Wirecard-Insolvenz zieht einige Krypto-Debitkarten mit

Schon praktisch: Eine Visa-Karte. Bild von Blondinrikard Fröberg via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Weil eine Wirecard-Tochter auch Visa-Debitkarten für Krypto-Wallets herausgegeben hat, bekommen auch diese die Insolvenz des Unternehmens zu spüren. Aber es bleiben viele Möglichkeiten übrig, Kryptowährungen auf eine Debit- oder Kreditkarte zu laden.

Der Wirecard-Skandal dürfte den meisten bekannt sein. Das deutsche FinTech-Startup hat irgendwie fast 2 Milliaden Euro verloren, und die Aktienkurse sind noch schneller eingebrochen als sie angestiegen sind. Wer die traurige Geschichte nicht verfolgt hat, der sollte im Handelsblatt die Artikel von Felix Holtermann lesen, der nicht nur über Kryptowährungen berichtet, sondern den Skandal des deutschen Finanzunternehmens schon seit Monaten geahnt hat.

Hier kann es nur um eine Frage gehen: Was bedeutet der Skandal für „Krypto“?

Eher symbolisch und vage könnte man sagen, dass die Wirecard-Insolvenz einmal mehr zeigt, dass das traditionelle Finanzwesen eben nicht so solide ist, wie man oft meint. Auch eine Aktie kann innerhalb von zwei Jahren von 40 auf 190 Euro ansteigen und etwas später innerhalb einer Woche vollkommen verpuffen. Die Aktienkurse von Wirecard, einem DAX-Unternehmen, würden den Shitcoin-Pump’n’Dumps, für die die Kryptomärkte so berüchtigt sind, alle Ehre machen. Und dass fast 2 Milliarden Euro einfach so verschwinden, und keiner weiß, wie das viele Geld durch die Bilanzen entflossen ist – das zeigt, wie intransparent das Geldwesen im Grunde ist. Mit einer transparenten Blockchain wie Bitcoin wäre das gar nicht denkbar gewesen.

Praxisnäher ist jedoch eine andere Folge der Wirecard-Insolvenz: Die britischen Finanzaufsicht FCA hat der Wirecard Tochter „Wirecard Card Solutions“ die Erlaubnis entzogen, das reguläre Geschäft weiterzubetreiben. Wirecard Card Solutions gibt für ihre Kunden Visa-Debitkarten heraus. Mehrere Krypto-Unternehmen haben davon Gebrauch gemacht, um Kunden, denen sie eine Wallet anbieten, auch zu erlauben, die Coins auf der Wallet gegen Euro zu tauschen und diese auf eine Debitkarte zu übertragen. Das ist nicht der günstigste Weg, aber vermutlich der bequemste, um Bitcoins und andere Kryptowährungen beinah in Echtzeit in eine Form zu bringen, mit der man fast überall bezahlen kann.

Da nun Wirecard Card Solutions keine Debitkarten mehr betreiben kann, fällt einigen Krypto-Unternehmen das Produkt weg. Eines davon ist TenX, ein Startup, das in einer ICO 2017 eine große Menge Geld eingesammelt hat, um eine Super-Wallet zu bilden. TenX hat nun mit den Debitkarten zum zweiten Mal Pech. Kaum hatte das Startup begonnen, die Debitkarte zu versenden, entzog Visa dem Anbieter Wavecrest die Erlaubnis, Debitkarten herauszugeben. TenX hat in der Folge lange gebraucht, um wieder eine Debitkarte anzubieten. Nun schlägt der Blitz an derselben Stelle zweimal zu. TenX benutzte Debitkarten von Wirecard Solutions.

Ein anderes prominentes Opfer ist Crypto.com. Das ist eine Art Super-Wallet, bei dem man kaufen, verkaufen, traden, Coins gegen Zinsen verleihen oder sie eben auf eine Debitkarte überspielen kann. Da die Debitkarte von Wirecard Solutions kam, stoppt Crypto.com die Auslieferung und muss die Guthaben auf Karten wieder auf die Wallets zurückbuchen. Daneben dürfte auch Cryptopay betroffen sein sowie einige andere Wallets.

Aber es bleiben noch genügend Möglichkeiten übrig. Bitwala aus Berlin beispielsweise hat aus dem Fiasko mit Wavecrest gelernt und begonnen, das Geschäft auf eine solidere Basis zu stellen. Mit der Solaris Bank hat Bitwala zusammen einen Account entwickelt, der Wallet und Bankkonto kombiniert, und für den die Bank selbst eine Debitkarte herausgibt. Ein anderer Anbieter, der weiterbesteht, wenn auch eher durch das Glück, einen anderen Kartenprovider zu nutzen, ist Trastra, ein tschechisches Startup, das eine Multicoin-Wallet mit einer Debitkarte verbindet.

Für Kunden von Bitcoin.de und der Fidor-Bank stellt sich jedoch die Frage, wozu man das überhaupt braucht. Mit Ihrem Account auf Bitcoin.demobil durch die App – können Sie in Echtzeit Kryptowährungen gegen Euro auf Ihrem Fidor-Konto wechseln. Wenn Sie dann noch eine Karte für das Konto haben, können Sie Ihre Coins in Sekunden in ein Geld tauschen, mit dem sie überall bezahlen können. Und das auch noch zu viel geringeren Gebühren als bei anderen Anbietern.

Update: Die britische Finanzaufsicht hat ihre Entscheidung anscheinend zurückgenommen, womit die Debitkarten wohl wieder in Betrieb sind.

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8 Kommentare zu Wirecard-Insolvenz zieht einige Krypto-Debitkarten mit

  1. Paul Janowitz // 29. Juni 2020 um 17:23 // Antworten

    Wer schon mal einen eigenen Merchant Account für Online Dienstleistungen aufzusetzen versucht hat, wird wissen, wie viele Hürden einem von den sogenannten Acquirern von VISA und Mastercard gestellt werden. Ich habe mich immer gewundert, wie TenX oder Crypto.com es irgendwann doch geschafft haben, aber scheinbar war man bei Wirecard genauso kreativ in der Auslegung wie bei der eigenen Buchhaltung. Ab einer gewissen Größe gibt es da ziemlich viel Spielraum (siehe praktisch alle großen Finanzhäuser), allerdings gibt es externe Wirtschaftsprüfer genau deswegen und EY hat auf ganzer Linie versagt.
    Die knapp 2 Milliarden dürften nicht „weg“ sein, sie dürften in erster Linie nie vorhanden gewesen sein und wahrscheinlich wurden hier Kundenumsätze als eigene in die Bilanzen eingeschleust.

    Was an Wirecard „Fintech“ sein soll, ist mir auch schleierhaft und ich habe den (Börsen-)Hype nie verstanden, Payment Dienstleister gibt es wie Sand am Meer, dank praktisch standardisierter APIs sind diese untereinander auch jeweils austauschbar. Wirecard hat seine Produkte nur scheinbar unter Preis verkauft, dazu alle Augen zugedrückt, um mehr Wachstum zu erreichen. Der Bilanzskandal deckt nun lediglich auf, dass es kein nachhaltiges Geschäftsmodell gab.

    Hart ist es dennoch für betroffene Anleger, gerade in Deutschland sind viele skeptisch und lassen ihr Geld lieber im Sparstrumpf als es anzulegen. Scheinbar nicht ganz falsch, auch wenn die Börse durch die Negativzinspolitik und Geldflut in den letzten Jahren geradezu eine Blase gebildet hat und ja, es gibt durchaus Parallelen zur Dotcom Blase oder der ICO-Blase bei Kryptowährungen.

  2. Wirecard hat einfach durch die Verbindungen/Käufe dutzender Firmen in vielen Ländern ein Konstrukt geschaffen, das keiner mehr durchblicken konnte. Und die BaFin offensichtlich nicht durchblicken wollte. Da musste unbedingt ein Stück deutscher „Tech“ geschaffen werden. Jetzt wird es halt aus anderen Gründen in die Geschichte eingehen. Wie so oft zeigt sich halt wieder, wie bei den Grossen Augen zugedrückt werden, während man den kleinen das Leben schwer macht.

    • Paul Janowitz // 30. Juni 2020 um 13:54 // Antworten

      So ist es, Michael. Nach dem kompletten Shutdown aller von Wirecard ausgegebenen Karten durch die Britische Finanzaufsicht, hat man nun die „Systemrelevanz“ festgestellt und hat sie wieder „unter Auflagen“ machen lassen. Too big to fail? Die Börse feiert das natürlich 😆
      Ich frag mich nur, was sie daran feiern, denn von „Tech“ ist bei Wirecard nicht viel und nichts, was Mitbewerber nicht auch könnten. Kundenbeziehungen und Vertrauen sind für einen Finanzdienstleister das Kaptial und beides bröckelt gewaltig.

  3. Der Exchange Kraken ist wohl für Deutsche die günstigste Variante um mit Coins zu handeln.
    Und für Neueinsteiger kommt leider nach wie vor Coinbase ins Spiel.

    Bitcoin.de sollte sich mit der VR Bank / Raiffeisen / Sparkasse zusammen tun und eine konservative deutsche Variante des modernen Bankings aufbauen. Da geht es um Reputation und das Vertrauen der Privatanleger die sich noch vom Bankangestellten beraten lassen, nun da die Equity Blase immer offensichtlicher wird und Anlagemöglichkeiten unattraktiv werden…
    Das wäre mal wirklich ein Standortvorteil der die ganzen Regulierungshürden in DE aufwiegen könnte 😉

    Gibts da sowas wie eine Roadmap für die Plattform ?
    Was wäre wünschenswert für die Zukunft des deutschen Bankings … ?

  4. Die Fidor Bank ist eine der schlechtesten Banken, die man sich vorstellen kann. Service? Freundlichkeit? Kundenorientierung? Fehlanzeige. Wer einmal ein kleines oder großes Problem mit der Fidor Bank hatte, wird das bestätigen können. Wenn möglich: Finger weg!

  5. Stimmt alles nicht mehr die Behörde im UK hat das Verbot heute wieder zurück gezogen.
    Hab von TenX auch eine Mail erhalten das alles wieder wie gewohnt funktioniert.

  6. Bitwala und Fidor geben beide die Daten an die BaFin weiter. Besser nicht. Ich mag advcash und ihre Karten. Echt super Support rund um die Uhr.

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