Gewicht von Gold, das ein CGC repräsentiert, langfristig erhöhen.

Bisher wurden rund 350.000 CGC geschaffen, was etwa 7 Kilogramm Gold entspricht.

Digix DAO

Die Digix-DAO verspricht, einen goldgedeckten Stablecoin dezentral zu erreichen. DAO steht für “Dezentrale Autonome Organisation” und meint, dass es keinen zentrale Basis in der Bereitstellung einer Dienstleistung gibt – wie bei den CryptoGoldCoins das Deutsche Edelmetallhaus – sondern lediglich eine dezentrale, durch Smart Contracts verwaltete, Organisation.

Allerdings unterscheiden sich die Gold-Token an sich nicht grundlegend von anderen, zentralisierten Goldtoken, da sie eine gewisse Menge Gold repräsentieren (1 Gramm), die von einer Firma in einem Safe hinterlegt werden. Die DAO, die durch die Besitzer der Digix Dao Token (DGD) ausgeführt wird, ist offenbar nicht für die Hinterlegung des Goldes verantwortlich, sondern prüft lediglich die Onchain-Aktivität von Digix und arbeitet aktiv daran mit, das Projekt voranzutreiben. Ob die Digix DAO daher tatsächlich das Konzept des Goldtokens aufwertet, dürfte fraglich sein. Aber ihr gelingt es, immerhin, einen stabilen Wert in den stürmischen Kryptomärkten zu schaffen.

Mit Dollar-Deckung

Tether

Wir kennen Tether ja bereits: US-Dollar, die angeblich auf den Konten nicht genannter Banken liegen, und per Token auf Bitcoin oder Ethereum überwiesen werden. Trotz der vielen Zweifel an den Herausgebern, die mit der Börse Bitfinex zusammenhängen, halten die Tether-Dollar und -Euro ihren Marktwert von 1 Dollar bzw. 1 Euro und werden so stark auf den Börsen nachgefragt, dass sie mittlerweile eine der am häufigsten gehandelten Kryptowährungen überhaupt sind. Es scheint aber nun, als würde Tether Konkurrenz von gleich zwei Projekten bekommen.

True USD

Seit kurzem kann man auf Binance und Bittrex neben dem USDT auch einen TUSD handeln. Dieses Kürzel steht für den “True US-Dollar“, der von der Firma Trusttoken.com erschaffen wurde. An sich funktioniert der TUSD genauso wie der USDT – mit dem Unterschied, dass nicht eine Firma, sondern ein Konsortium von Firmen das Geld auf verschiedenen Bankkonten hinterlegen, um die True Dollar als ERC20-Token herauszugeben.

Die Firmen des Konsortiums werden mehrere Treuhand-Konten benutzen, und regelmäßige Audits sollen bestätigen, dass die Dollar auch tatsächlich vorhanden sind. Die User, die die TUSD verwenden, sollen ihre Identität per KYC-Prozedur nachweisen.

Die True Dollar sollten eigentlich ab dem 18. Mai auf Binance gehandelt werden. Dies wurde dann aber auf den 21. Mai verschoben. Seit einigen Tagen ist der TUSD nun auf Bittrex und Binance handelbar. Das Volumen scheint aber noch sehr gering zu sein.

Circle US-Dollar Coin

Die Wallet Circle hat vor kurzem bekannt gegeben, gemeinsam mit dem großen Miner Bitmain einen USD Coin (USDC) herauszugeben. Auch hier entsprechen die Dollar-Token den Dollar-Einlagen auf einem Bankkonto. Der USDC soll einen der US-Regulierung gerecht werdenden, offenen Rahmen bereitstellen, an dem jede Finanzinstitution teilnehmen kann, um per ERC20-Token einen solchen USDC herauszugeben.

DAI Stablecoin

Das Interessanteste haben wir uns heute fürs Ende aufgehoben: Eine dezentralisierte Variante der zentralisierten Dollar-Treuhänder – der DAI-Stablecoin auf Ethereum. DAI ist eine Art DAO, eine dezentrale autonome Organisation, bei der die Besitzer spezieller Token (Maker-Token) dafür verantwortlich sind, dass die DAI-Token in Parität zum Dollar stehen. Daher heißt die Organisation auch Maker-DAO. Sie dürfte eine der ersten wirklich funktionierenden DAOs sein.

“Dai”, schreibt der Airfox-CEO James Seibel, “ist ein Meisterwerk der Spieltheorie, das sorgfältig die ökonomischen Anreize ausbalanciert, um ein Ziel zu erreichen”: ein Token mit einem Wert von einem Dollar zu erschaffen. Das Whitepaper erklärt, wie es funktioniert: Ein dynamisches System von kollateralen Schuldpositionen, automatischen Feedback-Mechanismen und Anreizen stabilisiert die DAI-Token. Um DAI-Token herzustellen, müssen die Besitzer der Maker-Token gewisse Gegengewichte durch eine Ethereum-Transaktion hinterlegen, welche dann entsprechend des Wertes der Token eingefroren werden. Je nach Kursverlauf von Ethereum müssen die Maker Ether nachlegen oder abziehen, um den Wert der DAI zu halten.

Ich habe nicht ganz verstanden, wie es genau abläuft, aber es scheint erstaunlich gut zu funktionieren: Laut Coinmarketcap oszilliert der Preis der etwa 38 Millionen DAI-Token um je etwa einen Dollar herum. Dank der DAI-Token und der dezentralen Börsen auf Ethereum wird es möglich, alle Token auf Ethereum, einschließlich der Ether, gegen ein an den Dollar gekoppeltes Token zu tauschen – ohne auf diesem Weg irgendeinem zentralen Mittelsmann vertrauen zu müssen.

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8 Comments on Stablecoins: Eine Übersicht über Token, die den Wogen der Märkte trotzen

  1. Cryptriko // 23. May 2018 at 17:37 // Reply

    Ihr habt Minexcoin (MNX) vergessen. Diese steuert den Fiat Wert über eine AI, die die Zinsen (Parking Rewards, ähnlich Staking aber ohne dass Wallet online zu haben) hebt bzw senkt, um das Interesse zu steuern. Der tatsächliche Preis schwankt natürlich schon, aber weit weniger als Bitcoin…

    • 5,5 Mio (28,9%) premine, 2,7 Mio (14,2%) ICO, 1,5 Mio “Reserve” (7,9%), Entwicklerbonus 1 Mio (5,2%) -> (>56%) Hier wird nur einer reich. Davon gibts wahrlich genug in der Cryptowelt..

  2. Fabian Suhr // 23. May 2018 at 20:28 // Reply

    Ihr habt diesen mega-werterhaltenden Coin vergessen: https://de.tradingview.com/symbols/XAUEUR/
    Aktuelle Tendenz: LONG!

  3. Sehr gute Übersicht! Anzumerken ist noch, dass Goldman Sachs hinter Circle steht, von daher wird der USDC der Stablecoin meiner Wahl.

  4. Schuldschein”gedeckte” Schuldscheine als sicherer Hafen.. na halleluja.
    Und ich dachte Menschen, die Goldzertifikate kaufen, sind bekloppt..

    • ist kein grosser unterschied zwischen den beiden fanatischen glaubengruppierungen: old analog vs new digital kognitiver dissonanz 😀

      @christoph: eine erklärung zu dieser thematik wäre als vorwort/einstieg hilfreich 😉 !

    • Fabian Suhr // 24. May 2018 at 14:43 // Reply

      Sind auch bekloppt, denn beim Verkauf der Goldzertifikate, Goldminen-Aktien, ETFs u.a. wird die Abgeltungssteuer erhoben. Beim Verkauf von physischem Gold eben nicht! Ist das nicht bekloppt, mehr als 25% der Gewinne zu verschenken? http://www.gold.de hilft

      • Gregg // 24. May 2018 at 20:20 //

        Nunja.. immerhin muss man das Gold dazu 1 Jahr lang halten.

        Sollte sich in Falle von Vaultoro (ein Artikel weiter oben) ähnlich verhalten, oder gibt’s da wieder einen Paragraphen, der das irgendwie unter Abgeltungssteuer fallen lässt?

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