Doch kein Ripple? Bank of England testet Blockchain für Echtzeit-Abwicklungen

Die Bank of England in der City von London. Bild von Andrew Milligan sumo via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Bank of England hat ein Proof of Concept für den Einsatz von Blockchain-Technologie im britischen Bankwesen abgeschlossen. Die Ergebnisse sind einigermaßen interessant – dürften aber für manche auch etwas enttäuschend sein.

Nicht alles, was eine Pressemitteilung bekommt, wird zu einem Ereignis. So hat die Bank of England im Frühjahr 2017 angekündigt, Ripple zu testen. Als sie vor einigen Tagen eine Übersicht über einen Proof of Concept (POC) zum Einsatz von Blockchain-Technologie im Echtzeit-Settlement veröffentlicht hat, war von dem Bitcoin-Konkurrenten keine Rede mehr.

Die britische Zentralbank hat bereits im Mai 2017 eine Blaupause für ein erneuertes Echtzeit-Bruttoabwicklungssystem vorgelegt. Ein solches System dient im Bankwesen der Abwicklung von Zahlungen und Balancen zwischen verschiedenen Banken. Es verarbeitet Transaktionen in Echtzeit, um in regelmäßigen Intervallen die Sichteinlagen der Bankinstitute bei den Zentralbanken anzupassen. Ziel der britischen Zentralbank ist es, ein Abwicklungsssstem einzurichten, dass resilient, flexibel und innovativ Zahlungen innerhalb des Vereinigten Königreiches prozessiert. Es soll über diverse und flexible Optionen von Settlement-Modi verfügen, um sowohl die bestehende als auch die sich bildende Zahlungs-Infrasktruktur der Zentralbank zu unterstützen.

Ein Jahr später, im März 2018, hat die Bank of England dann einen “Proof of Concept” (POC) gestartet. Schon damals hätten Ripple-Fans aufhorchen sollen, da Ripple nicht unter den ausgewählten Firmen war. Diese sind Baton Systems, Clearmatics Technologies, R3 und Token. Insbesondere R3 ist eine Überraschung, da man meinen konnte, die Firma sei in der Versenkung verschwunden, nachdem sie versucht hat, die Blockchain für die Banken zu entwickeln, und nach dem Verbrennen von rund 100 Millionen Dollar festgestellt hat, dass man besser doch keine Blockchain benutzt.

Mit dem POC wollte die britische Zentralbank herausfinden, ob und wie es möglich ist, das erneuerte Abwicklungssystem mit Blockchain-Technologie zu verbinden. Die Pressemitteilung der Bank of England spricht meistens von “Distributed Ledger Technology (DLT)”, was an sich dasselbe meint wie Blockchain, aber begrifflich noch nicht so inflationär benutzt wurde. Indem sie während des POC mehrere Systeme ausprobiert hat, kann die Bank auch ihre eigene Entwicklung an die DLT anpassen.

Die Tests fanden in einem separaten Abwicklungssystem in einer Cloud-Umgebung statt, auf die die Anbieter von Blockchain-Technologien per API zugreifen konnten. Dabei möchte die Bank nicht, wie manchmal gemutmaßt wird, ihr eigenes System durch eine Blockchain ersetzen, sondern durch diese ergänzen. In dieser Hinsicht haben die getesteten Systeme demonstriert, wie sie mit dem Abwicklungssystem der Bank interagieren und es stärken.

Die Angaben, was bei den Tests herauskam, sind jedoch recht spärlich. Wie auch Informationen dazu, wie die Bank mit den Tests weitermachen wird und wann sie ein neues System aufzusetzen gedenkt. Allerdings sind drei Dinge klar: Die Blockchain wird erstens Einzug ins Settlement der Zentralbanken halten, aber dies wird zweitens nicht in einem Sprung geschehen, sondern sukzessive. Drittens wird es, zumindest in England, nicht Ripple sein.

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