Prächtig: Bitcoin-Kurs im Wonnemonat Mai

Ein Maiglöckchen, in München fotografiert von Allie_Caulfield und geteilt via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Kurse schießen nach oben, als gäbe es kein Morgen. Über den Grund kann man wie immer nur spekulieren – aber wir haben eine interessante Idee. Daneben fällt noch eine ungewöhnliche Bewegung im gesamten Markt ins Auge.

Der Mai gilt als grüner Monat oder als Wonnemonat. Auch wenn das Wetter in diesem Jahr eher zum Frösteln ausfällt, dürfte der Monat für Bitcoiner seinem Namen alle Ehre machen. Unwonnig ist es nur für den, der den Einstieg in den vergangenen Monaten verpasst hat.

Wohin man auch blickt im Markt der Kryptowährungen – überall sind prächtig blühende grüne Wiesen.

Es grünt in den Krypto-Charts. Quelle: Coinmarketcap.com

Schauen wir es uns mal genauer an. Der Bitcoin-Preis ist in den letzten 48 Stunden von 6.300 Euro auf rund 7.300 Euro gestiegen, also um rund einen Riesen oder etwa 16 Prozent. Das ist doch was, oder?

Bitcoin im 48-Stunden-Chart. Quelle: Bitcoin.de

Im Prinzip geht es so schon den ganzen Mai über:

1-Monats-Chart von Bitcoin. Quelle: ebenfalls Bitcoin.de

Anfang des Monats gab es noch für rund 4.650 Euro einen Bitcoin. Jetzt kostet er, wie gesagt, 7.300 Euro. Das macht einen Kursgewinn von knapp 60 Prozent. So kann es gerne weitergehen.

Auch bei den anderen Währungen sieht die Lage ähnlich rosig aus:

1-Wochen-Chart von Bitcoin Cash bei Bitcoin.de

Bitcoin Cash ist im Laufe der letzten 7 Tage von 320 auf 360 Euro gestiegen; seit Anfang Mai sogar von 210 Euro. Das macht einen Kursgewinn von stolzen 70 Prozent. Auch Ethereum hat nach einer längeren Phase zwischen 100 und 120 Euro nun den Startschuss gehört und ist auf rund 180 Euro raufgerauscht.

Sieht alles also recht gut aus. Auch im Jahresschnitt bestätigt sich der gute Eindruck, den die Preise derzeit machen: Bitcoin hat nicht nur die Talsohle durchstanden, in die er im November gestürzt ist, sondern sich in eine Region aufgerafft, die einem 1-Jahres-Hoch ziemlich nahekommt.

Dabei zeigt sich noch eine sehr interessante Dynamik: Der Bitcoin-Dominanzindex steigt mit dem Anstieg der Kurse.

Der Dominanzindex von Bitcoin im 3-Monats-Chart bei Coinmarketcap.com.

Gewöhnlich folgte der Dominanzindex wie ein Uhrwerk einem bestimmten Mechanismus: Steigen die Preise, geht er runter, fallen die Preise, geht er rauf. Dass nun der Anteil von Bitcoin an der gesamten Marktkapitalisierung der Kryptowährungen auch – und vor allem – dann steigt, wenn die Preise steigen, wirkt wie eine tektonische Plattenverschiebung im Gefüge der Kryptomärkte. Es passiert etwas – nur was?

Die institutionellen Anleger kommen – diesmal wirklich

Wie immer kann man über die Gründe für das, was auf den Kryptomärkten passiert, nur spekulieren. Es gibt aber einige Daten, die sich gut als Hinweise dafür machen, dass das Interesse der institutionellen Anleger langsam Fahr aufnimmt.

So berichtet The Block darüber, dass der Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) immer mehr Bitcoins ansammelt. Der Trust erlaubt es akkreditierten oder institutionellen Investoren, Papiere in ihr Portfolio aufzunehmen, die direkt durch Bitcoins gedeckt sind. Die Menge an Bitcoins, die der Fund hält, steigt derzeit rapide an. Während er Ende März ungefähr 212.000 Bitcoins hielt, waren es Ende April bereits 225.638 Bitcoins. Der Fund nimmt am Tag damit rund 430 Bitcoins auf, was etwa 3 Coins je Block entspricht. Damit kauft er allein schon etwa ein Viertel der täglichen Ausschüttung durch die Miner.

Ebenfalls in The Block ist zu lesen, dass auf der Börse von Chicago (CME) der Futures-Handel mit Bitcoins deutlich anzieht. So wurden gestern Futures im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar oder 168.000 Bitcoins gehandelt. Die Futures sind zwar eher Wetten auf den Preis von Bitcoin als echte Investments in Bitcoin – doch der Markt dürfte nicht wirklich funktionieren, ohne dass die Anleger auch tatsächlich Bitcoins einbunkern.

Ähnliche Berichte liegen über den Handel von institutionellen Anlegern auf Coinbase vor. Dazu kommt noch der Handel mit den XBT-Papieren auf Bitcoins auf Tradegate und der Börse von Schweden, die Investmentangebote von Schweizer und zum Teil auch deutschen Banken und vieles mehr. Die sogenannten “institutionellen Anleger” haben Blut geschmeckt. Bitcoin wird mehr und mehr zum Teil der Portfolios.

Wenn man nun darüber nachdenkt, dass nur ein überschaubarer Teil der Millionäre und Milliardäre, der Vermögensverwalter, Stiftungen, Investment- und Hedgefonds und so weiter damit beginnt, ein Stückchen Bitcoin in die Portfolios aufzunehmen, überrascht der rasante Anstieg des Bitcoin-Preises überhaupt nicht mehr. Wenn überhaupt, dann überrascht, dass der Preis noch so moderat nach oben springt.

Ein digitales Gold ist genug

Damit hätten wir auch eine Erklärung dafür, weshalb Bitcoin seinen Anteil an der gesamten Marktkapitalisierung der Kryptowährungen ausbaut: Die Anleger, die den derzeitigen Trend antreiben, sind nicht an digitalem Bargeld, an Micropayments, DApps, Privacy oder Smart Contracts interessiert. Worum es ihnen geht, ist ein Krypto-Asset, das stabil, sicher und knapp ist.

Und diese Eigenschaften verkörpert Bitcoin unter allen Kryptowährungen nicht nur am besten – es gibt für diese Zwecke auch keinen oder nur einen sehr geringen Bedarf für andere Kryptowährungen neben Bitcoin. Ein Coin als alternatives Asset, als Rettungsboot, wenn die Weltwährungen kippen, reicht vollkommen aus.

Daneben ist Bitcoin natürlich bei den Angeboten, auf die institutionelle Anleger zugreifen, am stärksten vertreten. In vielen Fällen gibt es nur Bitcoins – etwa bei GBTC – und in anderen hat Bitcoin die höchste Liquidität, etwa bei XBT Provider, wo es neben Anteilen auf Bitcoins auch Anteile auf Ether zu kaufen gibt.

Man könnte sagen, dass das Versprechen, das die letzte Blase Ende 2017 verursacht hat, nun beginnt, sich zu verwirklichen: Bitcoin wird ein digitales Gold, das in keinem zeitgemäßen Portfolio von Investoren fehlen sollte.

Über Christoph Bergmann (1629 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

4 Kommentare zu Prächtig: Bitcoin-Kurs im Wonnemonat Mai

  1. Wenn man auf coinmarketcap die Währung auf BTC umstellt, dann wird es sehr sehr rot.
    Ich habe in den letzten Wochen fast alle altcoins mit Verlust verkauft 😦 Seit dem BTC angezogen hat, sind die sat Preise der meisten altcoins runter gegangen. Habe mich noch getraut DAPS zu kaufen, da sie für 4 sat zu haben sind und ein großes Potential versprechen.
    Tendiere nach diesem Artikel das meiste in Bitcoin zu investieren, etwa 75 % von bitcoin auf eine wallet die ich erst in 10 Jahren wieder öffne und mit dem Rest kann man etwas handeln.

  2. Das Schneeglöckchen ist wohl eine Anspielung auf den kühlen Wonnemonat?

    • Peter Neuer // 15. May 2019 um 14:11 // Reply

      Es ist so kuehl wegen der Klimaerwaermung, das weiss doch jeder.

      • Jetzt wo es gerade draußen wieder schön angenehm warm wird, sehen die Börsen nur eine Farbe: Tiefrot.

        Interessant dafür ist diese Erklärung einer Marktmanipulation, die sich “Spoofing” nennt (bin leider kein Börsen- und Tradingexperte: https://www.reddit.com/r/CryptoCurrency/comments/bpm2u0/what_just_happened/enuv3ur
        In regulierten Märkten verboten, wir sind aber in der Anarchie 😀

        Marktteilnehmer, die genügend Kapital einbringen, können einen illiquiden Markt (wie Kryptowährungen es immer noch sind) nach Belieben manipulieren. Die Börsen machen bereitwillig mit, sie verdienen ja am Handelsvolumen.

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