Volatilität des Bitcoin-Kurses sinkt auf niedrigsten Stand des Jahres

Der Preis von Bitcoin ist derzeit so stabil wie schon lange nicht mehr. Der Kurs bewegt sich ohne starke Ausbrüche zwischen 8.000 und 8.500 Euro, und der Volatilitäts-Index sinkt auf einen der tiefsten Werte seit Jahren. Aber was bedeutet das?

Anfang Mai ist beim Bitcoin-Kurs die Langeweile ausgebrochen. Der Preis hat sich von dem heftigen Corona-Einbruch erholt und ist wieder über die 9.000-Dollar-Marke geklettert (etwa 8.000 Euro). Seitdem nähert sich der Kurs mal nach oben der 10.000-Dollar-Schwelle an und nach unten der Marke bei 9.000 Dollar – ohne sie jedoch nachhaltig zu durchbrechen. Die meiste Zeit über bleibt der Preis irgendwo zwischen 9.000 und 9.500 Dollar.

Indizes für die Volatilität von Bitcoin

Diesen Trend versuchen mehrere Volatilitäts-Indizes zu fassen. Die Derivate-Börse BitMex beispielsweise errechnet ihren Volatilitätsindex aus der Standardabweichung minütlicher Schnappschüsse, buybitcoinworldwide.com dagegen verwendet die Preisänderung eines 30-Tages-Fensters als Grundlage, während 99Bitcoins.com eintägige Abweichungen zur Grundlage des Indexes macht. Natürlich führen die verschiedenen Methoden, den Index zu berechnen, zu verschiedenen Ergebnissen.

Volatilitätsindex für Kurs von Bitcoin

Stündlich berechneter Volatilitätsindex von BitMex

Der stündlich skalierte Volatilitätsindex von Bitmex zeigt, dass die Volatilität des Bitcoin-Kurses seit März deutlich sinkt. Derzeit beträgt sie etwa 1,7. Dies ist ein historisch relativ niedriger Wert, wie die Aggregierung der Daten auf eine wöchentliche Skalierung veranschaulicht:

Volatilitätsindex für Kurs von Bitcoin mit wöchentlicher Skalierung

Der Volatilitäts-Index von BuyBitcoins World Wide

Die Kurve sieht relativ flach aus. Aber man muss im Kopf behalten, dass bei einem solcherart kalkulierten Index schon kleine Abweichungen große Einflüsse auf die Märkte haben können. Der derzeitige Volatilitätsindex für den Bitcoin-Kurs ist tendenziell tiefer als jeder Wert im Jahr 2020, wird aber im Herbst 2019 kurz erreicht. Im Frühjahr 2019 sowie im Herbst 2018 wird er deutlich unterschritten; um weitere vergleichbare Phasen zu finden, muss man zurück ins Jahr 2016 gehen.

Ein ähnliches Bild ergibt der Volatilitäts-Index von Buybitcoins.com: Die derzeitige 30-Tages-Volatilität von 1,89 Prozent ist auch hier tiefer als jeder andere Wert 2020 und wird selbst im Jahr 2019 nur im Ansatz erreicht. Längere Phasen einer deutlich geringeren Volatilität findet man lediglich 2016 und früher.

Volatilität des Preises von Bitcoin im 30-Tage-Durchschnitt

Volatilitätsindex von 99Bitcoins.com

Etwas anderes sieht die Lage bei 99Bitcoins aus. Dem Volatilitätsindex dieser Seite zufolge war die Volatilität Anfang 2020 noch ein Stückchen geringer als heute, während sie im Frühjahr 2019 deutlich tiefer fiel und vor 2017 über sehr lange Phasen sehr viel niedriger war.

Wir haben also verschiedene Indizes mit verschiedenen Werten, die aber alle in der Tendenz dasselbe aussagen: Die Volatilität des Preises von Bitcoin ist derzeit auf einem sehr geringen Wert, der zwar nicht einzigartig ist, aber zumindest im Jahresverlauf einen Tiefstand darstellt – oder zumindest diesem sehr nahe kommt.

Sagt die Volatilität etwas über den künftigen Kursverlauf aus?

Für Trader ist das natürlich langweilig. Wenn der Kurs nicht tanzt, gibt es auch weniger Gewinne abzusahnen. Das macht sich bei allen Börsen im Handelsvolumen erkennbar. Laut den Daten von Coinmarketcap ist das Handelsvolumen für Bitcoin auf den tiefsten Stand des bisherigen Jahrs 2020 gefallen:

Handelsvolumen von Bitcoin auf allen Börsen

Die grauen Balken unter den Kurven stellen das Handelsvolumen auf allen Bitcoin-Börsen dar.

Allerdings war das Volumen im Herbst 2019 ähnlich tief, und wenn man noch etwas weiter zurückgeht, findet man für fast das gesamte Jahr 2018 deutlich tiefere Werte.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Volatilität und der künftigen Preisentwicklung? Der Index von Bitmex zeigt für Anfang November 2018 und Ende März 2019 ebenfalls sehr tiefe Werte an. Im November folgte darauf ein heftiger Einsturz, der den Tiefpunkt seit der Blase Ende 2017 markierte; Ende März 2019 begann dagegen ein Aufschwung, der den Bitcoin-Preis von diesem Tal aus auf über 10.000 Dollar katapultierte.

Auf den Charts von BuyBitcoins finden wir ebenfalls diese beiden Punkte; wenn wir weiter zurückschauen finden wir extreme Tiefpunkte im April und Oktober 2016. Bei beiden Zeitpunkten blieb der Kurs auch danach relativ stabil, wenn auch leicht ansteigend. Den Oktober 2016 könnte man allerdings als Steigbügelhalter für die Rally ansetzen, die erst 2017 vollkommen Fahrt aufnahm. Diesen Zeitmarken hat der Index von 99Bitcoins nichts hinzuzufügen.

Falls wir aus diesen Daten etwas herausspekulieren wollen, so wäre dies, dass eine fallende Volatilität des Bitcoin-Preises bisher immer von einer wieder steigenden Volatilität abgelöst wurde – und dass diese einen bereits bestehenden Trend verstärkt hat. So verlief der Kurs im November 2018 bereits leicht abschüssig, während er im März 2019 schon einen zarten Aufwärtsschwung demonstrierte; ähnlich mündeten die Phasen der geringen Volatilität im Jahr 2016 in einer Verstärkung der bereits sichtbaren Tendenz nach oben. Dies könnte schlechte Aussichten für die kommenden Wochen bedeuten.

Dagegen könnte man vermuten, dass eine sinkende Volatilität Bitcoin besser benutzbar macht. Wenn der Kurs am Tag um 2-10 Prozent schwankt, wird die native Akzeptanz von Bitcoin für Händler oft zum Glücksspiel. Wenn er dagegen weniger als ein Prozent schwankt, ebnet sich das Risiko auf ein Maß ein, das sich nicht mehr signifikant von anderen Faktoren unterscheidet, etwa von Betrug, Rückbuchungen, dem Verlust eines Pakets bei der Post oder den Gebühren von Kreditkarten. Es macht sowohl die Akzeptanz von Bitcoins als auch den Betrieb eines Bitcoin-Zahlungsdienstleisters deutlich besser kalkularbar.

Ob dies allerdings tatsächlich mit einer Zunahme von Bitcoin-Transaktionen im Handel einhergeht, ist ebenso ungewiss, wie in welche Richtung der Bitcoin-Kurs am Ende des Seitwärtsganges ausschlagen wird.

Über Christoph Bergmann (1871 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

Ein Kommentar zu Volatilität des Bitcoin-Kurses sinkt auf niedrigsten Stand des Jahres

  1. Kaum hast du es geschrieben, bricht der Preis nach oben aus. Sommerloch Ade!

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