In der Schweiz starten die ersten Krypto-Banken

Blick aufs Wetterhorn. Bild von Franco Pecchio via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

In der Schweiz wird Krypto derzeit zur Banksache. Die ersten zwei Kryptobanken haben die Erlaubnis der Finanzaufsicht erhalten und bieten nun ihren Kunden an, für diese Kryptowährungen zu kaufen und zu verwahren.

Im August dieses Jahres hat die Schweizer Finanzaufsicht den ersten zwei “Kryptoinstituten” eine Banklizenz erteilt. Die beiden Institute sind die Seba Bank und Sygnum.

Nach einer einmonatigen Testphase beginnt die Seba Bank nun offiziell Kunden aufzusammeln. Die Bank mit Sitz in der Schweizer Steueroase Zug versteht sich als Brücke zwischen der traditionellen Bankenwelt und Kryptowährungen und -assets. Sie erlaubt es ihren Kunden, fünf Kryptowährungen zu kaufen: Bitcoin, Ether, Stellar, Litecoin und Ether Classic. Diese können dann mit der Seba-Wallet-App, der Seba-Card oder durch Online-Banking verwaltet und getauscht werden. Daneben deckt das Seba-Konto auch traditionelle Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen oder Fremdwährungen an. Mit der Seba-Card können die Kunden in lokalen Läden bezahlen oder Bargeld abheben – während auf dem Konto Kryptowährungen liegen. Für Kunden, die Wert auf eine hohe Sicherheit legen, bietet Seba an, die digitalen Vermögenswerte “am sichersten Ort der Welt” als “tiefes Cold Storage” zu speichern. Dies kostet mit 25.000 Franken allerdings ein gutes Sümmchen.

Darüber hinaus plant die Seba Bank, sich auf dem Markt der Tokenisierung zu positionieren. So möchte sie es ihren Kunden ermöglichen, Fiatwährungen, Edelmetalle, Kunstwerke, Immobilien und andere Güter in Blockchain-Token zu übersetzen, Unternehmen dabei helfen, Ökosysteme für Utility-Token zu bilden und Security-Tokens auf den Markt zu bringen. Die Bank möchte damit “den kompletten Lebenszyklus digitaler Assets abdecken.” Damit dies möglich ist, muss aber die Schweizer Aufsicht die angekündigte Standardisierung von Krypto-Token veröffentlichen.

Für ein Unternehmen, das erst 2018 gegründet wurde, hat Seba mit der Banklizenz und dem breiten Produktportfolio bereits jetzt eine Menge erreicht. Dabei dürfte das Investment von 100 Millionen Franken, das sie erhalten hat, geholfen haben. Dieses Investment dürfte aber, wie die Neue Züricher Zeitung vermutet, bereits weitgehend aufgebraucht sein, da die Seba Bank plant, mit einem Token-Offering einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag einzuholen.

Auch Sygnum ist seit August dieses Jahr im Besitz einer Banklizenz und beginnt derzeit, zu Testzwecken die ersten Kunden anzunehmen. So wie Seba bietet Sygnum eine breite Produktpalette rund um Kryptowährungen an: Die sichere Verwahrung von Kryptowährungen und -assets, den Handel mit Kryptowährungen und Token, den fließenden Umtausch in Fremdwährungen sowie die Unterstützung bei der Herausgabe von Token. Ferner soll man bei Sygnum auch Fiat-Kredite aufnehmen können, für die man digitale Assets “wie Bitcoin und Ether” hinterlegt. Welche konkreten Kryptowährungen Sygnum unterstützt, geht aus der Webseite derzeit noch nicht hervor. Ab Anfang 2020 möchte die Bank beginnen, systematisch instituitionelle Anleger anzuwerben.

Wie die NZZ schreibt, berichten sowohl Sygnum als auch Seba von einem hohen Interesse der Schweizer Finanzplätze an Kryptowährungen. Die angestrebten Kundenzahlen der beiden Banken, die derzeit im dreistelligen Bereich liegen, muteten dagegen, meint die NZZ, “bescheiden an.” Die Zeitung kommentiert, dass die konkrete Richtung der beiden Banken noch nicht klar sei. Zum einen bieten sie Massenprodukte wie die Seba-Karte und -App an, die eher mit Fintech-Banken wie Revolut oder N26 konkurrieren, zum anderen sprechen sie Grosskunden und institutionelle Anleger an.

Klar ist aber: Die Verschmelzung des herkömmlichen Bankwesens mit Kryptowährungen geht in der Schweiz in die nächste Runde. Bitcoin und Co. werden immer mehr zu einem festen Teil des Finanzwesens.

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2 Kommentare zu In der Schweiz starten die ersten Krypto-Banken

  1. Für Kunden, die Wert auf eine hohe Sicherheit legen, bietet Seba an, die digitalen Vermögenswerte “am sichersten Ort der Welt” als “tiefes Cold Storage” zu speichern. Dies kostet mit 25.000 Franken allerdings ein gutes Sümmchen.

    Auf sowas kommen natürlich nur Banker. Wer Bitcoin verstanden hat, der weiß, dass die Coins nicht in seiner Wallet gespeichert werden, sondern als UTXO auf der Blockchain durch jeden einsehbar gespeichert sind. Lediglich der Inhaber (oder ein Mitwisser) des privaten Schlüssels kann mit seiner Signatur nachweisen, dass diese ihm gehören und ggf. neue UTXO daraus bilden. Ein gesplittetes Paper Wallet (praktischerweise als Seed), aufbewahrt an verschiedenen geheimen Orten dürfte mehr Sicherheit bieten als der tiefste Bunker, zumal dieser Custodial ist und bei entsprechenden Beträgen dürfte das Risiko ziemlich hoch sein, dass entscheidende Personen zusammenarbeiten, um sich Zugriff darauf zu verschaffen.

    OT: Übrigens tolle Zusammenfassung der Geschichte vor Bitcoin, aus der dieser mehr oder weniger hervorgegangen ist:

    Habe leider den Originaltweet nicht finden können, daher Fluffypony, der es kürzlich gepostet hat. Autor ist wohl https://twitter.com/AnselLindner

  2. Maik Richter // 15. November 2019 um 15:08 // Reply

    Gute Übersicht.

    Die Werbung mit “sicherer Lagerung” ist natürlich ein Witz, aber halt unbeholfenen Investoren geschuldet. A la “nur keine Angst vor den neuen mechanischen Automobilen, wir kennen uns damit aus – für eine Gebühr binden wir ihnen ein Pferd davor!”

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