Bakkt startet demnächst Bitcoin Futures auf der ICE Futures U.S.

Banktresor. Bild von Teresa via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die lange angekündigten Bitcoin-Futures von Bakkt gehen in etwa zwei Wochen live. Die Einzahlung der Bitcoins in das New Yorker „Warehouse“ hat bereits begonnen; die Coins werden mit einem beeindruckenden Sicherheitskonzept gespeichert und sind zudem versichert. Damit steht dem Handel der ersten physisch gedeckten Bitcoin-Futures nichts mehr im Weg.

Man kann Futures und ähnliche Finanzprodukten danach unterscheiden, wie sie gedeckt werden. Bitcoin-Future wie die, die auf den Börsen von Chicago seit geraumer Zeit gehandelt werden, sind durch „Cash“ gedeckt: Wenn jemand ein Future auf Bitcoin kauft, finden die Werttransaktionen dahinter durch Dollar statt; die Papiere repräsentieren nur den Bitcoin-Kurs zu einem künftigen Zeitpunkt, ohne dass dabei zwingend echte Bitcoins im Spiel sind. Das ist eigentlich recht langweilig. Futures wie das von Bakkt dagegen haben eine „physische“ Deckung: ihnen unterliegen echte Bitcoins.

Man könnte sagen, Bakkt bringt Bitcoins „wirklich“ zu den traditionellen Investoren. Die Futures werden auf der ICE Futures U.S. gehandelt, der New Yorker Börse für Futures. Es gibt Tages- und Monatsfutures. Dabei kauft sich der Investor ein Papier, das ihn ermächtigt (oder verpflichtet), beim Auslaufen des Futures Bitcoins zu einem bestimmten Preis zu erwerben. Die extrem kurze Zeit der Tagesfutures macht dieses im Prinzip zu einem zeitlich verzögerten Kauf von Bitcoins, die – soweit ich es verstehe – von Bakkt verwahrt werden. Damit könnte es durch eine Hintertüre den Bitcoin-ETF ersetzen, der schon seit Jahren erwartet, aber von den Regulierern immer wieder verworfen wird.

Am 23. September wird der Handel eröffnet. Damit wird Bakkt zur bisher einzigen Möglichkeit für traditionelle US-Anleger, in der für sie gewohnten Weise auf vollständig regulierten Marktplätzen in „physische“, also echte Bitcoins zu investieren anstatt bloß in Dollar-Werte. Die Bitcoin-Marktplätze, die es bisher gibt, so das Blog von Bakkt, „bedienen vor allem private anstatt institutionelle Investoren. Bakkt schließt diese Lücke im Zugang zum Markt und löst die Probleme, die der Teilnahme von institutionellen Investoren im Weg gestanden haben.“ Dazu biete Bakkt eine vollständig regulierte Umgebung mit einem zuverlässigen, transparenten und qualitativ hochwertigen Markt.

Bereits diese Woche begann die Einzahlung von Bitcoins durch Market Maker ins Warehouse von Bakkt, so die Firma auf Twitter. Es wird gemunkelt, dass eine sagenhaft große Transaktion letzte Woche, bei der rund 95.000 Bitcoins – knapp eine Milliarde Dollar – überwiesen wurden, im Zusammenhang mit Bakkt steht.

Man kann sich das Warehouse wie einen massiven Safe vorstellen, in dem kein Gold liegt, sondern Bitcoins. Und Bakkt hat alle Register gezogen, um diese so sicher wie möglich zu verwahren: Alle Bitcoins liegen auf Multisig-Adressen. Zusätzlich zum Multisig wurden die Schlüssel noch verschlüsselt und – so vermute ich es – das Passwort zur Entschlüsselung durch Shamirs Secret geteilt, so dass mehrere Personen, die sich auf verschiedenen Kontinenten befinden, einer Auszahlung bzw. der Entschlüsselung der Schlüssel bestätigen müssen. Der größte Teil der Bitcoins liegt auf „kalten Wallets“ auf einer hochsicheren, luftdicht abgeschlossenen Hardware ohne Verbindung zum Internet; ein kleiner Teil liegt in „warmen Wallets“ mit Verbindung zum Netz, um rasch auszahlbar zu sein. Auch hier müssen mehrere Personen auf verschiedenen Kontinenten der Auszahlung zustimmen; eine Whitelist von IP-Adressen, die Auszahlungen anfordern können, erhöht den Schutz weiter.

Insgesamt handelt es sich um eine hochsichere Methode, Bitcoins zu verwahren. Dass ein New Yorker Finanzunternehmen einen solchen Aufwand betreibt, um Bitcoin-Schlüssel zu sichern, ist faszinierend. Es ist, als habe die Zukunft begonnen, und wir seien plötzlich in einem guten Science Fiction Film. Darüber hinaus sind die Coins bei Bakkt noch versichert, und zwar in einer Höhe bis zu 135 Millionen Dollar. Dabei ist (mir) nicht ganz klar, ob es sich um den maximalen Schadensfall für einzelne Kunden oder das Warehouse insgesamt handelt.

Der Handelspreise für die Futures werden, so das Blog, „nicht auf unregulierten Spot-Märkten beruhen, und dadurch einen transparenten Preisfindungsmechanismus für den Benchmark-Preis von Bitcoin einführen.“ Spot-Märkte meint die typischen Bitcoin-Börsen, bei denen in Echtzeit zum aktuellen Marktpreis gekauft und verkauft wird. Dies nicht in die Preisfindung einfließen zu lassen sei wichtig, weil es Berichte über eine „signifikante manipulative Aktivität auf den Sport-Märkten“ gebe, und man zudem besorgt sei „wegen inkosistenter Anti-Geldwäsche-Maßnahmen und schwacher Kontrollen der Einhaltung der regulatorischen Vorschriften.“ Was nicht ganz klar wird ist dabei aber, durch welche anderen Märkte als die volumenstarken Sport-Börsen Bakkt vorhat, den Preis zu finden.

In jedem Fall erreicht der Bitcoin-Handel mit Bakkt voraussichtlich eine neue Stufe. Es wird interessant sein, zu beobachten, welchen Einfluss dies ab dem 23. September auf den Preis nimmt.

Über Christoph Bergmann (1584 Beiträge)
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2 Kommentare zu Bakkt startet demnächst Bitcoin Futures auf der ICE Futures U.S.

  1. Dem normalen Investor/Spekulant sollte eigentlich das physical settleing egal sein. Die meisten Kontrakte, die auf alle andere Rohstoffe laufen, sind auch nicht physisch gedeckt.
    Aus dem Grund halte ich es für fraglich, ob Bakkt durch ihre pure Existenz eine Nachfrage nach phyisch gedeckten Futures aus dem Nichts erschaffen können. Leute, die nur auf den Presi spekulieren wollen, können dies ohnehin schon über Futures, ETNs oder CFDs tun.

  2. Interessante Zusammenfassung, danke.

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