Der LINK zwischen Blockchain und Welt

Bild von dcJohn via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

LINK (Chainlink) ist das derzeit erfolgreichste Token. Wir schauen uns an, was dahinter steht: ein dezentrales Netzwerk für Oracles, die Smart Contracts mit Daten füttern. Das ist eine gute Idee, die genau zur richtigen Zeit kommt.

Die Pauschalisierung ist ein mentaler Selbstschutz. Wenn die Situation unübersichtlich wird, und die Wege gespickt mit Fallen sind, wird es zur rationalen Strategie, zu pauschalisieren. Wer etwa sagt, dass alle ICOs Betrug und Unsinn sind, läuft nicht Gefahr, sein Geld zu versenken.

Allerdings macht Pauschalisierung auch blind. Sie ist eine Scheuklappe. Wer alles im Voraus verurteilt, wird es nicht erkennen, wenn die Wirklichkeit aus dem Schema ausschert. Viele ICOs waren ein Geldgrab. Aber wer genauer hinschaut, findet auch Perlen.

Eine dieser Perlen ist offenbar LINK, das Token des Chainlink-Netzwerks. Die ICO fand im September 2017 statt, einer Zeit, die vor zwielichten ICO-Angeboten förmlich überschäumte. Der Preis für ein LINK-Token betrug damals 11 Cent.

Andere ICOs können von solchen Charts nur träumen. ChainLink auf CoinMarketCap

Die meisten ICOs haben ihren Ausgabepreis nie wieder erreicht und Anlegern Verluste von oft mehr als 90 Prozent eingebracht. Die LINK-ICO dagegen war extrem lukrativ. Der Preis ist von 11 Cent auf heute 3,67 Dollar gestiegen. Der Wert in Bitcoin hat sich um das 18-Fache erhöht, der in Ethereum sogar um das 50-Fache.

Chainlink macht offenbar etwas richtig, das die meisten Token falsch machen. Aber was? Und was verbirgt sich hinter dem Token?

Weil Smart Contracts taub sind

Chainlink möchte, so Whitepaper und Webseite, ein dezentrales Netzwerk von Oracles schaffen, das Smart Contracts mit zuverlässigen Offchain-Daten versorgt.

Was bedeutet das genau? Und welches konkrete Problem löst Chainlink?

Beginnen wir damit, was ein Smart Contract ist: eine Operation, deren Code auf einer Blockchain gespeichert ist, und deren Ausführung dem Konsens einer Blockchain unterliegt. Ein Smart Contract kann gar nicht anders, als das zu tun, was in ihm steht. Er verarbeitet Daten mit derselben Sicherheit, wie eine Bitcoin-Transaktion ausgeführt wird.

Smart Contracts beseitigen das Vertrauen, das bisher in die Instanzen notwendig ist, die Computeroperationen ausführen. Sie erlauben es, dass Computernetzwerke regierungsartige Aufgaben übernehmen, und dass sich dezentrale Netzwerke zu dezentralen autonomen Organisationen (DAO) zusammentun, die viele Unternehmen, wie wir sie derzeit kennen, ersetzen können.

Allerdings haben Smart Contracts noch einige Probleme. Ein sehr großes ist, dass sie auf einer Blockchain eingeschlossen sind. Sie sind blind für Daten, die nicht in der Blockchain stehen. Daher werden sie üblicherweise mit sogenannten “Oracles” gefüttert. Aber wer sind diese Oracles? Und welchen Sinn macht es, einen dezentralen Smart Contract zu haben, wenn die Informationen, die ihn speisen, von einer zentralen Quelle stammen?

Was hilft eine dezentrale Versicherung, wenn die eingelieferten Daten nicht valide sind? Was bringt es, eine Wette als Smart Contract abzubilden, wenn die Daten, die für die Entscheidung wichtig sind, nicht ebenso zuverlässig sind? Wie kann eine DAO sinnvoll arbeiten, wenn sie nicht kontrollieren kann, dass externe Daten gültig sind? Und so weiter.

Das, was fehlt, ist ein Link zwischen Blockchain und echtem Leben. Und genau stellt Chainlink bereit.

Arbeitsteilung ist der Anfang aller Dinge

Chainlink bildet ein dezentrales Netzwerk von “Oracles”. So nennt man die Quellen, die Smart Contracts mit externen Daten versorgen.

Die Idee ist an sich nicht neu. Bereits “die DAO” hat versucht, Entscheidungsfindungen über externe Daten an ein dezentrales Netzwerk von DAO-Teilhaber zu übertragen. Auch Prediction-Markets wie Augur oder Experimente mit dezentralen Versicherungen arbeiten sich am selben Konzept ab: Sie bilden ein dezentrales Netzwerk, das im Rahmen bestimmter Anreize den Smart Contract mit validen Daten versorgen soll. Im Grunde ist die Dezentralisierung der Oracles die kanonische Vorgehensweise.

Die Brillanz von Chainlink ist es nun, dieses Konzept zu universalisieren. Anstatt das Rad der dezentralen Oracles immer wieder neu zu erfinden, können sich die Designer von Smart Contracts auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren. Denn ChainLink löst das Problem für sie.

Grundprobleme auszulagern ist das Fundament allen Wachstums. Ein Schreiner muss seinen Leim nicht selbst herstellen, ein Eisenbahnbauer nicht den Stahl, ein Computerhersteller nicht die Chips, und ein Webdesigner muss nicht mehr ein eigenes CSS-Framework entwickeln, weil er (unter anderem) Bootstrap benutzen kann.

Allein schon dass Chainlink dieses Problem erkannt hat, hebt es von anderen ICOs hervor. Aber wertvoll wird die Erkenntnis von Problemen erst, wenn man eine Lösung findet und diese auch umsetzt.

Das dezentrale Netzwerk der Oracles

Wie schafft Chainlink es also, ein stabiles und zuverlässiges dezentrales Netzwerk zu bilden, das als Oracle genauso unfehlbar ist, wie eine Blockchain als Ausführer von Smart Contracts?

Die Lösung besteht aus mehreren Schichten. Ganz oben stehen drei Smart Contracts auf der Ethereum-Blockchain. Sie bilden sozusagen die Regierung des Chainlink-Netzwerks: Ein Smart Contract für die Reputation der Teilnehmer, einer, um Angebote zusammenzuführen, und einer, um Ergebnisse zu aggregieren.

Die tatsächliche Arbeit geschieht offchain durch die Chainlink-Knoten. Das sind Ethereum-Knoten, die zusätzlich die Chainlink-Software laufen lassen. Sie holen Daten von anderen APIs – Schnittstellen zwischen Anwendungen – ab oder bilden selbst eine API. Sie tauschen diese Daten aus und aggegieren sie. Wenn mehr als die Hälfte übereinstimmt, landen die Daten auf der Blockchain.

Wenn jemand Daten für seinen Smart Contract haben möchte, macht er ein Angebot, in dem er die Parameter benennt. Die Knoten im ChainLink-Netzwerk können dieses Angebot dann annehmen. Dafür werden sie mit LINK-Token bezahlt.

Ein Reputationssystem soll dafür sorgen, dass die Mehrheit der Chainlink-Knoten ehrlich bleibt. Denn ansonsten würde das System kollabieren.

Das Konsensverfahren von ChainLink erinnert an einige neuere Blockchains, etwa Ripple, Stellar oder (bald) IOTA. Die Netzwerke benutzen Wahlverfahren und Reputationsbeziehungen, um einen Konsens zu finden. Dass ChainLink solche Verfahren nun anwendet, um eine bestehende Blockchain mit Daten zu versorgen, ist so naheliegend wie genial.

ChainLink rennt bei DeFis offene Türen ein

Mit den dezentralen Oracles trifft Chainlink offenbar ein Bedürfnis des Marktes. Die natürlichen Nutzer sind die DeFi-Apps. DeFi steht für Dezentrale Finanzen und meint in der Regel eine Finanz-App, die durch einen Smart Contract auf der Ethereum-Blockchain abgebildet wird. Beispiele sind Stablecoins, Kredite, Derivate oder Börsen für Token.

So gut wie alle DeFi-Apps benötigen Daten über Preise. Ein Angebot wie ChainLink, dass diese Daten zuverlässig und dezentral ausliefert, ist hier natürlich ideal. So benutzen bereits unter anderem Synthetix, Aave, Loopring, ParaSwap, DeFi Money Market, 1Inch, FutureSwap, Ampleforth die Oracles von ChainLink.

Derzeit liefern die Oracles nur Preisdaten aus. Größtenteils sind es Preise von Kryptowährungen, zum Teil auch von Edelmetallen. Prinzipiell ist das aber erst der Anfang. Es können Wetterdaten folgen, alle Arten von Sensordaten, und so weiter. So arbeitet etwa auch Google Cloud mit Chainlink zusammen, was womöglich der Einstieg des in Sachen Blockchain ansonsten sehr zaghaften Internet-Giganten in Smart Contracts werden kann.

Weil ein Smart Contract nicht nur taub, sondern auch stimm ist

Bisher haben wir uns auf die Oracles fokusiert. Aber diese sind nicht der einzige Link, den Chainlink schafft. Denn ein Smart Contract ist nicht nur taub für Geräusche außerhalb der Blockchain – er kann auch nicht zu Programmen sprechen, die außerhalb liegen.

Ein Smart Contract kann keine Push-API bedienen, um Daten woanders abzuliefern, einen Handel auf einer Börse auszuführen oder per PayPal zu bezahlen. Nicht nur die Quelle, auf deren Basis ein Smart Contract operiert, wird zu einem Problem – sondern auch die Aktion, die sein Resultat ist. Damit ein Smart Contract nicht so ungehört bleibt, wie der berühmte Baum im Wald, braucht es jemanden, der an seiner Stelle agiert. Das ist, im blödesten Fall, eine zentrale Entität. Und die kann, natürlich, tricksen, womit wir wieder beim Grundproblem wären.

Auch hier verspricht ChainLink eine Lösung, indem das dezentrale Netzwerk die API von etwa PayPal benutzt. Mir ist nicht ganz klar, wie es funktioniert, aber vermutlich können die Nodes Ether oder LINK akzeptieren, um dann Fiat-Geld zu überweisen. So soll ChainLink es einem Smart Contract also ermöglichen, auch Banküberweisungen vorzunehmen. Ob dies bereits geschieht, kann ich nicht sagen. Aber ich bezweifle es.

$LINK

Abschließend kommen wir noch zur für viele entscheidenden Frage: Welche Rolle spielt dabei das LINK-Token?

Die Antwort ist relativ einfach und für jeden, der sich ein wenig mit ICOs auskennt, alles andere als eine Überraschung: Das LINK-Token ist ein sogenanntes Utility-Token. Alle Transaktionen im ChainLink-Universum finden mit diesem statt. Man braucht LINK, um als ChainLink-Knoten aktiv zu sein, und man braucht LINK, um ChainLink-Knoten für ihre Arbeit zu bezahlen.

Ob die LINK-Token mit derzeit 3,6 Dollar oder einer Marktkapitalisierung von etwas mehr als einer Milliarde Dollar fair bewertet sind, ist natürlich eine ganz andere Frage. Diese muss jeder für sich selbst beantworten.

Über Christoph Bergmann (1762 Beiträge)
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5 Kommentare zu Der LINK zwischen Blockchain und Welt

  1. Als echter Chainlink-Hodler halte ich es mit deinem Artikel wie mit dem Chainlink-Whitepaper: DR; NS

    • Paul Janowitz // 23. April 2020 um 9:33 // Antworten

      Vollständige Ignoranz als Investmentstrategie? Zumindest Letzteres lässt sich selbst auf Bitconnect, Onecoin oder Plustoken Hodler projektieren, selbst wenn ich Chainlink durchaus schätze und ganz sicher nicht in diese Kategorie stellen würde…

  2. Stock erhöht … das ist erst der Beginn einer …

  3. das token braucht niemand
    aber schön gehypet

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