Zentralbank von England testet Ripple!

Bank of England, 1987, Bild von EuroVizion via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die britische Zentralbank, Bank of England, gründet eine Fintech-Community und stellt ein Proof of Concept vor, um mithilfe von Ripple den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zu verbessern.

Die Welt dreht sich nicht nur um Bitcoin und seine Blocksize-Krise. So sorgt man sich in Großbritannien derzeit davor, dass angesichts des Brexits der Megafinanzplatz London eingeht, weil die ganzen Banken nach Frankfurt und Umgebung auswandern (zumindest schreiben das Frankfurter Zeitungen).

Es ist schon möglich, dass “die City” durch den Brexit gezwungen wird, innovativ zu sein. Es kann aber auch sein, dass der Brexit der City erst erlaubt, nach eigenem Gutdünken innovativ zu sein. In jedem Fall zeigt eine Pressemitteilung der Zentralbank, dass man in der höchsten Instanz des britischen Finanzwesens experimentierfreudiger ist als in den meisten Zentralbanken des Kontinents.

In der Pressemitteilung gibt die Zentralbank zwei Dinge bekannt: Zum einen started sie eine “Fintech-Community”, die bei der Digitalisierung des Finanzwesens – darunter maßgeblich der Umgang mit “Distributed Ledger Technology”, als “Blockchain” – zusammenarbeiten soll. Darunter Finanzunternehmen, Instutionen der Regierung und Verbände. Die Mitglieder der Community stellen sozusagen das Bindeglied zwischen Finanz-Unternehmen und Zentralbank dar, um die Digitalisierung regelmäßig abzusprechen.

Interessanter als die Community sind zwei sogenannte “Proofs of Concept”, die die Zentralbank vorstellt. Proof of Concept meint, in der Planung eines Projektes den Meilenstein erreicht zu haben, dass man einen Beweis dafür hat, dass das Projekt möglich ist. Etwa durch eine Machbarkeitsstudie oder einen Prototypen.

Erstens hat die Zentralbank die MindBridge AI getestet. Dies ist eine künstliche, selbstlernende Intelligenz, die Anomalien in Finanztransaktionen und -berichten erkennen soll. Diese KI wird mit einem kleinen Set von anonymisierten Regulierungsdaten der Zentralbank gefüttert, um zu erkunden, wie Künstliche Intelligenzen der Regulierung helfen können. Sprich: die Zentralbank züchtet eine Künstliche Intelligenz, die die Geldströme der Bevölkerung überwachen soll.

Zweitens – und damit sind wir endlich bei der Blockchain – beschäftigt sich die Zentralbank mit Ripple. Und zwar testet sie mit Ripple, der Firma, einen Prototypen, der “interoperable Zahlungen über verschiedene Kontenbücher und Netzwerke ermöglicht.” Der Proof of Concept widmet sich der synchronen Bewegung zweier verschiedener Währungen. Die Zentralbank hofft, dadurch bei grenzüberschreitenden Zahlungen die Settlement-Risiken zu reduzieren und die Geschwindigkeit und Effizienz zu verbessern. Gut möglich, dass das für eine im Verhältnis zum Euro eher kleine Währung wie dem Britischen Pfund recht wichtig ist.

Damit hat Ripple also einen Fuß in der Tür zur britischen Zentralbank. Ripple Labs ist die Firma, die Ripple, die Blockchain für die Währung Ripple sowie und vor allem für IOUs (Schuldscheinen) für alles entwickelt und verkauft. Ripple hat relativ offen angefangen und ist an sich ein brillantes Konzept, um dezentral Werte aller Art zu speichern, zu tauschen und zu überweisen. Allerdings war Ripple schon immer in extremem Ausmaß um Ripple, die Firma, zentriert und daher als eine Art Anti-Bitcoin weniger beliebt als andere Altcoins.

Am Anfang konnte, immerhin, noch jeder eine Wallet auf Ripple eröffnen oder sogar herunterladen, um auf der Ripple-Blockchain Schuldscheine auf egal was frei zu tauschen. Ein paar Jahre später wurde Ripple allerdings reguliert, musste eine heftige Strafe wegen Verletzung regulatorischer Vorschriften bezahlen, und hat sich als “Blockchain für die Banken” neu positioniert.

Und seitdem scheint es zu laufen. Die Firma trumpft bei jeder neuen Investment Runde auf, hat schon rund 100 Millionen Dollar eingesammelt, stellt fortlaufend neue Mitarbeiter ein und – am wichtigsten vielleicht: gewinnt immer mehr Banken als Partner. Kein Wunder: Ripple ermöglicht es prinzipiell, in einer regulierten Umgebung Geld global nahezu kostenlos zu versenden. Und das auch noch, ohne dabei die Kontrolle über die Geldströme an die Kunden abzugeben, wie es bei Bitcoin der Fall wäre. Und ohne die meisten anderen Dinge, die Bitcoin so interessant machen.

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9 Comments on Zentralbank von England testet Ripple!

  1. kaffeekrümelmonster // 21. March 2017 at 17:52 // Reply

    Einen solchen Artikel habe ich nicht erwartet, vielen Dank!

    dem Anarchokapitalismus. Die von Ripple verfolgte Distributionsstrategie läßt Postitionierungsstrategien zu, die sehr wenig Investitionskapital benötigen. Die letzten Wochen hat Ripple XRP als “Weltweite Digitale Reservewährung” bezeichnet. Nach erfolgreicher, weltweiter Distribution wird der tatsächliche Wert von XRP ersichtlich werden, der aktuell aus Distributionsgründen niedrig gehalten werden muss. Die Bankkunden werden in der Distribution auch Inhaber von XRP Token und haben nach Erwerb ein Eigeninteresse an der Länderübergreifenden Nutzung von Ripple/XRP.

    Viele Grüße

  2. kaffeekrümelmonster // 21. March 2017 at 17:53 // Reply

    Nachtrag: Ripple/XRP ist ein Hedge gegenüber Ideologien wie zB. dem Anarchokapitalismus…(der erste unvollständige Satz)

  3. Ich hätte gerne mehr Infos über Lightning. Falls es möglich wäre. Da gibt es doch so einige Neuigkeiten. Auch wenn es mit BU konform geht.

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