Ägypten beschränkt Bargeldumlauf: Chance für Bitcoin?

In Gizeh. Bild von VasenkaPhotography via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Ägypten begrenzt Abhebungen und Einzahlungen von Bargeld. Damit will die Regierung einerseits das Coronavirus eindämmen – und andererseits Ägypten auf eine Zeit nach dem Bargeld vorbereiten. Dieser globale Trend zur Bargeldabschaffung macht Bitcoin wichtiger denn je. In Ägypten ist ein steigender Bedarf nach der digitalen Währung festzustellen – allerdings auf eher tiefem Nivau.

Manchmal hat man das Gefühl, „Corona“ sei derzeit die Entschuldigung für alles. Das soll Corona nicht verharmlosen. Aber das Virus rechtfertigt viele Maßnahmen, die unter anderen Umständen schwer vorstellbar wären. So ist es derzeit normal, „Wirtschaftskrise zu haben“. Was normalerweise der Inkompetenz der Regierung angelastet wird, ist nun schon geradezu ein Nachweis des richtigen Handelns, da man Corona nicht eindämmen kann, ohne dass dies zu Lasten der Wirtschaft geht. Wenn die Regierung in der Folge dann harte Maßnahmen verhängt, um die Wirtschaft zu retten, ist das natürlich ebenfalls angebracht.

Auch in Ägypten rechtfertigt Corona harte Maßnahmen. Die Zentralbank hat landesweite Limits für Abhebungen und Einzahlungen von Bargeld verordnet. Die Limits betragen nun 10.000 Ägyptische Pfund (580 Euro) für Privatpersonen und 50.000 Ägyptische Pfund für Unternehmen. An Geldautomaten beträgt das Limit nur 5.000 Pfund (290 Euro).

Test für ein bargeldloses Ägypten

Die Zentralbank begründet die Maßnahme damit, dass man versuche, Menschenansammlungen in Banken und an Automaten zu verhindern, wo Leute ihre Gehälter und Renten abheben. Der Grund dafür ist, natürlich, das Corona-Virus, auch wenn dieses den offiziellen Daten zufolge in Ägypten eher schwach verbreitet ist. Gleichzeitig ruft die Zentralbank die Bevölkerung dazu auf, vermehrt elektronische Zahlungsmethoden zu verwenden. Dazu werden, zumindest vorübergehend, alle Gebühren für Banküberweisungen und andere elektonische Zahlungen ausgesetzt.

Laut Tarek Amer, dem Governeur der Zentralbank, kam es in den letzten Wochen vermehrt zu Bargeldabhebungen. Etwa 30 Milliarden Pfund (1,74 Milliarden Euro) seien abgehoben worden, da sich viele in der Bevölkerung sorgen, dass im Zuge der Pandemie das Bargeld ausgeht. Zwar versichert der Governeur der Zentralbank, dass es in Ägypten keine Liquiditätsengpässe gäbe. Doch die coronabedingten Ausgangssperren und kürzeren Arbeitszeiten bei Banken haben es schwierig gemacht, ausreichend Bargeld von der Zentralbank in die lokalen Banken zu transportieren.

In Ägypten spielt Bargeld eine große Rolle im Wirtschaftsleben. Viele Branchen, sowohl im ländlicheren Raum als auch im informellen Bereich, beruhen weitgehend auf Bargeld. So warnt etwa der Verband der Geflügelproduzenten, dass die Bargeldbegrenzung die Branche stark treffen würde, da hier über die Lieferkette hinweg, vom Bauernhof bis zum Verbraucher, bar bezahlt wird.

Genau dies soll sich in Zukunft ändern. Die Bargeldeinschränkungen sind zwar durch das Corona-Virus veranlasst – haben aber ein weit darüber hinausgehendes Ziel. Analysten hoffen bereits, dass die Beschränkungen zum Testlauf dafür werden, die Gesellschaft von ihrer Abhängigkeit vom Bargeld zu befreien und Zahlungen auf elektronische Kanäle zu treiben. Dies sei auch ein elementarer Teil der Strategie der Regierung zur finanziellen Inklusion von Teilen der Bevölkerung, die bisher noch keinen Zugang zum Bankwesen haben. Allerdings ist auch klar, dass dies für viele Beteiligte – von Bauern zu Tierärzten – schwierig ist und von diesen eine lange Vorbereitung verlangt.

Der Weg ist allerdings klar, und dank Corona kann die Regierung nun testen, wie das Land ohne Bargeld auskommt.

Bitcoin als Schutzschild

Natürlich haben elektronische Zahlungsverfahren viele Vorteile gegenüber Bargeld. Allerdings setzen sie gewöhnlich auch einige wichtige Eigenschaften von Bargeld außer Kraft: Sie sind in der Regel an persönliche Identitäten gebunden und erlauben die finanzielle Vollüberwachung der Beteiligten. Transaktionen sind zudem nicht unmittelbar. Der Besitzer des Geldes beauftragt lediglich eine Bank, die Überweisung auszuführen. Sollte sich die Bank sträuben – oder nicht in der Lage sein – kann der Besitzer nicht auf sein Geld zugreifen.

Schließlich beschränkt Bargeld die geldpolitische Handlungsfähigkeit der Regierung, etwa wenn diese negative Zinsen einsetzen will, aber die Bevölkerung dagegen protestiert, indem sie ihr Geld von der Bank abhebt. Überhaupt schwebt der Bankrun wie ein ständig drohendes Schwert über Banken und Regierung, das zumindest ein Hindernis dabei ist, die Kapitalreserven der Banken zu weit herunterzuschrauben

Wie Norbert Häring in seinem Buch eindringlich beschrieben hat, geht die Kampagne zur finanziellen Inklusion der ärmeren Schichten mit einer Kampagne zur digitalen Identifizierung und Überwachung der Bevölkerung einher. In weiten Teilen der Welt arbeiten amerikanische Tech- und Finanzkonzerne mit der Regierung zusammen, um das „Bankkonto für Jedermann“ mit einer „Datenbank über Jedermann“ zu verbinden, die es erlaubt, die Bevölkerung auf bisher unvorstellbare Weise zu überwachen.

Wenn das echte Bargeld verschwindet, ist ein digitales Bargeld als Korrektiv wichtiger denn je. Mit Bitcoin (oder anderen Kryptowährungen) können die Bürger elektronisch bezahlen, ohne ihre Privatsphäre aufzugeben, ohne in Abhängigkeit von Banken zu geraten, und ohne der Regierung einen Freifahrtschein auf geldpolitische Experimente zu geben. Die globale Abschaffung des Bargelds schreitet jeden Monat voran, langsam zwar, aber kontinuierlich, und es ist noch nicht eindeutig zu erkennen, in welche Richtung sie geht. Es zeigt sich aber immer klarer, dass ein digitales Bargeld immer notwendiger wird.

Bitcoin in Ägypten

In Ägypten gibt es allerdings nur eine sehr schwach aufgestellte Bitcoin-Wirtschaft. Echte Börsen sind nicht bekannt, wie auch keine Börse den Handel von Bitcoin gegen Ägyptische Pfund zulässt. Daher sind die Handelswege eher informell, etwa über LocalBitcoins oder Paxful, wo es Angebote gibt, in Ägypten Bitcoins gegen Banküberweisungen, Bargeld oder andere Methoden, etwa iTunes-Karten, zu kaufen.

Wöchentliches Handelsvolumen von LocalBitcoins in Ägypten. Chart nach Coin.Dance

Das Handelsvolumen auf LocalBitcoins in Ägypten – hier in Bitcoin angezeigt – steigt seit Anfang 2018 kontinuierlich. Bemerkenswert ist dabei, dass es in Ägypten offenbar keinen Hype Ende 2017/18 gab, wie fast überall auf der Welt, sondern die Nachfrage stetig wächst. Diese ist allerdings mit einem Volumen von 5-10 Bitcoins je Woche weiterhin auf relativ geringem Niveau. Ein ähnliches Muster lässt sich beim Interesse an Bitcoin über Google feststellen:

Google Trends für das Suchwort „Bitcoin“ in Ägypten.

Seit Mai 2018 steigt die Anzahl der Suchanfragen nach Bitcoin kontinuierlich. Ob und was dieser Trend bedeutet, ist natürlich schwierig zu sagen. Aber immerhin haben wir mit dem Handelsvolumen auf LocalBitcoins und den Suchanfragen bei Google zwei Werte, die wir in Zukunft wieder betrachten können, um zu sehen, ob sich der Trend fortsetzt.

Über Christoph Bergmann (1817 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

Ein Kommentar zu Ägypten beschränkt Bargeldumlauf: Chance für Bitcoin?

  1. immer diese Paranoia über die totale Überwachung mit Datenbank – ist doch schon da. Warum also noch Paranoia. Mit der Corona Virus ab wird doch gerade weiter getestet, wie weit man mit dem Bürger gehen kann. Bald ist Smartphone Pflicht angesagt! Und natürlich alles nur zum Schutz der Bevölkerung.

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