Uniswap stellt v3 vor, während Pancakeswap immer weiter aufholt

Screenshot aus dem Video für das v3-Update von Uniswap.

Uniswap, die wichtigste dezentrale Börse, stellt ein großes Update des unterliegenden Smart Contracts vor. Ob das hilft, wieder Vorsprung vor der Konkurrenz Pancakeswap zu gewinnen, die von den geringeren Gebühren auf der BSC-Blockchain profitiert?

UniSwap ist weiterhin der Goldstandard der dezentralen Börsen (DEX). Auf der Börse, die im Kern nur ein Smart Contract auf der Ethereum-Blockchain ist, kann man zahlreiche Token, die auf Ethereum laufen, tauschen, beispielsweise Ether (ETH), tokenisierte Bitcoins (WBTC), Tether-Dollar (USDC), Dai-Dollar (DAI) oder Center-Dollar (USDC).

Eine Anmeldung ist weder nötig noch möglich, man braucht lediglich eine Wallet. Besonders attraktiv ist Uniswap, wenn man nicht nur tauscht, sondern auch Liquidität bereitstellt. Auf diese Weise kann man verschiedene Tokenpaare verzinsen, da man an den Handelsgebühren verdient.

Mit diesem Konzept stieg Uniswap vom Prototypen im November 2018 zu einer Wechselstube auf, die seit Mai 2020 ein Handelsvolumen von mehr als 135 Milliarden Dollar sah – und damit eine der größten Krypto-Börsen überhaupt wurde. „Uniswap dient nun als essenzielle Infrastruktur für dezentrale Finanzen“, bilanzieren die Entwickler den sagenhaften Aufstieg auf dem Blog.

Vor allem aber kündigen sie Uniswap V3 an – die dritte Version des Smart Contracts. Dieser soll am 5. Mai 2021 auf dem Ethereum-Mainnet live gehen. Kurz darauf plant Uniswap – und das ist vielleicht das wichtigste Upgrade – den Start auf einer Layer-2: auf Optimism.

Kaum etwas verdeutlicht die Hoffnungen, die auf Uniswap liegen, so sehr, wie die kleine Geschichte des Artworks des Videos, das Uniswap für das Update produzieren ließ – es wird als NFT derzeit versteigert, und das höchste Gebot hat bereits 310 Ether erreicht. Das ist mehr als eine halbe Million Dollar.

Aber bevor wir näher zu all dem kommen, stellen wir die Neuigkeiten von V3 vor. Ihr müsst euch also durch ein kleines Tal der technischen Details kämpfen.

Die Konzentration von Liquidität

Das wichtigste Upgrade betrifft die Konzentration von Liquidität. Das Thema ist tatsächlich nicht ganz einfach.

Bei Uniswap kann jeder User an Handelsgebühren verdienen, indem er Token-Paare als Liquidität bereitstellt. Derzeit geschieht dies extrem ineffizient: Die Liquidität wird, erklären die Entwickler, ebenmäßig entlang der Preis-Kurve x*y=k verteilt, um damit jeden möglichen Preis zwischen 0 und unendlich abzudecken.

In der Praxis sieht das so aus: Wenn jemand etwa Liquidität für das Stablecoin-Paar DAI/USDC bereitstellt, landen nur 0,5 Prozent in der Preisspanne zwischen 0,99 und 1,01 Dollar – obwohl genau dort das allergrößte Volumen entsteht. Der größte Teil des Kapitals schläft also vor sich hin, und nur ein kleiner Teil erwirtschaftet Erträge.

Uniswap v3 soll es erlauben, den Preisbereich der Liquidität anzupassen. Man könnte etwa bestimmen, dass man nur Liquidität für die Spanne 0,97-1,03 Dollar zur Verfügung stellt. Dadurch könnte man entweder die Einnahmen steigern – da viel mehr Handel in dieser Preisspanne stattfindet – oder die Menge der eingesetzten Token und damit das Risiko reduzieren.

Dies wird es Liquiditätsprovidern ermöglichen, kündet Uniswap an, ihr Kapital 4000x effizienter zu verleihen als bisher, und dadurch ihre Erträge deutlich zu verbessern – während Trader in den relevanten Preisfenstern zugleich mehr Liquidität genießen.

NFTs und Oracles

Wer Liquidität bereitstellt, erhält dafür Token – die LP-Token. Bisher sind dies ERC20-Token für jedes Währungspaar. Da die Token sich nun nicht mehr nur durch das Währungspaar, sondern auch durch die reservierte Preisspanne unterscheiden, sind sie nicht länger fungibel – und passen nicht mehr ins ERC20-Format. Stattdessen werden sie als nichtfungibles Token (NFT) ausgeschüttet.

Allerdings ist es möglich, gebräuchliche Positionen als ERC20-Token wieder fungibel machen. Die Uniswap-Entwickler erwarten, dass eine Vielzahl an Handelsstrategien tokenisiert werden, was sich auf die Preisspanne beziehen kann, aber auch auf die Reinvestition von Erträgen oder die Kombination von Paaren.

Die dritte große Verbesserung von v3 sind die Oracles. Oracles sind die Quellen, die Informationen auf die Blockchain bringen. Da Uniswap ein onchain-Marktplatz ist, ist es die perfekte Quelle, um Informationen über Preise ins DeFi-Ökosystem zu bringen. Mit v2 hat Uniswap Oracles mit gewichteten Durchschnittspreisen (TWAP) eingeführt, welche in Dutzenden anderen Projekten, etwa Compound und Reflexer, integriert wurden.

Mit v3 werden die Oracles noch etwas feiner, was es, so das Blog, „möglich macht, vergangene TWAPs der letzten 9 Tage mit einem einfachen onchain-Call abzurufen.“

Unter Druck

Aber all das ist womöglich eher schmückendes Beiwerk. Denn Uniswap leidet mehr und mehr unter den hohen Gebühren auf der Ethereum-Blockchain. Schon seit geraumer Zeit ist es meist schmerzhaft teuer, über die Plattform zu wechseln oder Liquidität ein- oder auszuzahlen, und in Momenten, in denen die Blockchain besonders voll ist, wird es für normale Nutzer fast unmöglich. Die Gebühren fressen die Erträge auf; das System versteinert.

Da die Ethereum-Entwickler sich sträuben, das Gaslimit zu erhöhen, gibt es vorerst keine direkte Aussicht auf eine Linderung der Problematik. Dies ruft natürlich die Konkurrenz auf den Plan, was sich im Kurs von sogenannten „Ethereum-Killern“ wiederspiegelt, der im Lauf der vergangenen Monate extrem angestiegen ist.

Während der gehypte angebliche Ethereum-Killer Cardano (ADA) weiterhin keine Smart Contracts hat und Polkadot (DOT) weiterhin vielversprechend, aber experimentell bleibt, trumpft die Binance Smart Chain (BSC) mehr und mehr auf. Die Maxime ist hier, alles zu kopieren, was auf Ethereum gut lief. So gibt es mit Pancakeswap einen Klon von Uniswap mit Anleihen von Sushiswap. Wer schon einmal die dezentralen Börsen auf Ethereum benutzt hat, wird sich auf Pancakeswap in Minuten heimisch fühlen.

Die nahezu identische Nutzererfahrung in Verein mit extrem günstigen Gebühren macht Pancakeswap so attraktiv, dass sowohl die Liquidität als auch das Handelsvolumen massiv gestiegen sind.

DappRadar zeigt heute für Uniswap ein Handelsvolumen von 854 Millionen Dollar an, für Sushiswap 653 Millionen und für Pancakeswap 592 Millionen. Damit spielt die Wechselstube auf BSC schon mal in derselben Liga wie die beiden großen DEXes auf Ethereum. Im 7-Tage-Volumen lässt Pancakeswap mit 5,38 Milliarden Dollar Sushiswap (mit 2,84 Milliarden) weit hinter sich und ist Uniswap mit 6,26 Milliarden Dollar dicht auf den Fersen.

Der Vorsprung, den Uniswap gegenüber der Konkurrenz auf der BSC-Blockchain hat, schmilzt sichtbar dahin. Und sollte sich nichts ändern, droht der Trend, sich fortzusetzen – womit ein Flippening von Ethereum zu BSC drohen würde.

Optimistische Rollups

Damit wären wir bei dem Feature angekommen, das bei v3 von Uniswap vermutlich am wichtigsten ist: Die Integration einer Layer-2 durch Optimism.

Optimism ist laut Selbtsbeschreibung „der neue Skalierungs-Stack für Ethereum.“ Optimism nutzt die derzeit beliebteste Skalierungs-Lösung für Ethereum: sogenannte „Rollups“. Wie diese genau funktionieren, erklärt Christoph Jentzsch im Interview.

Kurz gesagt erlauben Rollups es einem Server, Ethereum-Transaktionen in Echtzeit abzuwickeln, ohne dass er die Möglichkeit hat, die User zu betrügen. Anstatt dass die vollen Transaktionen auf der Blockchain landen, treffen dort nur deren Ergebnisse ein. Dies spart enorm viel Platz.

Das Problem mit den Rollups ist aber die fehlende Interoperabilität: Es ist nicht möglich, Token direkt von einem Rollup ins nächste zu transferieren. Jedes Rollup ist ein eigenes geschlossenes System. Es gibt zwar Ideen, wie man Brücken zwischen diesen schaffen kann, derzeit begrenzt dies die Technologie aber noch auf fundamentale Weise.

Daher haben selbst die erfolgreichsten L2-Dexes, etwa Quickswap, lediglich ein Tagesvolumen von gut 20 Millionen Dollar erreicht. Das ist bemerkenswert, aber nur ein Hauch von dem, was auf Pancakeswap passiert. Die User zeigen sehr deutlich, was sie wollen.

Aber vielleicht kann das Gewicht von Uniswap mit der v3 das ändern.

Über Christoph Bergmann (2005 Beiträge)
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Ein Kommentar zu Uniswap stellt v3 vor, während Pancakeswap immer weiter aufholt

  1. Momentan sind deine Token auf Uniswap quasi eingefroren, denn es ist irrwitzig teuer diese zu bewegen…. Es wird Zeit, das hier was passiert.

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