Ab September wird es noch schwieriger, online zu bezahlen – aber das Gesetz verhindert einen echten Wettbewerb der Zahlungsmittel

"Kreditkarten". Bild von Thomas Kohler via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Ab September greift der zweite Teil von P2D2, einem europaweites Richtlinienwerk für das Bezahlen im Online-Handel. Für die Händler bedeutet es, dass Online-Bezahlen noch komplizierter wird. Würden die Leute mit Bitcoin bezahlen, wäre alles viel einfacher.

Wer im Online-Handel Kreditkarten, PayPal und andere Echtzeitzahlungsmittel akzeptiert, darf sich ab September auf ein Stückchen Mehrarbeit und Wenigerertrag einstellen. Denn ab dem 14. September greift der zweite Teil des P2D2-Regelwerkes. Dieser besagt, dass strengere Methoden der Kundenidentifizierung per 2-Faktor-Authentifizierung zu implementieren sind.

Bei der Identifizierung geht es nicht um Überwachung, sondern um Kundensicherheit. Denn die üblicherweise im Online-Handel verwendeten Zahlungsmittel sind schlichterdings nicht für den digitalen Handel gemacht. Um die Kunden besser vor Missbrauch zu schützen – etwa gegen Kreditkartenbetrug – müssen die Online-Händler künftig die Zahlung durch eine per SMS zugesandte TAN bestätigen lassen. Das bisher nur sporadisch auftretende “Verified by Visa” beispielsweise wird dann wohl zum ständigen Begleiter im Online-Handel; wer sein Smartphone oder seine SIM-Karte verliert, wird im großen digitalen Supermarkt zunächst auf dem Trockenen sitzen.

Betroffen sind laut T3N Kreditkarten, Debitkarten, Sofortüberweisung, Giropay, Paydirekt, PayPal, Amazon Pay, Klarna. Die Regelung gilt zwar ab dem 14. September, doch die BaFIN gibt Händlern noch einen Aufschub, indem sie eine Missachtung der neuen Regeln vorerst nicht beanstanden wird. Mirko Hüllemann von Heidelpay schätzt gegenüber T3N, dass es noch rund sechs Monate brauchen wird, bis die Regeln wirklich greifen. Er rät aber Online-Händlern, sich schon jetzt an die Arbeit zu machen, um gut vorbereitet zu sein. Dabei darf man annehmen, dass es für Händler noch schwieriger wird, Echtzeit-Zahlungsmethoden ohne die Hilfe eines weiteren Zwischenmannes zu implementieren, was wohl auch teurer werden wird. Identifizierung und SMS sind eben nicht umsonst.

Ein wenig wirkt die Vorgabe so, als versuche man, eine Sache, die nicht funktioniert, am Leben zu erhalten, indem man sie immer komplexer macht. Auch per SMS zugesendete TANs bieten keinen endgültigen Schutz, weil es Hackern auch möglich ist, Telefon-SIMs zu hacken. Jegliche Form von Zahlungsverfahren, das es dem Empfänger erlaubt, Geld vom Konto des Senders abzuziehen – man nennt das “Pull”-Zahlungen – ist angreifbar und an sich nicht für digitales Bezahlen geeignet. Andere Verfahren, etwa Lastschrift oder Vorkasse, sind nicht von P2D2 betroffen. Sie erhöhen aber entweder das Risiko von Chargebacks (Lastschrift) oder erhöhen die Zeitspanne und verringern die Conversion Rate (Vorkasse).

Die perfekte Lösung für die Probleme mit dem digitalen Bezahlen liegt auf der Hand und ist seit langem bekannt: Bitcoin und andere Kryptowährungen. Es handelt sich hier um ein “Push”-Verfahren, bei dem der Sender das Geld direkt an den Empfänger überweist, anstatt diesem einen Zugriff aufs Konto zu gewähren. Push-Verfahren lösen das grundlegende Sicherheitsproblem von Online-Zahlungen direkt an der Quelle, waren aber vor Bitcoin im Internet nicht denkbar. Sie sind für den Händler die günstigste, für den Kunden die bequemste und für beide Parteien sicherste Methode, um Zahlungen in Echtzeit zu empfangen. Nüchtern betrachtet wird es surreal, dass nicht alle Zahlungen mit Bitcoin oder anderen Kryptocoins stattfinden.

Tatsächlich aber ist die Marktdurchdringung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen noch immer verschwindend gering. Abgesehen von den mitunter zu hohen Gebühren des Bitcoin-Netzwerks – die bei anderen Kryptowährungen minimal sind – dürfte auch eine Regel des P2D2 daran einen Beitrag haben. Im ersten Teil des Regelwerks, das bereits seit Anfang 2018 gilt, wurde nämlich ein “Surcharge-Verbot” verhängt. Das bedeutet, die Händler dürfen von ihren Kunden keine Extra-Gebühren für bestimmte Zahlungsmittel verlangen. Sie dürfen also die Kosten, die die Zahlungsmethode verursacht, nicht an die Kunden weitergeben.

Damit werde die Kunden zunächst nicht direkt etwas davon mitbekommen, wenn die Online-Händler mehr Gebühren für PayPal, Visa und so weiter berappen müssen. Eventuell werden die Händler die generellen Preise anheben, so dass der Anteil des verumsatzten Online-Konsums, der an die meisten US-amerikanischen Zahlungsdienstleistungsgiganten fließt, weiter wächst, ohne dass die Kunden davon etwas merken. Ohne diese Wettbewerbsverhinderungsregel könnten die Händler die Kosten an Kunden weitergeben, womit diese einen Anreiz hätten, ein für den Händler günstigeres Zahlungsmittel auszuwählen, während der Druck auf PayPal, Visa und Co anstiege, die Gebühren zu senken.

Es gibt zwar noch ein wenig Interpretationsspielraum beim Surcharge-Verbot. So wird manchmal gesagt, dass es nur für Zahlungsbetreiber gilt, die in der EU beheimatet sind, und möglicherweise ist es erlaubt, Rabatte für manche Zahlungsmittel zu geben. Aber das ist eine Grauzone, in der ich mich viel zu wenig auskenne. Insgesamt – und das ist deutlich im Internet zu beobachten – hat das Surcharge-Verbot dazu geführt, dass der Wettbewerb der Zahlungsmethoden komplett vom Kunden-Checkout verschwunden ist. Die Leidtragenden sind hier die Online-Händler.

Dennoch kann man hoffen, dass die neuen Regeln der Kundeidentifizierung sowohl für Kunden als auch Händler neue Anreize setzen, Bitcoins und andere Kryptowährungen zu benutzen und zu bewerben. Es wäre an der Zeit.

Über Christoph Bergmann (1629 Beiträge)
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11 Kommentare zu Ab September wird es noch schwieriger, online zu bezahlen – aber das Gesetz verhindert einen echten Wettbewerb der Zahlungsmittel

  1. Das ist wohl noch nicht bei allen Haendlern angekommen. Igiftcards.de z.B. verwendet sowohl Surcharges als auch ein wahres Füllhorn an Zahlungsarten. (echt seitenweise) Bitcoin schneidet mit am besten ab.

    Es bleibt aber zu hoffen, dass dann Zahlungsarten seltener abgelehnt werden, wegen Chargeback Risiko, ein Problem was bei Bitcoin ja garnicht existiert.

  2. Das Surcharge Verbot ist ein direktes Ergebnis der “tollen” Lobbyarbeit, die Visa, Mastercard und auch Paypal geleistet haben und eine Frechheit. Giropay ist z.B. deutlich billiger und auch sicherer, da es die übliche Pin/Tan Methode der Hausbank nutzt und dabei Vorkasse am nächsten kommt, ohne einem Drittanbieter wie z.B. Sofort vollen Kontozugriff zu gewähren.

    Falls der Kunde aber trotzdem PayPal nutzen möchte oder gar seine Amex, die Händlern horrende Gebühren abverlangt, um seinen Kunden Kickback Provisionen auszuschütten, dann muss der Kunde eben dafür bezahlen und das sollte auf keinen Fall auf alle Kunden abgewälzt werden müssen.

    Dass nicht mehr User mit Kryptowährungen bezahlen und die Adoption bei Händlern eher schleppend vorangeht, ist für mich unverständlich und vielleicht gerade dem deflationären Ansatz von Bitcoin geschuldet, der das Horten langfristig eher belohnt, statt zum Ausgeben zu animieren wie z.B. das Wörgler Freigeld.

  3. Maik Richter // 26. August 2019 um 22:01 // Reply

    Mir auch wurst. Bezahl ich eben mit einer Bitcoin Debitkarte wo nur Visa akzeptiert wird und wo es geht mit Bitcoin.

  4. Die wollen nur die Telefonnummern, die sind mittlerweile heiß begehrt am Datenmarkt.

    Falls euch schon aufgefallen ist, mittlerweile kann man sich kaum noch bei diesen Datensammler Unternehmen ohne Telefonnummer anmelden.

    Danke satoshi, ohne Bitcoin und open source hätte ich Angst und zwar große Angst.

  5. Maik Richter // 27. August 2019 um 10:19 // Reply

    ot aber hier lang diskutiert: schlechte Nachrichten für Anhänger von Hochstaplergenie Faketoshi CSW. Er hat verloren.

    “JUDGE REJECTS ALL CSW TESTIMONY FINDS CSW PERJURED LIED FALSIFIED DOCUMENTS”

    Warum kommt das jetzt so gar nicht überraschend?

    https://eng.ambcrypto.com/craig-wright-reacts-to-u-s-district-court-asking-him-to-hand-over-50-of-his-bitcoin-holdings-to-kleiman/

  6. Dennoch kann man hoffen, dass die neuen Regeln der Kundeidentifizierung sowohl für Kunden als auch Händler neue Anreize setzen, Bitcoins und andere Kryptowährungen zu benutzen und zu bewerben. Es wäre an der Zeit.

    Schaut euch mal Haven an, https://gethaven.app/ – ein OpenBazaar Interface für iOS und Android, welches jeden ganz einfach erlaubt, Dinge gegen Kryptowährungen zu kaufen und verkaufen, inklusive Multicoin Wallet, welches bisher BTC, BCH, LTC und ZEC unterstützt, aber ETH ist schon in der Implementierungsphase und XMR soll folgen, sobald der Abstraktionslayer für ETH steht.

    Das geniale an Haven ist, dass es beim Kauf ein simpler OB Client ist, beim Verkauf ein voller OB Server auf dem Smartphone (oder Tablet) läuft und die OB1 Company stellt eine Suchfunktion zur Verfügung. Letztere ist nicht zensurfrei und alle Angebote müssen US Recht entsprechen, der eigene Server dahinter ist allerdings komplett zensurresistent wie ein voller OpenBazaar Server auf dem Desktop / VPS / Server.
    OpenBazaar hat übrigens keinen Einfluss auf angebotene Waren (egal ob OB direkt oder Haven) und es gibt keine Gebühren (außer den üblichen Netzwerkgebühren der jeweils genutzten Kryptowährung), es sei denn man nutzt moderierten Escrow, dann fällt eine geringe Gebühr für den Moderator an. Man muss sich nicht registrieren, noch nicht einmal eine E-Mail Adresse wird benötigt und zumindest die Desktop Version läuft auch integriert über TOR.

    Im Vergleich dazu bei eBay Einstellgebühren, Verkaufsgebühren, Transaktionsgebühren bei Paypal (zu welchem man ja mehr oder weniger gezwungen wird) oder im Amazon Marketplace entsprechend.

  7. Johnny B. // 29. August 2019 um 8:56 // Reply

    Mit der Adoption von Kryptowährungen in Deutschland sieht es auch mau aus. Über die Verhältnisse in Berlin, angeblich der Start-Up-Ort schlechthin (LOL), brauchen wir gar nicht erst reden. Kann mir Jemand erklären, was mit der ATM in der Room77-Bar in der Hauptstadt los ist? Die war nämlich laut coinatmradar.com mehrere Tage außer Betrieb, im gleichen Zeitraum wie viele andere Crypto-ATMs, die von Freefall GmbH aufgestellt wurden. Nun wird der Automat überhaupt nicht mehr angezeigt, das ist eigentlich Schade. Gibt es dazu eine konkrete Stellungnahme, die über “Sorry, Wartungsarbeiten” hinausgeht?

  8. Was ich im letzten Jahr durch diverse Blogbeiträge und Artikel verstanden habe, ist in D (und EU?) die MWST-Problematik bei Coin-VK durch Händler problematisch. Angeblich will das FA hier extra 19% haben. Ebay + Paypal sind rund 15% … Also was ist günstiger? Solange nicht eindeutig geklärt ist, wie Coins bewertet werden (offiziell gültiges Zahlungsmittel), ist es für Händler wohl extrem gefährlich.
    Außerdem sorgen die Turbulenzen am Markt mit dramatischen Preisschwankungen auch nicht gerade für Marktsicherheit. Wenn ich als Händler warten kann, schön. Wenn ich darauf angewiesen bin und der Kurs knickt gerade völlig ein … Dann muß man also Dienstler hinzuziehen, an die der Käufer die Coins bezahlt und die dem Händler unter Abzug von Kohle die Coins sofort in Gegenwert umrubeln. Also hat der Händler auch hier wieder weniger in der Kasse. Und bedenkt man, daß Ebay, Amazon und Co die Bezahlvorgaben machen, ist eh nicht alles drinne was möglich wäre.

  9. Warum denn P2D2 und nicht PSD2; ist deine Rechtschreibkorrektur im Wege?

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