JP. Morgan-Umfrage: 7 Prozent aller institutionellen Investoren erwarten, dass Kryptowährungen zu den wichtigsten Investmentprodukten gehören wird

JP Morgan Gebäude in London. Bild von Gideon Benari via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Vor kurzem hat die US-Großbank JPMorgan 3400 institutionelle Investoren nach ihrem Interesse an Kryptowährungen gefragt. Die meisten bekunden ein eher verhaltenes Interesse. Für den Bitcoin-Preis könnte das jedoch eine sehr positive Nachricht sein.

Wie Business Insider berichtet, hat die Großbank JPMorgan vor kurzem 3400 institutionelle Investoren von 1500 Institutionen nach ihrer Haltung zu Kryptowährungen befragt. Unter diesen sagten 78 Prozent, dass sie nicht vorhaben, Kryptowährungen zu kaufen. Aber zugleich äußerten 58 Prozent, dass Kryptowährungen „hier sind um zu bleiben“.

Andersherum zeigt die Umfrage der größten Bank der USA jedoch auch, dass 22 Prozent der befragten Investoren meinten, es sei „wahrscheinlich“, dass ihre Firma in Zukunft in Kryptowährungen investieren werde oder dies bereits getan habe. 11 Prozent der institutionellen Investoren erklärte, ihr Unternehmen handele bereits mit Kryptowährungen. Zahlreiche Institutionen werden also „wahrscheinlich“ noch investieren, und noch viel mehr haben es derzeit nicht vor, könnten ihre Meinung aber in Zukunft ändern. Bitcoin hat zwar die Türen zur Wall Street geöffnet, doch es ist noch ein weiter Weg, bis die Kryptowährung wirklich bei der Mehrheit der Investoren ankommt.

Bei rund 14 Prozent der Investoren dürfte noch einiges an Überzeugungsarbeit notwendig sein. Sie antworteten auf die Frage nach der Meinung zu Krypto damit, es sei „vermutlich Rattengift im Quadrat“, also etwas, um das man mit seinem Geld besser einen weiten Bogen macht. Weitere 21 Prozent halten Krypto für eine temporäre Modeerscheinung. Den Rest teilen sich die 58 Prozent, die meinen, Krypto sei ein beständiges Phänomen („hier um zu bleiben“) mit 7 Prozent, die annehmen, Krypto werde in Zukunft „zu den wichtigsten Assets gehören.“ Sehr weit einig waren sich die Befragten aber, als 98 von ihnen erklärten, dass Betrug ihrer Ansicht nach in der Krypto-Welt zu weit verbreitet sei.

Insgesamt zeigt die Umfrage unter den institutionellen Investoren eine weit verbreitete Zurückhaltung, wenn es um Bitcoin und andere Kryptowährungen geht: Der Großteil will nicht, nur ein kleiner Teil hat bereits. Doch wenn 22 Prozent bereits in Krypto investiert haben oder dies noch tun werden, zeigt dies auch ein explosionsartig gestiegenes Interesse. Solche Anteile wären vor fünf Jahren – ja, auch noch vor drei – undenkbar gewesen. Das Interesse wächst, und es gibt wenig Gründe, anzunehmen, dass es dies nicht auch weiterhin tun wird. Dafür wird vermutlich schon allein der demographische Faktor sorgen, wenn ältere Investoren in Rente gehen und jüngere nachrücken.

Dass darüber hinaus sieben Prozent der Investoren voll an Krypto glauben und meinen, Kryptowährungen werden in Zukunft zu den wichtigsten Assets überhaupt gehören, ist schon geradezu phänomenal. Es zeigt, dass die „Bitcoin-Story“ auch bei den institutionellen Investoren ankommen kann. Die Kombination aus steigendem Interesse, hinter dem oft auch Leidenschaft steht, mit einer noch geringen Verbreitung in den Portfolios – das kann man durchaus als äußerst positive Nachricht für den Kurs von Bitcoin und anderen Kryptowährungen ansehen.

Von JPMorgan selbst kommen derweil gehäuft gemischte Signale. Am 12. Februar berichtet CNBC, dass der Kopräsident der Bank, Daniel Pinto, sagte, die Bank werde Bitcoin anbieten, wenn eine kritische Masse der Kunden dies wolle. Derzeit sei die Nachfrage noch nicht da, so Pinto, „aber ich bin sicher, sie wird ab einem gewissen Punkt da sein.“ Eine Woche später rudert die Bank aber wieder zurück, indem Analysten der Presseagentur Reuters mitteilen, dass der Bitcoin-Preis „weit über dem angemessenen Wert“ liege. Mit der Verbreitung im Mainstream erhöhe sich die Korrelation von Bitcoin mit anderen zyklischen Assets, was die Vorteile reduziere, die Kryptowährung ins Portfolio aufzunehmen. „Krypto-Assets sind eines der schlechtesten Hedges gegen Einbrüche in Wertobjekten.“ Ökonomisch sei Bitcoin weiterhin eine Nische, während im Bereich von Zahlungsplattformen und Fintech-Plattformen eine echte finanzielle Transformation stattfände. Eine weitere Woche später schlägt JPMorgan jedoch wieder eine vollkommen andere Richtung ein, als Analysten der Bank Investoren empfahlen, etwa 1 Prozent des Portfolios in Bitcoin zu halten, „um eine höhere Effizienz bei der risikobereinigten Gesamtperformance zu erreichen.“

Die Großbank zögert also selbst, und vermutlich sind Analysten mit Analysten und Manager mit Managern uneins, wie sie mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen umgehen sollen. Diese Uneinigkeit dürfte in zahlreichen Finanzinstitutionen bestehen und diese oft genug davon abhalten, Kryptowährungen ins Portfolio aufzunehmen. Derzeit dominiert noch die Neigung, auf Kryptowährungen zu verzichten, wie die Umfrage von JPMorgan zeigt. Aber diese Neigung baut ab, und eventuell hat Bitcoin bereits eine kritische Masse erreicht, um eine weitere Abnahme der Ablehnung unvermeidbar zu machen.

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Ein Kommentar zu JP. Morgan-Umfrage: 7 Prozent aller institutionellen Investoren erwarten, dass Kryptowährungen zu den wichtigsten Investmentprodukten gehören wird

  1. Ich vermute der Artikel und das Interesse an der Haltung von JP.Morgan zu Bitcoin hat einen Hintergrund. Mich würde interessieren wie Jamie „Always Wrong“ Dimon inzwischen zu Bitcoin und Cryptowährungen im Allgemeinen steht. Hier ein Auszug aus meinem Ordner „Zeitzeugen“

    https://bitsonline.com/jpmorgan-buys-dip/

    Auszug/Quote: „Days after JPMorgan Chase & Co. CEO Jamie Dimon labeled Bitcoin a “fraud” and threatened to fire any employees caught trading cryptocurrency,…“

    Schön, dass der Artikel noch im Internet abrufbar ist.

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