Iran erlaubt Zahlungen mit Bitcoin – aber nur für Importe

Öl- und Gasfeld im Westen des Iran. Bild von dynamosquito via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Zentralbank des Irans möchte Bitcoin nutzen, um die Finanzsanktionen zu umgehen. Daher versucht sie die Miner des Landes zu zwingen, die geschürften Münzen für Importe zu verwenden.

Wenn das eigene Land von der Außenwelt abgeschottet ist, weil die USA Finanzsanktionen verhängt, benötigt man ein Kraftwerk, um dennoch Waren zu importieren. So sieht die Welt im 21. Jahrhundert aus.

Anfang dieser Woche hat die Regierung des Irans die bereits bestehende Regulierung von Kryptowährungen um einen vielsagenden Passus erweitert: Sie dürfen ausschließlich dafür verwendet werden, um Waren zu bezahlen, die aus dem Ausland importiert werden. Alle anderen Anwendungen – auch der Wechsel gegen ein anderes Geld – sind wohl illegal.

Um genauer zu sein: Das Kabinett hat beschlossen, dass, so die im Original englische Darstellung der Industrie- und Handelskammer des Landes: „digitales Geld in den Finanzierunsgemachnismus der Zentralbank für Importe umgeleitet wird.“ Die Miner „müssen die erzeugten Kryptowährungen direkt und im Rahmen des autorisierten Limits in die Kanäle abgeben, die von der Zentralbank eingeführt wird“, so der Bericht. Vermutlich müssen die Miner nicht direkt Importe bezahlen, sondern die Coins der Zentralbank geben, die damit Importe finanziert.

Diese Gesetzesänderung beruhte auf einem Vorschlag der Zentralbank und des Ministeriums für Energie. Im Iran ist dieses Ministerium einer der zentralen politischen Akteure zum Thema Kryptowährungen. So wird etwa das Limit der Coins, die die Miner ausgeben können, von der Höhe der subventionierten Energie abhängen, welche das Ministerium zuweist.

Dem Iran ist längst bewusst, welchen Wert Bitcoin und andere Kryptowährungen für seine Wirtschaft haben kann. Die Wirtschaftssanktionen durch die USA machen dem Land schon lange zu schaffen; auch weil selbst Länder der EU, die offiziell keine Sanktionen verhängt haben, sie de facto mittragen, da die Banken aus Furcht vor Ärger mit den USA sich weigern, Transaktionen mit Iranern durchzuführen. Von Covid wurde der Iran stärker getroffen als jedes andere Land des Mittleren Ostens, und in der Folge ist auch die Wirtschaft des Landes schwer angeschlagen – und mit ihr, wie stets, die Währung, der Rial. Der hat im vergangenen Monat ein neues Allzeittief gegen den Dollar erreicht, und selbst nach einer Erholung in der vergangenen Woche in diesem Jahr gut 50 Prozent verloren. Das macht die Finanzierung von Importen selbst dann schwierig, wenn ein Weg durch die Sanktionen gefunden ist …

Bitcoin ist in der Beziehung eine doppelte Chance. Denn wenn es eines gibt, das der Iran im Überfluss hat, dann ist es Energie. Das Land hat gigantische Gas- und Ölvorräte und auch die Technologie, um diese zu heben. Es hat nur Probleme, diese Rohstoffe zu exportieren oder anderweitig in sinnvolle Wirtschaftskreisläufe einzuspeisen. Eine Kryptowährung, die erzeugt wird, indem man Strom verbrennt, und die man nutzen kann, um Sanktionen zu umgehen, scheint in dieser Situation ein doppeltes Geschenk.

Die Regierung versucht vor allem in diesem Jahr, diese Chance energisch am Schopf zu packen: Im Mai hat Präsident Hassan Ruhani nach einer Kryptowährungs-Mining-Strategie gerufen; das Ministerium für Energie, das Ministerium für Finanzen sowie die Zentralbank sollten eine solche Strategie entwickeln, welche Miner begrüßt. Im Juli hat der Iran 14 Mining-Farmen genehmigt, die in Spitzenzeiten einen bis zu 50-prozentigen Rabatt auf die ohnehin günstigen Strompreise im Iran erhalten. Kurz darauf hat die Regierung es Kraftwerken offiziell erlaubt, nach Kryptowährungen zu schürfen. Im September erhielten drei Mining-Farmen einen exklusiven Zugang zur überschüssigen Energie von einem großen Wasserkraftwerk.

Nachdem sich der Iran so also eine Basis im Mining aufgebaut hat, geht er nun den nächsten Schritt zur gelenkten Krypto-Ökonomie: Die Miner werden gezwungen, die geschürften Coins nicht einfach zu verkaufen, sondern in den Import von Gütern zu lenken.

Ob der Regierung bewusst ist, dass die Zensurresistenz von Bitcoin, die für sie so interessant ist, es auch für sie schwierig macht, die Zahlungsströme zu kontrollieren?

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3 Kommentare zu Iran erlaubt Zahlungen mit Bitcoin – aber nur für Importe

  1. fossile Energieträger verfeuern ist ja nicht so schön.

    aber wäre interessant zu sehen was es für Auswirkungen hätte, wenn die ein paar Quadrat-km nutzloser Wüste mit Solarzellen zustellen würden und eine gewisse hashpower entsprechend dem Sonnenstand im Iran am Start wäre. Vielleicht müsste Chile dann in der Atacama-Wüste auch so was bauen, als Schwingungsdämpfer.

  2. Je nach Information finde ich für den IRAN einen Anteil an der Hashrate zwischen 2 und 4%.
    bei unserer bekannten Blockzeit von 10 Minuten und 6,25 Bitcoin pro Block bleibt bei ca. 13.000 $ pro Coin ja nicht allzuviel hängen wenn man das mal mit der Höhe von Internationalen Importen und Exporten in Relation setzt…

    Komischer Move…

  3. Paul Janowitz // 3. November 2020 um 9:20 // Antworten

    Natürlich sind zensurresistente Kryptowährungen prädestiniert dafür, internationale Handelssanktionen zu umgehen, aber da gibt es leider noch ein paar Hürden…
    1. Die Handelssanktionen könnten verhindern, dass Iran überhaupt an Mining Hardware kommt (bin mir nicht sicher wie die Beziehungen mit China aktuell sind), daher wären CPU/GPU minebare Coins wahrscheinlich die einfachere Methode, da die Hardware deutlich besser verfügbar sein dürfte.
    2. Fossile Energie dürfte Iran im Überfluss haben (auch weil sie die kaum loswerden), ob diese aber auch ohne ausländische Ausstattung / Turbinen und Co. so einfach in Elektrizität umwandelbar ist, ist fraglich. Wahrscheinlich machbar, aber mit entsprechenden Verlusten, weil es auf dem Weltmarkt spezialisierte Anbieter gibt, die die Effizienz einzelner Komponenten praktisch ausgeschöpft haben.
    3. Die transparente Bitcoin Blockchain, die jede Transaktion nachverfolgbar macht und bereits etliche Blacklisten in den USA existieren, an die sich deren Unternehmen halten müssen, auch „Partner“ der USA dürften davon betroffen sein. Samourai, Wassabi & Co. dürften für internationale Transaktionen schlichtweg eine viel zu geringe Liquidität aufweisen, obwohl deren Gebühren die eine private Nutzung praktisch ausschließen hier zweitrangig wären. Monero dürfte auch noch zu wenig Liquidität bieten, um einen internationalen Handel abzuwickeln, es sei denn man bleibt im Ökosystem und wechselt nicht ständig in Fiat…

    Ich bin kein Fan der Sanktionen gegen Iran und ein Befürworter möglichst freien Welthandels ohne Subventionen, Zölle und Sanktionen, insbesondere deswegen, weil es meiner Ansicht den Menschen im Iran vergleichsweise gut geht und von Iran kaum Aggressionen gegen andere Staaten sichtbar sind. Die Weltpolizei USA ist da ein ganz anderes Kaliber alleine schon mit dem von ihnen dominierten Swift System, das sie beliebig zensieren können und Kryptowährungen nützen dagegen leider auch nur wenig, wenn Geheimdienste mittels Satelliten und Drohnen alle Grenzbewegungen überwachen. Der größte Teil des Außenhandels dürfte weiterhin mit USD abgewickelt werden, wahrscheinlich über Strohfirmen gedeckt durch die Deutsche Bank (sic!). Wahrscheinlich ist das auch effizienter und anonymer als zu befürchten, dass man von US-Sanktionen getroffen wird, weil der Geschäftspartner seine Bitcoins, die er mir überweist vorher von einer sanktionierten Adresse erhalten hat. Die Banken dagegen sind Experten der Vertuschung und wenn diese irgendwann auffliegt, zahlen sie einen Obolus und geloben Besserung.

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