Chinesische Regierung friert Bankkonten der Miner ein – ist das der wahre Grund für die Rally?

Polizist in Shanghai. Bild von Konrad Lembcke via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Wieder einmal geht die chinesische Regierung entschieden gegen die Kryptowirtschaft vor. Viele Miner haben Probleme, die geschürften Kryptowährungen zu verkaufen, was zu einer Verknappung des Angebots neuer Coins führt. Aber spielt das tatsächlich eine große Rolle?

Während Bitcoin kurz vor einem neuen Allzeithoch steht, fehlt vielen chinesischen Minern das Geld, um ihre Stromrechnung zu bezahlen.

Denn die Stromanbieter akzeptieren nur Yuan – und es wird für die Miner zunehmend schwieriger, die geschürften Kryptowährungen gegen Yuan zu wechseln. Dieses Leid der Miner, folgern die ersten Berichte, ist die wahre Ursache der Freude der Investoren: die Verknappung von neuen Coins, die auf Börsen fließt, treibt die Rally an.

Die wichtigste Quelle, auf die sich die meisten Medien beziehen, ist eine Umfrage von Collin Wu, einem chinesischen Beobachter der Kryptomärkte. Er hat eine Umfrage unter den Minern gemacht, und von den Befragten hätten 74 Prozent gesagt, sie hätten Probleme mit der Stromrechnung. Der Grund ist, dass derzeit eine neue „Welle der eingefrorenen Karten“ über die chinesische Kryptobranche fegt.

Da der börsliche Handel mit Kryptowährungen in China bereits seit 2017 verboten ist, sind die meisten Miner auf sogenannte „Over the Counter“ (OTC) Deals angewiesen, um Kryptowährungen gegen Yuan zu wechseln. OTC meint den außerbörslichen Handel, der zwar durchaus von einer Börse gemanagt werden kann, aber nicht im Orderbuch auftaucht.

Nun geht jedoch die Regierung offenbar erneut strenger gegen Geldwäsche und Betrug im Finanzwesen im allgemeinen und im Kryptoraum im Speziellen vor. In diesem Zuge richtet sie ihre Aufmerksamkeit auch besonders gegen OTC-Desks, also Büros, die den außerbörslichen Handel organisieren, da diese oft eine Rolle in der Geldwäsche spielen. OTC-Händlern werden die Kreditkarten gesperrt, was Miner einerseits direkt betrifft, andererseits indirekt, da viele Trader aus Furcht vor dem Verlust der Kreditkarten die Märkte meiden. Dementsprechend sind die Bitcoin-Preise auf den chinesischen OTC-Märkten auch 1-3 Prozent günstiger.

Dies hat natürlich Folgen für den Preis. „Der Mangel des Angebots hat den Trend dieser Rally extrem gut gefüttert,“ schreibt die Handelsfirma QCP Capital aus Singapur laut Coindesk in ihrem Telegram-Channel, „wir sehen keine der typischen großen Verkäufe der Miner in der jüngeren Vergangenheit.“ Die Pools hätte noch Anfang September große Mengen an Coins verkauft. Doch nachdem die Regierung Börsen-Chefs wie Star Xu von OKEx und Anfang November auch noch mutmaßlich den CEO von Huobi festgenommen hatte, trockneten auch die letzten großen Handelsplattformen aus, weshalb die Verkäufe einsickerten.

Der ehemalige Manager von F2Pool, Thomas Heller, der nun die-Firma HASHR8 leitet, bestätigt dies: Es sei eine Herausforderung für die chinesischen Miner, Bitcoin und Tether-Dollar in Yuan zu wechseln.

Wenn diejenigen, die frische Bitcoins auf den Markt werfen, weniger Möglichkeiten haben, die Coins zu verkaufen, dann schwindet logischerweise das Angebot auf den Börsen – und sofern die Nachfrage gleich bleibt, steigt der Preis. Das ist das kleine Einmaleins der Ökonomie. Faszinierender ist aber, wie sehr diese Kernmechanismus der Märkte für Bitcoin arbeitet: Je stärker eine große Volkswirtschaft wie China gegen Bitcoin vorgeht, desto mächtiger wird Bitcoin.

Das Problem der Miner mit der Regierung ist nicht ganz neu. Die Obrigkeit in China geht schon seit langem mit wankelmütiger Strenge gegen die Krypto-Ökonomie vor. In diesem Jahr scheint sie aber aggressiver denn je zu sein, erklärt Heller dem Magazin CryptoBriefing: Es hätte schon immer Zeiten gegeben, in denen Banken aus Gründen von Geldwäscheangelegenheiten kritisch auf Bitcoin-Transaktionen schauten. „Doch in den letzten vier bis sechs Monaten häuft es sich.“

Es scheint seit Juni eine Welle von Einfrierungen von Bankkonten und Kreditkarten über die Branche zu rollen. Ausgelöst wurde sie wohl durch einen Vorfall in Dongguan, wo ein OTC-Händler in kriminelle Machenschaften verwickelt war. Der Händler hatte enge Verbindungen zu einigen Minern, wodurch diese in die Affäre hineingezogen wurden. Insgesamt wurden wohl rund 4000 Bankkonten eingezogen, auf denen rund 300 Millionen Yuan lagen. Von Dongguan aus schlug der Fall weite Kreise, die immer mehr Miner und Unternehmen hineinzogen.

Laut Wu haben manche Miner bereits ihre Schmerzgrenze erreicht und die Mining-Maschinen heruntergefahren. Ebenso haben einige OTC-Unternehmen, die sich auf den Verkauf der Coins von Minern spezialisiert haben, ihr Geschäft geschlossen.

Allerdings sollte man die Effekte auch nicht überschätzen. Jiang Zhouer von BTC.top erklärt Forkast.News, dass der Druck auf die Bankkonten vor allem kleine und mittlere Miner betreffe. „Manche Miner haben derzeit Schwierigkeiten, ihren Betrieb zu finanzieren, weil ihre Bankkonten eingefroren sind, das stimmt.“ Große Miner hätten aber viel zuverlässigere Handelsverbindungen und seien daher kaum betroffen. „Wir bewahren große Summen Geld nicht in Bankkonten auf. Kleine Beträge, um etwa Mining-Geräte zu kaufen, aber diese bleiben nicht lange auf dem Konto, in der Regel nur einen Tag.“

Auch scheint sich das strenge Vorgehen der Regierung nicht direkt gegen Kryptounternehmen an sich zu richten, sondern gegen Geldwäsche und Betrug, vor allem Online-Betrug, der die OTC-Büros nutzt, um die Einnahmen zu waschen.

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4 Kommentare zu Chinesische Regierung friert Bankkonten der Miner ein – ist das der wahre Grund für die Rally?

  1. Kurz zusammengefasst: Der Christoph hat mit seinem Artikel mal wieder eine ordentliche Kurskorrektur ausgelöst 😀

  2. Welche Rally? 😉

  3. Ich sehe den Effekt nicht so gravierend.
    Die gesperrten konten betreffen Yuan und die BTC sind bereits im Markt. Die Miner die die laufenden Kosten nicht bezahlen können und die Geräte vom Netz nehmen fallen aus der Hashrate. Dafür bekommen andere Miner den Reward der über Börsen oder OTC an den Markt fliesst. Da nur die 2. bzw. 3. Liga in China betroffen ist dürfte die „Verknappung“ insgesamt kaum über 5% des täglichen Miningrewards gelegen haben.
    Ich bezweifle das das für den massiven Kursanstieg so relevant gewesen ist, zumal die fehlenden Coins sicher locker aus den Reserven der Pools hätten ausgeglichen werden können.

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