Bitcoin Cash wird Entwickler-Steuer einführen

Rostige Krone. Bild von lethbridge1978 via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die großen chinesischen Bitcoin-Cash-Miner haben angekündigt, in Zukunft 12,5 Prozent der Mining-Erträge an ein Unternehmen in Hongkong abzuführen, das diese an die Entwickler verteilt. Um diese Abgabe durchzusetzen, werden sie die Blöcke der Miner, die sich ihr verweigern, blockieren.

Die Finanzierung der Infrastruktur-Entwickler ist bei Bitcoin Cash ein schwieriges Thema. ABC-Leitentwickler Amaury Sechet klagt schon lange, das sein Team an einem Mangel an  Einnahmen leidet. Nachdem ein Spendenaufruf durch Roger Vers Bitcoin.com nicht genügend Gelder zusammenbrachte – oder aus anderen, komplizierten Gründen – scheiterte, sah sich Roger erst vor kurzem genötigt, offenzulegen, wie seine Firma die Protokoll-Entwicklung mit finanziert, was ihm aber vor allem weitere Vorwürfe einbrachte.

Amaury hat immer wieder, direkt oder indirekt, damit gedroht, sich wieder auf einen echten, gutbezahlten Job zu bewerben, oder, noch schlimmer, den „Blockstream-Takeover“ zu machen: Geld von externen Investoren einzuholen und die Protokoll-Entwicklung privaten Geschäftsinteressen zu unterwerfen (im Falle von Blockstream sind dies, so die Story, die Sidechains). Nun reagieren offenbar die chinesischen Miner auf diese Drohungen. Sie legen einen Plan vor, der, um es vorsichtig auszudrücken, extrem kontrovers ist – und der auch als Ansage zu verstehen ist.

Der Weg aus der Tragödie des Gemeinwesens

Jiang Zhuoer, CEO von BTC.TOP beschreibt den Plan in einem Blogpost. Zhour führt mit BTC.TOP den vermutlich entschiedensten Pro-BCH-Pool. Er hat in der vergangenen Woche mehr als 10 Prozent aller Bitcoin Cash (BCH) gemined und ist mit 2,75 Prozent der Hashrate auch bei Bitcoin (BTC) nicht ganz unbedeutend. Das notwendige Gewicht erhält sein Vorschlag aber durch die Partner, die das Post mit Unterschreiben: Antpool, btc.com, Bitcoin.com und ViaBTC.

Zhuoer ist sich bewusst, dass eine Mining-Abgabe ein kontroverses Thema ist. Aber was ist die Alternative? Die „gegenwärtigen Mechanismen durch unternehmerische Spenden“ verursachen große Probleme. So üben die Unternehmen einen „unangemessenen Einfluss auf die Entwickler“ aus. Zhuor verweist auf Blockstream, das „die BTC-Entwicklung zentralisiert hat und so den Anstieg der BTC Blocksize gemäß dem Plan von Satoshi verhinderte.“ Dass Zhour mit Unterstützung einiger der möchtigsten BTC-Miner etwas postet, was in der breiten Szene als „Verschwörungstheorie“ abgetan wird, ist wichtig, um den vollen politischen Kontext zu verstehen.

Darüberhinaus löst die Finanzierung durch Unternehmen eine „klassische Tragödie des Gemeinwesens“ aus: Nur einige Unternehmen spenden tatsächlich, während die anderen zu Trittbrettfahrern werden. Daher sei es, trotz aller Kontroverse, „eine ohne Zweifel sehr viel bessere Lösung, wenn die Miner einen Teil des Coinbase-Rewards an die Entwickler weiterleiten.“ Wenn die Entwickler über „adäquate“ Geldmittel verfügten, würde dies die Entwicklung beschleunigen, „und die Roadmap schnell verwirklichen, wie etwa das Avalanche-Projekt“.

Wie man eine Entwickler-Abgabe durchsetzt

Daher bereiten sich, kündigt Zhuor an, die BCH-Mining-Pools BTC.TOP, Antpool, BTC.com, ViaBTC und Bitcoin.com darauf vor, einen sechsmonatigen Spendenplan auszuführen. Dieser Plan soll „den BCH-Entwicklern ausreichend Geld verschaffen, um die Entwicklung zu beschleunigen, bevor wir 2020-21/22 in den Bullenmarkt kommen.“ Er wünscht sich, „dass sich BCH in Zukunft besser macht, und dass das BCH/BTC-Preisverhältnis von derzeit 4% auf 10%, 20%, 30% oder noch mehr steigt.“

Die Miner werden über einen Zeitraum von sechs Monaten 12,5 Prozent der Blockrewards für die „Infrastruktur-Entwicklung“ abgeben. Die Abgabe soll nach dem nächsten „Protokoll-Upgrade“ – sprich: der Hardfork – aktiviert werden. Diese findet am 15. Mai 2020 statt. Der Zeitpunkt und die Dauer des Projekts sind nicht zufällig gewählt; in ihm äußert sich auch ein Misstrauen gegen die ABC-Entwickler, da so verhindert wird, dass diese die Abgabe durch ein Protokoll-Update in den Code schreiben.

Derzeit würde die Entwickler-Steuer knapp 40.000 Euro je Woche einbringen. Da sich der Blockreward von Bitcoin Cash Anfang Mai jedoch halbiert, werden es nur 20.000 Euro je Woche sein (bei derzeitigen Preisen). Diese Gelder werden an eine Firma in Hongkong fließen und „benutzt, um Entwickler der Full Node Implementierungen sowie weitere kritische Infrastrukturleistungen zu bezahlen.“

Um sicherzustellen, dass alle Miner die Abgabe bezahlen, werden die beteiligten Pools alle Blöcke verwaisen, die diese nicht enthalten. Ein verwaister Block („Orphan“) ist ein Block, der zwar korrekt erzeugt und an die Blockchain angehängt wurde, aber von einem anderen – in der Regel etwa zeitgleichen – Block verdrängt wird, dem es gelingt, mehr Hashrate nach ihm anzusammeln.

Mit „allen Minern“ meint Zhuor übrigens nicht nur die Bitcoin-Cash-Miner. Er meint alle SHA256-Miner. Und damit wären wir bei dem Teil, der den Plan der chinesischen Miner so spannend macht.

Eine Steuer für ALLE

Wenn man über die Steuer für Miner – um nichts anderes handelt es sich – nachdenkt, scheint es auf den ersten Blick so, dass Bitcoin Cash einfach nur 12,5 Prozent seiner Hashrate verlieren wird. Aber, so Zhour, „nach der Anpassung der Schwierigkeit auf BTC ist es eine vollkommen andere Story.“ Er erklärt dies durch einige grobe Zahlen:

Wenn 97% der Hashrate an BTC gehe und 3% an BCH, und die BCH-Miner 12,5% der Belohnung abgeben, sinkt ihr Anteil auf etwa 2,6% und der von BTC steigt auf 97,4%. Dies hat zur Folge, dass die Schwierigkeit des Minings von BTC ansteigt und das Mining dort weniger profitabel wird. Insgesamt sind es laut Zhuor 0,375 Prozent der gesamten SHA-256-Erträge, die aus dem System verschwinden und an die Bitcoin-Cash-Entwickler fließen.

Info
Die Schwierigkeit des Minings passt sich bei BTC alle 2016 Blocks so an, dass im Durchschnitt alle zehn Minuten ein Block gefunden wird. Bei Bitcoin Cash und auch Bitcoin SV wird die Schwierigkeit dagegen fortlaufend – alle sechs Blöcke – angepasst, um zu verhindern, dass die Blockchain unter massiven Schwankungen der Block-Produktion leidet. Dies hat den Effekt, dass es für einen Miner rational ist, seine Hashrate je nach Preis und Schwierigkeit auf die drei Blockchains zu verteilen und die Verhältnisse immer wieder neu anzupassen. Daher fluktuiert die Hashrate gewöhnlich in einem Verhältnis, das die Preisbeziehungen zwischen BTC, BCH und BSV abbildet.

Ist das nicht perfide? Die im Abkommen beteiligten Miner haben in der letzten Woche knapp 35 Prozent der Bitcoin-Mining-Hashrate gestellt. Das sind etwa 352 Blöcke oder knapp 35 Millionen Euro an Erträgen. Während Bitcoin (BTC) weiterhin ihre mit himmelweitem Abstand wichtigste Einnahmequelle ist, stehen sie den Bitcoin-Entwicklern offen feindselig gegenüber und wünschen sich, dass Bitcoin Cash einmal Bitcoin überholen wird. Daher nutzen sie die (komplexen) Mechaniken der Hash-Rate-Oszillation zwischen BTC, BCH und BSV, um ALLEN Minern eine kleine Abgabe aufzudrücken, die nach ihrer Verfügung an die Bitcoin-Cash-Entwickler abgegeben wird.

Wenn jemand also in Zukunft BTC mined, wird er einen kleinen Anteil daran – eben 0,375 Prozent – an einen Bitcoin-Cash Fund abgeben. Die chinesischen Miner besteuern also alle Miner.

Die Büchse der Pandora öffnen

Alle Blocks verwaisen zu lassen, die die Steuer nicht bezahlen, klingt verwegen. Es ist, als würde man eine Büchse der Pandora öffnen, aus der Dutzende technische und politische Probleme entströmen.

Beginnen wir damit, dass ein Miner das für einen Double-Spend ausnutzen kann: Er schreibt eine Transaktion in einen Block und veröffentlicht diesen ohne die Entwickler-Abgabe. Die Transaktion wird eine Bestätigung erhalten – um danach wieder zu verschwinden. Natürlich gibt es auch unter normalen Umständen verwaiste Blöcke, bei Bitcoin (BTC) nur sehr selten, bei Bitcoin SV (BSV) gelegentlich durch einen Stresstest. Solche verwaisten Blöcke entstehen aber durch Zufall und sind schwer oder gar nicht planbar. Für Bitcoin Cash führen die chinesischen Pools nun einen Mechanismus ein, der es erlaubt, einen Block gezielt verwaisen zu lassen. Die Kosten dafür sind relativ gering: Ein Block wird nach dem Halfing und abzüglich der Entwickler-Abgabe 5,6875 BCH einbringen, was nach derzeitigen Kursen gerade mal 1.700 Euro sind.

Es ist aber noch schlimmer. Ein Miner, der Bitcoin Cash feindlich gegenübersteht, sagen wir, Blockstream oder CoinGeek, könnte versuchen, eine Steuerverweigerung durchzuziehen, indem er seine Chain mit einem Block, der keine Abgabe enthält, weiter mit Hashrate versorgt. Sollte er damit durchkommen, würde er unter Umständen und je nach Einsatz 12,5 Prozent mehr verdienen als mit den anderen Mining-Optionen für seine SHA-256-Asics. Je länger ein solches Ringen andauert, desto heikler wird es für die Bitcoin-Cash-Miner, die Blöcke zu verwaisen; sollte es dazu kommen, dass die Blockchain über 4 oder 5 oder 6 Blöcke reorganisiert wird, könnte dies zu viel Verwirrung im Ökosystem führen.

Zudem zeigt sich hier ein Problem mit den ChainLocks, die Bitcoin Cash anlässlich des „Hashwars“ eingeführt hat. Sobald ein Block zehn Blöcke „alt“ wird, wird er von den Knoten im Netzwerk finalisiert und als nicht mehr änderbar angenommen. Das Verfahren ähnelt den ChainLocks bei Dash. Es verhindert eine Reorganisierung der Blockchain über mehr als 10 Blöcke. Ein Angreifer, der vorübergehend mehr als 51 Prozent der Bitcoin-Cash-Hashrate zur Verfügung hat – unter derzeitigen Kursen wären das etwa 1,8 Prozent der BTC-Hashrate – könnte im Geheimen eine Blockchain schreiben, die keine Steuern bezahlt, und diese dann veröffentlichen, um einige Blöcke der anderen Miner zu invalidieren. Dies würde seine Einnahmen steigern, Bitcoin Cash destabilisieren und reiche Gelegenheiten für Double Spends abgeben. Die laufenden Kosten, um zehn Blöcke zu erzeugen, würden bei nicht einmal 50.000 Dollar liegen.

Sollte es vorkommen, dass sich die SHA-256-Hashrate nach dem nächsten Halving kannibalisiert, weil die Preise nicht ausreichend steigen, um den Verlust des Rewards auszugleichen, dürfte Bitcoin Cash mit dieser Konfiguration das naheliegendste Opfer sein.

Chinesische Miner demonstrieren ihre Macht

Die beteiligten Mining-Pools müssen sich also ziemlich sicher sein, dass sie die Abgabe durchdrücken können, indem sie sicher und rasch subversive Miner ausschalten. Womit wir bei der politischen Brisanz des Themas wären: Die Pools agieren aus einer Position der Stärke heraus – nicht nur im Bitcoin-Cash-System, sondern im gesamten Bitcoin-Mining.

Info

Es ist interessant, sich vor diesem Hintergrund die Verteilung der gesamten SHA-256-Hashrate anzuschauen. Die gesamte Hashrate fließt derzeit zu 94,8 Prozent an BTC und zu je 2,6 an BCH und BSV.

Bei Bitcon (BCT) stellen die im Abkommen beteiligten Pro-BCH-Miner etwa 35 Prozent der Hashrate, bei BCH stellen sie rund 33 Prozent und bei BSV gut 11 Prozent. Sie leisten etwa 34,3 Prozent der gesamten SHA256-Hashrate.

BTC-Hashrate-Verteilung der letzten 7 Tage nach coin.dance.

Der mächtigste BTC-Miner ist F2Pool mit 17,5 Prozent. Er ist zwar nicht direkt BTC verpflichtet, nutzt seine SHA256-Hashpower aber ausschließlich für BTC. Dasselbe trifft auf Slush zu, den Pool aus Tschechien, der 4,58 Prozent der BTC-Hashrate bündelt, sowie auf Canoe (4,12%), Bytepool (4,03%), Bitfury (2,75%) und NovaBlock (1,47%). Die reinen BTC-Pools – von denen man annehmen darf, dass sie eine Steuer für Bitcoin-Cash-Entwickler nicht besonders toll finden – bringen knapp 33 Prozent der gesamten SHA256-Hashrate auf.

Ferner gibt es eine Gruppe von neutralen Pools, die nicht am Abkommen beteiligt sind und auch keine eindeutige Position beziehen, aber ihre Hashrate auf die verschiedenen Bitcoin-Blockchains verteilen: Poolin (16,7% BTC, 4,9% BCH, 5,3% BSV), Huobi (4,8% BTC, 4,8% BCH) sowie ProHashing (0,02% BTC, 0,3% BCH, 1,2% BSV). Diese Miner stellen zusammen etwa 21 Prozent der gesamten SHA-Hashrate.

Die vierte Gruppe hat eine mehr oder weniger eindeutige Präferenz pro Bitcoin SV. Zu ihr gehören OKEx (5,89% BTC, 1,6% BCH, 1,2% BSV), TAAL (1,14% BTC, 3,7% BCH, 12,1% BSV), CoinGeek (0,2% BTC, 9,8% BSV), MemPool / Nour (0,13% BTC, 6,2% BSV), SVPool (0,05% BTC, 2,4% BSV), sowie einige kleinere Pools (ca. 0,05% BTC, 2% BSV). Diese Pools zusammen haben etwa 8 Prozent der gesamten SHA-Hashrate.

Zu den bekannten Pools kommen noch die unbekannten Miner. Bei BTC machen sie 4,3 Prozent aus, bei BCH 49,9 Prozent, und bei BSV 46,8. Diese Unbekannte macht etwa 6,6 Prozent der globalen SHA-Hashrate aus. Es ist schwer zu sagen, wo sie sich positionieren und ob es sich um Miner handlet, die aus Imagegründen unbekannt bleiben wollen oder um Miner, die womöglich einen Angriff im Sinn haben.

Die Miner demonstrieren damit, dass sie in der Lage sind, einer Blockchain wie Bitcoin Cash ihre Regeln aufzudrücken und diese Regeln auch gegen den Widerstand des Marktes durchsetzen können. Würden sie das nicht schaffen, würde der Markt die Regeln nicht beachten, weil sie die Gewinne schmälern – so, wie vermutlich kaum jemand Steuern bezahlen würde, wenn sie nicht verpflichtend wäre. Damit nehmen die Miner eine Funktion der Regierung ein: Sie bestimmen aus eigenem Ermessen, welche Auflagen das Mining trägt, und sorgen dafür, dass jeder Miner sich ihnen unterwirft.

Wenn die Mining-Pools in der Lage sind, eine Steuer einzuziehen – dann sind sie in der Lage, beinah jede beliebige Regel durchzusetzen. Sie könnten bestimmte Transaktionen auf eine Blacklist setzen und jeden Block, der sie enthält, verwaisen lassen. Sie würden Bitcoin Cash damit effektiv zensieren. Sie könnten auch KYC-Regeln durchsetzen, dass beispielsweise nur die Transaktionen in die Blockchain kommen, die von einer Bank oder einer Regierung bestätigt werden.

Die Miner exerzieren damit also eine Kontrolle über eine Blockchain. Sie führen eine Regel ein, die zwar nicht Teil des Konsens-Protokolls ist, aber dieselbe Kraft hat. Ohne allzu weit in Verschwörungstheorien abzugleiten, könnte man mutmaßen, dass dies eine Funktion ist, die bei der chinesischen Regierung – von deren Wohlwollen die chinesischen Miner abhängig sind – gut ankommen kann. Eventuell wird hier ein Modell demonstriert. Was bei Bitcoin Cash funktioniert, könnte auch bei Bitcoin SV funktionieren, und, wer weiß, vielleicht auch langfristig einmal bei Bitcoin (BTC) selbst.

Über Christoph Bergmann (1844 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

26 Kommentare zu Bitcoin Cash wird Entwickler-Steuer einführen

  1. Paul Janowitz // 23. Januar 2020 um 16:11 // Antworten

    Eine Steuer ist imo der falsche Weg und führt abseits jeglicher Motivation zu einer Selbstbedienungsmentalität, man hat dies bei Zcash gesehen und dort wird es wieder zum Problem, weil man 20% über vier Jahre genommen hat, wobei 10% des gesamten Supplies angestrebt waren, aber man hat die 20% mehr oder weniger bereits in den ersten vier Jahren verballert und wenn die Steuer wie geplant nach vier Jahren auf 0% gesenkt werden sollte, muss die Company hinter Zcash Insolvenz anmelden.

    Dass es anders geht, zeigt mal wieder Monero seit Jahren mit dem Forum Funding System, mittlerweile durch das Community Crowdfunding abgelöst: https://ccs.getmonero.org/
    Auch das ist nicht perfekt, denn der Faktor Mensch spielt weiterhin eine Rolle und einzelne Projekte scheitern daran. Aber jedes Projekt muss vorgestellt werden, Milestones werden definiert, es wird einer Diskussion unterzogen und wird erst danach zum Funding freigegeben, welches nicht immer klappt weil die Community es nicht als wichtig genug erachtet.
    Nicht erfolgreiche Projekte wären z.B.:
    – Kovri – https://forum.getmonero.org/9/work-in-progress/86967/anonimal-s-kovri-full-time-development-funding-thread
    – Kastelo (Monero Hardware Wallet) – https://forum.getmonero.org/9/work-in-progress/90126/advancing-monero-hardware-wallet
    Ersteres ist daran gescheitert, dass der Entwickler sich immer weiter vom ursprünglichen Ziel entfernt hat und irgendwann TOR und I2P neu entwickeln wollte, was absurd war. Letzteres ist noch in Arbeit, aber ich gehe mittlerweile in einer optimistischen Version davon aus, dass wir noch mindestens zwei Jahre darauf warten müssen.
    Dagegen finanziert die Community seit Jahren monatlich / quartalsweise den Hauptentwickler moneromooo, zwei Vollzeit Wissenschaftler vom Monero Research Lab und „on Top“ wurden etliche gezielte Fundings für einzelne Projekte durchgeführt, unter Anderem die Audits von Bulletproof Signaturen und auch dem neuen ASIC-resistenten Algo RandomX welche jeweils 6-stellig gekostet haben.
    mooo’s erstes Funding war vor vier Jahren: https://forum.getmonero.org/22/completed-tasks/334/fund-a-developer-moneromoo-will-work-part-time-on-monero-for-260-hours-over-approx-6-months
    Das Schlüsselelement ist aber eine gesunde Community, die es bei den meisten Steuer-finanzierten Projekten eben nicht gibt. Bei Zcash nicht und bei BCH genauso wenig. Dann sind auch Projekte möglich, die nur entfernt mit dem eigentlichen Projekt zu tun haben wie z.B.: https://repo.getmonero.org/monero-project/ccs-proposals/merge_requests/115 (dort sieht man übrigens eine interessante Diskussion wie ein Funding überhaupt entstehen kann).

    Die Büchse der Pandora öffnen
    Alle Blocks verwaisen zu lassen, die die Steuer nicht bezahlen, klingt verwegen. Es ist, als würde man eine Büchse der Pandora öffnen, aus der Dutzende technische und politische Probleme entströmen.

    Ich habe bereits oft (auch hier) von dieser Bedrohung berichtet und sie betrifft nicht nur BCH, sondern auch BTC, BSV und jeden ASIC-dominierten Coin, dessen Hashrate sich auf ein Land, hier China konzentriert. Die hier erwähnten chinesischen Pools liefern der KP eine Steilvorlage, wie sie Bitcoin faktisch kontrollieren können.

    Ein Angreifer, der vorübergehend mehr als 51 Prozent der Bitcoin-Cash-Hashrate zur Verfügung hat – unter derzeitigen Kursen wären das etwa 1,8 Prozent der BTC-Hashrate – könnte im Geheimen eine Blockchain schreiben, die keine Steuern bezahlt, und diese dann veröffentlichen, um einige Blöcke der anderen Miner zu invalidieren.

    Auch oft habe ich über die Idiotie geschrieben, als Minderheitschain auf den gleichen Algo zu setzen wie eine dominierende Chain, die auch noch ASIC-dominiert ist, die in Händen weniger Akteure liegen. Das ist auch der Hintergrund des „Kampfes“ gegen ASICs bei Monero, um eben jede durchschnittliche CPU Mining-fähig zu halten…

    • Paul Janowitz // 23. Januar 2020 um 16:16 // Antworten

      Manche können sich (mal wieder) kürzer fassen als ich…

  2. Satoshis_Shitshow // 23. Januar 2020 um 17:54 // Antworten

    Die Finanzierung der Entwickler direkt im Protokoll, – das ist das Premine von morgen. Aber alles noch deutlich seriöser als BSV. Oh man bin ich gespannt auf April

  3. „Ohne allzu weit in Verschwörungstheorien abzugleiten, könnte man mutmaßen, dass dies eine Funktion ist, die bei der chinesischen Regierung – von deren Wohlwollen die chinesischen Miner abhängig sind – gut ankommen kann.“

    Als Nazi musst Du natuerlich gegen die Kommunisten hetzen und die Kriminalitaet des Westens auf den Systemfeind projizieren. Der ganze KYC/AML/Terrorismusfinanzierungs-BS, der BTC erstickt und zu einem Paypal verkommen laesst, der kommt nicht von China, sondern wurde von den USA im ganzen Imperium/Westen erzwungen. Es sind die westlichen Exchanges die ihre Kunden ausschnueffeln, schauen woher die Coins kommen und sogar wohin sie gehen, und dann willkuerlich Mittel sperren. Coinbase in den USA fing damit an, mittlerweile ist das auch in der US-Kolonie EU gesetzlicher Standard. Im sogenannten „freien Westen“, wo dazu auch noch Journalisten wie Assange eingebuchtet und gefoltert werden, „westliche Werte“ eben. Aber die „boesen Chinesen“… Steck‘ Dir Deinen Kommunistenhass in Deinen braunen Arsch, falls da nicht schon der Besatzerschwanz drinnen steckt.

    • Paul Janowitz // 24. Januar 2020 um 11:19 // Antworten

      Wow, woher der ganze Hass?
      Es sind übrigens nicht nur „westliche“ Exchanges, die KYC/AML Bullshit betreiben, durchaus auch Asiatische, teilweise noch mehr Bullshit mit Delisting von „Privacy“ Coins…

    • Ja Christoph ist ein richtig schlimmer Finger. Ein NAZIE von der feinsten Sorte 🙂
      Es wird immer besser. *LOL*
      Beste Grüße vom
      Antikommunist

  4. Toxic Maximalist // 24. Januar 2020 um 9:26 // Antworten

    If it’s STILL not obvious for you that bcash is a complete scam, you deserve to loose your money.

  5. Name required // 24. Januar 2020 um 13:38 // Antworten

    Und was soll daran jetzt so schlimm sein? Das sind ganz einfach Marktkräfte, die da am Werke sind.
    Kein Miner ist gezwungen, SHA256-Coins zu minen. Da die Halbwertszeit der Geräte 4-6 Monate sowieso nicht übersteigt, können sie doch rechtzeitig auf andere Algos umsteigen. Es gibt genug. Die Miner sind da sehr flexibel und haben mit dem Ganzen oben Dargestellten vermutlich das kleinste Problem. Wenn ihnen die Bedingungen nicht passen, wechseln sie eben den Coin bzw. den Algorithmus (Litecoin und Co. sind auch sehr schön, aus Sicht eines Miners). Das Ganze als „Steuer“ zu bezeichnen ist schon übertrieben und die Konstruktion, dass das Einfluß auf BTC hat, der ja „gemein“ sei, ist naiv. Auch wenn es so ist, so ist es eben. Alle anderen Coins haben Auswirkungen auf BTC und dessen Miner und die Preise. Wer sich auf einen anderen Algorithmus konzentriert, investiert sein Geld als Miner z.B. sowieso nicht in das Mining von BTC, BCH oder BSV. Letztlich kann es auch so kommen, dass eine größere Anzahl BTC/BCH/BSV-Miner auf andere Coins/Algos umsteigen, die profitabler sind und damit für die verbleibenden eine Verringerung der Konkurrenz bei SHA256 und somit bessere Erlöse ermöglichen.

  6. Der Artikel zeigt wieder einmal das Dilemma einer PoW-Blockchain, für das Mining, das nicht durch die User geleistet wird, notwendig ist. Das Mining zeigt Zentralisierungstendenzen. Miner, die zusammenarbeiten, senken ihre Kosten und werden wirtschaftlicher. Wenn der Zentralisierung nicht entgegen gewirkt wird, kommt es zu einer Situation wie im Artikel für Bitcoin-Cash beschrieben. Monero schlägt sich sicherlich ganz wacker und ist sich der Gefahr der Zentralisierung bewusst. Die entgegengesetzten Maßnahmen sind aber ziemlich aufwändig und müssen ständig neu angepasst werden. Und letztlich entscheiden dann doch die Miner und nicht die User, wo’s lang geht. Irgendwie stört mich das.
    Fazit: Ich glaube nicht, dass sich eine PoW-Blockchain dauerhaft durchsetzen kann, da die User zu wenig Macht haben.
    Was sind die Alternativen? Proof of Stake sicher nicht, da die Reichen immer reicher werden. IOTA? Die Loslösung vom Mining halte ich für sehr gut und ich hoffe, dass der IF das Geld noch lange reicht und dass sie damit Grundlagenforschung betreiben und Dinge ausprobieren. Probleme gibt es aber auch hier zuhauf. Ein Sonstebo kündigt z.B. im Dezember an, im Januar einen Artikel zu Jinn zu veröffentlichen. Lange hat er nicht mehr Zeit…
    Insgesamt ist es notwendig, jegliche Art von Forschung im Kryptospace zu erbringen. Die Lösung gibt es leider noch nicht und bis diese gefunden wird, könnte es noch lange dauern.

    • Paul Janowitz // 24. Januar 2020 um 20:25 // Antworten

      Sorry, aber ich muss das loswerden, Dein „na und“ Beitrag erinnert mich sehr stark an das (übrigens sehr empfehlenswerte) Kinderbuch „Das Neinhorn“…

      Monero schlägt sich sicherlich ganz wacker und ist sich der Gefahr der Zentralisierung bewusst. Die entgegengesetzten Maßnahmen sind aber ziemlich aufwändig und müssen ständig neu angepasst werden.

      Das stimmt nur bedingt, denn auch bei Monero will keiner ständig den Mining Algo anpassen wie nach der initialen ASIC-Entblößung von Cryptonight über etliche Stationen bis hin zu Cryptonight-R, welches in Teilen bereits etwas von RandomX hatte. Warum hat man das überhaupt gemacht? Jihan Wu und sein Bitmain wussten ob der initial beschwörten ASIC-Resistenz und haben trotzdem im Hintergrund an ASICs geforscht und auch entwickelt (freier Markt), haben diese auch eingesetzt ohne sie zu veröffentlichen und haben es erst zugegeben, als Monero bereits beschlossen hat, sie zu „bricken“ und den Algo ziemlich kurzfristig zu ändern. Darauf folgten einige Änderungen der Parameter, die aber nie als Lösung gesehen wurden, lediglich temporär, im Hintergrund hat sich ein Team formiert und mit RandomJS, dann RandomX einen komplett neuen Mining Algo entwickelt, den man wohl als „State of the Art“ für CPU Mining nennen kann. Falls dieser wider Erwarten schnell „gebrochen“ werden sollte, gibt es mehr oder weniger einen Konsens, dass man auf einen „einfachen“ ASIC-freundlichen Algo setzt wie SHA-3/Keccak, deren ASICs man dann mit Open Source Hardware voranbringen will, damit sie nicht durch wenige Konzerne dominiert werden.
      Monero profitiert insbesondere sehr stark vom first-Mover Bitcoin und dessen Fehlern, aus denen man lernen kann. ASIC-Dominanz hat sich meiner Meinung nach als Sackgasse erwiesen, in der China über Nacht Bitcoin praktisch übernehmen kann. Blocksize, Emission Curve und Co. wären weitere Beispiele…

      Auch wenn ich Grundlagenforschung schätze und auch IOTA ziemlich dankbar dafür bin, sehe ich mit Sonstebo und Schiener alles andere als eine blühende Zukunft und sie haben genau NULL Lösungen aktuell.

      • Paul Janowitz // 24. Januar 2020 um 20:28 //

        Sorry Hans, der Anfang war an „Name required“ gerichtet.

      • Name required // 25. Januar 2020 um 13:51 //

        @Paul:
        Ich kenne „das Neinhorn“ nicht, könntest Du also – statt eines sinnfreien Spruchs – Argumente liefern? Ansonsten besser nicht antworten und eine Meinung erst einmal stehen lassen. Vielleicht ist sie ja doch richtiger, als das eigene Gedankenkonstrukt?

        Ich habe viele Argumente in meinem Beitrag gegeben, um meine Meinung zu untermauern. Du bist leider außer einem Spruch nicht darauf eingegangen. Wie gesagt, Minern ist das völlig egal, die springen sowieso von Coin zu Coin, um maximalen Profit herauszuholen, die interessiert eine Gebühr, die an Entwickler von Coins abgeführt werden soll nicht die Bohne. Ist zwar vielleicht nervig, aber bringt das Ökosystem sicher nicht ins Wanken.

        Niemand muß BTC/BSV/BCH order irgendeinen anderen Coin nutzen oder minen. Wem die Gebühr nicht gefällt, meidet eben die betroffenen Coins. So geht Demokratie. Und dass die Weiterentwicklung von Coins und deren Software/Ökosystem irgendwie finanziert werden muß, versteht sich ja von selber. BCH ist nicht der erste Coin, bei dem ein Teil der Mining-Erträge automatisch an die Entwickler abgeführt wird, nur bei den anderen – wesentlich kleineren – Coins ist/war eine Auswirkung auf BTC eben kaum meßbar, außer eben, dass der andere Algorithmus potenzielle SHA256 direkt zu enderen Algos abgezogen hat und damit das Leben für die BTC-Miner „bequemer“ machte. Und wenn BTC dem „Problem“ – wie oben im Artikel beschrieben – entgehen will, kann man ja auch seitens BTC-Entwickler auf einen anderen Algorithmus umschwenken. Damit wäre das sowieso nicht mehr der Rede wert. Wird aber wohl nicht passieren, weil das „Problem“ zu wenige wirklich tangiert und die „Kosten“ für einen Algo-Switch für Alle wohl deutlich höher wären.

      • Paul Janowitz // 26. Januar 2020 um 11:24 //

        Lieber Name required, tatsächlich bin ich nicht weiter auf Deinen Beitrag eingegangen, da er auf den ersten Blick mit „na und“ zusammenfassbar war.

        Aber lass mich das bitte nachholen…

        Die Lebenszyklen von ASICs sind mitnichten 4-6 Monate, sondern mittlerweile eher 2-3 Jahre, insbesondere da neue Generationen nur noch etwa jährlich herauskommen und Hash per Watt Steigerungen nur noch im ein bis maximal zweistelligen Bereich versprechen, nicht wie früher x100(0). Kann man sich übrigens ausrechnen, denn ein aktueller Antminer würde selbst ohne Stromkosten seinen Anschaffungspreis binnen weniger Monate auch nur ansatzweise reinholen.

        Niemand muß BTC/BSV/BCH order irgendeinen anderen Coin nutzen oder minen.

        Jemand, der in SHA256 ASICs investiert hat, hat eigentlich keine andere Wahl, es sei denn er schreibt die Investition komplett ab. Die Dinger können eben nur SHA256 und sind nicht umrüstbar. Das ist eigentlich auch der einzige Vorteil, den ein ASIC-dominierter Algo bringt, einmal drin kann der Miner nicht einfach aufhören… CPUs oder GPUs kann man jederzeit noch anderweitig nutzen und sie haben eine reale Nachfrage selbst auf dem Gebrauchtmarkt.

        Und dass die Weiterentwicklung von Coins und deren Software/Ökosystem irgendwie finanziert werden muß, versteht sich ja von selber.

        Open Source Software „finanziert“ sich seit Jahrzehnten in der Regel aus freiwilliger Arbeit und/oder aus wiederum freiwilligen Spenden, das trifft auf Linux, dessen Derivate, BSD, OpenOffice, LibreOffice, GnuPG und die unzähligen anderen Projekte zu.

        Und wenn BTC dem „Problem“ – wie oben im Artikel beschrieben – entgehen will, kann man ja auch seitens BTC-Entwickler auf einen anderen Algorithmus umschwenken.

        Das wäre tatsächlich ein mutiger Schritt, den ich aber nach dem „Never ever Hard-Fork“ Dilemma nicht mehr sehe.

  7. Christian Helfer // 25. Januar 2020 um 15:58 // Antworten

    Habt ihr schon was vom „Bar-Tangle“ gehört, der die Vorteile einer PoW-Blockchain mit denen des IOTA-Tangle vereinen und deren Nachteile eliminieren soll? Das Konzept sieht folgendes vor:
    1) Jede Transaktion validiert zwei vorausgehende Transaktionen.
    2) Es wird am bewährten binären System festgehalten.
    3) Auf Quantensicherheit wird kein Wert gelegt.
    4) Bei den ersten beiden Transaktionen wird jeweils 1 Bar geminet.
    5) Die dritte Transaktion muss die ersten beiden bestätigen. Es werden 1 % von 2 Bar = 0,02 Bar gemint. Der Reward wird auf die Adresse des Senders der Transaktion einge-zahlt.
    6) Ist ein Tangle gegeben und sollen durch eine neue Transaktion zwei weitere validiert werden, so wird der Reward für die neue Transaktion wie folgt festgelegt:
    a) Die Rewards aller Transaktionen, die bestätigt werden sollen, werden addiert.
    b) Der Reward für die neue Transaktion beträgt 1% der Summe der vorhergehenden Rewards.
    7) Als Spamschutz muss jede Transaktion einen PoW erbringen. Die Difficulty wird für jede Transaktion individuell bestimmt:
    a) Betrachtet wird die Difficulty D0 der jüngsten Tochtertransaktion und die Zeit t in Minuten, seit sich diese im Tangle befindet.
    b) Die Difficulty D1 für die neue Transakion wird gemäß der Formel D1 = D0 : t berechnet. Sind beispielsweise seit der jüngsten Tochertransaktion 4 Minuten vergangen, so beträgt die neue Difficulty ein Viertel der alten Difficulty. Bei einer halben Minute verdoppelt sich die Difficulty.

    Vorteile:
    1) Es besteht ein Anreiz, den schwersten Subtangle weiterzuverfolgen, da es den größten Reward dafür gibt. Werden möglichst frische Transaktionen bestätigt, dann sind es viele und damit wird ein größerer Reward gewährt.
    2) Das Netzwerk wird nicht zugespammt. Würden Transaktionen sehr schnell hintereinander in derselben „Kette“ prozessiert werden, würde die Difficulty ins Astronomische ansteigen. Beispielsweise bei 5 Transaktionen in der Minute auf das 53 = 125-fache.
    3) Es wird anfangs häufig zu Hardforks kommen, die aber positiv zu bewerten sind.
    a) Die User entscheiden, welcher Subtangle weiterverfolgt wird und keine Mittelsmänner wie die Miner. Miner könnten sich zwar zu Pools zusammenschließen und durch das Minen eines Subtangles sündhaft viele Rewards einstreichen. Jedoch würde ihnen das nichts nützen, da die anderen User diesen Subtangle nicht mitgehen würden.
    b) Es bestehen massive Anreize, das Protokoll anzupassen. Der Subtangle mit dem am besten an die Wünsche der User angepassten Protokoll wird sich durchsetzen. An-passungen können z.B. sein:
    i) andere Bestimmung der Difficulty
    ii) andere Bestimmung des Mining-Rewards
    iii) Abschaffung des Mining-Rewards
    iv) Implementierung von „anonymen Transaktionen“
    v) Einführung von quantensicheren Transaktionen, falls diese in Jahrzehnten relevant werden sollten
    vi) Einführung reiner Datentransaktionen ohne Wertetransfer
    vii) Übergang von binär nach ternär 😉
    4) Es gibt eine konstante Inflationsrate, die die User letztlich an ihre Wünsche anpassen werden.
    5) Es werden viele Entwickler angezogen werden, da Hardforks jederzeit möglich sind.
    6) Die Anzahl der Hardforks wird mit der Zeit abnehmen und das Konstrukt sich stabilisieren.
    7) Es gibt keinen ungerechten Premine. Die Nutzer werden für ihre erbrachte Rechenleis-tung entschädigt.
    8) Die Nutzer werden dafür sorgen, dass die Rescourcen des Netzwerks nicht erschöpft werden.
    9) Es gibt keine Abhängigkeit von Minern, die in PoW-Blockchains als Mittelsmänner fungieren.
    10) Es gibt keine Tendenz zur Zentralisierung. Die Nutzer werden dafür sorgen, dass sich ein möglichst dezentraler Subtangle durchsetzt.
    11) Es gibt einen Anreiz, Nodes zu betreiben. Diese können nämlich Gebühren für Transaktionen verlangen, z.B. 50% des Rewards.
    12) Es wird einen Wettbewerb unter den Nodes geben, möglichst viele Nutzer anzuziehen. Dadurch besteht die Tendenz, Gebühren zu erniedrigen.
    13) Es könnten sich auch mehrere Subtangles dauerhaft halten, was aber positiv zu sehen ist, da je nach den unterschiedlichen Bedürfnissen der Nutzer andere Konfigurationen nützlich sind.

    • Christine Kaufmann // 26. Januar 2020 um 11:03 // Antworten

      Sind 1% Inflation pro Transaktion nicht etwas viel?

    • Paul Janowitz // 26. Januar 2020 um 11:48 // Antworten

      Interessante Ansätze, aber ganz ehrlich? Selbst die aktuelle IOTA Tangle ist nicht wirklich stabil, selbst mit dem Coo (oder genau deswegen?).
      Immerhin finde ich den Ansatz mit der mehr oder weniger kontrollierten Inflation einen guten Ansatz, 1% klingt nach seeeeehr viel, aber man muss sich vor Augen halten, dass es 1% von den ersten beiden Transaktionen bleiben, nach 200 Transaktionen sind es bereits 4 Einheiten und das 1% wird bereits zu 0,5% vom Supply.
      Ob das aber tatsächlich sinnvoll ist, bin ich mir nicht sicher, denn wenn mein Rechner gerade nichts zu tun hat, habe ich eine Intention, sinnlose Transaktionen zu generieren.

    • Christian Helfer // 26. Januar 2020 um 14:20 // Antworten

      Die Startbedingungen sind glaube ich nebensächlich. Ob 1% oder 0,0001% Inflation pro Transaktion ist egal. Denn die Parameter werden ohnehin durch Hardforks rasch geändert werden. Der Bar-Tangle wird anfangs alles andere als stabil sein. Hardforks werden zu vie-len Subtangles führen, jeder mit eigenen Parametern (d.h. Inflationsrate, Difficulty, etc). Den Nutzern wird maximale Freiheit gegeben, sich für einen Subtangle zu entscheiden. Letztlich wird der Subtangle mit den für die Nutzer günstigsten Parametern überleben. Bei-spielsweise wird ein gieriger Nutzer, der einen Subtangle mit zu hoher Inflationsrate oder zu niedriger Difficulty anbietet, um selbst viele Bar zu minen, keine anderen Nutzer finden. Der gierige Nutzer wird bestraft und sein eigener Subtangle wird wertlos. Wie in der Evolutionstheorie der Arten wird nur der Subtangle überleben, der auch benutzt wird. Das wird der Subtangle sein, der die größtmöglichste Gerechtigkeit und den größtmöglichsten Nutzen für alle liefert.
      Der Bar-Tangle ist zutiefst basisdemokratisch angelegt. Für Blockchains sind Hardforks ge-fährlich, da man von einer dritten Partei, den Minern abhängig ist. Im Vorfeld kann es zu Kriegen kommen, da die Nutzer und die Miner entgegengesetzte Interessen haben können. Beim Bar-Tangle sind die Nutzer selbst die Miner, was viel weniger Reibungspunkte zur Folge haben wird. Hardforks sind eher mit Wahlen zu vergleichen. Der Subtangle, der nutzt, wird gewählt werden. Hardforks werden den Bar-Tangle also automatisch verbessern.
      Je mehr Nutzer der Bar-Tangle hat, umso stabiler dürfte er werden. Denn um die eigenen Bar nicht zu gefährden, werden die Nutzer auch Kompromisse eingehen und dem Subtangle folgen, der am meisten gewählt wird.

    • Christian Helfer // 26. Januar 2020 um 14:23 // Antworten

      „Sind 1% Inflation pro Transaktion nicht etwas viel?“
      Denkbar wäre auch ein Algorithmus. Je nach der Anzahl der pro Jahr generierten Transaktionen muss die Inflation pro Transaktion so gewählt werden, dass die gesamte Inflationsrate nach einem Jahr beispielsweise bei 2 % liegt.

    • Christian Helfer // 26. Januar 2020 um 14:39 // Antworten

      „denn wenn mein Rechner gerade nichts zu tun hat, habe ich eine Intention, sinnlose Transaktionen zu generieren.“
      Wenn der Proof of Work zu groß wird, dann werden auch keine sinnlosen Transaktionen generiert werden. Die Difficulty steigt exponentiell, sollte an einer Kette entlang zu schnell Transaktionen angefügt werden. Der Subtangle wird also möglichst breit gehalten. Wird er zu sehr verengt, steigt die Difficulty zu sehr.
      Andererseits ist das sinnlose Generieren von Transaktionen als positiv zu bewerten, da der Bar-Tangle so am Leben bleibt, sollte er einen gewissen Wert erlangt haben. Ähnlich wie in den Anfängen der Bitcoin-Blockchain. Da war das Generieren von Blöcken auch eher sinnlos. Erst als Bitcoin mehr Nutzer anzog, machte das Generieren von Blöcken einen Sinn. Und der Reward ist notwendig, um die Blockchain/den Bar-Tangle am Laufen zu halten.

      • Paul Janowitz // 26. Januar 2020 um 14:56 //

        Wie geschrieben, halte ich die die 1% der ersten Transaktionen Inflation pro Transaktion für weniger problematisch, sie relativiert sich ziemlich rasch, ähnlich wie die initiale Inflation von Bitcoin, die nach dem ersten Block mit 50 BTC beim nächsten 100% betragen hat, beim Block danach schon 50%. Ich würde die Emission ehrlich gesagt auch festlegen und später nicht mehr ändern durch Hard Forks, denn diese Größe ist für „Investoren“ ziemlich wichtig.
        Will auch niemanden davon abhalten, ein Experiment zu starten, wir sind bei verteilten Systemen noch lange nicht am Ende angekommen, maximal im Kindergarten 😉
        Insbesondere Systeme, die keinen scammy Premine, Steuer oder ähnliche Bevorteilungen haben, sind nur wünschenswert.

    • Ob insbesondere am Anfang immer ein Subtangle überleben kann, halte ich für fraglich. Aber eventuell könnte sich sozusagen durch Selektion und Mutation der Subtangles einer herauskristallisieren, der tatsächlich robust ist. Dürfte allerdings einige Zeit dauern und bis ich nicht nur Spielgeld transferiere sondern tatsächlich materielles erwerben kann, müsste die Anzahl der Nutzer schon ziemlich groß werden.
      Zum Spaß würde ich schon ein paar „Bar“ minen. Wo und wie kann man das denn machen?

    • Christian Helfer // 26. Januar 2020 um 22:07 // Antworten

      „Zum Spaß würde ich schon ein paar „Bar“ minen. Wo und wie kann man das denn machen?“
      Keine Ahnung. Ich hab das mit dem Bar-Tangle auch nur von einem Bekannten gehört. Wie ernsthaft das gemeint ist, weiß ich nicht.

  8. Mal ganz abseits des bei Reizthemen üblichen Shitstorms: Es passt doch letztlich gut zu der schlüssigen und (siehe Blockchain Yuan) eben auch ergebnisreichen Cryptostrategie der Chinesen – stehen wir etwa vor einem SHA256 Takeover der neuen IT Supermacht ???

    • Paul Janowitz // 26. Januar 2020 um 23:20 // Antworten

      China hat SHA256 Hashing bereits fest im Griff, wenn sie wollen können sie tun was immer sie wollen. Es kann aber noch weiter gehen: Angenommen Huawei entwickelt einen Miner, der alle anderen aktuell auf dem Markt verfügbaren übertrumpft. Halte ich persönlich für möglich, Huawei auch für kompetenter in der Chipentwicklung als Bitmain. Durch Sanktionen dürften weder US Unternehmen noch Bürger so etwas importieren…

      @Christian Helfer
      Für „von einem Bekannten gehört“ hast Du schon ziemlich viele Punkte ausgearbeitet…

      • Christian Helfer // 27. Januar 2020 um 12:08 //

        Ok, ich geb’s zu. Bin auf diese spinnerte Idee vom Bar-Tangle selbst gekommen. Allerdings bin ich mangels Programmierkenntnisse nicht in der Lage, diese Idee auch umzusetzen.

      • Das „Bar-Tangle“-Konzept erinnert mich an Dero, dessen Ledger auch in einer ähnlichen Form gespeichert wird. Allerdings sollte man skeptisch an Dero rangehen, da hier ein Premine vorliegt und sich nicht an die Opensource-Philosophie gehalten wird, soweit ich das mitbekommen habe. Wer mehr wissen will, schaut sich einfach die Homepage dero.io an.

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s