Läutet Bitcoin eine neue Reformation ein?

Porträt von Martin Luther. Bild von thierry ehrmann via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Ein Bericht einer niederländischen Investment-Firma nennt Bitcoin eine zweite Reformation. Der Autor vergleicht die damaligen Umstände und Ereignisse mit Bitcoin. Die spannende historische Analyse wirft eine interessante Frage auf: Ist Bitcoin wirklich so groß, dass man es mit einem der wichtigsten Ereignisse der westlichen Geschichte vergleichen kann? Oder ist die These doch etwas aufgeblasen? Und was sagt sie über die Zukunft von Bitcoin – und der Welt im Ganzen – aus?

Manchmal heißt es, Bitcoin sei so groß wie das Internet. Oder so groß wie die Erfindung des Papiergeldes vor einigen hundert Jahren. Oder wie die Innovation des Aktienhandels. All das ist schon riesig – aber ist es auch groß genug?

Geht es nach Tuur Demeester ist all das zu klein gedacht. Demeester ist ein langjähriger Bitcoin-Investor, der mit Adamant Capital Investoren hilft, in die Kryptowährung anzulegen. In einem neuen Bericht vergleicht er Bitcoin mit der Reformation, jenem welthistorischen Großereignis im frühen 16. Jahrhundert, das den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit markiert und mentalhistorisch zur Grundlage des modernen Kapitalismus wurde. Größer geht kaum.

Historische Parallelen

Er habe, leitet Demeester den Bericht ein, schon zuvor Parallelen zwischen Bitcoin und der frühen Erdölindustrie, den Kriegen der Suchmaschinen und den Märkten für Domain-Namen gezogen, aber „das Gefühl gehabt, dass es mir damit nicht gelingt, die fundamentale Bedeutung der Epoche zu greifen, für die Bitcoin ein Katalysator ist.“ Erst als er sich mit der protestantischen Reformation beschäftigte, „hatte ich das Gefühl, ich habe eine Vorlage gefunden, die weit genug reicht.“ Starke Worte – aber wie begründet Demeester diesen Vergleich?

Er versucht zunächst, Parallelitäten zu knüpfen, indem er die Grundlagen oder Bedingungen der Reformation anschaut:

  • Es gab erstens einen „Renten abschöpfenden Service-Monopolisten“ – die katholische Kirche, die die Schlüssel zum Himmel kontrollierte und sich etwa durch den Ablasshandel daran unverfroren bereicherte. Tatsächlich war der Ärger über das geistliche Monopol der katholischen Kirche und dessen immer skrupellosere Ausbeutung ein maßgeblicher Grund dafür, dass Martin Luthers Thesen solch eine Wucht erhalten konnten. Auch viele deutsche Fürsten waren, um es unhöflich auszudrücken, angepisst davon, dass sich eine korrupte Clique um den heiligen Stuhl anmasste, einen erheblichen Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen.

Papst Leo X. trieb es mit einer Ablassbulle zuweit und löste mit die luthersche Reformation aus. Bild von cea+ via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

  • Zweitens gab es eine technische Revolution, die als Katalysator für den Wandel fungierte. Dies war vor allem die Druckerpresse, die die Kosten, ein Buch zu verlegen, drastisch senkte. Dazu kam die doppelte Buchführung, die den internationalen Handel beschleunigte. Diese technische Revolution wurde zur Grundlage einer kulturellen und sozialen Revolution. Vor allem ohne die Druckerpresse wäre es nie gelungen, die neue christliche Lehre zu verbreiten. Ihr Grundsatz, der Gläubige solle sich allein auf die Bibel beziehen, wäre ohne den Buchdruck nicht realistisch gewesen, und ohne diese Technologie wäre Luthers Bibelübersetzung sehr viel weniger bedeutend gewesen.
  • Drittens war eine neue ökonomische Klasse entstanden: Die Händler gewannen in ganz Europa an Bedeutung. Das Volumen des Handels zog an, es gab neue Fabriken, das Gewerbe blühte auf, die Arbeitsteilung wurde feinmaschiger, und technische Innovationen brachten es früher zur Marktreife. Diese neue Klasse passte nicht mehr ins mittelalterliche Sozialgefüge und war daher geistig offen dafür, eine eigentlich geistliche Revolution aufzugreifen und zum Anlass zu nehmen, ihre soziale Stellung zu verbessern.
  • Vierten nennt Demeester „glaubwürdige Strategien zur Verteidigung und Flucht.“ Hier konzentriert er sich auf die Niederlande, die sich in dieser Zeit durch eine langwährende Revolution von Spanien losgesagt hatten. Zur ihrer Verteidigung hatten sie ihre Expertise in der Hydrotechnik genutzt, etwa indem sie die Felder geflutet hatten, um so heranrückende Armeen aufzuhalten. Wären die zunächst eher schwachen protestantischen Territorien nicht wehrhaft genug gewesen, um sich den militärisch dominanten katholischen Mächten zu widersetzen, hätte die Reformation kaum Bestand haben können. Schaut man nach Österreich, wo die frühen Lutheraner brutal unterdrückt wurden, erkennt man, wie wichtig dieser Punkt ist.

Natürlich dürfte es noch mehr Grundlagen für die Reformation gegeben haben. Aber ich finde, Tuur Demeester nennt einige hervorragende und treffende Beispiele. Ihnen stellt er dann gegenwärtige Analogien gegenüber:

  • Der monopolistische Service Provider ist das „Internationale Geld und Finanzsystem (IMFS)“, das seit dem Abkommen von Bretton Woods (1944) dem Dollar eine privilegierte Stellung gibt, das Monopol der Banken verfestigt und oft zuungunsten der Bevölkerung wirkt, etwa wenn Ersparnisse durch Inflationen zerstört werden. So wie die römische Kirche aufgrund ihres geistlichen Monopols sich eine weltliche Macht bis weit in den Norden Europas aneignete, wird das Dollar-Monopol zum Instrument, um weit über die Grenzen der USA hinaus politischen Druck auszuüben.
  • Den technischen Innovationen des 15. und 16. Jahrhunderts steht die digitale Revolution gegenüber. Ihre Basis sind Fortschritte in der Telekommunikationtechnologie, der Computertechnik und des Datenspeichers; sie schafft neue Werkzeuge wie Open Source Software, Kryptographie und Social Media. Dass dieser technologische Wandel stattfindet, und dass er einen Einfluss auf die Gesellschaft hat, dürfte unbezweifelbar sein. Die Einflüsse sind überall spürbar, ob im Handel, der informationallen Souveränität des Einzelnen oder der politischen Willensbildung. Ob sie bereits eine Art Reformation angestoßen haben, oder ob diese erst noch geschieht, ist aber aus der Blase der Gegenwart heraus schwer zu beurteilen.
  • Die neue ökonomische Klasse, analog zu den Kaufleuten, sind die „Millenials“, eine Generation, die eine tiefe Skepsis gegenüber dem traditionellen Finanzwesen hegt und digitale Innovationen herzlichst begrüßt. Diese Millenials werden ab etwa 2029 die Schlüsselpositionen von Wirtschaft und Gesellschaft besetzen. Dieser Vergleich hinkt etwas, da die Millenials anders als die Kaufleute der frühen Neuzeit keine neue sozio-ökonomische Klasse sind, sondern lediglich ein anderes mental-kulturelles Milieau, das auf eine bestehende Klasse übergestülpt wird.
  • Die Kryptographie schließlich ist ein glaubwürdiges Werkzeug der Verteidigung, das mit neuen Instrumenten wie VPN, Mesh-Netzwerken, Signal, U2F und so weiter zum Schlüssel zur digitalen Souveränität wird. In der Tat kann man Kryptographie als eine digitale Festung bezeichnen, ein Instrument, dass ein neues Kräftegleichgewicht herstellt, indem es es den herrschenden Mächten erschwert, Informationen zu kontrollieren und Kommunikation zu unterbinden. Ferner dient die durch Kryptographie ermöglichte Anonymität als ein Schutzschild, das es Dissidenten und Revolutionären möglich macht, der Verfolgung durch die Staatsgewalt zu entgehen.

Diese Argumentation ist zwar stellenweise brüchig, aber durchaus aufschlussreich. Die damalige Gesellschaft war im Umbruch, und die heutige ist es ebenfalls. Es gab damals gesellschaftliche Grundlagen für eine Reformation, es gibt sie vielleicht heute auch, und die Zeit ist reif für technische, soziale und ökonomische Umbrücke. Inwieweit dies aber speziell auf die Gegenwart, und nicht auf die meisten Jahrzehnte der letzten 100 Jahre zutrifft – und inwieweit dies konkret auf Bitcoin hinweist – bleibt aber ebenso offen, wie ob man die genannten gegenwärtigen Kategorien nicht auch ersetzen kann.

Ist es nicht eine gewisse Willkür, wenn Demeester die Millenials als neue Klasse hernimmt? Wäre es nicht sinnvoller, hier generell die Programmierer und digitalen Techunternehmer aufzuzählen? Und ist die Kryptographie wirklich das entscheidende Werkzeug für Widerstand?

Während Demeesters Analyse bis hier aber methodisch einigermaßen solide bleibt und auch ihren Geltungsbereich nicht übermäßig strapaziert, begibt er sich im darauf folgenden Teil auf eher dünnes Eis.

Doktrinen bei Bitcoin und Luther

Zunächst vergleich Demeester die Doktrinen damals und heute. Sie hatten, so der Autor, „die Essenz der Rebellion“ wiedergegeben. Es waren Aufrufe zu „Einheit und Überzeugung“, die man heute ebenfalls sieht. So haben die protestantischen Gläubigen auf Sola Fide, „nur der Glaube allein“ gesetzt. Sie haben dazu aufgerufen, die Zeremonialität und Ritualisierung der katholischen Kirche abzulegen und an ihre Stellen den Glauben und die heilige Schrift zu setzen.

Heute – genauer: im Bitcoin-Space – gibt es einen starken Glaube an „Vires in Numeris“, also die Stärke von Zahlen, ohne die eine Bitcoin-Wallet keinen Sinn ergibt. Mathematik ersetzt die menschliche Fehlerhaftigkeit, und anstatt zu vertrauen, verifiziert man die Blockchain. Die HODL-Ideologie schließlich drückt das Verlangen aus, sein Geld selbst zu verwahren und, unabhängig von der Volatilität, zu halten. Der Spruch „nicht deine Schlüssel, nicht deine Bitcoins“ drückt ein tiefes Misstrauen gegenüber Verwahrern aus.

So weit haben wir also einige Parallelen. Es gibt Grundlagen für eine Revolution, und viele Bitcoiner nehmen die Kryptowährung und die mit ihr verbundenen ideologischen Inhalte mit einer Überzeugung ernst, die ans Religiöse grenzt. Es dürfte kein Zufall sein, dass in einer Umfrage zur Religion unserer Leser „Bitcoin“ eine der führenden Antworten war. Dies sind spannende Parallelen, aber ich bin mir nicht sicher, ob Demeester hier nicht zu viel hineindeutet. Es geht schließlich weiterhin nur um Geld, während die Reformation den Kampf um die unsterbliche Seele des Menschen darstellte. Kann man diesen Vergleich wirklich so weit treiben?

Das Finanzwesen der Reformation – und was das über Bitcoin aussagt

Sehr brüchig wird die methodische Grundlage aber danach. Demeester pickt sich einige Merkmale der Finanzwirtschaft während der Reformationszeit heraus, um daraus Parallelen zu ziehen, wohin sich Bitcoin entwickeln kann. Das erscheint mir eine fragwürdige Herangehensweise, ist aber dennoch sehr interessant.

Ohne Zweifel war das 15. und 16. Jahrhundert ein Zeitalter der finanzwirtschaftlichen Durchbrüche, und die Niederlande spielte darin eine Schlüsselrolle. Da sich der Handel mit den Kolonien in Übersee intensivierte, stieg der Bedarf nach Kapital, um die Handelsschifffahrten zu finanzieren, sowie der nach der sicheren Verwahrern von Edelmetallen, die dann gegen mobilere Wechsel getauscht wurden.

Demeester beschreibt die hohe Sicherheit der Amsterdamer Wisselbank, einem Großverwahrer für Gold und Silber, die die Edelmetalle direkt am Marktplatz aufbewahrte. Sie sollte eine enorme Rolle spielen für den Überseehandel, da sie für eine beeindruckend lange Zeit das unumstößliche Vertrauen der Bürger, Stadträte und Handelskompanien genoss. Bitcoin, erklärt Demeester, ist ein Produkt einer kulturellen Aversion gegen dritte Parteien, die Geld verwahren, und dient dazu, das Risiko von Diebstahl und Verlust zu minimieren. Das, was die Wisselbank im 16. Jahrhundert schaffte, schafft Bitcoin mit Multisig-Adressen und anderen, Smart-Contract-basierten Lösungen, um Bitcoins sicher zu speichern. Daher ist das Speichern von Werten – und die Herausgabe von Derivaten auf der Basis gut verwahrter Bitcoins – womöglich ein Schlüsselgeschäft.

Die Reformatoren waren sich nicht immer einig. Luther und Zwingli diskutieren auf den Augsburger Religionsgesprächen. Während Luther die weltliche Ordnung nicht antasten wollte, wollte Zwingli mit dem geistigen auch einen politischen Wandel herbeiführen. Bild von HEN-Magonza via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Um im 16. Jahrhundert mit den Risiken des Überseehandels umzugehen, waren neue Finanzprodukte notwendig. So bildeten sich „See-Kredite“, die mit einer hohen Rendite einhergingen, aber nur ausbezahlt wurden, wenn ein Schiff sicher am Bestimmungshafen anlandete. Später konnten sich Investoren durch die „Kommenda“ auch an den Erträgen einer Seefahrt beteiligen. Diese beiden Finanzprodukte ersetzten zunächst die Seefahrtsversicherung, die etwas später in Italien gegründet wurde und sich vor dort aus nach ganz Europa ausbreitete. Diese Versicherungsprodukte verlangten immer mehr Vertrauen – ein Händler könnte ja auch sein Schiff selbst versenken, anstatt eine aufwändige Reise auf sich zu nehmen – weshalb die Raten je nach Vertrauenswürdigkeit und Kultur schwankten.

Die Versicherungen für Bitcoin, folgert Demeester, sind heute erst in der Entwicklung. Es gibt einige Protoversicherungen, etwa für Miner und für Verwahrer, aber diese erstrecken sich gewöhnlich nur auf Teile der Wallets. Auch die Risiken durch die Volatilität oder die Regulierung werden eher nicht versichert. Demeester geht daher davon aus, dass Versicherungen eine große Zukunft bei Bitcoin haben werden – ohne allerdings genauer darauf einzugehen, welche Handelsgeschäfte durch die Versicherungen abgedeckt werden. In der Niederlande der Reformationen waren dies die große Handelsfahrten, die in einem vorher ungeahnten Umfang ans andere Ende der Welt fuhren, um Waren nach Europa einzuführen, die vorher – wenn sie überhaupt bekannt waren – extrem rar waren. Was ist das Äquivalent? Wenn man hier nur Börsen nimmt, beisst sich die Katze selbst in den Schwanz.

Ferner taten sich Anfang des 17. Jahrhunderts sechs kleinere niederländische Handelsfirmen zur Ostindischen Handelskompanie zusammen und verschmolzen ihre Goldeinlage und Handelsflotte. Danach gaben sie die erste nicht-staatliche Aktien heraus, die in Amsterdam zu einem reisenden Erfolg wurde und den Investoren gute Profite einbrachte. Dies verschaffte der neuen Handelsgesellschaften eine vorher undenkbare Liquidität von hinterlegter Sicherheit. Ähnlich, so Demeester, sind die Bitcoin-Halter, die ihre Coins ansparen und eine starke Konzentration dieser digitalen Assets herbeiführen. Der Autor erwartet, dass das Leihen von anderen Gütern mit hinterlegten Bitcoiners sowie Derivate auf Basis von eingefrorenen Bitcoins ein wichtiger Markt werden wird.

Bitcoin kann, folgert Demeester, eine neue Reformation einläuten, die das Potential hat, das gegenwärtige Internationale Finanzsystem zu ersetzen.

Mehr als nur Technologie und Finanzwirtschaft

Methodisch steht sein Bericht natürlich auf wackligen Beinen. Schon die Faktoren, anhand derer Demeester die gegenwärtige Situation rund um Bitcoin mit der Reformation vergleicht, erscheinen etwas willkürlich ausgewählt. Während aber eine solche Parallelisierung noch einigermaßen legitim ist, verletzt die Ableitung von künftigen aus vergangenen Marktenwicklungen ein wichtiges geschichtswissenschaftliches Gebot – die Vergangenheit kann vielleicht die Gegenwart erklären, aber sie kann nicht die Zukunft voraussagen. Vor allem, wenn dies auf einem wackeligen Vergleich basiert.

Dabei aber ist die Theorie äußerst spannend, und Tuur Demeesters Vorhersage, dass die Herausgabe von Wechsel und anderen Papieren auf der Basis von hinterlegten Bitcoins zu einem Schlüsselgeschäft werden könnte, alles andere als unplausibel. So etwas ist durchaus vorstellbar und könnte sehr viel Sinn machen; Bitcoin als Basis aller Werte liegt auf Multisig-Wallets in den sichersten Tresoren dieser Welt, während sie als Deckung für viele weitere Finanzprodukte fungieren. Eine ähnliche Tendenz sehen wir bereits bei Ethereum, wo mehr und mehr Ether in Smart Contracts eingesperrt werden, um zur Grundlage von Krediten, Stablecoins und Derivaten zu werden.

Bitcoin ist nicht nur einfach eine Technologie – wie das Internet oder der Rundfunk – und auch nicht nur einfach ein Finanzprodukt – wie Aktien oder Derivate – sondern ein sehr umfassendes technisch-gesellschaftliches-ökonomisches Feld, das beinah alle Großtendenzen der Gegenwart bündelt. Daher ist ein Vergleich mit einem Ereignis wie der Reformation durchaus angebracht. Allerdings nimmt Demeester die eigene These leider nicht ganz voll, indem er sich auf die Finanzwirtschaft konzentriert – die oft weniger mit der Reformation selbst zusammenhing, sondern mit der Überseeschifffahrt und einem technologisch beeinflussten Wirtschaftswachstum – anstatt die Universalität dieses Ereignisses zu betrachten.

Wenn Bitcoin eine neue Reformation ist – was sind ihre Inhalte? Werden die Anmerkungen zu „Hodl“ und „Not your keys, not your coins“ einem solchen Vergleich gerecht? Geisteshistorisch war die Reformation extrem verwickelt. Aus banal erscheinenden Fragen – etwa ob die Gläubigen beim Abendmahl wortwörtlich das Fleisch Christi einnehmen oder nur ein Symbol davon – wurden langjährige Debatten über alles, die über tausende von Buchseiten gewälzt wurden, und letzten Endes sogar Kriege auslösten.

Auch gab es bei der Reformation nicht weniger verwickelte politische Verbindungen. So hat etwa die Opposition zum Kaiser den sächsischen Fürsten dazu gebracht, Luther zu unterstützen, während dieser selbst zwar geistlich revolutionär war, aber politisch konservativ blieb, was es wohl erst möglich gemacht hat, dass er die Unterstützung so vieler Fürsten erhielt. Erst dies erlaubte es der lutherischen Reformation, sich zu behaupten, und erst deren Erfolge ermöglichten es politisch radikaleren protestantischen Bewegungen – den Zwinglianern in der Schweiz oder den Calvinisten in der Niederlande – sich durchzusetzen. Besonders radikale Bewegungen – wie die sektiererischen Wiedertäufer von Münster – scheiterten jedoch an ihrem eigenen Radikalismus.

In solchen Beobachtungen liegen eine große Menge an Fragen, die man stellen und beantworten sollte, wenn man darüber nachdenkt, ob Bitcoin und die Reformation vergleichbar sind. Wie ist das Zusammenspiel des Service-Monopolisten mit anderen Machtzentren? Wie wirkt Bitcoin auf es ein? Welche Legitimität erhält Bitcoin – und welche Splittergruppen gibt es? Könnte man den transparenten Bitcoin mit den Lutheranern vergleichen, aber den anonymen Monero mit den Calvinisten? Und ist die Bitcoin-Bewegung erst dabei, ihr Profil zu schärfen und zu radikalisieren? Welche Änderungen in der Denkweise leitet Bitcoin ein, zu welchen neuen Gesellschaftsmodellen kann die Kryptowährung führen? Und droht ein Krieg um Krypto, so wie es Kriege um die Reformation gab?

Solche Ideen findet man nicht im Bericht von Demeester. Dies ändert aber nichts daran, dass er ein spannender und tiefgründiger Essay ist, der viele Anregungen  vermittlet und auch eine, trotz der methodischen Schwächen plausible Vorhersage abgibt, was die künftigen Trends in der Bitcoin-Ökonomie sein werden.

Über Christoph Bergmann (1794 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

10 Kommentare zu Läutet Bitcoin eine neue Reformation ein?

  1. Ich frage mich immernoch, wie es möglich sein konnte, dass Drogendealer anfingen, Bitcoin anzuhnehmen, obwohl es am Anfang nichts weiteres als dieses merkwürdige Internet-Spielgeld war. Diese Drogendealer, die durch ihre Geschäfte höchstwahrscheinlich an Bitcoins Preisanstieg mitwirkten, mussten über große Reserven verfügt haben, um sich auf ein solches „Geld“ einzulassen, denn ein gewisses Risiko, Verlust durch Wertminderung der Bitcoins zu machen, war ja immerhin dabei. Zudem müssten diese Händler (und ihre Kunden) im Darknet ja auch zahlreich gewesen sein, damit sich ein Anstieg der Nachfrage nach Bitcoins bemerkbar gemacht hätte. Waren unter den Drogenhändlern im Darknet etwa so viele BTC-Enthusiasten?

    • Ich frage mich immernoch, wie es möglich sein konnte, dass Drogendealer anfingen, Bitcoin anzuhnehmen, obwohl es am Anfang nichts weiteres als dieses merkwürdige Internet-Spielgeld war.

      Naja, Mt.Gox hat seit 2010 als eine der ersten tatsächlichen Börsen neben Forenhandel etc. Bitcoin gehandelt und man hat auch damals einen Preis gefunden, vielleicht sogar weniger manipuliert als heute: https://www.buybitcoinworldwide.com/de/preis/
      Dieser dümpelte bei unter $1USD und kurz nach dem Start von Silk Road im Februar 2011, der erste Preisboom / -blase folgte kurz darauf im Juni 2011 bis $30USD.
      Die Händler hatten also durchaus eine Motivation, dort zu handeln und Mark Karpeles hatte wohl auch einen ziemlich guten Draht zu „Dread Pirate Roberts“, dem Betreiber.

      Zu Tuur’s Theorie benötigt man schon seeeeehr viel Phantasie und wie Christoph schreibt, sind in meinen Augen weder „Millenials“ noch Bitcoin an sich vergleichbar oder verantwortlich für eine Reformation / Revolution.

      Wenn, dann hat diese mit dem Internet und der allgegenwärtigen Digitalisierung und vielleicht sogar dezentralen Netzwerken ihren Anfang, mit dem Zugang zu Informationen für praktisch jeden weltweit. Das Internet / WWW hat sich z.B. viel schneller verbreitet als es leider Bitcoin tut. Die Vorläufer wie Arpanet und selbst Usenet kann man bei Bitcoin eher mit Hashcash und ähnlichen Projekten vergleichen, da sie für einen durchschnittlichen Menschen nicht nutzbar waren. Die ersten „richtigen“ Browser gab es ab ca. 1993, wenige Jahre später konnte sich jeder ins „Internet“ einloggen, damals gab es aber kaum Content, aber bereits um die Jahrtausendwende gab es etliche (auch dezentrale) Anwendungen, E-Mail, IRC für Chats, irgendwann ICQ, sogar mit Filesharing via Audiogalaxy, Napster, EDonkey, Direct Connect und irgendwann Torrent, die bereits damals den größten Teil des Internettraffics ausmachten. Ich persönlich hatte meinen ersten Internetzugang um 1996, genau müsste ich das an den Kontoauszügen meiner Eltern überprüfen, denn wir hatten dann auf einen Schlag dreistellige Telekomrechnungen. Damals gab es also binnen weniger Jahre wirklich breite Adoption des Internets und ich kann so eine Dynamik nach 10 Jahren Bitcoin oder anderer Kryptowährungen danach leider bisher nicht erkennen… Das Internet war zwar auch noch nicht in jedem Haus, aber praktisch jeder kannte bereits vor 2000 etliche Leute, die Zugang hatten. Mit Bitcoin sieht das selbst nach 10 Jahren deutlich schlechter aus, wenn man zufällige Menschen danach fragt…

      Vielleicht hat er auch all diese Entwicklungen verpasst, aber letztendlich baut Bitcoin auf vielen dieser Technologien auf, vielleicht war sein Zugang zur Tech Szene tatsächlich erst Bitcoin, aber leider ist er auch darauf versessen hängen geblieben… Ethereum lehnt er komplett ab, Litecoin findet er jedoch gut (worin ich persönlich maximal ein Testnet Bitcoins sehe), bisher war er eigentlich auch positiv zu Monero, aber bei der Ankündigung von RandomX hat er „RIP“ gepostet, was ziemlich einfach gestrickt / binär auf mich wirkt, denn gerade das ist der ursprünglichen Spieltheorie 1 CPU = 1 Vote am nächsten. Freilich muss sich das noch beweisen… Wahrscheinlich hat er sich aber nicht mit den Details auseinandergesetzt, sondern dachte „schon wieder ein PoW Fork“, welche tatsächlich auf Dauer nicht haltbar gewesen wären, aber kurzfristig notwendig waren, denn hätte man ASICs auf breiter Schiene übernehmen lassen und viele Miner wären davon betroffen, wäre ein Fork davon wahrscheinlich mit mehr Drama verbunden gewesen. Auch Andreas Antonopoulos hatte im Interview vor zwei Wochen keine Ahnung, was RandomX ist…

      Ich persönlich sehe die ursprüngliche Agenda Ethereums, der Weltcomputer zu werden, einen der ersten ICOs etc. auch kritisch, aber das Ökosystem um das Projekt ist beachtlich und ich schätze die Entwicklungen und Überlegungen, die gemacht werden. ProgPOW hat einen ähnlichen Ansatz gegen ASIC-Dominanz wie RandomX und Ethash hat sich diesbezüglich bisher auch besser gehalten als Cryptonight, da es vor allem auf großen Ram gesetzt hat, welcher teuer ist und heutige ASICs sind afaik in der Effizienz gerade mal bei Faktor 2-4.

      Auch die Entwicklung um zk-Snarks bei Zcash hat sehr viel Forschungsarbeit beigetragen und zk-Starks davon „abgeleitet“, die ohne „Trusted Setup“ auskommen. Beide sind (trotz Sapling bei Zcash) noch sehr ineffizient und als Währung kaum nutzbar, aber es gibt Anwendungen wie notarielle Akte, die durchaus damit abbildbar wären, denn dort benötigt es keine Tausende Transaktionen pro Sekunde. Die Einträge wären immutabel, aber selektiv nachweisbar, was bei Testamenten und vielen anderen Daten wie Krankenakten von Vorteil sein könnte. Dafür sind zk-Snarks, zk-Starks oder vielleicht ein anderer Zero Knowledge Proof z.B. aufbauend auf Confidential Transactions besser geeignet als Ring Transactions, die im Vergleich dazu (noch) kein adäquates Anonymitäts-Set bieten können.

      Dazu kommen Entwicklungen wie Grins Implementierung von MimbleWimble und das noch interessantere Experiment einer von Anfang an linearen Emission, ohne jegliches Capping. Dort sehe ich als den größten Einschnitt die erforderliche Interaktivität von Sender und Empfänger, aber das ist beim Lightning Network ja nicht anders und ich halte das MimbleWimble Protokoll persönlich für vielversprechender.

      Auch z.B. Governane wie bei Decred ist spannend, habe mich aber (noch) nicht eingehend damit beschäftigt…

      Und sogar IOTA und Nano sind spannende Experimente, die ich vielleicht (noch?) sehr kritisch sehe, aber auch eine Sackgasse aufzuzeigen ist am Ende Forschungsarbeit und man weiß, wie man es nicht machen soll, vielleicht findet man aber einen Weg heraus, was beide tatsächlich irgendwie versuchen. Bei IOTA gibt es zwischen den hunderten Announcements von neuen Foundation Mitgliedern mittlerweile auch ein paar kluge Köpfe, die z.B. Coordicide als Alternative zum zentralen Coordinator entwickelt haben. Freilich muss sich auch das beweisen, aber es ist immerhin ein Ansatz.

      Zuletzt auch BCH / BSV, die jeweils um die bessere Skalierbarkeit Bitcoins selbst ringen, mit ganz eigenen Ansätzen, sind gut für das Ökosystem, denn man muss sich in einer Open Source Welt damit abfinden, dass jeder Code wiederverwenden kann/darf/soll. Z.B. der Fork von LibreOffice weg von OpenOffice hat bei beiden Projekten zu mehr Entwicklung und einer Art Rennen geführt. Alle Coins, die nicht alles Open Source haben, sind für mich nichts wert, da kann ich bei Banken / Paypal bleiben und da bin ich auch (Maxi-/Extre-)mist.

      Fazit: Tuur hat teilweise interessante Ansätze, aber er ist zu verstrickt in eine Richtung und dazu wahrscheinlich noch sehr „Investment-getrieben“, was dies meist noch verschärft. Nach 10 Jahren Bitcoin kann man definitiv sagen, wir haben das Whitepaper in der Analogie zu Luthers Bibelübersetzung noch nicht final interpretiert bzw. fortgeschrieben, sonst wären wir bereits weiter. Lösungsansätze und Experimente von allen Seiten zu ignorieren ist ignorant und alles andere als die Reformation es wohl war.

      • Paul Janowitz // 12. Dezember 2019 um 2:31 //

        Was ich eigentlich in meinem langen Post noch vermitteln wollte ist, dass die Forschungsarbeit lange nicht mehr bei Bitcoin getätigt wird. Blockstream hat die besten noch verfügbaren Developer an sich gerissen und seinen proprietären Liquid Shitcoin entwickelt, an dem sich auch weiterarbeiten, bei Bitcoin passiert seit Monaten (Jahren?) nichts mehr: https://github.com/bitcoin/bips

        Dabei sind so viele Fragen ungeklärt, einige davon:
        – Wie soll sich ein Fee Markt entwickeln, wenn Coinbase Rewards gegen Null streben? Für die aktuelle Sicherheit in Form von Hashrate/Strom ca. $50USD pro Transaktion. Vorausgesetzt, die Blöcke bleiben relativ voll wie aktuell, das Netzwerk muss also 300.000 Transaktionen pro Tag zu je $50 haben.
        – (verbunden mit Punkt 1) Will man tatsächlich am Block size Limit festhalten und zusätzlich an der Emissionskurve mit maximal 21 Millionen? Siehe Punkt 1.
        – Warum ist in oben verlinkter Liste die BIP von Peter Todd zu Stealth Adresses nicht mehr verlinkt und wurde nie umgesetzt?
        – Warum hat Greg Maxwell Confidential Transactions nie als BIP eingebracht, obwohl er ein „Paper“ dazu veröffentlicht hat? https://people.xiph.org/~greg/confidential_values.txt
        – Wie löst man das Problem von Tainted Coins, die man als Merchant z.B. direkt von einem Darknet Market bekommt? Man weiß davon nichts und wird wahrscheinlich kaum Chainanalyse Services in Anspruch nehmen… Drohen dann Hausdurchsuchungen wie bei fungierten Überweisungen?

        Alleine die letzten drei Fragen (oder bereits Antworten) hätten Bitcoins Privatsphäre vieeeeel weiter verbessert, ohne die Transaktionsgröße großartig zu vergrößern als irgendwelche CoinJoin Konstrukte mit dubiosen Partnern. Letzeres mit Confidential Transactions hat sich Greg wohl für sein Liquid aufgehoben und dort tatsächlich umgesetzt.

        Eigentlich sind alle fünf oben genannten Fragen in meinen Augen potenziell tödlich für Bitcoin, das ist keine Reformation / Revolution, sondern das mühselige Krabbeln aus einem Sumpf in den nächsten. Dies mit Luther und den durch ihn initiierten Veränderungen der Gesellschaft zu vergleichen ist absurd.

      • Hehe. Das aktuellste BIP ist von September. Das geht ja noch.

        Du hast bei deiner ersten Frage etwas vergessen: Wie soll das gehen, wenn Lightning auf der einen und Liquid auf der anderen Seite den Minern die Transaktionsgebühren wegfressen?

        Zu Stealth Addresses und Confidential Transactions: Zumindest das zweite ist eine deutliche Änderung von Bitcoin. Ich denke nicht, dass es für Bitcoin sinnvoll ist, mehr Anonymität ins Protokoll zu schreiben. Das wäre eine massive Änderung, nicht nur des Codes, sondern auch der regulatorischen Eigenschaften. CT machen es zudem schwieriger, die Menge an Coins in Umlauf zu verifizieren – bzw., wenn es einen Bug gibt, das eventuell unmöglich nachvollziehbar – was bei Monero kein soo großes Problem sein mag, aber bei Bitcoin, wo sich alles um die Verifizierung von Knappheit dreht, schon.

        Tainted Coins: Ich nehme sehr stark an, dass man als Händler in einem solchen fall der Polizei lediglich demonstrieren muss, dass man die Coins durch den Handel erworben hat. Wenn ich an meinen Buchshop denke – ich würde ihr die Transaktion zeigen sowie meinen Datenbankeintrag und, falls vorhanden, Daten zum Käufer.

      • Paul Janowitz // 12. Dezember 2019 um 10:54 //

        Du hast bei deiner ersten Frage etwas vergessen: Wie soll das gehen, wenn Lightning auf der einen und Liquid auf der anderen Seite den Minern die Transaktionsgebühren wegfressen?

        Genau das ist ja der Punkt, einerseits will man OffChain gehen, aber vergisst, dass dieses auf der OnChain Sicherheit basiert, die aufrecht erhalten werden muss. Und mögliche Preissteigerungen ändern daran nichts, ob es 0,01 BTC an Gebühren sind oder 0,001 BTC weil der Fiat Preis sich verzehnfacht hat, brauchen die Miner Fiat für Hardware und Elektrizität und das zählt am Ende. Wenn LN wirklich abheben sollte und Millionen Channels handhaben könnte, keiner mehr OnChain braucht, weil sich Channels tatsächlich gegenseitig durch Routing ausbalancieren, dann braucht Bitcoin trotzdem die Fees aus OnChain Transaktionen, um überhaupt gemined zu werden.

        Zu Stealth Adressen braucht es keine Hard Fork, sie wären 100% kompatibel mit dem aktuellen Protokoll, CT bräuchte in der Tat eine, die ich aber aus oben genannten Gründen ohnehin unausweichbar sehe, falls Bitcoin die nächsten zwei, drei Halvings überleben will und der Preis nicht gerade mindestens x6 geht und der Coinbase Reward diese damit ausgleicht. Aber auch dann ist das eben ziemlich kurzsichtig, eher wird sich ein „Fee Market“ auf BCH und BSV etablieren, weil die Miner jeweils individuell entscheiden, welche minimale Fee sie überhaupt noch akzeptieren. Wenn es dann z.B. einen Pool mit 10% der HR gibt, der nahe Zero-Fee akzeptiert, die anderen nicht, dann brauchen diese tx eben 10 Mal so lange für eine Bestätigung. Gibt es keinen Pool, der das macht, dann muss man eben ein akzeptables Fee Level finden…

      • Ja, das ist schon etwas absurd. Lightning soll kleine Zahlungen machen, Liquid die Überweisungen von Börsen zu Börsen, und man kann Lightning ja auch mit Liquid aufladen. Ich finde es ja gut, dass onchain Transaktionen derzeit wieder günstig sind, wenn man etwas Zeit hat, tun es 2-3 Cent normalerweise. Aber wie so ein sinnvoller Gebührenmarkt entstehen soll, ist mir ein Rätsel.

        Und selbst wenn einer entsteht – wenn eine onchain Transaktion mal 50 Dollar kostet – dann schlägt das ja wieder auf Lightning durch. Die großen LN hubs müssen ja ihre Liquidität balancieren, was bedeutet, sie müssen onchain überweisen, und das müssen sie wieder durch Lightning-Gebühren einspielen.

        Mit den Stealth Adressen hast du recht. Die könnte man ohne hardfork machen. Aber sie sind im Endeffekt auch nicht anders, als wenn man einfach eine neue Adresse für jede Transaktion generiert. Für Stealth-Adressen müssen Sender und Empfänger irgendwie miteinander kommunizieren, so wie ich es verstehe, und für neue Adressen je Transaktion braucht man einen xpub-key und eine Datenbank, die mitzählt. Das schenkt sich nicht so viel.

      • Paul Janowitz // 12. Dezember 2019 um 10:56 //

        Zu schnell getippt. Bei zwei Halvings benötigen wir x4 und bei drei x8. Fees machen ja kaum etwas aus im Mining Reward…

      • Paul Janowitz // 12. Dezember 2019 um 12:13 //

        Mit den Stealth Adressen hast du recht. Die könnte man ohne hardfork machen. Aber sie sind im Endeffekt auch nicht anders, als wenn man einfach eine neue Adresse für jede Transaktion generiert. Für Stealth-Adressen müssen Sender und Empfänger irgendwie miteinander kommunizieren, so wie ich es verstehe, und für neue Adressen je Transaktion braucht man einen xpub-key und eine Datenbank, die mitzählt. Das schenkt sich nicht so viel.

        Nene, das verstehst Du falsch.

        Stealth Adressen sind nicht deterministisch wie HD-Adressen in Bitcoin oder Subadressen von Monero, sondern werden vom Sender einseitig aus der Public Adresse / Public Key und einer (langen) Zufallszahl erstellt. Nur Du mit zugehörigem privaten Key kannst erkennen, dass sie für Dich bestimmt ist (ähnlich GPG/PGP) und alleine das würde schon öffentliche Block Explorer / Chainanalysen vor ziemliche Probleme stellen. Im Falle Moneros gab es sogar einen „Bug“ diesbezüglich, denn aufgrund des Designs ist das Key Image (UTXO) an die Stealth Adresse gebunden und falls eine Stealth Adresse mehrfach genutzt würde, könnte man nur einen der Outputs nutzen, die restlichen wären verbrannt. Wurde mittlerweile gefixt und eine Wiederverwertung der selben Stealth Adresse wird vom Netzwerk nicht angenommen. Bei Bitcoins Design wäre das meiner Meinung kein Problem, aber bin mir nicht 100% sicher (obwohl es auch nicht gewollt sein sollte, wenn man schon Stealth Adressen einführt).

        Der Clou an Stealth Adressen ist, dass man eine einzige Adresse veröffentlichen kann, z.B. für Spenden, aber jede Zahlung an diese ist auf der Blockchain nicht verbunden. Auch wenn Du die gleiche Auszahlungsadresse auf zwei Börsen nutzt, kann keine der beiden diese auf der Blockchain verbinden, denn die wahre Adresse landet nicht auf der Blockchain, sondern für jede Einzahlung eine neue einzigartige nur von Dir selbst zuordenbare, nicht durch den Public Key / Adresse. Dir bleibt es weiter frei, HD-Adressen für verschiedene Zwecke zu erstellen um die Börse nicht wissen zu lassen, dass Du die gleiche Adresse für Spenden auf einer Website nutzt und auch für Auszahlungen von der Börse…

  2. Auch wenn die Misstände der damaligen Kirche der Ausgangspunkt der Reformationsbestrebungen waren so muss man doch sehen dass im Verlauf der Geschichte sehr schnell machtpolitische Aspekte bei der Durchsetzung in den Vordergrund traten und Religionen in der Regel mit dem Schwert durchgesetzt werden. Da dieser Aspekt bei Bitcoin fehlt befürchte ich dass es wohl nie einen so durchschlagenden Erfolg haben wird.

  3. Der Anfang des Artikels reizt in folgender Darstellung zu Widerspruch und Konkretisierung. Ich bin kein Religionshistoriker, aber es gab eben nicht nur Calvin, doch der Reihe nach:

    *In einem neuen Bericht vergleicht er Bitcoin mit der Reformation, jenem welthistorischen Großereignis im frühen 16. Jahrhundert, das den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit markiert und mentalhistorisch zur Grundlage des modernen Kapitalismus wurde.“

    Das ist sehr verkürzt dargestellt und wird damit meines Wissens den verschiedenen Reformatoren nicht gerecht. Martin Luther selbst war noch auf dem Totenbett der Überzeugung nicht zu wissen ob seine Werke Gnade vor dem Schöpfer gefunden hatte. Polemisch möchte einflechten, er wird gewusst haben warum, seine Predigten in den Bauernkriegen waren jedenfalls nicht auf Seiten der Armen und entrechteten, sondern auf der der Fürsten. So konnte sich seine Doktrin eben durchsetzen.

    Einzig Calvin war anders, zwar pflichtete er Luther bei, dass der Gnadenakt Gottes nicht beeinflussbar wäre, aber er gab einen Prüfstein an die Hand, wie man den Ratschluss Gottes seinerseits erraten könne: Wenn Glück, Wohlfahrt und Reichtum die eigenen Werke Kröne, so zeige dies einem Gottes Gnade. Da Calvin die Reformation in die Niederlande brachte und reformierten damals noch Engländer als Gründerväter der Vereinigten Staaten beflügelte, machte er den Calvinismus zur bigotten mentalhistorischen Grundlage des modernen Kapitalismus US Amerikanischer Prägung.

    Wie gesagt, Luther kannte seine Sünden, ob er sie bereut hat wissen wir nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s